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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2025

Danke, Sie können mein Herz gleich behalten

Der längste Schlaf
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Mara Lux ist Wissenschaftlerin. Wissenschaftlerin für Schlaf. Doch das Schlafen selbst fällt Mara alles andere als leicht.
Als Mara dann plötzlich ein altes Herrenhaus geschenkt bekommen soll, mitten in ...

Mara Lux ist Wissenschaftlerin. Wissenschaftlerin für Schlaf. Doch das Schlafen selbst fällt Mara alles andere als leicht.
Als Mara dann plötzlich ein altes Herrenhaus geschenkt bekommen soll, mitten in der deutschen Provinz, von jemandem zu dem sie keinerlei Verbindung hat und den sie nicht einmal kennt… Ja, ab da wird es dann wirklich seltsam.

Und richtig, richtig gut. Melanie Raabe schreibt mit kraftvollen, klaren Worten. Wie ein Maler der energisch sein Bild mit starken Strichen auf die Leinwand bindet. So zieht sie ihre Leser immer tiefer in Maras Kopf und ihre Geschichte hinein. Verweilt man dann an der ein oder anderen Stelle einmal kurz, um zu Atem zu kommen und nutzt die Zeit um sich in ihren Worten umzusehen entdeckt man die vielen Schnörkel und Verzierungen die dem Buch seine Tiefe geben. Ich hatte das Gefühl beim Lesen auf ein Bild zu blicken, dass sich mir zunächst vollkommen klar eröffnet, nur um beim zweiten Blick an Tiefe zu gewinnen. Immer mehr Details könnte ich hinter den Worten wahrnehmen.

Ich muss zugeben, dass ich nicht wirklich etwas über das Buch wusste. Somit war ich von dem Anteil an magischem Realismus im Buch erst überrascht, konnte mich dann zum Glück schnell darauf einlassen.
Zwischendurch dachte ich erst, es wäre etwas viel. Aber am Ende fügt sich alles sehr rund zusammen.

Die Hauptfigur Mara ist sympathisch und beim Zurückblicken habe ich das Gefühl selbst durch die Gassen und Wälder von Limmerfeld gestromert zu sein (sucht gar nicht erst, den Ort gibt es nicht).

Kaum ein Buch hat mich bisher in diesem Jahr so emotional aufgerissen.

Daher eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Sanfte Kopfmassage unter Freundinnen

No Hard Feelings
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"Wenn sich Penny mit ihren Freunden vergleicht, schneidet sie gar nicht gut ab: Annie wird Partnerina in einer Kanzlei, Bec hat sich verlobt und ihr Mitbewohner Leo macht sorglos Party. Penny aber wartet… ...

"Wenn sich Penny mit ihren Freunden vergleicht, schneidet sie gar nicht gut ab: Annie wird Partnerina in einer Kanzlei, Bec hat sich verlobt und ihr Mitbewohner Leo macht sorglos Party. Penny aber wartet… auf ihren On-Off-Freund Max, auf die versprochene Beförderung, darauf, dass ihr richtiges Leben beginnt."

Das Buch "No hard Feelings" von Genevieve Novak fühlte sich für mich an, wie eine sanfte, aber dringend nötige Kopfmassage.
Nicht zu aufgeregt, nicht zu wenig los und an vielen Stellen einfach Lebensklug. Dabei ist Penny eine absolut nachvollziehbare Protagonistin deren Lebensrealität ich in vielen Punkten nachvollziehen konnte. Natürlich bin ich gute 12 Jahre älter als die Protagonistin und hatte daher an manchen Stellen das Gefühl ihr eher von etwas weiter weg zuzusehen und doch hat mich das Buch an so vielen Stellen einfach kalt erwischt: Gesunde Grenzen setzen auch in Freundschaften?
Seine eigenen Bedürfnisse erkennen und klar formulieren?
Sich um sich selbst kümmern, weil – verdammt nochmal – niemand anderes die Verantwortung dafür hat?
Ja, verdammt. Ich lerne ja auch noch. :)
Von mir gibts daher eine ganz klare Leseempfehlung.

Einziger Kritikpunkt könnte für mich das Ende sein, aber dazu möchte ich nicht Spoilern. Da das Ende für mich hier in keinster Weise den Lesegenuss schmälert ist das nur ein ganz kleiner Punkt.

Wo waren solche Bücher als ich 20 war?

„Leider“ bin ich durch dieses Buch auf den tollen Pola Verlag aufmerksam geworden und jetzt muss ich wohl das gesamte Verlagsprogramm lesen, denn ehrlich gesagt, klingen die ganzen anderen Titel auch verdammt gut.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Ein transformierender Kokon für die Figuren und Leser gleichermaßen

Schöne Scham
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In „Schöne Scham“ schreibt Bianca Nawrath gekonnt über eine 5-er Gruppe von Menschen die durch ein gemeinsames Wochenende Masken fallen sehen und lassen und sich unliebsamen Tatsachen stellen müssen.
Dabei ...

In „Schöne Scham“ schreibt Bianca Nawrath gekonnt über eine 5-er Gruppe von Menschen die durch ein gemeinsames Wochenende Masken fallen sehen und lassen und sich unliebsamen Tatsachen stellen müssen.
Dabei seziert Nawrath gekonnt die Zwischenmenschliche Beziehungsebene und gibt uns Leser:innen einen Einblick in die Gedanken der 3 Protagonistinnen: Ola, Amalia und Kata.

Ich muss zugeben, dass ich nicht viel vom Buch wusste als ich angefangen habe es zu lesen und somit auch von der Handlung zum Teil wirklich überrascht wurde und das im positiven Sinne.
Denn die Beziehungen sind hier nicht unbedingt das was sie zu sein scheinen. Durch feine, besonders zu Beginn, subtile Hinweise die Nawrath in die Gedanken und das Handeln ihrer Figuren streut eröffnet sich uns nach und nach was dahinter steckt.
Ich wünschte wirklich ich hätte dieses Buch in einer Leserunde lesen können, hier könnte man wunderbar diskutieren und auseinander nehmen, hinein interpretieren und neu zusammen fügen.

Nawraths Schreibstil hat mich beeindruckt, ihre klare Sprache ohne Schnörkel lässt sich nahezu einatmen, so schnell fliegt man durch die Seiten und schnell hatte mich die Geschichte damit in ihren Bann gezogen. Dazu kommt dass ich es liebe etwas über Wortbedeutungen zu erfahren, womit sie mich beim Schmetterling ja direkt zu beginn für sich gewonnen hat.
Und oh, wie genial ist dadurch bitte dieses Cover?!

Ich möchte wirklich nicht zu viel verraten, daher verzichte ich auf weitere Storydetails. Nur das noch: Die Geschichte spinnt sich immer dichter um uns Leser, gleichermaßen wie um die Figuren, so dass wir am Ende selbst mit ihnen in einem Kokon sitzen und hoffen dürfen als Schmetterling daraus hervor zu gehen.

Einzig das Ende war für mich dann doch etwas zu schnell, etwas zu hoppla, hop.
Dafür versöhnte mich dann aber wieder der Epilog, der, aus meiner Sicht, Realistisch und nicht zu „Friede, Freude, Eierkuchen“ zeigt wie es weitergegangen ist.

Etwas für jeden der sich nicht scheut einen ehrlichen Blick auf Beziehungs-- und Machtstrukturen innerhalb von Freundschaften zu werfen. Ein Buch dass auch meiner Meinung nach die Leser:innen in die Verantwortung bringt darüber nachzudenken: Was würde ich tun?
Somit ein Buch für Leute, die etwas aus Büchern mitnehmen möchten und sei es nur die Wortherkunft des Schmetterlings.

Von mir gibt es 4,5 Sterne. Eventuell mein Januar Highlight.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Originell, rasant und nimmt sich nicht zu ernst

Whispers of Destiny
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Justine Pust hat mit „Whispers of Destiny“ sicherlich eine der originellsten Ideen umgesetzt, die ich seit langem gelesen habe: Ein Call-Center für den Tod!

Unbedingt lesen wollte ich es ja schon bei ...

Justine Pust hat mit „Whispers of Destiny“ sicherlich eine der originellsten Ideen umgesetzt, die ich seit langem gelesen habe: Ein Call-Center für den Tod!

Unbedingt lesen wollte ich es ja schon bei der Ankündigung: „Säureregen statt Spice“ und ich finde das trifft das Lesevergnügen doch sehr gut (plus einige andere Dinge unter anderem ein Hund! Juchuh!)
Pusts Schreibstil ist dabei locker, flockig, gefühlt von der Hüfte Weg und passend zur Story nimmt sich das gesamte Buch auch nicht all zu ernst (Ja, Bonald Bump, ich schiele dabei auf dich!).
Dabei muss man schon einiges an Humor ab können um diese Geschichte zu feiern. Klar, hier und da war mir mancher Gag auch mal etwas zu konstruiert oder zu drüber und so kleinere Plotholes sind auch nicht wirklich Wasser... bzw Säureregen dicht. Aber ganz ehrlich: Der Tod hat sich hier den Menschen offenbart, möchte Mister genannt werden und hat ein Call Center eröffnet. Wie viel Ernsthaftigkeit habt ihr erwartet?
Die Charaktere haben mir gut gefallen, auch wenn so mancher nicht in die absolute Tiefe geht und hier und da auch mal die Klischee Kiste bemüht wird. Etwas flach waren da zb die „Magenta Moms“ oder auch die Bösen , aber irgendwie hat das hier nicht mein Lesevergnügen gestört.
Blue als Protagonistin war herrlich zynisch und ich konnte richtig nachvollziehen wie schwer ihr die Entscheidung über Leben und Tod jedes Mal gefallen ist.

Ich hoffe nur, dass Pusts Zukunftsvision mal nie Realität wird.

Ab und zu musste ich es dann doch mal aus Seite legen, weil ich dann doch durch die aktuelle Weltlage ein, zwei Tage nichts von Dystopie lesen wollte. Aber das geht absolut nicht zu Lasten des Buches.

Für mich hatte das Buch etwas davon eine wirklich gute Action Komödie zu sehen: Ich fühlte mich sehr, sehr gut unterhalten und wie Jason Statham den Wagen genau weiter fährt nachdem er dreimal durch die Luft Saltos gemacht hat interessiert dabei ja auch niemanden.

Wer ein schnelles, lustiges und sich selbst nicht zu ernst nehmendes Buch lesen möchte, dass einige schräge und sehr coole Ideen parat hat ist hier genau richtig.

Von mir gibts 4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 25.01.2026

McCurdys erster Roman - Rohe erzählerische Kraft

Half His Age
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Mit „Half his Age“ haben wir das zweite Buch von Jennette McCurdy und ihren ersten Roman.
McCurdy erzählt dabei mit roher, teilweise brutaler Ehrlichkeit eine Geschichte über die Besessenheit zweier Menschen ...

Mit „Half his Age“ haben wir das zweite Buch von Jennette McCurdy und ihren ersten Roman.
McCurdy erzählt dabei mit roher, teilweise brutaler Ehrlichkeit eine Geschichte über die Besessenheit zweier Menschen voneinander die sie irgendwie mit Liebe verwechseln. Zeitgleich schwingt immer wieder die Moralfrage mit, denn, wie der Titel nun mal vermuten lässt, ist Waldo halb so alt wie ihr Love Interest. Und das ist noch nicht einmal das größte Problem, ist er auch noch ihr Lehrer und verheiratet mit Kind.
McCurdy lässt kein noch so unschönes Detail aus und schafft es genau mit dieser Art mich in Waldos Bann zu ziehen.
Waldo ist eine starke Protagonistin, auch wenn sie es selbst nicht immer so sieht. Dabei seziert McCurdy durch Waldos Ich-Perpektive gekonnt die Schwächen unserer Generation und der der jüngeren.
Die „Liebes“geschichte ziwschen Waldo und ihrem Lehrer (den sie im übrigen immer nur Mr Korgy und nicht beim Vornamen nennt) ist dabei für den/die Leser:in kein bisschen romantisch. Ganz im Gegenteil, es ist fast körperlich schmerzhaft die Szenen zu lesen. Und das ist hier nichts schlechtes. Teilweise fühlte ich mich angeekelt und ich denke genau so sollte es auch sein.
Dabei ist der gesamte Roman klug und durch seine Unverblümtheit fesselnd. Meine Gefühle gingen zwischen „hoffentlich schafft sie es endlich da raus“, „was zur Hölle bin ich lesend?“ und „Oh f*ck, ich verstehe genau was sie meint und fühle mit ihr“ hin und her.

Einzig am Ende hätte ich mir die ein oder andere moralische Einordnung gewünscht, andersrum kann ich nicht sagen, wie genau ich mir diese vorstelle.
Da wir den Roman ja, wie bereits erwähnt, aus Waldos Sicht erfahren, wüsste ich auch nicht wie genau das gemacht werden sollte. Eventuell über einen Epilog ein paar Jahre später?
Alles in allem enttäuscht aber auch das Ende nicht. Ich hätte gerne einfach nur noch ein bisschen mehr erfahren.

Das Buch ist für alle, die zeitgenössische Protagonistinnen und die harte Realität in Romanen lieben und sich nicht vor der genauen Beschreibung diverser Körperflüssigkeiten scheuen.

Von mir gibt es 4,5 Sterne

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