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Veröffentlicht am 06.09.2025

Stimmen der Wellen

Unbeugsam wie die See
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Beim Lesen dieses Romans entstand sofort eine besondere Atmosphäre, die mich bis zum Ende begleitet hat. Die Geschichte entfaltet sich auf drei Zeitebenen, die sich immer enger miteinander verbinden. ...

Beim Lesen dieses Romans entstand sofort eine besondere Atmosphäre, die mich bis zum Ende begleitet hat. Die Geschichte entfaltet sich auf drei Zeitebenen, die sich immer enger miteinander verbinden. Im Jahr 2019 wird Lucy nach einem erschreckenden Vorfall zu ihrer Schwester getrieben, doch anstelle von Nähe und Unterstützung erwartet sie ein verlassenes Haus. 1999 wird Jess als stille Jugendliche gezeigt, die mit ihren Ängsten ringt und in der Kunst Schutz findet. Und um 1800 wird die Überfahrt der Schwestern Mary und Eliza nach Australien beschrieben, voller Härte, Enge und geheimnisvoller Veränderungen. Das Meer wirkt dabei wie eine eigene Figur, bedrohlich und tröstlich zugleich, manchmal als Gegner, manchmal als Zuflucht. Schritt für Schritt werden die Zusammenhänge klarer, und immer deutlicher wird, wie sehr Themen wie Trauma, Widerstand und die Verbundenheit zwischen Frauen die Handlung prägen. Am Ende bleibt das Gefühl, in eine mystische, berührende und unvergessliche Erfahrung eingetaucht zu sein.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Ein stiller Roman voller Nachklang

Was du siehst
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„Was du siehst“ hat mich gleich zu Beginn in eine Welt geführt, die mir zugleich fremd und vertraut erschien. Das kleine Dorf an der Elbe, über Jahrzehnte hinweg geschildert, wirkt wie ein Mikrokosmos, ...

„Was du siehst“ hat mich gleich zu Beginn in eine Welt geführt, die mir zugleich fremd und vertraut erschien. Das kleine Dorf an der Elbe, über Jahrzehnte hinweg geschildert, wirkt wie ein Mikrokosmos, in dem Freundschaft, Zusammenhalt und auch Schmerz dicht nebeneinander liegen. Besonders berührt hat mich die Geschichte von Jule und Andi, die als Kinder unzertrennlich sind, sich verlieben, dann aber durch Mauern, aus Stein und aus Geheimnissen, getrennt werden. Ihr Weg, der sich immer wieder kreuzt, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Daneben entfalten sich weitere Beziehungen, die ganz unterschiedliche Facetten von Nähe zeigen: eine zarte Jugendliebe, eine tiefe Partnerschaft, eine späte Zuneigung, ein Wiedersehen nach Jahren.

Die Autorin erzählt leise, ohne Eile, und genau das macht den Reiz aus. Ich hatte das Gefühl, in den Alltag der Dorfgemeinschaft einzutauchen, die Geburt von Kindern mitzuerleben, Hoffnungen und Abschiede zu teilen. Manche Passagen wirkten für mich etwas ausschweifend, aber insgesamt überwiegt der Eindruck von Wärme und Ernsthaftigkeit. Farben spielen immer wieder eine Rolle, als ob sie den Stimmungen eine sichtbare Gestalt gäben. Am Ende habe ich das Buch als einen sehr menschlichen Roman erlebt: nicht laut, nicht spektakulär, sondern getragen von der Frage, was Liebe und Zusammenhalt über die Jahre hinweg wirklich bedeuten.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Eine Reise in die Wälder Lapplands

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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„Wo die Moltebeeren leuchten“ hat mich richtig überrascht. Ich dachte erst, es wäre einfach ein schöner Schwedenroman, aber die Geschichte hat viel mehr Tiefe. Man begleitet Siv, die in den 30ern ...

„Wo die Moltebeeren leuchten“ hat mich richtig überrascht. Ich dachte erst, es wäre einfach ein schöner Schwedenroman, aber die Geschichte hat viel mehr Tiefe. Man begleitet Siv, die in den 30ern mit gerade mal 17 Jahren allein in ein Waldlager geschickt wird, um für zehn Holzfäller zu kochen. Anfangs völlig überfordert, findet sie dort nicht nur ihre eigene Stärke, sondern erlebt auch eine Liebe, die sie für immer prägen wird. Jahrzehnte später reist ihre Enkelin Eva zurück in diese Wälder allerdings mit einem Auftrag, der nicht gerade beliebt macht: Sie soll helfen, eine umstrittene Abholzung durchzusetzen. Doch die Begegnung mit Umweltaktivisten, alten Bekannten und einem Familiengeheimnis bringt sie zum Nachdenken. Was mich besonders gefesselt hat, war die Naturbeschreibung die stillen Seen, die unendlichen Wälder, die harten Winter. Weil ich selbst letztes Jahr in Lappland war, habe ich viele Szenen direkt vor Augen gehabt und konnte förmlich den Duft von Moos und Kiefern riechen. Das Buch ist für mich kein klassisches Familiendrama, sondern eine bewegende Reise in die Vergangenheit, bei der auch Fragen nach Heimat, Gerechtigkeit und Verbundenheit mit der Natur mitschwingen.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Zusammenhalt war ihr einziger Halt

Um jeden Preis
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Dieses Buch hat mich tief erschüttert und zugleich beeindruckt. Die wahre Geschichte von Lydia, die mit ihrer Familie im Zweiten Weltkrieg alles verliert und in die eisige Hölle Sibiriens verschleppt wird, ...

Dieses Buch hat mich tief erschüttert und zugleich beeindruckt. Die wahre Geschichte von Lydia, die mit ihrer Familie im Zweiten Weltkrieg alles verliert und in die eisige Hölle Sibiriens verschleppt wird, lässt mich nicht mehr los. Ich konnte kaum fassen, mit welcher Stärke, Liebe und Aufopferung Lydia und ihre Mutter ihre Kinder durch diese entbehrungsreiche Zeit gebracht haben. Trotz Hunger, Kälte, Zwangsarbeit und menschenunwürdiger Behandlung haben sie nie den Mut verloren. Immer stand die Familie an erster Stelle. Zusammenhalt war ihr einziger Halt. Der Glaube an eine Zukunft als Familie in der BRD gab ihnen Kraft in Momenten, in denen es eigentlich keine Hoffnung mehr gab.

Hera Linds Schreibstil ist fesselnd, klar und bewegend, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Besonders beeindruckend war, wie vielschichtig erzählt wird: Lydias Perspektive, später auch Stimmen ihrer Kinder, machen das Erlebte noch greifbarer. Es ist keine leichte Lektüre! Manchmal war ich kurz davor, abzubrechen, so sehr ging mir das Leid unter die Haut. Aber genau deshalb sollte man es lesen: als Mahnmal gegen das Vergessen, als Erinnerung daran, wie privilegiert wir heute leben. Am Ende bleibt ein Gefühl tiefer Dankbarkeit, Entsetzen darüber wozu Menschen fähig sind und großer Bewunderung für eine Frau, deren Lebenswille und Mut unerschütterlich waren.

Ein Buch, das bleibt. Unbedingt lesen!!!

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Die Kraft der Worte

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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Ito Ogawas "Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen" erzählt eine leise, aber tief berührende Geschichte, die mich sowohl emotional als auch geistig angesprochen hat. Im Mittelpunkt steht Hatoko, ...

Ito Ogawas "Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen" erzählt eine leise, aber tief berührende Geschichte, die mich sowohl emotional als auch geistig angesprochen hat. Im Mittelpunkt steht Hatoko, die nach Jahren der Abwesenheit in das Schreibwarengeschäft ihrer verstorbenen Großmutter zurückkehrt. Dort übernimmt sie die Aufgabe, für ihre Kundinnen und Kunden Briefe zu verfassen – feinfühlige, persönliche Botschaften, die weit mehr sind als nur Worte auf Papier. In jeder Zeile taucht sie in die Gedankenwelt der Menschen ein, die sich ihr anvertrauen, und gleichzeitig beginnt ihre eigene Geschichte, sich nach und nach zu entfalten.

Besonders bewegend ist die Auseinandersetzung mit Hatokos schwieriger Beziehung zu ihrer Großmutter, die sie aufgezogen hat. Die Erzählweise ist still und intensiv, fast poetisch, und im Laufe des Buches gewinnt die Großmutter eine neue, unerwartete Bedeutung. Hatoko blickt auf ihre Vergangenheit zurück, lernt, loszulassen und ihre Geschichte anzunehmen. Japanische Traditionen, die Kunst der Kalligrafie und die Bedeutung von Aufmerksamkeit und Zuhören fließen dabei auf subtile Weise in die Erzählung ein.

Dieses Buch ist kein lauter Roman, sondern eine sanfte Einladung zum Innehalten, ein stiller Begleiter für jene, die nach etwas Wahrem suchen.

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