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Veröffentlicht am 07.03.2021

Cosy-Crime in Bad Reichenhall

Kurschatten-Affäre
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Kurschattenaffäre ein Bad-Reichenhall-Krimi von Lisa Graf-Riemann
„Triffst du dich immer noch mit der Schimmel?“, fragte sie jetzt. Sascha zuckte die Schultern. Sascha zuckte mit den Schultern. „Ihr Mann ...

Kurschattenaffäre ein Bad-Reichenhall-Krimi von Lisa Graf-Riemann
„Triffst du dich immer noch mit der Schimmel?“, fragte sie jetzt. Sascha zuckte die Schultern. Sascha zuckte mit den Schultern. „Ihr Mann ist gestern Nachmittag gekommen“, sagte er, auch wenn das keine richtige Antwort war.
“Dann halt dich da raus“, riet Paulina ihm. „Das führt doch zu nichts.“
Sascha fiel auf, dass Paulinas Gesicht voller Runzeln war, dabei sah er sie doch jeden Tag. Um die Augen herum waren sie weniger tief als auf der Stirn, und besonders kräftig war die große Marionettenfalte zwischen Nase und Mundwinkel hinunter zum Kinn. Es war ihm noch nie so stark aufgefallen. S.153/154

Der Schlagabtausch zwischen Alexander, genannt Sascha und seiner Großtante Paulina spitzt sich zu, als er einer bezaubernden Frau begegnet. Eher als guter Zuhörer beansprucht Mira die Dienste des Möchtegern-Physiotherapeuten als zur Behebung körperlicher Gebrechen. Die taffe Tante richtet mahnende Worte an ihren Schützling. Doch zu spät. Sascha ist schon mittendrin im Schlamassel. Als der 20 Jahre ältere Ehemann und angesehene Mediziner seiner Kurschattenaffäre durch eine Kugel zu Tode kommt, fällt der Verdacht auf ihn. Gewitzt und mit eigenen Methoden macht sich Sascha daran, der Spur des Mörders auf die Schliche zu kommen.

Die amüsante Geschichte nimmt nur langsam an Fahrt auf. Spannend steht hier konträr zu unterhaltsam. Denn darauf liegt eindeutig der Schwerpunkt der Geschichte. Das ist in Ordnung und entspricht vollkommen der Sparte Cosy-Crime und unterhält auf charmante Art und Weise.

Die Figuren sind angenehm, wobei Tante Paulina glänzend aus der Erzählung heraussticht.

Ein großer Pluspunkt ist die bezaubernd und wunderbar beschriebene Kulisse des Kurorts Bad Reichenhall, die sich vor den Augen des Lesers entfaltet.

Die Aufmachung des Buches ist ein weiteres Highlight. Mit den goldumfassten Seiten und dem passendem Cover ist das Buch schön anzusehen und liegt gut in der Hand.

Fazit: Dank des ausgezeichneten Lokalkolorits und des charmanten, schlagfertigen Charakters der Tante Paulina, lesenswert! Wenig Krimi, aber gute Unterhaltung. Charmant, mit Potential für eine Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 17.04.2018

Deutschlands vergangene Jahrhunderte

Deutschlandreise
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Deutschlandreise eine Lesung aus der Produktion Audiobuch Verlag 2018 mit 8 Cds und 586 Minuten Hörzeit.
Eine andere Welt des Denkens und Betrachtens, zeitgenössische Reiseberichte und Ansichten über mehrere ...

Deutschlandreise eine Lesung aus der Produktion Audiobuch Verlag 2018 mit 8 Cds und 586 Minuten Hörzeit.
Eine andere Welt des Denkens und Betrachtens, zeitgenössische Reiseberichte und Ansichten über mehrere Jahrhunderte sind in dieser Sammlung zusammengefasst. Zugegeben leichtfüßig und gut zu verstehen, die Begebenheiten um Mark Twain, Heinrich Heine, Theodor Fontane und Johann Wolfgang von Goethe. Die landschaftlichen Reize, unwegsame Reisegefährte sowie die Eigenarten von Land und Leuten kreuz und quer in Deutschland ließen mich erstaunt aufhorchen und entlockten mir ein verhaltenes Lächeln. Die Größen der zeitgenössischen Sprache, eingefangen durch die verschieden Sprecher und Interpretationen, lassen die Geistes-und Kulturwissenschaften durch ihre literarischen Texte aufleben. Ein Werk zwischen Leben und Denken der damaligen Zeit, erzählt mit tiefsinnigen Worten.
Die Episoden aus längst vergangenen Tagen von Michel de Montaigne und Germaine de Stael vermochten mich nicht zu begeistern. Die Abhandlungen und kritischen Beobachtungen ermüdeten mich und ich konnte leider nicht aufmerksam folgen.
Fazit: Ein gelungener Versuch Impulse bekannter Poeten aufleben zu lassen mit Schwächen und Höhen, Längen und Tiefen für einen kurzweiligen Hörgenuss.

Veröffentlicht am 30.03.2025

Viel Fahrwasser, nicht tief genug!

Wenn die Tage länger werden
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Wenn die Tage länger werden von Anne Stern

Hans spielte auf einer Geige. Zunächst Tonleitern, Dreiklänge, kurze Fingerübungen. Dann eine Etüde, die sie wiedererkannte, weil er sie früher manchmal gespielt ...

Wenn die Tage länger werden von Anne Stern

Hans spielte auf einer Geige. Zunächst Tonleitern, Dreiklänge, kurze Fingerübungen. Dann eine Etüde, die sie wiedererkannte, weil er sie früher manchmal gespielt hatte. Schließlich war er zu Sonaten übergegangen. Die Klänge wurden selbstbewusster, tragender, sie flossen aus der Werkstatt durch den düsteren Korridor und das Küchenfenster. Zu Ute, die zu erschöpft im eisernen Gartenstuhl auf der noch regenfeuchten Wiese saß und mechanisch Bellas Kopf streichelte, der die Musik, die aus den Holzdingern kam, nie ganz geheuer war.
Ute lauschte, halb ungläubig, halb bewundernd. …
… Und welche Geige es war, auf der er schon über eine Stunden spielte. Doch nicht etwa die von Lisa Fischer? S.131

Lisa Fischer, von ihrem Partner getrennt lebend, alleinerziehend und tagtäglich in Selbstzweifeln gefangen, steht hier im Mittelpunkt in der vorrangig aus ihrer Sicht erzählten Geschichte. Im laufenden Text werden dem Leser zu viele Fragen entgegengeworfen, die direkt aus Lisas Gedanken herauspurzeln. Sie hadert mit ihrere Rolle als alleinerziehende Mutter, ihrer Rolle als Tochter und gescheiterten Partnerin, ob sie überhaupt gut genug ist sowie mit ihrem Aussehen und diversen anderen Unzulänglichkeiten. Ihre Unsicherheit verstehe ich nicht, da sie mit beiden Beinen als Frau und Mutter fest im Job und im Leben steht. Aufgaben zu erledigen, Verantwortung zu übernehmen, Selbsteinschätzung und Souverenität gehören, für mich, zu diesen Rollen dazu, um ein Vorbild zu sein. Man schwächelt gelegentlich, doch nicht durchgehend?! Da sind ihre Schüler, die Eltern und ihr Sohn! Doch am meisten hat mich, in Lisas Gedankengängen, die wiederkehrenede Auseinandersetzung mit dem Rollenklischee von Mann und Frau in unserer Gesellschaft genervt.
Des Weiteren werden viele wichtige Themen behandelt, die im Zuge der Fülle eher eine Randposition besetzten. Da sind Ute und ihr Vater Hans auf dem alten Gehöft mit den vielen Kirschbäumen. Die Beschreibungen rund um die Lokalität, die anstehenden Aufgaben und die zukünftigen Sorgen von Ute fand ich treffend beschrieben. Die bodenständige Ute ist meine Lieblingsfigur im Roman. Auch Hans ist ein liebgewonnener Charakter. Durch dessen Arbeit bekommt man einen detaillierten Einblick in das Handwerk des Geigenbauers. Die weiteren Charaktere sind gut dargestellt, doch an mancher Stelle hätte ich mir für die ein oder andere Figur mehr Tiefe gewünscht. Eine weitere Hauptdarstellerin ist die Geige aus dem Familienbesitz von Lisas Großvater. Dieser Strang ist sehr interessant. Die Verbindung und den Zugang zum Nationalsozialismus und den Ungerechtigkeiten sowie Boshaftigkeiten gegenüber den Juden findet die Autorin über genau diese Geige. Auch hier hätte dem Text ein wenig Intensität gut getan.
Zur Familie gehört noch Lisas agile Mutter, die in Bezug auf die Vergangenheit lieber schweigt. Das bezieht sich auf den Tod ihres Mannes und die Vergangenheit ihres Vaters. Die Differenzen und die Sprachlosigkeit in der Mutter-Tochter-Beziehung kann ich ebenso nicht ganz nachvollziehen. Nicht eindeutig und wenig lösungsorientiert! Dann wären da noch Lisas Beziehungen, der Expartner und neue Bekanntschaften. Wohin die Reise geht lässt die Autorin teils offen.
Fazit: Anne Stern ist mir als Autorin bekannt. Gern habe ich die Dresden-Triologie rund um die Semperoper sowie die Geschichten der Frauen vom Karlsplatz gelesen. Der Schreibstil hat mich immer gefesselt und ihre bildhaften, emotionalen Beschreibungen gefangen genommen. Im vorliegenden Roman hat die Autorin vielleicht einfach zu viel gewollt. Die Schwere der Themen liest sich erdrückend und Lisa selbst ist nicht gerade entusiastisch, eher deprimierend und träge. Hoffnung kommt erst ganz am Ende auf, so dass ich mich an ein oder anderer Stelle durch den Text mit einzelnen Wiederholungen gequält habe und manche Zeile überlesen musste. Meine Erwartungen wurden leider nicht ganz erfüllt.

Ein gutes Buch, doch nicht das Beste von Anne Stern. Mir fehlen der Fokus und die Konzentration auf ein Thema sowie eine gewohnt brillant erzählte Geschichte!

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Entscheidung fürs Leben

Aus Liebe zu Roman
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Aus Liebe zu Roman von Anke Feuchter

„Kennen wir uns?“
Die Blonde nickte. Ihre Wangen waren von der Kälte gerötet.
„Ich arbeite in der Wäscherei gegenüber vom Cafe.“
Amalie schaute sie genauer an. Nein, ...

Aus Liebe zu Roman von Anke Feuchter

„Kennen wir uns?“
Die Blonde nickte. Ihre Wangen waren von der Kälte gerötet.
„Ich arbeite in der Wäscherei gegenüber vom Cafe.“
Amalie schaute sie genauer an. Nein, die rundliche blonde Frau mit dem auffallenden Grübchen im Kinn kannte sie nicht. „Tut mir leid...“
„Muss es nicht. Ich stehe manchmal unter der Linde und rauche. Da habe ich sie gesehen. Ella heiße ich.“ S.28

Anke Feuchter erzählt Amalies Geschichte in einer schwierigen Zeit Deutschlands. Sie ist geprägt von den Nachwehen des 2. Weltkrieges, Verlust und Trauer um liebe Menschen, Sorge um den Lebensunterhalt, Vertreibung und Not. Gleichzeit keimt die Hoffnug auf ein besseres Leben. Doch umsetzen kann man dies nur im Rahmen seiner Möglichkeiten. Amalie hat eine Tochter, der Mann im Krieg vermisst und somit von den Schwiegereltern nur geduldet und letztendlich unerwünscht. Sie macht sich mit dem Fahrrad auf den Weg nach Baden-Baden um Arbeit zu finden. Ihre kleine Tochter lässt sie auf einem Weingut in Malsch zurück. Zufällig spricht sie ein Mann der französischen Besatzungsmacht unter einer Blutbuche an und verschafft ihr Arbeit in einer Bäckerei. Mit diesem Kennenlernen nimmt eine tragische Liebesgeschichte ihren Lauf.

Mir haben die Einblicke in diese Zeit ganz gut gefallen. Das Leben in Anwesenheit einer Besatzungsmacht und die daraus resultierenden Vorzüge und Einschränkungen sind gut beschrieben. Ebenso die Pflichten und Wünsche denen sich Amalie gegenüber sieht, kann man nachvollziehen. Diese bringen sie oft in einen Zwiespalt. Trotzdem kam ich ihr beim Lesen nicht nah genug. Mir fehlte es an Tiefe in den Beschreibungen, der Handlung und den Charakterdarstellungen. Der einfache, Schreibstil und die durchblickende Naivität der Hauptfigur unterstreichen meine Empfindungen. Geärgert haben mich so manche Zufälle, die der Geschichte einen reibungslosen Verlauf garantierten.

Das Ende stimmt mich versöhnlich, da ich dieses sehr gelungen und passend finde.

Fazit: Eine gute Geschichte, die die Sorgen und Nöte der Frauen der Nachkriegszeit aufgreift. Ein wichtiges und interessantes Thema in einer entbeerungsreichen und zugleich hoffnungsvollen Zeit, welches berührt jedoch nüchtern geschrieben ist.

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Veröffentlicht am 06.05.2024

Schwierig meine Gedanken in Worte zu fassen

Windstärke 17
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Windtärke 17 ein Roman von Caroline Wahl (Dumont Verlag)

Ida lebt keineswegs in einer heilen Welt. Ihr junges Leben ist durchzogen von Schwierigkeiten, ausgehend von einer alkoholkranken Mutter. Diese ...

Windtärke 17 ein Roman von Caroline Wahl (Dumont Verlag)

Ida lebt keineswegs in einer heilen Welt. Ihr junges Leben ist durchzogen von Schwierigkeiten, ausgehend von einer alkoholkranken Mutter. Diese stirbt. In Folge dieses Schicksalschlags muss sich Ida mir ihren Gefühlen und Emfindungen auseinander setzen. Da ist jede Menge Trauer gekoppelt mit Schuld und einer riesigen Wut, die sich immer wieder als großer Wutklumpen in ihrem Bauch formt.

Dieser Roman ist eine Auseinandersetzung mit dem Tod, der Vergänglichkeit des Seins und dem Auf und Ab des Lebens. Dabei bleibt die Hauptprotagonistin unberechenbar für mich. Ich verstehe ihre Gefühle und auch deren Ausmaß. Und doch empfand ich, mit zunehmender Seitenzahl, ihre Gedanken, Ausbrüche, Aktionen als zu viel, wiederholend und krass. Naiv passend für einen Teenager jedoch unpassend für eine junge Frau.

Auch hinsichtlich des Textes bin ich zwiegespalten. Er liest sich nicht gerade einfach, im Wechsel wörtliche Rede, dann Züge eines Theaterstücks, Name plus Doppelpunkt. Ida denkt einen Satz und wiederholt ihn dann per Aussage oder auch nicht. Das Ganze liest sich so einzigartig und problematisch, wie Ida selbst.

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Aus einer persönlichen Motivation heraus, vielleicht um den eigenen Verlust erträglicher zu machen, wollte ich die Zeilen von Caroline Wahl unbedingt lesen. Doch nach einem großartigen Beginn empfand ich „Windstärke 17“ eher deprimierend.
Trotz meiner Kritk gab es auch wundervolle Szenen, tiefgründige, berührende Aussagen, nachvollziehbare Charaktere, die durch die Geschichte tragen. Die aufkeimende Liebesgeschichte mit Leif und das versöhnliche Ende geben Hoffnung.

Ich lasse ein wenig Zeit versterichen und werde mich dem Debüt und dem Vorgänger-Roman der Autorin zu gegebener Zeit widmen.

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