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Veröffentlicht am 30.01.2026

Der andere Arthur

Der andere Arthur
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Arthur Opp lebt zurückgezogen in seinem New Yorker Stadthaus. Der ehemalige Professor hat kaum noch Kontakt zur Außenwelt; nur Lieferdienste klingeln täglich an seiner Tür. Sein Haus verlässt er lediglich, ...

Arthur Opp lebt zurückgezogen in seinem New Yorker Stadthaus. Der ehemalige Professor hat kaum noch Kontakt zur Außenwelt; nur Lieferdienste klingeln täglich an seiner Tür. Sein Haus verlässt er lediglich, um den Müll hinauszustellen. Sein früheres Leben endete, als er beschuldigt wurde, ein Verhältnis mit seiner Studentin Charlene gehabt zu haben. Arthur betritt die Universität nie wieder.
Der Kontakt zu Charlene reißt dennoch nicht sofort ab. Über Jahre hinweg stehen sie in Briefkontakt. Arthur schildert darin Begegnungen, einen Alltag, ein Leben außerhalb seiner vier Wände. Doch nichts davon ist wahr. Er verschweigt, dass er stark übergewichtig ist, dass er vereinsamt und dass er zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert. Die Scham ist zu groß. Als auch der Briefkontakt schließlich abbricht, versinkt Arthur vollends in Isolation.

Bevor es zu einem Treffen zwischen Arthur und Kel kommt, geraten beide Leben noch einmal in Bewegung. Ein Anruf von Charlene rüttelt Arthur auf. Er fasst den Entschluss, etwas zu verändern, engagiert eine Reinigungskraft und versucht, wieder Ordnung in sein Leben zu bringen. Yolanda, eine junge schwangere Frau, begegnet ihm offen, freundlich und ohne Vorurteile. Sie räumt nicht nur sein Haus auf, sondern erreicht auch etwas, das Arthur längst für unmöglich gehalten hat: Er verlässt wieder sein Zuhause.

Parallel dazu kämpft der siebzehnjährige Kel in Brooklyn um ein Sportstipendium, das ihm den Ausweg aus Armut und der Verantwortung für seine kranke Mutter ermöglichen soll. Sie trinkt zu viel, und Kel schwankt zwischen Fürsorge, Wut und Schuldgefühlen. Er will Baseballprofi werden, um sich und ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Von seinem Vater weiß er nur, dass er Mets-Fan war und die Familie verließ, als Kel noch klein war. Ein Zettel an der Tür seiner Mutter mit der Aufschrift „Komm nicht rein. Ruf die Polizei.“ und ein Brief, der alles verändert, markieren Wendepunkte in seinem Leben.

Liz Moore erzählt diese Geschichte ohne Pathos. Mit schlichten, schnörkellosen Worten entstehen eindringliche Bilder. Besonders die Passagen aus Arthurs Perspektive haben mir sehr gefallen, sie wirken für mich authentischer als Kels jugendliche Sicht, die mir altersbedingt etwas ferner bleibt. Der Roman thematisiert Einsamkeit, Schuld und Fürsorge und zeigt, wie Menschen durch kleine Gesten und leise Begegnungen wachsen können.



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Veröffentlicht am 07.10.2025

Zwei Leben

Zwei Leben: Das Versprechen
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Ich kannte bereits den Vorgängerroman: Zwei Leben: Hinter dem Schweigen, der mich tief beeindruckt hat, allerdings kann man die beiden Bücher absolut unabhängig voneinander lesen. Mit zwei Leben: Das Versprechen ...

Ich kannte bereits den Vorgängerroman: Zwei Leben: Hinter dem Schweigen, der mich tief beeindruckt hat, allerdings kann man die beiden Bücher absolut unabhängig voneinander lesen. Mit zwei Leben: Das Versprechen gelingt Astrid Korten nun eine noch intensivere und eindringliche Erzählung, die mich sehr berührt hat.
Astrid Kortens Roman erzählt auf eindrucksvolle Weise zwei miteinander verwobene Geschichten. Im Jahr 2014 begegnet Juna, erschöpft von einem Burn-out, dem älteren Vincent Molen. Sie will die Zeit die sie zur Erholung braucht sinnvoll nutzen bevor sie zurück in den Beruf geht, und arbeitet als ehrenamtlicher Buddy. Nach und nach entwickelt sich zwischen dem alten Mann und Juna eine ganz besondere Beziehung und er öffnet sich Während Juna ihm zuhört, entfaltet sich Stück für Stück Vincents Leben, das von Mut, Verlust und einer großen Liebe geprägt ist.

Die zweite Erzählung führt in das Jahr 1942 nach Antwerpen, wo Vincent als junger Mann die Liebe zu Esther findet und sich mit den dunklen Zeiten der Besatzung und dem Grauen von Auschwitz konfrontiert sieht.Die Beiden lernen sich in einer Diamantschleiferei kennen in der Esther in der Buchhaltung arbeitet. Die Stadt ist von den Deutschen besetzt und Esther leidet als Jüdin unter den Repressalien der Besatzer, weg kann sie nicht, da sie ihre kranke Mutter und ihre Großmutter nicht allein lassen will, auch wenn nach und nach immer mehr Nachbarn und Freunde deportiert werden. Vincent ist im Widerstand und versucht alles um Esther in die er längst verliebt ist zu schützen.

In der Gegenwart versucht Juna, mit der Hilfe von Florent einem Nachbarn Vincents, mehr über Vincent und seine große Liebe Esther herauszufinden (fun fact, Florent hat eine Katze die er an der Leine spazieren führt, da sie sonst abenteuerlustig wie sie ist abhauen würde und er hängt doch sehr an dem Tier, damit hatte Florent mein Herz auf jeden Fall schon mal gewonnen).

Ich mag die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart in der die Geschichte erzählt wird, sie sind flüssig und tragen dazu bei, die emotionale Tiefe der Geschichte spürbar zu machen.

Ein besonderer Aspekt ist, dass in dieser Geschichte auch ein Teil der eigenen Familienvergangenheit von Astrid Korten verarbeitet ist, was der Erzählung eine zusätzliche Authentizität und Tiefe verleiht. Das darin zentrale Versprechen, ich wusste schon aus dem Klappentext, wurde dabei nicht aus Eigennutz oder Feigheit gebrochen, sondern aus dem aufrichtigen Willen heraus, etwas Gutes zu tun, getragen von Liebe und Verantwortung.

Die stille Kraft seiner Erzählweise macht das Buch zu etwas ganz besonderem. Ohne übermäßige Dramatik oder Pathos gelingt es der Autorin, mit viel Feingefühl historische und persönliche Schicksale lebendig werden zu lassen. "Zwei Leben: Das Versprechen" ist eine berührende Geschichte über die Kraft von Erinnerungen und das Versprechen, das über Generationen hinweg trägt.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

We burn daylight

We Burn Daylight
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Bret Anthony Johnston nimmt uns in We Burn Daylight mit nach Texas, ins Jahr 1993 – und damit mitten hinein in die beklemmende Atmosphäre rund um die Ereignisse von Waco. Der Roman orientiert sich eng ...

Bret Anthony Johnston nimmt uns in We Burn Daylight mit nach Texas, ins Jahr 1993 – und damit mitten hinein in die beklemmende Atmosphäre rund um die Ereignisse von Waco. Der Roman orientiert sich eng an den historischen Geschehnissen, bleibt durch seine fiktiven Figuren Lamb, Jaye und Roy jedoch eigenständig und überraschend persönlich.

Im Mittelpunkt stehen die Jugendlichen Roy und Jaye. Roy ist der jüngste Sohn des Sheriffs Elias „Eli“ Moreland, der in Kontakt mit dem FBI steht. Die US-Behörden beobachten bereits Perry, den charismatischen Sektenführer, im Gegensatz zu seinem Hilfsheriff Sammy, sieht Eli, allerdings keine Gefahr die von Perry ausgehen könnte. Roys Bruder Mason dient in der Army und wird in der Familie schmerzlich vermisst. Das Picking Set, das Mason ihm geschenkt hat, wird zu einem wichtigen Begleiter; mit ihm verfeinert Roy seine Fähigkeiten im Schlösserknacken. Als Sohn des Sheriffs hat er es in der Schule nicht leicht.

Jaye zieht mit ihrer Mutter aus Kalifornien nach Waco. In der Schule war sie eher eine graue Maus – nicht gemobbt, aber auch kaum beachtet.Jaye ist eine sehr kluge junge Frau, die ihre Umgebung und die Menschen um sie herum aufmerksam beobachtet. Ihre Mutter hat den Vater verlassen, um sich Perry (genannt Lamb) und seiner abgelegenen Sekte anzuschließen, sie ist blind vor Bewunderung für den Sektenführer. Die Mitglieder geben ihr altes Leben auf, um Gott näher zu sein. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie mit Waffenhandel, Reparaturarbeiten und einem Schießstand. Ihr Leben ist einfach, fast schon erbärmlich; sie ernähren sich von dem, was die Farm abwirft, und von abgelaufenen Lebensmitteln, die sie in der Stadt geschenkt bekommen.


Für mich stellt sich immer wieder die Frage, wie unzufrieden oder verzweifelt Menschen sein müssen, um einem Blender wie Perry zu folgen und ihm bedingungslos zu vertrauen. Jaye bleibt skeptisch: Sie misstraut Lamb von Anfang an und hofft, dass ihre Mutter sich besinnt und die Sekte verlässt.


Die Beziehung zwischen Roy und Jaye entwickelt sich leise und glaubwürdig. Ihre Begegnungen wirken wie Lichtblicke in einer zunehmend bedrohlichen Umgebung. Die Liebesgeschichte ist behutsam in die Handlung eingewoben und steht in starkem Kontrast zur Eskalation auf der Farm.


Besonders gelungen sind die Einschübe in Form von Podcast-Transkripten: Zeitzeug*innen berichten darin 30 Jahre später von den damaligen Ereignissen. Diese Passagen verleihen dem Roman zusätzliche Tiefe und reflektieren die Geschehnisse aus heutiger Sicht. Im Podcast kommen auch Überlebende zu Wort. Die Ereignisse von Waco sind allgemein bekannt, daher verrate ich damit nicht zu viel. Tatsächlich scheinen viele immer noch genauso verblendet wie vor Jahrzehnten.


Johnston schildert die beklemmende Atmosphäre und die Dynamik innerhalb der Gemeinschaft eindringlich, ohne Effekthascherei. Die Figuren sind glaubwürdig und vielschichtig – besonders Jaye und Roy mit ihren Zweifeln und Hoffnungen. Die Handlung bleibt nah an den historischen Ereignissen, nutzt sie aber als Bühne für eine eigene, berührende Geschichte über das Erwachsenwerden und den Wunsch nach Zugehörigkeit.


Das Ende überraschte mich wirklich – damit hatte ich nicht gerechnet.


Fazit:
Ein ruhiger, eindringlicher Roman, der durch seine Atmosphäre, authentische Figuren und die gelungene Verbindung von Fiktion und Zeitgeschichte überzeugt. Für alle, die psychologisch dichte Romane mit historischem Hintergrund schätzen, eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Versuch und Irrtum

Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt.
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Als ich den Titel von Alexander Krützfeldts Buch "Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt." las, musste ich unwillkürlich an ein trotziges Kleinkind denken. Doch nachdem ich den Klappentext ...

Als ich den Titel von Alexander Krützfeldts Buch "Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt." las, musste ich unwillkürlich an ein trotziges Kleinkind denken. Doch nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, erinnerte ich mich an unsere eigenen Abenteuer mit einem renovierungsbedürftigen Haus. Ohne YouTube-Videos, aber mit einer gehörigen Portion Mut und geringen Kenntnissen im Bauwesen, haben wir ebenfalls nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" gehandelt. Und genau das scheint auch Alexander Krützfeldt in vielen Lebenslagen getan zu haben.

In 32 Kapiteln, die ursprünglich als Kolumnen in namhaften Zeitungen erschienen sind, teilt Krützfeldt seine Geschichten über persönliches Scheitern und das Wiederaufrappeln – und das alles auf eine humorvolle Weise, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht hat. Sei es, dass er ein Haus zu renovieren versucht, das wohl nicht mehr zu retten ist, oder dass er seinen Kindern nach der Scheidung die Umstellung so einfach wie möglich machen möchte – Krützfeldts Erzählungen sind nicht nur unterhaltsam, sondern auch bemerkenswert offen.

Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt hat, ist der feine Humor. Ehrlicherweise hatte ich eher einen schenkelklopfenden, derben Stil erwartet, doch stattdessen fand ich eine humorvolle, aber respektvolle Art des Erzählens. Diese unerwartete Feinfühligkeit macht das Buch zu einer angenehmen Lektüre, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Besonders gelungen ist die Art, wie Krützfeldt aus seinen Misserfolgen lernt und sie mit Humor betrachtet. Seine Geschichten sind oft alltäglich und dadurch sehr nachvollziehbar. Ob es um handwerkliches Ungeschick, Beziehungsprobleme oder berufliche Herausforderungen geht – Krützfeldt schildert diese Erlebnisse auf eine Weise, die ich als sehr authentisch empfunden habe.

Insgesamt ist "Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt." eine Lektüre, die mich nicht nur zum Lachen gebracht, sondern auch zum Nachdenken angeregt hat. Sie zeigt, dass Scheitern ein natürlicher Teil des Lebens ist und oft der erste Schritt zum Erfolg. Krützfeldts Ehrlichkeit und Selbstironie machen das Buch zu einer erfrischenden Lektüre.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Das Erbe der Karolinger

Das Erbe der Karolinger
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Karl der Große ist uns allen aus dem Geschichtsunterricht bekannt. Sein Reich reichte von Thüringen bis zur französischen Atlantikküste. Seine Hauptstadt Aachen blieb bis ins 16. Jahrhundert ein wichtiger ...

Karl der Große ist uns allen aus dem Geschichtsunterricht bekannt. Sein Reich reichte von Thüringen bis zur französischen Atlantikküste. Seine Hauptstadt Aachen blieb bis ins 16. Jahrhundert ein wichtiger Ort für die Krönung der römisch-deutschen Könige.

Doch was geschah nach seinem Tod?

Diese Frage beantwortet Claudius Crönert in seinem neuen Buch

Das Erbe der Karolinger

Ludwig der Fromme war anders als sein Vater. Während Karl mit harter Hand regierte, setzte Ludwig auf Verhandlungen. Das gefiel nicht jedem, besonders nicht seinem ältesten Sohn Lothar. Er hielt Ludwig für schwach und sorgte sich um das Erbe seines Großvaters. Trotz der Spannungen versuchte Ludwig, seine Nachfolge klug zu regeln. Er machte Lothar zum Mitkaiser und gab seinen jüngeren Söhnen Pippin und Ludwig die Gebiete Bayern und Aquitanien.

Crönert zeigt in seinem Roman nicht nur die politischen Ereignisse, sondern auch das Leben der kaiserlichen Familie. Ludwig wird als liebender Ehemann und Vater dargestellt. Nach dem Tod seiner ersten Frau, Irmingard, wollte er ins Kloster gehen, doch sein Beichtvater überzeugte ihn, weiterhin Kaiser zu bleiben und sich eine neue Frau zu suchen.

Diese fand er in Judith von Bayern. Judith ist jung, schön und klug, und so wird sie bald zu einer wichtigen Vertrauten Ludwigs. Die Geburt ihres Sohnes Karl führte zu neuen Spannungen innerhalb der Familie. Judiths Ambitionen für ihren Sohn und die daraus entstehenden Konflikte mit den älteren Söhnen werden geschickt in die Geschichte eingebaut. Der Autor beschreibt auch die Gerüchte am Hof, die Judith betrafen, geschürt durch ihre enge Freundschaft mit Ludwigs Patensohn Bernhard von Septimanien.

Crönert beleuchtet in seinem Roman auch die Widersacher außerhalb der kaiserlichen Familie. Er stellt verschiedene einflussreiche Adelige und Kirchenmänner vor, die Ludwig dem Frommen gegenüber kritisch eingestellt waren oder sogar aktiv gegen ihn agierten. Einige dieser Persönlichkeiten waren in Verschwörungen und Intrigen gegen den Kaiser verwickelt, was die komplexe politische Landschaft jener Zeit verdeutlicht. Crönert beschreibt gekonnt, wie diese externen Konflikte die ohnehin angespannte Situation am Hof und innerhalb der Familie zusätzlich verschärften.


Crönert erzählt diese komplexe Geschichte mit einer gelungenen Mischung aus Fakten und Fiktion. Dadurch wirken die Figuren authentisch, und die historischen Ereignisse werden greifbar. Der Roman endet mit Ludwigs Tod und einer ungeheuerlichen Forderung Lothars. Auf den vorangehenden 800 Seiten lässt der Autor die Geschichte lebendig werden und vermittelt seinen Leserinnen und Lesern ein gutes Verständnis für die Epoche, in der sie spielt.

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