Januar 1945: Nur mit dem Nötigsten am Leib und bei eisigen minus dreißig Grad muss Frieda über Nacht mit ihrer Tochter aus Schlesien fliehen. Ihr Mann Karl ist an der Front. Frieda und er haben einander versprochen, sich wiederzufinden und den Glauben an ihre Liebe zu bewahren – ohne zu ahnen, welchen Preis Frieda dafür zahlen wird.
Jahrzehnte später fragt sich ihre Enkelin, warum sie jene Bindungen, nach denen sie sich doch eigentlich sehnt, nicht eingehen kann. Woher rührt diese Angst vor Nähe? Als sie sich auf Spurensuche in ihrer Familie begibt, entdeckt sie eine dramatische Geschichte, die bis in die Gegenwart wirkt.
Was kann uns die Liebe abverlangen? Ein mitreißender Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht. Erzählt nach der Familiengeschichte von Fernsehmoderatorin Peggy Patzschke und mit dem ZukunftErbe-Preis 2025 ausgezeichnet.
„Peggy Patzschke stellt sich schonungslos dem größten Problem unserer Gesellschaft: der Weitergabe von Traumata von Generation zu Generation – bis wir nicht mehr wissen, wer wir sind oder warum. Ein Roman, der inspiriert, seine eigene Geschichte zu hinterfragen und aufzuräumen mit der Vergangenheit.“
Nina Gummich
Frieda und Karl sind ein glückliches Paar. Verheiratet mit zwei Kindern überstehen sie die Kriegstage in Schlesien bis fast zum Kriegsende. Doch dann wird Karl doch einberufen, Frieda flieht mit den Kindern ...
Frieda und Karl sind ein glückliches Paar. Verheiratet mit zwei Kindern überstehen sie die Kriegstage in Schlesien bis fast zum Kriegsende. Doch dann wird Karl doch einberufen, Frieda flieht mit den Kindern und dem absolut nötigsten zur Verwandtschaft in den Süden. Doch sie können nicht ewig bleiben. Ein anderes Ziel, als wieder zurückzukehren, gibt es für Frieda nicht, denn wie solle Karl sie sonst finden. Doch die alte Heimat ist nicht mehr dieselbe, sie sind genauso Flüchtlinge wie andere. Und Frida wartet vergeblich auf Karls Rückkehr, ebenso die Kinder. In Halle bauen sie sich ein neues Leben auf und nach langer Zeit kommt ein Lebenszeichen von Karl.
Und heute fragt sich ihre Enkelin, warum sie es nicht schafft, eine feste Bindung einzugehen….
Die Geschichte Friedas wird ausführlich erzählt, so dass man die tiefe Liebe beim lesen spüren kann. Aber auch das Elend, die schwere Zeit, die Hoffnung. An manchen Stellen springt die Geschichte in Heute und zur Enkelin. Die Frage, ob ein Trauma über Generationen weitergegeben werden kann, stellt sich beim Lesen. Wobei dies für mich nicht in den Vordergrund rückte. Vielmehr nahm das Thema Flucht und Vertreibung, Hoffnung und Neuanfang einen Raum ein. Ich möchte nicht vorgreifen, daher ist es schwer Worte zu finden für das Trauma ohne zu viel zu verraten. Der tiefe Einschnitt hat mich mitgenommen. Ich habe mitgefühlt. Ein tolles Buch über ein bewegendes Schicksal.
Ich wollte nur eine schöne Familiengeschichte.
Bekam: Krieg, Flucht, gebrochene Versprechen, emotionales Erbe – und eine Erkenntnis, die mich komplett ausgezogen hat. Innerlich, versteht sich. Außenrum ...
Ich wollte nur eine schöne Familiengeschichte.
Bekam: Krieg, Flucht, gebrochene Versprechen, emotionales Erbe – und eine Erkenntnis, die mich komplett ausgezogen hat. Innerlich, versteht sich. Außenrum trug ich eine Decke und literweise Tränen.
Frieda, die Heldin mit mehr Rückgrat als die gesamte aktuelle Innenpolitik, flieht 1945 mit Kind und Herz aus Schlesien. Ihr Mann? An der Front. Ihr Glaube an die Liebe? Unverrückbar.
Spoiler (kein Spoiler): Liebe ist manchmal nicht genug.
Aber manchmal ist sie genau das – wenn auch anders, als man denkt.
Während ich durch Schnee, Hunger und Hoffnung stapfte, fragte ich mich mehrfach:
Wer zum Teufel hat hier Zwiebeln geschnitten?!
Ach nein, war doch nur mein Herz, das sich an Friedas Geschichte gerieben hat.
Mit Schmirgelpapier. In Zeitlupe.
Schnitt: Jahrzehnte später.
Die Enkelin (mein spirit animal, nur mit mehr emotionalem Schaden) fragt sich, warum Nähe ihr wie ein Minenfeld vorkommt.
Tja. Vielleicht, weil Traumata erblich sind. Nicht offiziell. Aber das Herz vergisst nicht, was der Verstand verdrängt.
Was folgt, ist eine Spurensuche, die mehr offenlegt als jedes Ahnenforschungsportal je könnte.
Es geht nicht nur um Vergangenheit. Es geht um Narben.
Um die unausgesprochenen Dinge, die in DNA übergehen.
Um Liebe, die sich nicht in Worten zeigt, sondern im Bleiben.
Oder im Gehen – aus Liebe.
🖋 Peggy Patzschke schreibt mit einer Sanftheit, die wehtut.
Da ist kein Kitsch.
Kein dramatisches Pathos.
Nur Wahrheit.
Und die brennt manchmal mehr als dreißig Grad minus im Januar ’45.
🎯 Fazit:
„Bis ans Meer“ ist kein Buch, das du liest.
Es ist eins, das dich liest.
Und während du noch glaubst, du hättest dich im Griff, steht da plötzlich ein Satz, der dir das Herz aus der Brust stiehlt – ohne Vorwarnung, ohne Erlaubnis.
Es tut weh.
Und es heilt.
5 von 5 Sternen.
Für Frieda. Für alle, die gegangen sind.
Und für alle, die geblieben sind, obwohl sie auch hätten fliehen können.
Klappentext:
Nur mit dem Nötigsten am Leib und bei eisigen minus 30 Grad muß Frieda über Nacht mit ihrer Tochter aus Schlesien fliehen. Ihr Mann Karl ist an der Front. Frieda und er haben einander versprochen, ...
Klappentext:
Nur mit dem Nötigsten am Leib und bei eisigen minus 30 Grad muß Frieda über Nacht mit ihrer Tochter aus Schlesien fliehen. Ihr Mann Karl ist an der Front. Frieda und er haben einander versprochen, sich wieder zu finden und den Glauben an ihre Liebe zu bewahren – ohne zu ahnen, welchen Preis Frieda dafür zahlen wird.
Jahrzehnte später fragt sich ihre Enkelin, warum sie jene Bindungen, nachdem sie sich doch eigentlich sehnt ,nicht eingehen kann. Woher rührt diese Angst vor Nähe? Als sie sich auf Spurensuche in ihrer Familie begibt, entdeckt sie eine dramatische Geschichte, die bis in die Gegenwart wirkt.
Die. Autorin erzählt auf eine sehr emotionale und mitreißende Weise ,eine Geschichte, die mich von der ersten Seite an fesselte und nicht mehr losließ.Frieda war eine bemerkenswerte Frau, die es selbst unter den schwierigsten Bedingungen schaffte,ihre Familie durch diese schwere Zeit zu bringen. Als der Krieg vorbei war, versuchte sie alles, um ihren geliebten Mann wieder zu finden, doch als das geschah, war alles anders. dass diese Traumata, welche die Menschen damals erlebten, noch auf weitere Generationen einwirkt, kann man sich nur ansatzweise überhaupt vorstellen.Ich habe mir das Buch von der tollen Sprecherin Jana Kozewa vorlesen lassen,es hat mich durchgehend begeistert.
Oder sollte ich lieber als Titel „Wie Menschen überleben können“ wählen? Beides würde zu diesem hinreißenden Roman gut passen. Ich kannte die Autorin Peggy Patzschke bis zu diesem Buch nicht, obwohl ich ...
Oder sollte ich lieber als Titel „Wie Menschen überleben können“ wählen? Beides würde zu diesem hinreißenden Roman gut passen. Ich kannte die Autorin Peggy Patzschke bis zu diesem Buch nicht, obwohl ich viele Reportagen und Dokus im MDR und bei 3Sat gesehen habe, war ihr Gesicht mir unbekannt. Sie könnte meine Tochter sein, ist nur zwei Jahre älter als meine Älteste, ich könnte ihrer Mutter begegnet sein, als ich Anfang der 1970er in Leipzig Buchhändler lernte. Alles fiktiv. Aber es interessiert mich schon, woher Autoren kommen, was sie zu solch tiefgreifenden und die eigene Familie betreffenden Büchern bewegt. Über Eltern, Großeltern, Verwandte zu schreiben, auch über Verstorbene, Gefallene, Vermisste, das erfordert schon eine Menge Mut und auch Durchhaltevermögen, so jedenfalls meine eigene Erfahrung. Und so ein Buch schreibt sich nicht über Nacht. Ich bewundere die Autorin, die nicht nur Fakten recherchiert und aufgeschrieben hat, sondern darum einen ganzen, bewegenden und sehr gut lesbaren Familienroman entstehen und auch ihre eigene Geschichte mit einfließen ließ. Peggy Patzschke hat es jedenfalls geschafft, den „Reißverschluss der Seelen“ zu öffnen.
Ich habe zuerst nur das Hörbuch gehört und bin dann immer wieder zwischen Buch und Hörbuch hin- und hergewechselt, die letzten Kapitel habe ich nur gelesen. Beides hat mich absolut gefesselt. Egal, ob es ihre Großmutter Frieda, ihre Mutter Erika, der Großvater Karl oder Freunde und Verwandte sind, alle Romanfiguren werden von Peggy Patzschke mit liebevoller Zuneigung und Respekt gezeichnet. Wie die Großmutter mit ihrer damals noch kleinen Tochter auf die Flucht aus dem schlesischen Brieg gehen muss, wie sie tatsächlich noch einmal ins eigene Haus zurückkehren können, was die sowjetische Besatzung und die neue polnische Bevölkerung ihnen auch antun, sie kämpfen sich durch. Dass nicht jeder Sowjetsoldat ein Vergewaltiger oder herzlos und schlecht war, beruhigt ein wenig. Besonders, wenn man, wie ich, aus der eigenen Familie auch schreckliche Erlebnisse erfahren hat. Dieses harte Leben nach der Kapitulation Nazideutschlands und der Verlust der Heimat sind fürchterliche Dinge, mich haben die Erzählungen auch in diesem Buch wieder sehr bewegt und mir viele nachdenkliche und traurige Stunden beschert.
Wer die deutsche Geschichte kennt, über Flucht und Vertreibung sehr viel weiß, den wird dann auch nicht verwundern, dass Großmutter Frieda und die Kinder noch ein zweites Mal ihr Zuhause verlieren und vertrieben werden. In Ostdeutschland werden sie als zuerst unbeliebte und verabscheute „Umsiedler“ dann doch ein neues und dauerhaftes Zuhause finden. Die Sehnsucht nach Brieg wird ihnen bleiben. Und die alles verzehrende Liebe zu Ehemann und Vater Karl, den sie nach dem Krieg schmerzlich vermissen.
Mehr zum Inhalt will ich nicht verraten, dieser Roman birgt für den Leser aber noch jede Menge an Überraschendem, an Traurigkeit und trotzdem auch Glück. Also hier kein Spoiler!
Diese Familiengeschichte birgt aber auch das, was heute als das „Kriegsenkeltrauma“ beschrieben wird. Es gibt unterdessen zahlreiche Romane, Biografien, Sachbücher zu diesem Thema. Peggy Patzschke erlebt(e) es am eigenen Leib, wie die Traumata von Großmutter und Mutter in ihr selbst wieder auferstehen. Misstrauen und Angst, mangelndes Selbstbewusstsein oder zu viel davon, es treibt sie um, die Erkenntnis um die Ursachen ist überaus schmerzlich. Sie gibt einiges davon in ihren Heute-Kapiteln und im wundervollen Epilog preis. Sehr offen und mutig.
Ich kann vieles in diesem Roman mit meiner eigenen Familiengeschichte vergleichen, obwohl die Ausgangspunkte sehr unterschiedlich sind, finde ich viele Schnittlinien. Ob es der Gedanke der Autorin ist, mit Mutter und Großmutter bis ans Meer zu reisen oder ob ich mit meinem Mann und meiner Mutter in ihre jetzt polnische Heimatstadt gefahren bin, wir haben langgehegte Wünsche erfüllt.
Fazit: Ein spannender und emotional bewegender Familienroman, die Geschichte der Autorin Peggy Patzschke lässt keine Wünsche offen. Das Hörbuch ist durch die Sprecherin Jana Kozewa wie ein Film in meinem Kopf abgelaufen. Mein Lieblingszitat dieses Buches ist „Ja, man hängt sehr am Leben, egal wie erbärmlich es ist.“
Buch und Hörbuch bekommen von mir volle 5 Sterne.