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Veröffentlicht am 23.03.2025

Ein Appell für zweite Chancen in schöner Ostseeatmosphäre

Zum Glück gibt's Wunder
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„Zum Glück gibt’s Wunder“ ist der zweite Teil aus Katie Jay Adams ‚Meer für dich-Reihe‘. Das in verschiedenen Pinktönen gestaltete Cover zeigt eine Unterwasserwelt mit Fischen, Seesternen und allerlei ...

„Zum Glück gibt’s Wunder“ ist der zweite Teil aus Katie Jay Adams ‚Meer für dich-Reihe‘. Das in verschiedenen Pinktönen gestaltete Cover zeigt eine Unterwasserwelt mit Fischen, Seesternen und allerlei Meerespflanzen und passt damit hervorragend zu dem in Türkistönen ebenso gestalteten ersten Teil der Reihe. Abgesehen von der starken Meerverbundenheit verrät das Cover inhaltlich hingegen nichts. Wer den ersten Teil - so wie ich - bereits gelesen hat, wird beinahe alle Bewohner des kleinen Ortes Büdnitz an der Ostsee wiedererkennen. Alle anderen Leser nimmt Hauptfigur Saskia nach jahrelanger Abwesenheit mit in ihre Heimat und stellt ihnen die weiteren Charaktere vor. Vielleicht sogar ein leichter Vorteil, auf den ich später noch zurückkomme.
Da ihr Freund Henry beruflich in Deutschland zu tun hat, macht auch Ärztin Saskia von London aus einen Abstecher in ihren Heimatort an der Ostsee. Gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Vater will sie einen Nachfolger für die Arztpraxis ihrer verstorbenen Mutter finden und außerdem deren Aquamarinring suchen, der sie in den Stürmen des Lebens beschützen soll. Doch nichts läuft wie geplant: Henrys Job zieht sich in die Länge, Praxisnachfolger und Ring bleiben gleichermaßen unauffindbar, Ex-Mann Nick kreuzt immer wieder ihre Wege und ihre beste Freundin Tine scheint auch belastende Probleme mit sich rumzuschleppen. Saskia braucht dringend ein Wunder um endlich guten Gewissens in ihr neues Leben zurückzukehren. Aber will sie das überhaupt noch?
Der 240 Seiten umfassende Roman liest sich sehr flüssig und ist von Katie Jay Adams mit hoher atmosphärischer Dichte verfasst. Wie für einen Wohlfühlroman üblich, kommt die ganz große Spannung nicht auf und der Ausgang ist durchaus vorhersehbar. Trotzdem gibt es einige Spannungsspitzen, denn wenn zwei neu vergebene Ex-Partner aufeinander treffen und noch immer die Funken fliegen bleibt das nicht aus. Gerade wegen ihrer hohen Aktualität gut gefallen haben mir auch die Problematik des Ärztemangels in den ländlichen Gebieten und die ungeprüfte Darstellung bzw. Aufnahme von Informationen aus den (Sozialen) Medien. Obwohl Saskia einen großen Bogen um Klatschpresse und Social Media macht, muss auch sie die Auswirkungen am eigenen Leib erfahren. Natürlich kommt bei ‚Meer für dich‘ auch das Meer nicht zu kurz und lädt mit einigen überaus bildhaften Eindrücken dazu ein dem Wellenrauschen zu lauschen und das Salz in der Luft zu schmecken.
Geschrieben ist der Roman in der Ich-Perspektive, wodurch Saskias Gedankengänge, Beweggründe und Gefühle für den Leser sehr transparent sind und man unweigerlich mit der sympathischen Hauptfigur mitfühlt. Eigentlich liebt Saskia ihr Heimatdorf und ihre Familie sehr und so hat sie vor allem ihrer Familie und ihrer besten Freundin, der alleinerziehenden Tine gegenüber oft ein schlechtes Gewissen. Doch nach ihrer Trennung von Nick zog es sie möglichst weit weg, da sie seine Nähe nicht mehr aushalten konnte. In ihrer neuen Beziehung mit dem reichen Adligen Henry III. schätzt sie vor allem die Ausgeglichenheit und Sicherheit, die er ihr bietet. Allerdings ist es ausgerechnet Nick, der sie bei ihren Angelegenheiten in Büdnitz enorm unterstützt und der alte Gefühle wieder aufflammen lässt. Doch Nick ist mittlerweile mit der arbeitswütigen Anwältin Belle zusammen, die gleichzeitig Kollegin ihres Vaters ist und viel Zeit mit ihrem Bruder Tobias verbringt.
Zu den großen Sympathieträgern unter den Charakteren zählen aus meiner Sicht außerdem Nick, Tine und vor allem ihre Tochter Leni. Vielleicht dreht sich der nächste Teil ja um die letzteren Beiden.
Mein persönlicher kleiner Wermutstropfen ist leider Belle, die ich doch im ersten Teil schon ziemlich lieb gewonnen hatte. Zwar bekommt sie im zweiten Teil nicht allzu viel Raum und verhält sich stets liebenswürdig und freundlich, wirkt aber aus Saskias Sicht ziemlich oberflächlich. Auch Tines Idee, dass sie irgendwann wieder zurück nach Bayern gehen könnte, passt irgendwie nicht so recht zu der Belle, die in Büdnitz doch scheinbar eine neue Heimat gefunden hatte. Allerdings ist sie auch wirklich die einzige Figur, bei der meiner Meinung der Übergang zum zweiten Teil der Reihe nicht ganz harmonisch vonstatten geht.
„Zum Glück gibt’s Wunder“ ist ein wundervoller Roman, der die Wohlfühlatmosphäre mit einem gewissen Maß an Tiefgang verbindet und der Mahnung auf die eigenen Gefühle zu vertrauen und zweite Chancen zu ergreifen.

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Harmonische Weihnachtsstimmung mit Glockengeläut

Weihnachten in der Rosenholzvilla
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Der Kurzroman „Weihnachten in der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach reiht sich nach den ersten beiden Bänden in die Saga rund um die Rosenholzvilla ein. Trotz der vielen Charaktere lässt sich der Roman gut ...

Der Kurzroman „Weihnachten in der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach reiht sich nach den ersten beiden Bänden in die Saga rund um die Rosenholzvilla ein. Trotz der vielen Charaktere lässt sich der Roman gut ohne Kenntnis der ersten beiden Bücher lesen. Ich habe mich allerdings sehr über das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern in der Tessiner Kulisse gefreut.
Mit etwa 140 Seiten lässt sich das Buch auch in der mitunter stressigen Vorweihnachtszeit entspannt lesen. Zum Schluss gibt es dann auch noch einen Vorgeschmack auf den abschließenden Band der Saga „Entscheidung in der Rosenholzvilla“, der im nächsten Frühjahr erscheint. Backfans werden sich über das vorhandene Spampezie Rezept freuen.
Im Namen der Niklas-Eschbach-Stiftung für erkrankte Musiker begrüßt Elisa kurz vor Weihnachten den ersten Gast in der Rosenholzvilla. Eine unliebsame Überraschung nicht nur für Elisa, denn der Gast stellt sich als alter Bekannter und früherer Konkurrent heraus. Auch das Weihnachtsfest, dass im großen Kreis in der Rosenholzvilla gefeiert wird, muss geplant werden. Zwischen Plätzchenduft, Christbaum schmücken und natürlich musikalischen Klänge bemerkt zunächst niemand, dass eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht.
Das weihnachtliche Cover ist ansprechend, hat deutlichen Wiedererkennungswert in Bezug auf die weiteren Bände und passt inhaltlich hervorragend zum Roman. Einzig die Anspielung auf die musikalische Komponente vermisse ich auf dem Cover ein wenig.
Tabea Bach fängt die Weihnachtsstimmung in der Rosenholzvilla sprachlich und atmosphärisch wunderbar ein. Selbst wenn die Stimmung zwischenzeitlich manchmal etwas gedrückt ist, leben die Charaktere bei den gemeinsamen Weihnachtsvorbereitungen spürbar auf. Von den frischgebackenen Spampezie hätte ich am liebsten direkt probiert, dem Streichquartett mit ihren funkelnagelneuen Campanulas gern gelauscht und am Brauch des Glockenläutens teilgehabt. Auch die Aufregung und Angst ist deutlich spürbar, wenn im letzten Drittel des Romans die bis dato eher unterschwellige Spannung sprunghaft ansteigt. Sehr stimmungsvoll finde ich auch, dass weihnachtliche Traditionen aus verschiedenen Ländern in der Rosenholzvilla vereint werden. Ein ganz besonders festliches Gefühl liefert mir vor allem das viersprachig gesungene „Stille Nacht“.
Doch nicht nur musikalisch sind in der Rosenholzvilla diesmal harmonische Töne zu vernehmen. Auch zwischen den Charakteren geht es trotz aller sonstigen Spannungen ungewohnt friedlich zu. Neben den sehr einträchtig verlaufenden weihnachtlichen Vorbereitungen, lässt ein Katastrophenfall die so unterschiedlichen Menschen noch näher zusammenrücken und gemeinschaftlich ihr Bestes geben. Obwohl die Kürze des Buches und die ausgeglichene Stimmung den zahlreichen Charakteren ein wenig Tiefe nimmt, ist es für einen Weihnachtsroman in meinen Augen absolut angemessen: Mit viel Herzenswärme wird der Weihnachtsgedanke der Nächstenliebe in der Rosenholzvilla gelebt. Neben Elisa, die augenscheinlich mit ihren Aufgaben wächst und in fast jeder Situation Ruhe und Überblick bewahrt, rückt auch Mimi, die Heiligabend ihren sechsten Geburtstag feiert, in den Mittelpunkt und wird zu einer echten Heldin. Beide Figuren sind trotz der begrenzten Seitenzahl vielschichtig und authentisch angelegt. Über den Hintergrund Adrien Dufois‘, erster Gast der Rosenholzvilla, erfährt man ein einige interessante Details. Seine mitunter hilfsbereite Art bereits darauf hinweist, dass er hinter seiner ruppigen Fassade eigentlich ein gutes Herz verbirgt. Daher freue ich mich, ihn hoffentlich im nächsten Band wiederzutreffen.
„Weihnachten in der Rosenholzvilla“ ist ein herzerwärmender Weihnachtsroman, in dessen Fokus neben jeder Menge stimmungsvoller Weihnachtsatmosphäre auch Werte wie Nächstenliebe und bedingungslose Hilfsbereitschaft stehen. Im Tessin werden passend zu Weihnachten allseits die Herzen geöffnet. Eine klare Leseempfehlung meinerseits, nicht nur für Weihnachtsromanfans.

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.09.2024

Zwischen Pflichten und Träumen – Jugendjahre eines großen Schriftstellers

Die Leuchttürme der Stevensons
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Wer ist der Mann hinter „Die Schatzinsel“ und „Dr Jekyll & Mr Hyde“? Beide Werke haben mich sowohl bei der Lektüre als auch auf der Bühne fasziniert. Was liegt da näher als einen Blick auf den Autor Robert ...

Wer ist der Mann hinter „Die Schatzinsel“ und „Dr Jekyll & Mr Hyde“? Beide Werke haben mich sowohl bei der Lektüre als auch auf der Bühne fasziniert. Was liegt da näher als einen Blick auf den Autor Robert Louis Stevenson (RLS) zu werfen? Vor allem dann, wenn die historischen Fakten, mit einer guten Portion Fiktion angereichert, in einem so wunderbaren historischen Roman wie „Die Leuchttürme der Stevensons“ von Sabine Weiss verpackt sind.
Auf dem grau-blau gehaltene Cover thront ein Leuchtturm in gefährlich tosender See. Nicht nur wie, sondern eben auch auf dem sprichwörtlichen Fels in der Brandung.
Der Roman beleuchtet die drei Jahre des jungen „Louis“ während seines Ingenieurstudiums von 1868-71. Insbesondere die Konflikte mit seinem Vater, den Louis nicht zufriedenstellen kann, und sich selbst im Zwiespalt zwischen Pflichterfüllung und der Sehnsucht seinem eigenen Lebenstraum, der Schreiberei nachzugehen, nehmen viel Raum ein. Auch die angeschlagene Gesundheit begleitet RLS durch den Roman und sein ganzes Leben. Geschickt ergänzt Sabine Weiss in Prolog und Epilog auch noch Momente seiner Kindheit und seiner letzten Lebenstage, was hilft die Handlung aus einem etwas differenzierten Blickwinkel zu betrachten.
Besonders stark gelungen sind die sehr intensiven Landschaftsbeschreibungen, bei denen ich förmlich fühlen konnte, wie diese Eindrücke Louis‘ Fantasie beflügeln. Obgleich sich an den biografischen Fakten nicht rütteln lässt, versteht Sabine Weiss es Spannung aufzubauen und aufrecht zu erhalten. So muss man sich als Leser immer wieder fragen, ob insbesondere die überaus brenzlichen Szenen gerade Louis‘ Träumen oder seiner Fantasie entspringen oder sich real ereignen. Sehr hilfreich für die Einordnung in Fakten oder Fiktion ist dabei das ausführliche Nachwort der Autorin. Nur an wenigen Textstellen hätte ich mir eine kleine Straffung zugunsten höherer Dynamik bzw. Dramatik gewünscht.
Hauptcharakter Louis wächst mit dem calvinistischen Glauben auf, entwickelt sich selbst aber zu einem Freigeist. Als Kind aufgrund seiner vielen lebensgefährlichen Erkrankungen noch liebevoll behütet und gehätschelt, fallen Louis seine Verpflichtungen als Heranwachsender schwer. Er kann und will sich diesen nicht mit der nötigen Intensität widmen. Obwohl Louis ausgesprochen stolz darauf ist, was seine Familie im Leuchtturmbau leistet, sieht er sich nicht in der Lage in die familiären Fußstapfen zu treten. In der heutigen Zeit selbstverständlich, Louis kann sich seine halbherzige Herangehensweise an sein Studium jedoch nur durch die finanzielle Sicherheit seines Elternhauses leisten. Eine Sicherheit, die auch Abhängigkeit schafft, denn sein Vater diktiert die strengen Regeln. Dabei unterscheiden sich Louis Vorstellungen von Pflichtgefühl, Moral und Glaube grundlegend von denen seiner Eltern. Die daraus resultierenden regelmäßigen Konflikte mit seinem Vater belasten Louis schwer. Trotz aller innerfamiliären Widerstände hält Louis stets an seiner Schreibleidenschaft fest. Mit seiner enormen Beobachtungsgabe erkundet er immer wieder das „wahre Leben“ und die Gesellschaft. Statt Standesunterschiede zu machen, begegnet Louis anderen Menschen dabei offen und vorurteilsfrei. Um seine Familie nicht noch mehr zu enttäuschen und großen Differenzen aus dem Weg zu gehen, sucht Louis Kompromisse. Trotz allem Unverständnis füreinander ist die liebevolle Verbindung im Hause Stevenson nicht gänzlich vergessen.
Mit lebhaften Beschreibungen von Natur und Gesellschaft, dramatischen Spannungsmomenten und dem konfliktbeladenen Familienleben des Robert Louis Stevenson erzählt dieser historische Roman in einem überaus gelungenen Verhältnis aus Fakten und Fiktion den steinigen Weg des berühmten Schriftstellers. Sehr empfehlenswert!

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  • Cover
  • Geschichte
Veröffentlicht am 15.07.2024

Selbstfindung, Liebe und jede Menge schwedisches Flair

Mittsommercamp zum Verlieben
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Der jüngste Band der Reihe Travel Love Stories kommt aus dem hohen Norden: Michaela Metzners Roman „Mittsommercamp zum Verlieben“ liefert wunderschöne hyggelige Wohlfühlmomente und mit viel Lokalkolorit ...

Der jüngste Band der Reihe Travel Love Stories kommt aus dem hohen Norden: Michaela Metzners Roman „Mittsommercamp zum Verlieben“ liefert wunderschöne hyggelige Wohlfühlmomente und mit viel Lokalkolorit das Schwedenfeeling für Zuhause.

Nach 14 Jahren Beziehung wird Bea von ihrem Verlobten Thomas sitzen gelassen. Kurzerhand beschließt sie Deutschland den Rücken zu kehren und nach Schweden auszuwandern. Vor Ort muss sie jedoch feststellen, dass ihr Plan nicht zu Ende gedacht war. Um ihre marode Hütte zu sanieren, nimmt Bea den Betreuerjob in einem Sommercamp für Teenager an. Neben herausfordernden Kindern hat sie es nun auch noch mit dem äußerst mürrischen Chef Ed zu tun, der ihr Herz schneller schlagen lässt und kommt nicht umhin ihr eigenes Leben zu überdenken.

Michaela Metzner beschreibt in einem sehr flüssigen Schreibstil vor allem die landschaftlichen Besonderheiten sehr greifbar, sodass ich mich als Leser voll und ganz in die schwedische Landschaft zwischen See und Wald versetzt fühle. Auch die landestypischen Sitten und Gebräuche, sowie die eingestreuten schwedischen Wörter tragen zu diesem Gefühl bei. Wer sich die Wörter nicht erschließen kann, findet auf den letzten Seiten eine Wörterliste. Der Roman wird aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei diese abschnittsweise zwischen Bea und Ed wechselt. Eigentlich ein cleverer Schachzug, genau an dieser Stelle hätte ich mir aber doch noch etwas mehr Intensität in dem großen Gefühlsaufruhr gewünscht.
Die Hauptfiguren sind ausgesprochen sympathisch und charakterlich sehr verschieden, was die Handlung um so interessanter macht. Der Sozialarbeiter Ed betreut nicht nur das Sommercamp, sondern auch Kinder und Jugendliche in Stockholm, die in heiklen (familiären) Situationen stecken. In seiner Arbeit mit den Kindern zeigt er sich stets souverän. Aber auch er hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Recht wortkarg und manchmal etwas brummig, lässt er nicht so leicht jemanden an sich heran. Die deutsche Sekretärin Bea hat eigentlich überhaupt keine Ahnung von Kindern und wirbelt mit ihrer mangelnden Erfahrung und ihrer Tollpatschigkeit das Campleben ziemlich durcheinander. Überhaupt verhält sie sich mitunter recht widersprüchlich, ziemlich stur, mal spontan und chaotisch, dann wiederum absolut organisiert. Neben ihrem Beziehungsende muss sie sich nun endlich auch den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen und gelangt dabei durchaus zu überraschenden Einsichten. Auch das Mädchen Rika ist eine spannende Figur: Mit einer alkoholkranken Mutter und ohne Kontakt zu ihrem Vater hat sie es nicht leicht im Leben und kompensiert ihre Enttäuschung und Überforderung mit provokantem, wie selbstverletzenden Verhalten. Sie und ihre Situation sind für Bea der Auslöser sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen.
Die ganz große Spannung kommt in diesem kuscheligen Wohlfühlroman nicht auf, was für diese Art Lektüre allerdings weder untypisch noch negativ ist. Über viele kleine und größere Umwege läuft die Handlung auf ein Ende hinaus, dass sich schon beim Lesen des Klappentextes erahnen lässt. Durch die authentisch wirkenden Schwierigkeiten einer Auswanderin und viele persönliche Schicksalsschläge und Probleme sowohl bei den Hauptcharakteren wie auch bei den Jugendlichen wird es aber auf keinen Fall langweilig. Man merkt auf jeden Fall, dass die Autorin über eigene Schwedenerfahrungen bauen kann. Ernste Themen werden zwar angerissen, aber nicht soweit vertieft, als dass die Wohlfühlatmosphäre in Gefahr gerät.
Diese cozy Liebesgeschichte mit viel schwedischem Flair und einer guten Portion Selbstreflexion ist eine ideale leichte Sommerlektüre, nicht nur für Schwedenfans.

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Veröffentlicht am 10.07.2024

Zwischen familiären Dissonanzen und harmonische Klängen

Das Versprechen der Rosenholzvilla
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„Das Versprechen der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach ist der zweite Teil der Saga um eine Instrumentenbauerfamilie im Tessin. Obwohl einige Hintergründe sich erst nach und nach herauskristallisieren, lässt ...

„Das Versprechen der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach ist der zweite Teil der Saga um eine Instrumentenbauerfamilie im Tessin. Obwohl einige Hintergründe sich erst nach und nach herauskristallisieren, lässt sich der Roman auch Kenntnis des ersten Teils problemlos verstehen.

Elisa und Danilo planen ihre gemeinsame Zukunft – sehr zum Missfallen von Danilos Bruder Fabio, der ebenfalls Gefühle für Elisa hegt. Eine Offenbarung von Niklas sorgt für ungeahnte Turbulenzen, die nicht nur die Familien, sondern auch die Instrumentenwerkstatt vor enorme Probleme stellt. Unzufriedenheit, Eifersucht und Missgunst sind nun Tür und Tor geöffnet.

Tabea Bachs Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen. Trotzdem sind die Kapitel ein wenig lang, sodass man sich nicht schnell zwischendurch mal ein Kapitel „gönnen“ kann. Elisas Gefühlswelt wird von der Autorin intensiv beschrieben und ihre Musikbeschreibungen sind so eindrücklich, dass man beim Lesen beinahe meint die Klänge zu hören. Ein wenig Anlaufzeit braucht der Roman aber trotzdem: Während sich im Rest des Buches die Ereignisse überschlagen, wirkt das erste Drittel noch etwas langatmig.
Ganz besonders spannend sind Tabea Bachs Charaktere. Wirklich sympathisch ist mir hier kaum jemand. Die charakterlichen Schwächen der einzelnen Figuren sind dafür aber umso interessanter. Elisas Großvater Niklas ist es zweifelsfrei gewohnt den Takt anzugeben und sehr dominant. Fabio befindet sich in einer Ausnahmesituation, die sein Leben ziemlich erschüttert. Wenn man auch sein Handeln nicht unbedingt gutheißen kann, insbesondere das Verhalten seiner kleinen Tochter gegenüber, so ist es doch nachvollziehbar und vor allem menschlich. Elisas luxusverwöhnte Mutter Anna macht einen geradezu abstoßend egoistischen Eindruck. Auf die Gefühle ihrer Mitmenschen nimmt sie wenig Rücksicht und sucht die Schuld an der eigenen Misere stets bei anderen – vorzugsweise bei ihrem Vater, aber ebenso bei Elisa. Auch Danilo lässt sich stark von seinen eigenen Interessen leiten und versucht dabei Elisa als Mittel zum Zweck zu benutzen, sie zu drängen und sogar zu manipulieren. Gerade zu einem Zeitpunkt, an dem sie seinen Rückhalt am meisten benötigt, kehrt er ihr den Rücken zu und wirft mit schlimmen Unterstellungen um sich. Ob er wirklich der Richtige für Elisa sein kann? Elisa selbst ist ausgesprochen harmoniebedürftig und versucht es stets allen recht zu machen. So gedankenlos oder gar dreist manche Erwartungshaltung ihr gegenüber auch ist, plagt sie bei Nichterfüllung das schlechte Gewissen. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie auch mal kräftig auf den Tisch haut und ihrer Familie und Freunden die Meinung geigt. Immerhin hat sie nach langen Jahren endlich wieder zu ihrer Musikleidenschaft zurückgefunden und spielt mit großer Hingabe ihre Campanula.
Während die Spannungskurve im ersten Drittel des Romans noch sehr flach verläuft, gelingt es Tabea Bach mit zahlreichen, unvorsehbaren Wendungen den Bogen bis zum Schluss konstant auf einem sehr hohen Niveau zu halten. Man darf sehr gespannt sein, wie die vielen familiären Entwicklungen sich auf den nächsten Teil der Saga auswirken.

Insgesamt bringt „Das Versprechen der Rosenholzvilla“ eine gelungene Mischung aus Einklang und Konflikten mit sich. Sehr erfrischend finde ich, dass die Figuren, obgleich nur wenige meine Sympathie erlangen konnten, nicht bis zum Abwinken idealisiert werden. Die allgegenwärtige Musik gibt dem Ganzen noch eine wunderbar ästhetische Note.

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