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Veröffentlicht am 22.03.2025

Hisst die Segel und auf geht's!

A Ship Of Bones And Teeth
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Eine düstere Neuinterpretation von Arielle gemischt mit ein paar Fluch der Karibik-Vibes? Immer her damit! Denn die Disney-Klassiker bieten per se jede Menge Stoff, den es aufzuwirbeln gilt. Und das ist ...

Eine düstere Neuinterpretation von Arielle gemischt mit ein paar Fluch der Karibik-Vibes? Immer her damit! Denn die Disney-Klassiker bieten per se jede Menge Stoff, den es aufzuwirbeln gilt. Und das ist Karina Halle mit ihrem Werk wunderbar gelungen. Doch zunächst einmal muss ich ihr für die ausführlichen Triggerwarnungen zu Beginn des Buches danken. Es ist eine ziemlich düstere Geschichte, und die Autorin hat sich offensichtlich Gedanken darüber gemacht, wie sie ihre Leser auf das vorbereitet, was sie erwartet. Wenn ihr trotzdem weiterlest, solltet ihr also wissen, dass ihr euch auf eigene Gefahr ins halsbrecherische Abenteuer stürzt!

Prinzessin Maren ist eine faszinierende Protagonistin : jung, wild, hübsch - und garantiert keine Unschuldsflosse. Wenn ich so rückblickend über sie nachdenke, finde ich, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat. Das macht sie einerseits unberechenbar, andererseits fühlt man sich ihr trotzdem verbunden, denn mal ehrlich: Jeder von uns hat schon mal ein Geheimnis gehütet, right? Und Maren entwickelt sich im Laufe der Story vom naiven, misshandelten Mädchen zu einer starken, selbstbewussten Frau. Irgendwie hat mir das imponiert.

Anfangs war es etwas gewöhnungsbedürftig, die mir bekannte Geschichte anders dargestellt zu bekommen. Hier haben Helden und Antihelden die Rollen getauscht, so ist Prinz Erik (hier Aerik) gar nicht mehr der nette Märchenprinz, sondern ein richtiges Arsc*loch, das auch vor Missbrauch nicht zurückschreckt. Doch so befremdlich mir die Storyline vorkam, desto mehr hat sie mich in ihren Bann gezogen. Ehe ichs mich versah, war ich gefangen inmitten der Düsternis, der Rachegelüste und der finsteren Machenschaften der einzelnen Figuren. Mir gefiel besonders die Chemie zwischen dem Piraten Ramsay und Maren. Ich habe ihre Neckereien geliebt und fand diese sehr unterhaltsam. Und ey, die pikanten Szenen waren aaarrrrr!

Zitat S. 218:

"Seine Arme auf beiden Seiten von mir fangen an zu zittern und ich kann sehen, dass er darum kämpft, sich nicht zu bewegen, sein Atem kommt in kurzen Stößen durch die Nase, seine Augen sind vor Lust getrübt. Mein Körper brennt [...]"

Die Autorin hat ein Händchen für wunderschöne, tragische und erotische Formulierungen, die abwechselnd für Gänsehaut, Schockmomente und wohlige Schauer sorgten. In dieser Geschichte wird es nie langweilig. Auf den 467 Seiten passiert so viel, dass man ständig hin- und hergerissen ist zwischen seinen Emotionen. Hatte ich zunächst die Befürchtung, es hier mit irgendeiner Art Märchen-Abklatsch zu tun zu haben, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Das Buch punktet sowohl mit Actionszenen als auch mit Spannungselementen und einer Intensität, die ich hier nicht erwartet habe. Es geht - im doppelten Sinne - ganz ordentlich zur Sache.

Der Plot ist unterhaltsam und kreativ, flüssig und voller Abenteuer. Er zeichnet eine Welt, die genauso romantisch ist wie Disneys Märchen, wenn auch düsterer und definitiv nicht für Kinder gedacht. Von der ersten bis zur letzten Seite herrschte hier eine Atmosphäre vor, die mich sogartig mitgerissen hat. Eine eigenständige Geschichte, ohne nervige Cliffhanger, und alle losen Enden sind gut miteinander verknüpft.

Sprechen wir bitte noch kurz über die Aufmachung des Fantasy-Romans: wow! Umschlag und Farbschnitt passen einfach perfekt zum Inhalt - und in jedes Bücherregal. Mein Buchtipp an euch.

Hisst die Segel und auf geht's!

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Spannende Story mit überraschenden Wendungen

Haus der Geister
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Als Kriminalrat Gustav Heller und sein Assistent in die Blumfeldsche Villa gerufen werden, glaubt Heller keine Sekunde daran, dass der Herztod eines Teilnehmers der abendlichen Séancen auf einen Geist ...

Als Kriminalrat Gustav Heller und sein Assistent in die Blumfeldsche Villa gerufen werden, glaubt Heller keine Sekunde daran, dass der Herztod eines Teilnehmers der abendlichen Séancen auf einen Geist zurückzuführen ist. Unter mysteriösen Umständen sterben weitere Menschen, und je tiefer Heller gräbt, umso dunklere Abgründe tuen sich auf. Bis schließlich auch Hellers Leben am seidenen Faden hängt. Treiben hier doch die Geister Verstorbener ihr Unwesen?

Eigentlich bin ich überhaupt kein Fan historischer Krimis, aber Frank Goldammer konnte mich ab der ersten Seite eines Besseren belehren. Vielleicht liegt es daran, dass die Epoche selbst nicht zu sehr in den Vordergrund rückt, die Ermittlungsarbeit der Polizei aber schon und diese von Anfang an im Mittelpunkt steht.

Sehr schlüssig und komplex erzählt Frank Goldammer seine Story, zeichnet seine Figuren realistisch und vielschichtig und verliert dabei niemals den Blick für das Wesentliche. Zeitweise habe ich kurz selbst daran gezweifelt, wie sich die dramatischen Ereignisse mit logischem Menschenverstand erklären lassen könnten. Nicht verwunderlich also, dass die Welt um Heller fast geschlossen an die bösen Mächte der Geister glaubt.

Bis zur letzten Seite schafft es der Autor, die Spannung ganz hoch zu halten. Dabei versteht er es perfekt, seine Leserschaft in die Irre zu führen und mit einem gekonnten Twist kurz vor Schluss das Ruder noch einmal komplett herumzureißen. Für mich war das definitiv nicht das letzte Buch, welches ich von ihm gelesen habe.

Tatsächlich bin ich erst mit diesem zweiten Band in die Welt Gustav Hellers eingetaucht, hatte aber überhaupt keine Probleme, der Handlung zu folgen. Goldammer verzichtet auf tiefgreifende und ausführliche Beschreibungen abseits der eigentlichen Ermittlungen. Das hat den Vorteil, dass Leser auch ohne Vorkenntnisse aus dem ersten Teil problemlos in die Handlung einsteigen können, ohne das Gefühl zu haben, etwas verpasst zu haben.

Fazit: „Haus der Geister“ ist rundum gelungen! Spannungsgeladen von der ersten Seite an, entwickelt sich Goldammers zweiter Teil um Kriminalrat Heller zu einem überraschenden Pageturner. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Wenn das schlimmste Grauen menschlicher Natur ist ...

Hex
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Black Spring ist ein beschauliches Städtchen inmitten der malerischen Idylle von Hudson Valley. Hier gibt es Wälder, ein natürliches Paradies, den Hudson River - und Katherine van Wyler, eine dreihundert ...

Black Spring ist ein beschauliches Städtchen inmitten der malerischen Idylle von Hudson Valley. Hier gibt es Wälder, ein natürliches Paradies, den Hudson River - und Katherine van Wyler, eine dreihundert Jahre alte Hexe. Sie wurde gefesselt und ihre Augen und der Mund zugenäht, um zu verhindern, dass sie ihre schreckliche Macht ausüben kann. Die Bewohner von Black Spring leben unter dem ständigen Druck, die Hexe und ihre unheimlichen Erscheinungen geheim zu halten. Um die Stadt und ihre Bewohner zu schützen, wurden strenge Regeln aufgestellt, die das Verhalten und die Interaktionen mit der Hexe betreffen. Zum Beispiel dürfen Einwohner nicht wegziehen und nicht mit Menschen außerhalb von Black Spring über Katherine sprechen. Diese Regeln sind notwendig, um die Hexe in Schach zu halten.

Eines Tages beschließt eine Gruppe von Jugendlichen, ebenjene Regeln zu brechen, die Hexe zu filmen und das Video ins Internet zu stellen, was zu unvorhersehbaren und schrecklichen Konsequenzen führt. Die Stadt versinkt rasch im Chaos und Dunkelheit macht sich breit, als Katherine Rache nimmt und die Menschen unter dem Einfluss der Hexe anfangen, grauenvolle Dinge zu tun. Der Roman thematisiert auf beunruhigende Weise die Angst vor dem Unbekannten und die dunklen Seiten der menschlichen Natur.

Der Einstieg ist relativ ruhig, denn Thomas Olde Heuvelt lässt sich Zeit, seinen Handlungsort und dessen Bewohner vorzustellen. Ich hatte mir auf Grund des Klappentextes eine verhunzelte Hexe in ihrem Häuschen vorgestellt, doch Katherine ist anders. Sie streift durch die Wälder und Häuser der Einwohner und taucht meist irgendwo auf, wo sie niemand gebrauchen kann. Die Vorstellung ist einerseits gruselig, andererseits hat sie mich zum Schmunzeln gebracht. Dabei gibt es moderne Mittel, um die Aufenthaltsorte der Hexe zu lokalisieren. Die Organisation Hex hat Überwachungskameras aufgebaut, und in einer App kann notiert werden, wo man Katherine zuletzt gesehen hat. Das Ganze funktioniert auch ganz gut, bis die Jugendlichen zu weit gehen und damit den Stein ins Rollen bringen. Man liest das Buch und versucht gleichzeitig, das Grauen zu verarbeiten.

In dem kontinuierlichen Stimmungswechsel zeigt sich eine von Heuvelts Stärken: das Heraufbeschwören einer dichten Atmosphäre. So wie Katherine Black Spring in ihrem Bann hält, werden auch die Leser immer mehr in den düsteren Sog gezogen. Die Charaktere sind authentisch, facettenreich und rufen die unterschiedlichsten Gefühle hervor. Hin und wieder ertappt man sich bei der Frage: Was würde ich jetzt tun? Insbesondere Katherines Schicksal ging mir nahe. In ihrer blinden Stummheit weckte sie bei mir weniger Horror und Angst, denn stilles Mitleid.

Fazit: „Hex“ ist nicht nur ein spannender Horrorroman, sondern auch ein tiefgründiges Psychodrama über Gemeinschaft, Angst und die Herausforderungen, die mit dem Erwachsenwerden verbunden sind. Mensch oder Hexe, wer ist hier das wahre Monster?

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Spannend wie ein Kino-Blockbuster!

Der zweite Verdächtige
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Es ist fast schon unheimlich, dass man bereits im Vorfeld weiß, wie begeistert man vom neuen Werk der Autoren sein würde. Tsokos und Schwiecker sind aus der Buchszene nicht mehr wegzudenken und mittlerweile ...

Es ist fast schon unheimlich, dass man bereits im Vorfeld weiß, wie begeistert man vom neuen Werk der Autoren sein würde. Tsokos und Schwiecker sind aus der Buchszene nicht mehr wegzudenken und mittlerweile Garanten für ausgeklügelte Plots und mordsmäßige Spannung. Sicher spielt dabei die Erfahrung mit rein, die beide mitbringen. Tsokos als Rechtsmediziner, Schwiecker als Strafverteidiger. Ein perfektes Duo, wie ich finde. In ihrem neuen Werk haben sie ein Thema aufgegriffen, das nach wie vor aktuell und ziemlich brisant ist.

Wie fühlt man sich, wenn man eines Mordes verdächtigt wird, den man nicht begangen hat? Und wenn alle Beweise gegen einen sprechen.

Ich habe mir diese Frage beim Lesen auch immer wieder gestellt und war glücklich, nicht in der Situation des Angeklagten zu stecken. Aber auch nicht in der von Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer und Strafverteidiger Rocco Eberhardt!

Zitat Seite 288/289:
"Rocco schüttelte den Kopf. Er wusste nicht, was er denken sollte. Immer dasselbe Hin und Her, war sein Mandant glaubwürdig oder nicht, sagte er die Wahrheit oder nicht, log er ihn an oder nicht ..."

Die Autoren führen uns direkt ins Geschehen ein, wir befinden uns in einer Männerkneipe mitten in Berlin-Schöneberg. Es ist Freitagmorgen und die kommende Hitze des Tages ist schon deutlich in den Räumlichkeiten zu spüren. Dort hat ein Angestellter in der hinteren Ecke des Darkrooms die Leiche eines Mannes entdeckt, den man hier als Erzengel kennt. Und schon ist man mittendrin, will unbedingt wissen, um wen es sich handelt und was diesem Mann passiert ist.

Sowieso lebt dieses Buch nicht nur von den einzelnen Figuren mit ihren Ecken und Kanten, ihrem Wortwitz und Know-how, sondern von der Atmosphäre, die einen ab Seite 1 verfolgt. Tsokos und Schwiecker gelingt es beinahe mühelos, einerseits Spannung einzubauen, andererseits ihrer Leserschaft interessante Fakten mit auf den Weg zu geben. So habe ich erfahren, was eine "Sofortbearbeitung" der Fachkommissariate ist, was genau Toxikologen bei ihrer Arbeit beachten müssen, ich war bei den Ermittlungen dabei, im Sektionssaal und im Schwurgerichtssaal. So war der Plot nicht nur unfassbar abwechslungsreich, sondern sorgte dafür, dass sich die Puzzleteile nach und nach zusammenfügten. Fast fühlte es sich wie ein kleines Erfolgserlebnis an.

PS: Googelt mal "Oszillationssäge". Kannte ich vorher auch noch nicht.

Ganz nebenbei räumen Tsokos und Schwiecker mit Klischees auf.

Zitat Seite 16:
"Und tatsächlich gab es dagegen auch kein wirksames Mittel. An mentholpaste, die man sich angeblich unter die Nase schmieren konnte und die besonders in TV-Krimis gern zum Einsatz kam, war auch nichts dran. [...] Denn wenn jeden Tag die minzhaltige Salbe auf der Oberlippe zum Einsatz käme, wäre diese in kurzer Zeit regelrecht weggeätzt."

Die Sprache der Autoren ist locker, zeitgemäß und pointiert. Oft konnte ich die Figuren selbst reden hören und musste dabei aufgrund ihrer Redeart schmunzeln. Manchmal habe ich mich dabei ertappt, wie ich überlegt habe, wer eigentlich welchen Part geschrieben hat. Oder ob beide zusammen am Tisch saßen, um zu brainstormen (lustige Vorstellung, oder?).

Berlin als Setting hat mich vollkommen begeistert. Für mich als gebürtige Berlinerin ist es jedes Mal ein Highlight, wenn ich Orte in Büchern wiederfinde, die ich tatsächlich schon gesehen habe. Moabit, Charlottenburg, Schöneberg - überall bin ich selbst schon entlanggelaufen. Hier hätte ich mir dennoch mehr Beschreibungen der Örtlichkeiten gewünscht, um die Vorstellungskraft noch ein bisschen mehr anzukurbeln für diejenigen, die noch nie dort waren. Aber auch für mich, um in Erinnerungen zu schwelgen. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau.

Die Auflösung der Mordfälle hat mich berührt, nachdenklich gestimmt, wütend gemacht und bis jetzt nicht losgelassen. Zwar konnte ich die Motive des Täters verstehen und empfand sogar etwas Mitleid mit ihm. Allerdings rechtfertigen seine Beweggründe nicht, was er getan hat. Mord ist und bleibt nun mal Mord.

Und dann passierte doch echt noch auf der allerletzten Seite etwas, was eine Kinoszene aus einem hochkarätigen Blockbuster hätte sein können. Geil! Ein cleverer Schachzug der Autoren, um nochmal ordentlich Wumms zu machen. Schade, dass ich mit dem Buch schon durch bin. Wenn du es noch vor dir hast: du Glückspilz! Viel Spaß beim Ermitteln!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Krass, krasser, Thiesler!

Leb wohl, Schwester
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Eine kleine Info vorweg: Hierbei handelt es sich eigentlich um einen Stand-Alone. Eigentlich deshalb, weil die Bücher nicht als Reihe geführt werden, die Figuren jedoch immer wieder vorkommen. Daher kannte ...


Eine kleine Info vorweg: Hierbei handelt es sich eigentlich um einen Stand-Alone. Eigentlich deshalb, weil die Bücher nicht als Reihe geführt werden, die Figuren jedoch immer wieder vorkommen. Daher kannte ich sie (als Thiesler-Fan der ersten Stunde) natürlich schon.

Die Schocknachricht kommt direkt zu Beginn: Neri Donato will in Rente gehen! Ah! Panikattacke! Und seine Nachfolgerin steht auch schon in den Startlöchern. Das musste ich erstmal verdauen, was mir aber leichtfiel, denn Romina ist eine so tolle Person. Und dazu sehr gut ausgebildet, wie auch Neri sehr schnell feststellt. Die beiden fungieren super zusammen und haben mit dem Pärchenmörder alle Hände voll zu tun. Zudem mischt Neris Frau Gabriella wieder im Hintergrund mit und ist diesmal ein wenig eifersüchtig auf Romina. Natürlich völlig unbegründet, denn die beiden führen eine echte Vorzeigeehe. Ich persönlich fand diese kleine Eifersuchtsszenen wirklich sehr süß und sie hat nochmal mehr bewiesen, was für ein tolles Ehepaar die beiden sind.

Die Story wird aus mehreren Perspektiven erzählt, was ich richtig toll fand. Während wir Neri und Romina bei ihren akribischen Ermittlungen begleiten, erfahren wir andererseits auch einiges von der Mörderin selbst. Gerade ihre Kapitel haben mich fasziniert und zeitgleich erschüttert. Es war deutlich zu spüren, welches Unheil auf ihrer kranken Seele lastet und wie sie ihren Hass auf verliebte Pärchen auszuleben plant. Dabei schreckt sie vor nichts zurück, denn wenn sie nicht glücklich sein kann, soll es kein anderer sein…

„Unentwegt dachte sie an die beiden, und sie hasste sie. Konnte nicht anders. Am liebsten hätte sie ihre unfassbare Wut in den Himmel geschrien. Die beiden hatten dieses Glück nicht verdient. Aber sie konnten es jetzt noch ein, zwei Stunden genießen. Konnten sich lieben und sich auf ihr Leben freuen, das es nicht mehr geben würde. Denn bald würde sie kommen.“
(Zitat Kap. 47)

Der Schreibstil von Thiesler ist flüssig, bildgewaltig und facettenreich. Sie greift die eigentlich entspannte Atmosphäre der wunderschönen Toskana auf und lässt dort blutige Morde geschehen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Vor allem der letzte Mord ging mir sehr nah und ich habe so sehr gehofft, dass dieses Pärchen verschont bleibt. Thiesler ist schonungslos zu ihren Lesern und wirbelt damit unsere Gefühle ganz schön durcheinander.

Der Schlussteil ist der Autorin grandios gelungen. Es passiert hier in kurzer Zeit so viel, dass ich nicht mehr wusste, wo vorne und hinten ist. Schlag auf Schlag hielt Thiesler mich in Atem und gönnte mir bis zum Ende keine Verschnaufpause. Einfach genial, welch krasse Story hier ein unerwartetes Ende nimmt.

Fazit: Krass, krasser, Thiesler! Diese facettenreiche Story hat alles, was ein perfekter Thriller braucht. Die über 600 Seiten hab ich im Nullkommanix weginhaliert. Und obendrein konnte ich noch ein paar Brocken Italienisch lernen. Va bene und Ciao Neri - bis hoffentlich zum nächsten Mal!

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