Der andere Arthur
Der andere ArthurArthur Opp lebt zurückgezogen in seinem New Yorker Stadthaus. Der ehemalige Professor hat kaum noch Kontakt zur Außenwelt; nur Lieferdienste klingeln täglich an seiner Tür. Sein Haus verlässt er lediglich, ...
Arthur Opp lebt zurückgezogen in seinem New Yorker Stadthaus. Der ehemalige Professor hat kaum noch Kontakt zur Außenwelt; nur Lieferdienste klingeln täglich an seiner Tür. Sein Haus verlässt er lediglich, um den Müll hinauszustellen. Sein früheres Leben endete, als er beschuldigt wurde, ein Verhältnis mit seiner Studentin Charlene gehabt zu haben. Arthur betritt die Universität nie wieder.
Der Kontakt zu Charlene reißt dennoch nicht sofort ab. Über Jahre hinweg stehen sie in Briefkontakt. Arthur schildert darin Begegnungen, einen Alltag, ein Leben außerhalb seiner vier Wände. Doch nichts davon ist wahr. Er verschweigt, dass er stark übergewichtig ist, dass er vereinsamt und dass er zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert. Die Scham ist zu groß. Als auch der Briefkontakt schließlich abbricht, versinkt Arthur vollends in Isolation.
Bevor es zu einem Treffen zwischen Arthur und Kel kommt, geraten beide Leben noch einmal in Bewegung. Ein Anruf von Charlene rüttelt Arthur auf. Er fasst den Entschluss, etwas zu verändern, engagiert eine Reinigungskraft und versucht, wieder Ordnung in sein Leben zu bringen. Yolanda, eine junge schwangere Frau, begegnet ihm offen, freundlich und ohne Vorurteile. Sie räumt nicht nur sein Haus auf, sondern erreicht auch etwas, das Arthur längst für unmöglich gehalten hat: Er verlässt wieder sein Zuhause.
Parallel dazu kämpft der siebzehnjährige Kel in Brooklyn um ein Sportstipendium, das ihm den Ausweg aus Armut und der Verantwortung für seine kranke Mutter ermöglichen soll. Sie trinkt zu viel, und Kel schwankt zwischen Fürsorge, Wut und Schuldgefühlen. Er will Baseballprofi werden, um sich und ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Von seinem Vater weiß er nur, dass er Mets-Fan war und die Familie verließ, als Kel noch klein war. Ein Zettel an der Tür seiner Mutter mit der Aufschrift „Komm nicht rein. Ruf die Polizei.“ und ein Brief, der alles verändert, markieren Wendepunkte in seinem Leben.
Liz Moore erzählt diese Geschichte ohne Pathos. Mit schlichten, schnörkellosen Worten entstehen eindringliche Bilder. Besonders die Passagen aus Arthurs Perspektive haben mir sehr gefallen, sie wirken für mich authentischer als Kels jugendliche Sicht, die mir altersbedingt etwas ferner bleibt. Der Roman thematisiert Einsamkeit, Schuld und Fürsorge und zeigt, wie Menschen durch kleine Gesten und leise Begegnungen wachsen können.