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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2025

Für Fans Von Holly Jackson + tolle ME Repräsentation

Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
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Alle Fans der "A Good Girl’s Guide to Murder"-Reihe aufgepasst – mit Hotel Ambrosia gibt es spannenden Nachschub! Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt und begeistert, doch es gibt auch einen Kritikpunkt, ...

Alle Fans der "A Good Girl’s Guide to Murder"-Reihe aufgepasst – mit Hotel Ambrosia gibt es spannenden Nachschub! Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt und begeistert, doch es gibt auch einen Kritikpunkt, dazu später mehr.

Die Geschichte dreht sich um Robin, die an ME/CFS leidet und daher ihr Zimmer nicht verlassen kann. Gegenüber ihres Fensters befindet sich ein altes Hotel, in dem immer wieder mysteriöse Ereignisse geschehen. Eines Tages wird Robin Zeugin eines Verbrechens, das sich dort abspielt – und damit beginnt eine packende Story voller Spannung und Geheimnisse.

Was mich an diesem Buch besonders fasziniert hat, ist nicht nur die mitreißende Handlung, sondern auch die gelungene Erzeugung von Atmosphäre und Nervenkitzel. Der Roman arbeitet mit kreativen Stilmitteln wie Tagebucheinträgen, Chatverläufen und Zeichnungen, die die Story auflockern und zum MIträtseln einladen.

Ein weiteres Highlight ist die authentische Darstellung von ME/CFS. Ich habe bisher kaum ein Buch gelesen, das sich mit dieser Krankheit befasst, und fand die Repräsentation enorm wertvoll. Als Betroffene konnte ich mich in Robin hineinversetzen, ihre Herausforderungen nachfühlen und war tief berührt von der äußerst realistischen Darstellung. Dies ist eine Repräsentation, die diese Krankheit dringend benötigt.

Vorsicht ab hier kommt ein Spoiler

Doch hier kommt mein großer Kritikpunkt: Am Ende wird offenbart, dass Robin gar nicht wirklich an ME/CFS leidet, sondern durch das Münchhausen-by-Proxy-Syndrom krank gemacht wurde. Diese Wendung relativiert die zuvor so feinfühlige Darstellung der Krankheit und gibt den Eindruck, als wäre sie nur eine Einbildung oder durch äußere Einflüsse verursacht. Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch problematisch. Eine solche Enthüllung kann leicht dazu führen, dass Leser:innen, die nicht mit ME vertraut sind, die Krankheit nicht ernst nehmen oder sie für weniger gravierend halten als sie ist.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Aktueller den je - zwischen Ladenalltag und politischem Konflikt

Russische Spezialitäten
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Der Roman erzählt die Geschichte von Dimitrij, einem Ukrainer, der mit seinen Eltern in Leipzig lebt. Seine Familie betreibt seit 20 Jahren einen Supermarkt für russische Spezialitäten. In kurzen Episoden ...


Der Roman erzählt die Geschichte von Dimitrij, einem Ukrainer, der mit seinen Eltern in Leipzig lebt. Seine Familie betreibt seit 20 Jahren einen Supermarkt für russische Spezialitäten. In kurzen Episoden beschreibt Dimitrij das Leben im Laden und die Eigenheiten der russischsprachigen Gemeinschaft in Deutschland – oft mit Humor und manchmal mit Fantastik und etwas übertrieben.

Doch neben den lustigen Geschichten gibt es auch ernste Themen. Vor allem die wachsende Spannung zwischen Dimitrij und seiner Mutter. Obwohl sie aus Kiew stammt, glaubt sie immer mehr an die russische Propaganda und stellt sich gegen die Ukraine und ihre Freunde dort.

Das Buch ist besonders interessant für Menschen, die das post-sowjetische Milieu kennen. Wer damit keine Erfahrung hat, könnte es schwieriger finden – vor allem wegen der vielen russischen Begriffe, auch wenn diese oft erklärt werden. Trotzdem ist der Roman unterhaltsam und wegen der aktuellen Themen sehr lesenswert. Vielleicht sogar noch besser als Hörbuch, dort werden die Begriffe auch vorgelesen und der Sprecher, der Autor spricht das Buch selber ein, macht einen tollen Job.

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Veröffentlicht am 28.12.2024

Humorvolle Gesellschaftskritik

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Das neue Buch von Anika Decker hat mich gut unterhalten und spricht wichtige Themen an.

Nina ist fast fünfzig und geschieden. Ihr Exmann lebt mit seiner neuen viel jüngeren Frau, die Influencerin ist, ...

Das neue Buch von Anika Decker hat mich gut unterhalten und spricht wichtige Themen an.

Nina ist fast fünfzig und geschieden. Ihr Exmann lebt mit seiner neuen viel jüngeren Frau, die Influencerin ist, in Grunewald der Familienvilla, während sie in einer kleinen Wohnung in einem weniger guten Stadtteil wohnt und mit ihrem Job und ihrer Lebenssituation hadert. Als sie sich in den dreißigjährigen David verliebt, finden das sowohl ihre zwei erwachsenen Kinder als auch ihre Mutter und Schwester gar nicht witzig und sie weiß auch nicht so recht, was sie davon halten soll. Allerdings hat sie nicht nur mit ihren Zweifeln und ihrer Familie zu kämpfen, den in ihrem Unternehmen gibt es einen großen MeToo Skandal, der sie alles andere als kalt lässt.

Da ich Anika Deckers Schreibstil schon kannte, musste ich dieses Buch unbedingt lesen. Und er ist auch dieses Mal wieder auf den Punkt und super humorvoll. Ich musste ganz oft kichern, aber es ist nie zu viel, sie schafft es ernste und lustige Momente miteinander zu verbinden, so dass es sich die Waage hält.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, ich mochte sowohl die Entwicklung von Nina als auch von ihrer Schwester Lena, die man anfangs nur schwer sympathisch finden kann. Am besten hat mir aber die Verknüpfung der Themen wie Selbstentwicklung, Liebe etc. mit gesellschaftskritischen und feministischen Themen gefallen.

Zwischendurch war es mir etwas zu langgezogen, ein paar weniger Seiten hätten dem Buch nicht geschadet. Alles in allem aber ein tolles Buch für zwischendurch, das trotz seiner ernsten Themen sehr unterhaltsam ist.

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Veröffentlicht am 13.11.2024

Überraschend magische Romancestory

In a Holidaze – Ihr Weihnachtswunsch führt zu Gefühlschaos unterm Mistelzweig
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Mae verbringt schon immer Weihnachten mit ihrer Familie und ihrer Wahlfamilie in einer Blockhütte in den Rocky Mountains. Das ist ihre Vorstellung von einer perfekten Zeit. Dieses Jahr läuft aber alles ...

Mae verbringt schon immer Weihnachten mit ihrer Familie und ihrer Wahlfamilie in einer Blockhütte in den Rocky Mountains. Das ist ihre Vorstellung von einer perfekten Zeit. Dieses Jahr läuft aber alles schief und sie küsst nicht betrunken nur ihren Kumpel, obwohl sich gefühlt schon immer in seinen Bruder verliebt ist, sondern erfährt auch noch, dass das geliebte Blockhaus verkauft werden soll. Verzweifelt wendet sie sich ans Universum und findet sich auf einmal in einem verrücktem Szenario wieder. Bekommt sie vielleicht noch eine zweite Change?

Ich liebe süße Weihnachtsgeschichten, bei denen man sich einfach nur wohlfühlen kann. Bei dieser Geschichte war ich anfangs etwas überrascht, weil ich mit der magischen Komponente, die sehr an "Und täglich grüßt das Murmeltier" erinnert, nicht gerechnet hätte. Ich habe mich dann darauf eingelassen und mochte es dann am Ende.

Mae und Andrew waren mir beide sehr sympathisch, beide legen eine tolle Entwicklung hin und ich mochte die Stimmung in der Blockhütte. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich mittendrin und es hat mir richtig Lust auf die chaotischen Weihnachtsfeiertage mit meiner Familie gemacht. Was ich vom üblichen Drama kurz vor dem Ende halten soll, weiß ich nicht so richtig. Ob es das so gebraucht hätte?!

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Veröffentlicht am 24.10.2024

Verrückt, interessant, anstrengend und auch etwas verwirrend

Antichristie
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Eigentlich wollte ich „Antichristie“ von Mithu Sanyals nicht lesen, habe es dann aber über ein Buchabo bekommen und bin im Nachhinein froh, dass ich dadurch „gezwungen“ wurde. Ja, es hat es wie erwartet ...

Eigentlich wollte ich „Antichristie“ von Mithu Sanyals nicht lesen, habe es dann aber über ein Buchabo bekommen und bin im Nachhinein froh, dass ich dadurch „gezwungen“ wurde. Ja, es hat es wie erwartet in sich, aber ich habe viele Denkanstöße mitgenommen und wurde gut unterhalten. Es hat sich also am Ende gelohnt.

Durga kommt aus Köln und arbeitet 2002 in London in einem Writer’s Room, dort will sie mit ihren Kolleginnen Agatha Christie politisch korrekt überarbeiten. Sie hat es gerade nicht leicht, da ihre Mutter, zu der sie keine einfache Beziehung hatte, vor kurzem verstorben ist. Und dann findet sich Durga plötzlich auch noch 1906 wieder, als Mann. Dort verschlägt es sie oder ihn :D ins India House, wo er in die indische Unabhängigkeitsbewegung verwickelt wird.

Die Geschichte ist wirklich nicht leicht zu lesen ist, was zum einen an den vielen Zeitsprüngen liegt und zudem wusste ich fast gar nichts über die indische Unabhängigkeitsbewegung und war dadurch manchmal von den Figuren und ihren Beziehungen überfordert. Zwischendurch habe ich dann im Internet ein wenig über die Hintergründe recherchiert, dann ging es wieder besser und das ausführliche Personenverzeichnis am Ende des Buches hilft auch. Wahrscheinlich muss man es mehrmals lesen, um alles zu erfassen.

Die Themen in diesem Buch sind vielfältig. Es geht um Kolonialismus und seine Folgen, die wir bis heute spüren, aber beispielsweise auch um die Suche nach der eigenen Identität und um Agatha Christie, Dr. Who und Sherlock Holmes. Sanyal bringt auf engem Raum sehr viele Informationen unter, die einen zwar manchmal überfordern, dann aber auch wieder unglaublich gute Denkanstöße bringen und einen zum Reflektieren anregen.

Ihr Schreibstil ist total humorvoll. Außerdem lotet sie die Grenzen des Schreibens aus und spielt ganz viel mit dem Text und der Erzählstruktur. Das hat mir richtig gut gefallen und hat die teilweise schwere Kost aufgelockert.

Fazit: Ein Buch, das einen herausfordert, aber auch sehr bereichernd und unterhaltsam ist.

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