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Veröffentlicht am 11.06.2025

Fesselnd und nachhallend

Laurentius' Wunder
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Giuliano muss bereits früh schwere Traumata erleiden: Seine Mutter verschwindet spurlos, in der Schule wird er gemobbt und in der ungeliebten Ausbildung, zu der er von dem empathielosen Vater und der selbstsüchtigen ...

Giuliano muss bereits früh schwere Traumata erleiden: Seine Mutter verschwindet spurlos, in der Schule wird er gemobbt und in der ungeliebten Ausbildung, zu der er von dem empathielosen Vater und der selbstsüchtigen Stiefmutter gezwungen wird, erlebt er Missbrauch durch seinen Ausbilder. Als er Zuflucht als Bruder Laurentius im Kloster Assisi findet, machen ihm Intrigen eines Mitbruders zu schaffen, doch schließlich erlebt er ein Wunder: DIe Auferstehung des Heiligen Franziskus, der offenbar wirken soll, um die Welt zu retten. Laurentius Wunsch, dieses Wunder in die Welt zu tragen, bringt ihm allerdings die Zwangseinweisung in die Psychiatrie, doch er lässt nicht davon ab, seiner Berufung zu folgen....

Die süddeutsche Schriftstellerin Irene Matt legt mit "Laurentius' Wunder" bereits ihren sechsten Roman vor, der tief unter die Haut geht und dem man anmerkt, dass Matt weiß, worüber sie schreibt.

Auf keinen Fall sollte man sich von dem Titelbild des Mönches, der Nennung des Klosterlebens und des Kernthemas eines Wunders von der Lektüre abhalten lassen - dieses Buch ist auch bzw. gerade für Nicht-Gläubige geeignet und es ist alles andere als ein kitschiger Roman über großartige, die Welt verändernde Wunder oder gar die Selig- und Heiligsprechungen der Kirche in dieses Fällen.

Die Autorin nimmt ihre LeserInnen mit nach Italien; in die Stadt Assisi, das Franziskanerkloster, nach Rom, in den Vatikan und hinaus in die Welt, ja. sogar in die Psychiatrie - und bereits das Setting hat eine gewisse Rolle inne.

Der flüssige Schreibstil, die tiefen Emotionen und der angenehme Spannungsbogen zogen mich in ihren Bann, zusammen mit der Frage, ob die Erscheinung des Heiligen Franziskus' in der Basilika nun einfach nur "Laurentius' persönliches Wunder" ist oder tatsächlich ein objektives Wunder sein könnte. Im eigentlich offenen Ende löst die Autorin jedoch das zentrale Rätsel auf und lässt keine Fragen zurück.

Für mich überraschend war die Tatsache, dass Laurentius ein Wunder verspürte, das aber gerade von seinen Mitbrüdern abgetan wurde und diese ihn schließlich zwangseinweisen ließen, denn Wunder finden sich doch gerade im Zusammenhang mit christlichem Leben. DIeses Spannungsfeld vergrößerte sich sogar noch in den Schilderungen, wie eine Abteilung von Kirchendienern in Rom damit beschöftigt ist, angebliche Wunder zu überprüfen und dabei stets zu der Erkenntnis kommt, dass Wichtigtuerei oder ähnliches die Menschen dazu animiert, solche zu erfinden und damit auch Laurentius klar in diese Ecke positioniert.

Bemerkenswert ist dabei, wie viele gesellschaftliche Themen Irene Matt in die Handlung einbringt, die berühren und nachdenklich stimmen, ohne den Roman zu überladen; von der Zerstörung der Umwelt bis hin zur Corona-Pandemie finden sich zahlreiche Angelegenheiten. Die Handlung ist absolut glaubhaft und wirkt umso eindringlicher. Dabei gefielen mir besonders die Eindrücke aus der Psychiatrie mit einem Wechselbad an Gefühlen. Die Schilderung von psychisch auffälligen Patienten, mitfühlenden Psychologinnen und medikamentenhörigen unempathischen Ärzten sind wohl eher Tatsache als billige Klischees.

Vor allem besticht dieser Roman aber durch die großartige und feine Ausarbeitung der Figur des Giulianos/Laurentius, die psychologisch absolut stimmig ist. Dieser doch eher Anti-Held voller Zweifel, Ängste und Fehler, geprägt durch sein Umfeld und seine meist negativen Erfahrungen, bleibt zutiefst menschlich und entwickelt sich im Laufe der Handlung, ohne jedoch seinen Glauben aufzugeben. Gerade diese Positivität, die Hoffnung und die innere Stärke sowie sein Mut haben mich sehr beeindruckt, wenngleich mich seine seine nahezu an Bessenheit heranreichende Sturheit davon abgehalten haben, ihn wirklich zu mögen.

"Laurentius Wunder" ist wieder ein Roman von Irene Matt, der fesselt und noch lange nachhallt, absolut empfehlenswert für alle Leser
Innen, die abseits des Mainstreams an tiefsinniger Unterhaltung Spaß haben, die zum Nachdenken und Diskutieren anregt.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Vom italienischen Widerstand und den Militärinternierten

Zypressensommer
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1989. Der italienische Großvater von Julia Matthiesen hat über seine Vergangenheit und seine italienische Familie immer geschwiegen. Mit seinem Tod erbt Julia neben seinem Vermögen auch einen ominösen ...

1989. Der italienische Großvater von Julia Matthiesen hat über seine Vergangenheit und seine italienische Familie immer geschwiegen. Mit seinem Tod erbt Julia neben seinem Vermögen auch einen ominösen Zettel, mit dem sie sich auf die Reise nach Lucignano in der Toskana macht, um die Rätsel zu entschlüsseln. Hier hilft ihr der attraktive Matteo Conti bei der Spurensuche, die in die 1940er Jahre zurückführt, in die Zeit der «Resistenza» in Italien und der italienischen Militärinternierten in Deutschland ....

Teresa Simon ist das Pseudonym der promovierten Historikerin und Bestseller-Autorin Brigitte Riebe, die sich wieder einmal von den historischen Ereignissen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und den malerischen Orten in der Toskana hat inspirieren lassen.

Die Autorin hat gut recherchiert und ich habe gestaunt, wie wenig ich doch vom italienischen Widerstand, der Resistenza, und über die italienischen Militärinternierten (IMIs) wusste, die von der Wehrmacht nach dem Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten im September 1943 gefangen genommen und nach Deutschland deportiert wurden und unter schlimmsten Bedingungen als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden.

Geschickt verwebt Teresa Simon zwei Zeitstränge zu einer spannenden und höchst emotionalen Handlung, die mich absolut zu fesseln vermochte. Tief tauchte ich in die weltpolitischen Verbrechen genauso ein wie in die persönlichen Feindseligkeiten rund um die Familie Conti. Flüssig und anschaulich schreibt Simon und ließ mich atemlos Seite um Seite umblättern.

DIe Figuren sind authentisch gezeichnet und ich sah jeden deutlich beim Lesen vor mir. Auch, wenn ich nicht jede Handlung genauso ausgrführt hätte, war doch alles stimmig und nachvollziehbar beschrieben. Besonders gut gefällt mir, dass die Handlung in Gegenwart und Vergangenheit, in Hamburg und Lucignano von starken Frauen getragen wird.

DIe ein wenig kitschige Liebesgeschichte zwischen Julia und Matteo hätte es für meinen GEschmack nicht gebraucht; allerdings steht diese auch im wohltuenden Gegensatz zu den schrecklichen Ereignissen in der Vergangenheit.

Die Toskana als Sehnsuchtsland vieler Menschen und der Olivenanbau waren wunderbar in die Handlung eingebettet.

Ein gelungenes Nachwort und einige feine toskanische Rezepte zum Ausprobieren runden das Buch ab.

Teresa Simon zeigt ihren LeserInnen wieder einmal, dass Geschichte keine trockene Wissenschaft ist. Gerade in den Zeiten des neu aufblühenden Faschismus ist es wichtig, sie zu kennen und zu begreifen - und macht uns (hoffentlich) aufmerksamer.

Ich möchte dieses Buch möglichst vielen Leser
Innen empfehlen, da es Geschichte auf leichte und unterhaltsame Weise darstellt und nachdenklich macht.


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Veröffentlicht am 10.03.2025

London Bridge is falling down

Die Brücke von London
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1749. Die Tuchhändlerin Juliana Hamley, die ihr Geschäft auf der London Bridge betreibt, steht bereits mit einem Bein im Schuldnergefängnis, weil ihr verstorbener Mann ihr nichts als Schulden hinterlassen ...

1749. Die Tuchhändlerin Juliana Hamley, die ihr Geschäft auf der London Bridge betreibt, steht bereits mit einem Bein im Schuldnergefängnis, weil ihr verstorbener Mann ihr nichts als Schulden hinterlassen hat. Zusammen mit dem Waisenjungen Alder, den sie vor dem Ertrinken aus der Themse rettet, steigt sie ins Schmugund war überraschglergeschäft ein und überwindet alle moralischen Bedenken, denn ein dubioser Geldverleiher und die vor der Fertigstellung stehende Westminster Bridge machen ihr das Leben schwer. Und dann ist da auch noch Oliver, der im Dienst des Bridge Houses steht und für Sicherheit und Ordnung auf der Brücke sorgen muss....

Der deutsche Autor Julius Arth hat, fasziniert von der alten London Bridge, hervorragend recherchiert und einen höchst unterhaltsamen Roman über das Leben rund um das faszinierende Bauwerk im Jahre 1749 geschrieben.

Die London Bridge galt unter Zeitgenossen als Achtes Weltwunder mit ihrer auf ihr liegenden Stadt und dem Autor gelingt es, dieses besondere Bauwerk auch seinen LeserInnen ins Herz zu schreiben. Natürlich musste ich mir im Internet Bilder dazu anschauen - und ich kann nur sagen, dass Julius Arth diese Brücke hervorragend beschrieben hat!

Arth schreibt seine Geschichte aus drei Perspektiven: Neben der eigentlichen Hauptfigur Juliana Hamley werden auch die Geschicke der Waisenkinder-Gang um den gewieften Alder beleuchtet als auch des vermeintlichen Gegenspielers Oliver, der Gehilfe des Brückenmeisters ist. Doch damit nicht genug: Es gibt auch einen zweiten Zeitstrang von der Erbauung der London Bridge im Jahre 1202, in der die weisen Frauen Estrid und Sybilla eine wichtige Rolle spielen. Diese beiden Zeitebenen laufen lange Zeit nebeneinander her und verbinden sich erst gegen Ende zu einem schlüssigen Ganzen. Doch ich habe trotz dieser Wechsel zu keiner Zeit den Überblick verloren, denn Arth gelang es vortrefflich, die Geschichte flüssig zu erzählen.

Der Schreibstil ist flüssig und anschaulich und Arth gelingt es, die Leser
Innen auch emotional in den Bann zu ziehen. Die historischen Fakten verbinden sich mit einer fiktiven Erzählung über die Schicksale höchst unterschiedlicher Figuren, die alle mit diesem besonderen Ort verbunden sind, zu einer mitreißenden Story, in der Freundschaft, Zusammenhalt, Liebe, aber auch finanzielle Nöte, Skrupellosigkeit, Mord und Aberglaube zu einem perfekten Ganzen zusammenfinden.
Die Figuren selbst sind authentisch und mehrdimensional gezeichnet und bestechen durch ihre Weiterentwicklung, und ich habe mit jeder einzelnen mitgefiebert und mitgelitten und war überrascht und traurig, wie schnell das Buch trotz seiner 560 Seiten zu Ende gelesen war.

"Die Brücke von London" ist ein höchst kurzweiliger historischer Roman rund um ein faszinierendes Bauwerk, den ich interessierten Leser'*Innen wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Außergwöhnlicher Schweden-Thriller, 2. Teil

Signum
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Kim Ribbing hat seinen früheren Peiniger, den Psychiater Martin Rudberg, entführt um zu verstehen, warum dieser, angeblich aus Forschungsgründen, Kinder und Jugendliche foltert. Seine Freundin Julia Malmros ...

Kim Ribbing hat seinen früheren Peiniger, den Psychiater Martin Rudberg, entführt um zu verstehen, warum dieser, angeblich aus Forschungsgründen, Kinder und Jugendliche foltert. Seine Freundin Julia Malmros recherchiert unterdessen im rechten Milieu und legt sich dadurch mit mächtigen Gegnern an. Doch die Dinge laufen aus dem Ruder und die Situation erscheint ausweglos…

Der schwedische Schriftsteller John Ajvide Lindqvist legt nach „Refugium“ nun mit „Signum“ den zweiten Band seiner großen „Stormland“-Reihe vor, auch als „Mittsommer-Trilogie“ bekannt. In diesem Fall kann ich nur dazu raten, die Bücher in der erschienenen Reihenfolge zu lesen, da sich Handlung und Charakter immer weiter aufbauen und es eine Menge an Bezügen untereinander gibt.

Lindqvist wurde weltwelt bekannt durch seine Bücher aus dem Bereich der Horror-Literatur, und so verwundert es auch nicht, dass seine Figuren unheimlich sind und die Handlung einiges an Brutalitäten aufweist, die nichts für zartbeseitete Leser sind.

Das Setting von „Signum“ liegt in Stockholm, wo der Autor zeitlebens zuhause war, und es finden sich zahlreiche Ortsnamen wider. Grundsätzlich störten diese Details nicht; für Ortskundige sind dagegen Orte wie „Gamla Stan“ ein Begriff.

John Ajvide Lindqvist schreibt flüssig, sehr anschaulich und detailreich, mit fein dosiertem Humor und zieht seine Leser*Innen fest in seinen Bann. Darüber hinaus gelingt ihm das Kunststück, trotz mehrerer „Fälle“ in einem Buch und einiger kleiner Nebenschauplätze (genannt werden soll hier die vorsichtig beginnende Beziehung zwischen Julias Ex-Mann Jonny Munther und seiner Kollegin Moa Malmberg) niemals den Blick auf den roten Faden zu verlieren und die Spannung durchgehend zu halten. Dies ist umso bemerkenswerter, als ich oftmals bei einem „zu viel“ an Privatleben das Interesse verliere, was hier absolut nicht der Fall ist; im Gegenteil ist hier die Spannung auch außerhalb der dramatischen Entwicklung stets hoch.

Lindqvist thematisiert aktuelle Problematiken wie rechte Gesinnungen, Veganismus und (militante) Tierschützer ohne erhobenen Zeigefinger, aber dafür auch ihre Gegenpole.

Besonders hervorzuheben ist Lindqvists Ausarbeitung der Figuren. Diese sind bis hin zu den Nebenfiguren echt, lebendig und auf ihre besondere Art authentisch. Die mehrdimensionalen Charaktere entwickeln sich auch weiter und ich hatte viel Vergnügen, ihre Beschreibungen zu verfolgen. Dabei mag nicht jede einzelne Figur Sympathien erwecken, hat doch jede mehr oder weniger große Schwächen – dennoch faszinierten sie mich auf besondere Weise und ich habe ihre Handlungen gleichwohl mit größtem Interesse verfolgt, sei es der autistisch agierende Kim, die unsicher wirkende Julia, der in Liebesdingen unerfahrene Jonny und viele weitere.

Zuletzt bleibt noch zu erwähnen, dass selbst die die Computer-Angelegenheiten so beschrieben werden, dass sie auch für Laien problemlos nachvollziehbar sind.

Zusammengefasst haben mich die ersten beiden Bände der als „Bestseller aus Schweden“ bezeichneten Reihe rundum begeistert durch den klug konstruierten Plot, die besonderen Figuren und die mit scharfen Blick geschilderten Kleinigkeiten.

Eine Triggerwarnung ist aber angebracht, denn die Themen Gewalt und Folter, Kindesmissbrauch, insbesondere von Missbrauch Schutzbefohlener sowie Sex können problematisch sein. (Wobei diese nur sehr kurz erwähnt werden und wichtig für den Fortgang der Handlung sind.)

„Elysium“, der dritte Fall für Julia Malmros und Kim Ribbing aus der Spannungstrilogie „Stormland“ ist erst für den 10. Juli 2025 angekündigt – und ich warte sehnlichst darauf!

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Eine einzigartige (Liebes-) Geschichte

Die Löwin von Jerusalem
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Bathseba ist 16 Jahre alt, als sie den HIrten David vor einer Löwin rettet und sich beide ineinander verlieben. Seinen Heiratsantrag lehnt ihr Vater aber ab, weil er Bathseba bereits dem brutalen Offizier ...

Bathseba ist 16 Jahre alt, als sie den HIrten David vor einer Löwin rettet und sich beide ineinander verlieben. Seinen Heiratsantrag lehnt ihr Vater aber ab, weil er Bathseba bereits dem brutalen Offizier des Königs Sauls, dem Hethiter Uriah, versprochen hat. David steigt zum Krieger (und besiegt den Riesen Goliath) und König Jerusalems auf, doch die in ihrem Ehe-Martyrium gefangene Bathseba kämpft für eine gemeinsame Zukunft mit David ....

Der für seine historischen Romane preisgekrönte deutsche Autor, der unter dem Pseudonym Ruben Laurin schreibt, hat das elfte Kapitel des zweiten Samuelbuches des Alten Testaments bzw. den weltbekannten Song "Halleluja" von Leonard Cohen, der eben jenes Thema aufgreift, als Grundlage für einen außergewöhnlichen Roman genommen, in dem er die gefährliche LIebschaft von Bathseba und David spannend erzählt.
Die biblische Geschichte und die realen Personen der Weltgeschichte und vor allem ihre Kämpfe hat Laurin mit fiktiven Figuren und Ereignissen stimmig ergänzt zu einem Sittengemälde des Palästinas um 1000 v. Chr.

Der auktoriale Erzählstil weist durchaus ungewöhnliche Elemente auf, in denen der Leser direkt angesprochen wird ("Schau nur ....", "siehst du...") und so eine besondere Athmosphäre schafft. In den drei Büchern "Der HIrte", "Der Krieger" und "Der König" berichtet der Autor vordergründig vom Leben des Davids, doch im Mittelpunkt steht Bathseba, eine außergewöhnlich starke Frau, die mit Mut, Geschick und Power ihren Weg geht und die trotz der Sitten ihrer Zeit, erschreckender Misogynie und ihrem brutalen Ehemann niemals die Hoffnung aufgibt. Ruben Laurin hat einmal mehr hervorragend recherchiert, um seinen Leser*Innen ein genaues geschichtliches Bild zu vermitteln. Der Schreibstil ist flüssig und unterhaltsam und die brutalen und erotischen Szenen sind auf das Notwendige begrenzt - und dabei dennoch nichts für Zartbesaitete. Obwohl die biblische Geschichte meist bekannt ist, schafft Laurin eine wunderbare Spannungskurve und ich mochte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Einzig die anachronistische Erzählweise mit ihren vielen vor- und rückwärtsgerichteten Sprüngen fand ich einigermaßen mühsam nachzuverfolgen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Figuren, die authentisch und vor allem mehrdimensional gezeichnet sind. Bathseba ist eine leidenschaftliche Frau, die sehr unter den Sitten und Gebräuchen ihrer Zeit leidet und trotzdem voller Stärke ihr Schicksal annimmt. David hingegen ist nicht der strahlende Held, der uns durch seinen Sieg im Kampf gegen Goliath im Kopf ist, sondern er scheint egoistisch, sprunghaft und sehr auf seinen Vorteil bedacht, wenngleich auch sehr gottgläubig. Und natürlich darf bei einer solchen Geschichte auch ein Engel nicht fehlen.

Ergänzt wird die Erzählung von einer Landkarte, den Lyrics des Cohen-Songs (der mich beim Lesen ununterbrochen begleitet hat), einem Personenregister (mit Unterscheidung der fiktiven Personen), einer Zeittafel und einem Glossar sowie einem informativen Nachwort des Autors, welche alle wertvolle Unterstützung geben.

Dieser absolut ungewöhnliche historische Roman sticht aus der Masse heraus; ich vergebe fünf Sterne und ich wünsche mir noch weitere Romane dieser Art von Ruben Laurin; gerade, wenn der Fokus auf den starken Frauen der GEschichte liegt. Auch, wenn eine biblische Geschichte den Autor inspiriert hat, kann ich "Die Löwin von Jerusalem" allen historisch interessierten Lesern uneingeschränkt empfehlen.

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