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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2025

Verwirrend

Die Mündung
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DIE MÜNDUNG ist das Thriller-Debüt von Tim Pieper. Ein Anfänger ist der Autor aber nicht. Vielleicht kennt der ein oder andere von euch ja seine Havel-Krimis. Für mich war es hier allerdings meine erste ...

DIE MÜNDUNG ist das Thriller-Debüt von Tim Pieper. Ein Anfänger ist der Autor aber nicht. Vielleicht kennt der ein oder andere von euch ja seine Havel-Krimis. Für mich war es hier allerdings meine erste Begegnung mit dem Autor.
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In DIE MÜNDUNG bin ich Kommissarin Lena Funk begegnet. Sie hat sich eine Auszeit auf einer abgeschiedenen Insel genommen, um den Mord an ihrer Schwester Jette zu verarbeiten. In einer stürmischen Nacht wird in den Dünen ein Toter freigespült. Offenbar brutal ermordet. In seiner Jacke findet Lena Schmuckstücke. Es handelt sich um Trophäen des Gezeitenmörders, dem auch ihre Schwester zum Opfer fiel.
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Der Anfang des Thrillers hat mich direkt mal in den Bann gezogen. Die Ausgangssituation ist interessant. Protagonistin Lena Funk hat sofort meine Sympathie gewonnen. Die Atmosphäre ist stark. Alle Voraussetzungen für einen guten Thriller sind gegeben. Schon nach kurzer Zeit ist die erste Wendung über mich hereingebrochen, die mich maximal verwirrt und mit offener Kinnlade hat dasitzen lassen. Diesen Dreh musste ich erst mal verarbeiten. Er hat mir aber wiederum sehr gut gefallen, weil er der Story gleich mal einen ganz anderen Touch gibt. Bis hierher hatte der Thriller also meine volle Aufmerksamkeit und ich war sehr gespannt, wie es weitergeht.
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Im weiteren Verkauf hat die Handlung mich dann leider abgehängt. Und das meine ich wortwörtlich. Ich konnte all den dunklen Geheimnissen und dramatischen Wendungen einfach nicht richtig folgen. Es war mir schlicht und ergreifend zu viel. Der Plot ist vielschichtig und legt ein hohes Tempo vor. Es ist ein ständiges Hin und Her verbunden mit der Frage, was hier Wahrheit und was Schein ist. Wir blicken tief in die menschliche Psyche und werden mit falschen Erinnerungen, Träumen, Flashbacks und der Manipulation des Gedächtnisses konfrontiert. Das auch noch ein Bereich der Neurowissenschaft hier thematisiert wird, macht die Handlung extra komplex. Alles für sich genommen ist interessant und auch spannend aufbereitet. Ich habe aber angesichts schneller Szenenwechsel und ständiger Zeitsprünge irgendwie zunehmend den Überblick verloren und konnte dann nicht mehr alles nachvollziehen.
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Die Grundidee, der generelle Aufbau und die Atmosphäre in DIE MÜNDUNG haben mir richtig gut gefallen. Es ist mir aber schwergefallen, bei der Story am Ball zu bleiben. Ich war zunehmend verwirrt und habe darüber den Faden verloren. Nachdem ich jetzt weiß, was mich hier erwartet, ist DIE MÜNDUNG eigentlich ein typischer Re-Read-Kandidat für ruhige Stunden, in denen ich mich dann besser auf den Plot einlassen könnte.

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Neue Ermittlungen im Wendland

Der Wolf im dunklen Wald
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„Der Wolf im dunklen Wald“ ist der zweite Fall für Kommissarin Carla Seidel. Und, nicht zu vergessen, für ihre Tochter Lana, die auch diesmal wieder ihren Teil zur Auflösung des Falls beiträgt.
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Eine ...

„Der Wolf im dunklen Wald“ ist der zweite Fall für Kommissarin Carla Seidel. Und, nicht zu vergessen, für ihre Tochter Lana, die auch diesmal wieder ihren Teil zur Auflösung des Falls beiträgt.
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Eine Gesellschaftsjagd im Wendland. Einer der Teilnehmer wird grausam ermordet aufgefunden. Und wir als Leser*innen sind mit der Nase gleich dabei. Genauso wie Lana, die Tochter von Ermittlerin Carla Seidel. Mit Lana und ihrem Schwarm Fabian starten wir auf einem Hochsitz mitten im Wald in die Geschichte. In den Baumkronen rauscht der Wind. Äste knacken. Wir beobachten einen Wolf. Ja und dann stolpern wir förmlich über die Leiche. Der Auftakt des Krimis ist stark, cineastisch und sehr atmosphärisch in Szene gesetzt. Das hat mir richtig gut gefallen. Der Schreibstil stimmt und hat mich unmittelbar in die Geschichte hineingezogen. Damit knüpft Autorin Sia Piontek nahtlos an den ersten Teil der Reihe an.
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Auch in anderer Hinsicht geht es stark weiter. Denn auch diesmal spielt das Privatleben von Ermittlerin Carla Seidel und ihrer Tochter Lana eine wichtige Rolle. Gut, das ist fast untertrieben, denn was hier auf privater Ebene passiert, ist schon sehr intensiv und nimmt als solches tatsächlich auch viel Raum im Handlungsverlauf ein. Das hat mich jetzt nicht weiter gestört, weil ich interessante Ermittler-Charaktere und die Beschreibung und Weiterentwicklung ihres Umfelds durchaus mag. Die Dynamik des Mutter-Tochter-Gespanns hat für mich im ersten Band bereits einen bedeutenden Anteil am Reiz der Geschichte gehabt. Schade wird es in dem Moment, wenn das Gleichgewicht kippt und mich dieser Aspekt der Handlung mehr zu interessieren beginnt als der eigentliche Kriminalfall. Das war hier streckenweise der Fall. Die Befragungen im Mittelteil haben mich teilweise verloren, weil ich an der Stelle lieber weiter etwas über Carlas Trauma häuslicher Gewalt, ihren wiederaufkeimenden Alkoholkonsum und die Kontaktaufnahme des gewalttätigen Vaters zu seiner Tochter gelesen hätte. Dieser private Handlungsstrang hat mich schon sehr in den Bann gezogen. Der Kriminalfall ist zum netten Beiwerk geworden. Dabei sollte es eigentlich eher andersherum sein. Nichtsdestotrotz ist der Fall spannend, wendungsreich und überraschend. Und gerade die Auflösung hat mich wieder eingefangen und überzeugt.
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Insgesamt habe ich „Der Wolf im dunklen Wald“ gerne gelesen. Für meinen Geschmack hat der Krimi aber im Mittelteil etwas geschwächelt und sich gezogen. Mein Fehler, denn ich habe mich beim Lesen hier teilweise zu sehr auf die starken Charaktere der beiden Protagonistinnen fokussiert, denn Fall etwas außer Acht gelassen und darüber gefühlt den Anschluss verloren. Die Lücke musste ich erstmal wieder schließen. Das starke Finale hat mich dann aber zurückgeholt und überzeugt.

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Zu langatmig

Schattenschwester
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Thriller made in Schweden und ich – das ist irgendwie Liebe. Ich mag es Nordic Noir und springe automatisch auf skandinavische Spannung an. Auch bei Tina N. Martin war schon beim Auftakt klar, dass ich ...

Thriller made in Schweden und ich – das ist irgendwie Liebe. Ich mag es Nordic Noir und springe automatisch auf skandinavische Spannung an. Auch bei Tina N. Martin war schon beim Auftakt klar, dass ich hier am Ball bleibe. Im Januar ist mit „Schattenschwester“ der 3. Fall der Reihe erschienen. Und ich habe mich sehr darauf gefreut.
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Darum geht’s: Elvira ist spurlos aus einem Kinderheim verschwunden. Drei Jahre später stürzt sie von einem Kirchturm in den Tod. Hat sie sich das Leben genommen? Wurde sie ermordet? Die Kommissare Idun Lind und Calle Brand ermitteln…
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„Schattenschwester“ hat mich zunächst wie erwartet mitgerissen. Ich mag den Schreibstil von Tina N. Martin bzw. das, was die deutsche Übersetzung davon transportiert. Der Einstieg ins Buch ist wirklich super. Die Story beginnt richtig packend, so dass ich so schnell wie möglich weiterlesen wollte. Was mir ebenfalls gefällt, sind die psychologischen Aspekte der Geschichte. Und ich mag die Aufbereitung mit Rückblenden, die eine Parallelgeschichte erzählen, die sich Stück für Stück in das Gesamtgeschehen einfügt.
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Statt aber immer tiefer in die Handlung einzutauchen, habe ich im Verlauf irgendwie das Interesse verloren. Das anfängliche Spannungslevel hat sich aufgelöst. Rund 560 Seiten Thriller sind für meinen Geschmack hier einfach zu viel. Die Story hat Längen bekommen. Es wurde mir teilweise viel zu ausschweifend und zu wenig auf den Punkt erzählt. Das hat mich aus dem Lesetritt gebracht
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Auch was den Blick ins Privatleben unserer Protagonistin angeht, bin ich zwiegespalten. Anfangs fand ich Idun in diesem Fall sehr nahbar und menschlich eingefangen. Im Verlauf wurde sie mir aber zunehmend unsympathischer. Den Sinneswandel, den sie vollzieht, habe ich nicht verstanden. Und wie sie sich in der Schlussphase der Ermittlung verhält, habe ich ihr einfach nicht abgekauft.
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Fazit: „Schattenschwester“ beginnt sehr stark und verliert dann durch Langatmigkeit. Insgesamt hat mir dieser Fall nur mittelprächtig bis weniger gut gefallen. Vielleicht hat mich der Thriller aber gerade auch nur auf dem falschen Fuß erwischt.

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Veröffentlicht am 23.12.2024

Ein Thriller von vielen

One Perfect Couple
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Es hat Tradition, dass kurz vor Jahresende ein neuer Thriller von Ruth Ware erscheint und sofort von mir gelesen wird. Mit ONE PERFECT COUPLE springt Ruth Ware nun auch noch auf den Thriller-Zug rund um ...

Es hat Tradition, dass kurz vor Jahresende ein neuer Thriller von Ruth Ware erscheint und sofort von mir gelesen wird. Mit ONE PERFECT COUPLE springt Ruth Ware nun auch noch auf den Thriller-Zug rund um Reality-Formate auf. Dann schauen wir mal, ob die Reise gelingt…
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Darum geht’s: ONE PERFECT COUPLE ist der Titel der Realityshow, an der Lyla und ihr Freund Nico teilnehmen. Auf einer einsamen Insel im Indischen Ozean sollen sich fünf Paare diversen Challenges stellen. Bevor es richtig losgeht, wird das Paradies zum Albtraum. Ein Sturm schneidet die Teilnehmer von der Zivilisation und allen Kommunikationsmöglichkeiten ab. Der Kampf ums Überleben beginnt…
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Mich hat das Ganze eklatant an DIE INSEL von Sarah Goodwin erinnert. Diesen Thriller mochte ich leider so gar nicht. Und auch Ruth Ware hat es nicht geschafft, mich für die Plotidee zu begeistern. Die ist ja von der Grundvoraussetzung her nicht schlecht. Fesseln konnte sie mich aber auch hier nicht.
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Das Setting an sich ist filmreif. Und weil man solche TV-Formate eben kennt, hat man als Leser*in auch direkt Bilder im Kopf und kann sich die Riege der Teilnehmer gut vorstellen. Die muss man natürlich alle auch erst mal kennenlernen. Und das sorgt gleich zu Beginn für Längen. Aber: Ruth Ware kann die Anlaufschwierigkeiten mit ihrem Schreibstil geschickt überbrücken. Mich hat sie vor allem mit kurzen Einschüben, die das weitere Geschehen bereits vorwegnehmen, bei Laune gehalten. Als die Gruppe auf der Insel ankommt und dann tatsächlich in die Katastrophe schlittert, nimmt die Geschichte endlich Fahrt auf. Naja, zumindest etwa - denn Ruth Ware schafft es leider nicht, dass die von ihr erdachte Handlung besonders aus der Masse ähnlich gelagerter Plots hervorsticht. Die Charaktere bleiben für diese Art von Geschichte viel zu flach und wenig individuell. Mich hat das Schicksal der Personen deshalb größtenteils kalt gelassen. Spannung ist für meinen Geschmack hier eher latent und nur punktuell vorhanden. Am spannendsten waren für mich tatsächlich die kurzen kursiven Zwischenabschnitte, in denen die Geschehnisse etwas anders dargestellt werden als in der Haupthandlung. Das hat mich aufmerken lassen und neugierig gemacht, was wohl dahintersteckt. Ich hatte hier noch auf einen echten Knalleffekt zum Schluss gebaut. Stattdessen ist die Auflösung aber ziemlich ernüchternd und hat bei mir einen eher faden Beigeschmack hinterlassen.
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Ruth Ware hat sich bei mir über die Jahre einen gewissen Bonus aufgebaut. Damit und mit viel gutem Willen meinerseits kann sie sich nochmal in eine mittelprächtige Bewertung retten. Jeder Bonus ist aber mal aufgebraucht. Nächstes Mal muss sie jetzt wirklich mal wieder einen raushauen…

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Veröffentlicht am 20.12.2024

Genre-Mix

Flutnacht – Eine Familie. Eine Nacht. Ein tödliches Geheimnis.
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Alice Feeney und ihre Thriller sind bisher tatsächlich komplett an mir vorbeigegangen. Nachdem mir ein paar begeisterte Stimmen dazu über den Weg gelaufen sind, ist ihr neues Buch FLUTNACHT direkt mal ...

Alice Feeney und ihre Thriller sind bisher tatsächlich komplett an mir vorbeigegangen. Nachdem mir ein paar begeisterte Stimmen dazu über den Weg gelaufen sind, ist ihr neues Buch FLUTNACHT direkt mal auf meiner Leseliste gelandet. Überzeugt hat es mich jedoch nicht so ganz.
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Darum geht’s: Eine Familie versammelt sich zu einem 80. Geburtstag in einem Haus auf einer Klippe in Cornwall. Wenn die Flut kommt, ist man acht Stunden lang von der Außenwelt abgeschnitten. In dieser Zeit brechen Konflikte auf. Nicht jeder überlebt die Nacht…
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Die Ausgangssituation hat mich zunächst mal kolossal an meinen Lieblingskrimi von Agatha Christie erinnert. Im Buch selbst wird der Vergleich zu einem Cluedo-Spiel hergestellt. Auch das passt. Der Anfang der Geschichte hat mir entsprechend gut gefallen und konnte mich erstmal in den Bann ziehen. Dann driftet die Handlung aber mehr und mehr Richtung eher zähes Familiendrama ab. Bei den Darkers hat jeder einen an der Klatsche. Das wird durch zahlreiche Rückblenden verdeutlicht. Die sind durchaus interessant und haben für den Plot auch ihre Berechtigung. Allerdings nehmen mir diese Erzählstränge doch etwas zu viel Raum ein und machen die Story dadurch für meinen Geschmack langatmig und ermüdend. Auf einen richtigen Twist in der Geschichte musste ich lange warten. Durch ihn wird das Buch dann schlagartig und vollkommen unerwartet nochmal in eine ganz andere Richtung katapultiert. The Sixth Sense lässt grüßen.
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Ich sag mal so: Schlecht ist das Buch nicht. Die verschiedenen Spielarten der Story sind jede für sich genommen, eigentlich ganz gut. Sie sind für meinen Geschmack hier nur nicht stimmig kombiniert. Was als klassischer Krimi beginnt, driftet mehr und mehr ins Drama ab, um dann kurz vor Schluss noch einen Haken ins gruselig-übersinnliche zu schlagen. Die Art und Weise, wie dieser wilde Genre-Mix hier umgesetzt wurde, wirkt auf mich etwas unentschlossen, so dass ich mich am Ende dann auch gefragt habe, was ich hier überhaupt gelesen habe.
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Trotzdem ist FLUTNACHT kein kompletter Reinfall. Ich mochte das Setting und die Atmosphäre. Die Handlung hat insgesamt gute Spannungsmomente und interessante Aspekte zu bieten. Sympathische Charaktere, in die ich mich hineinversetzen und mit denen ich mitfiebern konnte, habe ich dagegen vergebens gesucht. Das ist aber gar nicht mein Hauptproblem mit dem Buch. Gestört hat mich vielmehr die Erzählweise, die wirkt, als hätte die Autorin drei unterschiedliche Varianten des Buches geschrieben und daraus dann eine gemacht. Das hakt irgendwie und hat mich insgesamt etwas unbefriedigt zurückgelassen.

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