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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2025

Ein historischer Krimi mit Fokus auf dem Historischen

Die Nordseefalle
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Inhalt: Theodor Storm hat einen neuen Mandanten: den Tagelöhner Hinrich Dahl. Dieser wird beschuldigt, nach einer durchzechten Nacht einen Fremden erstochen zu haben. Brisant: Der Fremde war Däne, wodurch ...

Inhalt: Theodor Storm hat einen neuen Mandanten: den Tagelöhner Hinrich Dahl. Dieser wird beschuldigt, nach einer durchzechten Nacht einen Fremden erstochen zu haben. Brisant: Der Fremde war Däne, wodurch die Husumer Justiz nur bedingt agieren kann. Storm, der von der Unschuld seines Mandanten überzeugt ist, reist daher kurzerhand auf die Insel Föhr, wo gerade der dänische Hofstaat residiert…

Persönliche Meinung: „Die Nordseefalle“ ist ein historischer Krimi, der in Husum und Umgebung spielt. Es handelt sich um den vierten Storm-Krimi (da die Fälle in sich geschlossen sind, lassen sich die einzelnen Teile auch unabhängig voneinander lesen). Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Peter Söt, dem Schreiber von Theodor Storm. Storm und Söt bilden hier ein Ermittlergespann à la Holmes und Watson. Eine große Stärke des Romans ist seine historische Akkuratesse: Der historische Hintergrund sowie die Lebenslagen der Protagonisten sind stimmig und basieren – wie das Nachwort aufzeigt – auf detailreicher Recherche; die beiden Handlungsorte Husum und Föhr werden ebenfalls schön in das historische Setting eingebunden und insgesamt atmosphärisch dicht beschrieben. Der Schreibstil ist ingesamt klar und besitzt eine passende, leicht altertümliche Patina. Allerdings: Vor diesem wirklich brillanten Historischen blieb für mich die Krimihandlung zu blass. Storm und Söt ermitteln kaum, stolpern eher über Leichen und die prinzipiell spannende Lösung des Falls konnte ihr eigentliches Potential für mich nicht völlig entfalten. Insgesamt ist „Die Nordseefalle“ daher eher eine Lektüre für Liebhabende des Historischen als des Kriminellen – die Reihe insgesamt möchte ich dennoch jedem ans Herz legen, da sie durch den Ermittlern Theodor Storm wirklich einmalig ist!

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Stärker als der Vorgänger

Die Tochter des Serienkillers
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Inhalt: Jenny lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in einem kleinen Dorf in Devon. Was keiner weiß: Jenny ist nicht ihr richtiger Name. Diesen legte sie ab, um ihrer manipulativen Mutter und ihrem ...

Inhalt: Jenny lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in einem kleinen Dorf in Devon. Was keiner weiß: Jenny ist nicht ihr richtiger Name. Diesen legte sie ab, um ihrer manipulativen Mutter und ihrem Vater, der als Serienmörder überführt worden ist, zu entkommen. Doch: Die Vergangenheit hängt Jenny immer noch nach. Mehrfach hat sie Blackouts, bei denen sie das Haus verlässt. Als plötzlich die ehemalige Geliebte ihres Mannes entführt wird, gerät Jenny in Panik: Ist sie Täterin wider Willen? Hat sich das sog. Serienmörder-Gen ihres Vaters weitervererbt?

Persönliche Meinung: „Die Tochter des Serienkillers“ ist ein psychologischer Thriller von Alice Hunter. Der Band gehört zur „Familie des Serienkillers“-Reihe, allerdings lassen sich die bisher erschienen Bände unabhängig voneinander lesen; beide behandeln eine eigene Geschichte. Erzählt wird der Thriller hauptsächlich aus den Ich-Perspektiven von Jenny und Mark (Jennys Ehemann); zwischendurch finden sich außerdem Gespräche zwischen einer namenlosen Person und Jennys Vater. Insbesondere die Perspektiven von Jenny und Mark besitzen eine psychologische Tiefenschärfe: Beide nähern sich permanent dem Gedanken an, dass Jenny die Entführerin sein könnte, wobei sie gleichzeitig ihre Beziehung hinterfragen. Zu Beginn der Lektüre erinnert der Thriller sehr stark an den Vorgänger „Die Frau des Serienkillers“, in dem die Täterfigur bereits in den ersten 50 Seiten identifiziert worden ist (wodurch die Handlung recht unspektakulär dahinplätscherte). Daher hatte ich die Sorge, „Die Tochter des Serienkillers“ würde einem ähnlichen Muster folgen. Dies war allerdings unbegründet: Ohne zu viel verraten zu wollen, ist der Fall, der in „Die Tochter des Serienkillers“ behandelt wird, vertrackter, wendungsreicher und insgesamt komplexer als in dem Vorgänger – weshalb mir auch der vorliegende Thriller um Einiges besser gefallen hat. Der Schreibstil von Alice Hunter ist anschaulich und lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Die Tochter des Serienkillers“ ein spannender, psychologischer Thriller.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Eine informative Anthologie

Weihnachten bei der Familie Goethe
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„Weihnachten bei der Familie Goethe“ ist eine Sachtext-Anthologie, herausgegeben von Gerd J. Grein, die sich schwerpunktartig mit den weihnachtlichen Feierlichkeiten zu Goethes Kinder- und Jugendzeit in ...

„Weihnachten bei der Familie Goethe“ ist eine Sachtext-Anthologie, herausgegeben von Gerd J. Grein, die sich schwerpunktartig mit den weihnachtlichen Feierlichkeiten zu Goethes Kinder- und Jugendzeit in Frankfurt beschäftigt. Die Anthologie besteht hauptsächlich aus kurzen Sachtexten, die das Weihnachtsfest im Hause Goethe näher beleuchten. So finden sich Texte, die die Koch- und Esskultur im Großen Hirschgraben oder das Weihnachtsfest im 18. Jahrhundert vorstellen. Auch der Geschenkaustausch zwischen Goethes Mutter in Frankfurt und Goethes Familie in Weimar oder die bürgerliche Krippentradition werden näher beschrieben. Aufgelockert werden diese Texte durch Quellen (z. B. Briefe von Christiane Vulpius) oder Auszügen aus dem Werk von Goethe (z. B. der Christabend in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“). Daneben sind weihnachtliche Rezepte abgedruckt, die so (oder so ähnlich) im Hause Goethe zubereitet worden sind (z. B. Pasteten, Zimtsterne oder Karthäuser-Klöße). Insgesamt ist „Weihnachten bei der Familie Goethe“ eine schöne Anthologie, die sowohl Goethes Weihnachtsfest als auch die Weihnachtsfeierlichkeiten des Bürgertums Ende des 18. Jahrhunderts/Beginn des 19. Jahrhunderts näher vorstellt.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Ein spannender, atmosphärischer Krimi

Still ist die Nacht (Ein Fall für Maya Topelius 2)
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Inhalt: Mittsommer in Schweden. Nach einem anstrengenden Fall braucht die Kriminalinspektorin Maya Topelius eine Auszeit: Dafür nimmt sie an dem Yogaretreat ihrer Freundin Emely teil, das auf einer abgelegenen ...

Inhalt: Mittsommer in Schweden. Nach einem anstrengenden Fall braucht die Kriminalinspektorin Maya Topelius eine Auszeit: Dafür nimmt sie an dem Yogaretreat ihrer Freundin Emely teil, das auf einer abgelegenen Schäreninsel stattfindet. Doch die Stimmung der Teilnehmenden ist nicht so entspannt, wie man vermuten könnte; ein Streit bricht aus und am Tag nach Mittsommer wird die Leiche eines Mannes im Schilf gefunden. Kurzerhand riegelt die Polizei die Insel ab – und Maya bietet sich als verdeckte Ermittlerin an…

Persönliche Meinung: „Still ist die Nacht“ ist ein Krimi von Sandra Åslund, der in Schweden spielt. Es handelt sich um den zweiten Band der Maya Topelius-Reihe, allerdings ist der Fall in sich abgeschlossen, sodass sich die Krimis unabhängig voneinander lesen lassen. Für ein tieferes Verständnis der Figurenbeziehungen ist es aber natürlich sinnvoll, die Bände chronologisch zu lesen. Der Kriminalroman wird aus mehreren personalen Perspektiven erzählt, wobei Maya die Kernperspektive bildet. Spannung wird innerhalb der Handlung auf mehreren Ebenen erzeugt: Im Vordergrund steht natürlich die Klärung des Mordfalls, zugleich findet sich aber auch ein rätselhafter Prolog, dessen wahrer Gehalt sich erst zum Schluss offenbart. Daneben entstehen auch Spannung auf der Insel: Die Inselbewohner bezichtigen die Teilnehmenden des Retreats der Tat (und andersherum), sodass die Atmosphäre der Handlung stetig bedrohlicher wird. Zusätzlich findet sich auch ein Geheimnis in der Vergangenheit Mayas. Der Schreibstil von Sandra Åslund ist anschaulich und lässt sich flüssig lesen; es entsteht ein schönes Kopfkino der Landschaft der Schäreninsel. Insgesamt ist „Still ist die Nacht“ ein spannender Schweden-Krimi mit einem anschaulich ausgearbeiteten Handlungsort.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Blutbuße
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Inhalt: Die Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind wird erstochen in einem Hotelzimmer aufgefunden. Kurz zuvor hatte sie angekündigt, ein ehemaliges Luxusgebirgshotel, das seit Längerem verfällt, zu ...

Inhalt: Die Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind wird erstochen in einem Hotelzimmer aufgefunden. Kurz zuvor hatte sie angekündigt, ein ehemaliges Luxusgebirgshotel, das seit Längerem verfällt, zu renovieren und wiederzueröffnen – was nicht alle in der Region guthießen. Die Liste der potentiellen Verdächtigen ist daher groß. Zumal: Je tiefer Hanna und Daniel ermitteln, desto deutlicher wird, dass beim Kauf des alten Hotels nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist…

Persönliche Meinung: „Blutbuße“ ist der dritte Polarkreis-Krimi von Viveca Sten, der sich um die Ermittlerin Hanna Ahlander dreht. Der Fall ist in sich abgeschlossen, sodass sich der Krimi auch ohne Kenntnis der Vorgänger lesen lässt. Allerdings spielt auch das Privatleben von Hanna (sowie ihres Kollegen Daniel) eine große Rolle innerhalb des Romans, das sich über die einzelnen Bände hinweg verändert. Um dieses besser nachvollziehen zu können, ist eine chronologische Lektüre sinnvoll. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven: So kommen unterschiedliche Ermittlerfiguren (Hanna bildet dabei den Ankerpunkt), potentielle Täter sowie eine Figur aus der Vergangenheit (Näheres will ich hier nicht spoilern) zu Wort. Spannung entsteht insbesondere durch die Rückblicke in die Vergangenheit des ehemaligen Luxushotels sowie eine Perspektive, die man erst zuletzt wirklich einordnen kann, wodurch ein schöner Twist entsteht (dementsprechend überraschend ist auch die Identität der Täterfigur). Durch die kurzen Kapitel, die häufigen Perspektivwechsel und den anschaulichen Erzählstil lässt sich der Krimi zügig lesen: Die 500 Seiten kommen einem nicht wie solche vor. Dennoch: Teilweise hatte ich den Eindruck, dass die Handlung einzelne Haken schlägt, die es nicht unbedingt gebraucht hätten, wodurch der Roman stellenweise etwas aufgebläht wirkt. Insgesamt ist „Blutbuße“ trotzdem ein spannender Krimi, auf deren Fortsetzung ich mich schon freue.

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