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Veröffentlicht am 13.04.2025

Heimsuchung

Die Frau und der Fjord
1

Gro Kristjánsdóttir ist Mitte vierzig und erfolgreiche Geologin bei einer großen Erdölfirma. Mit Leidenschaft und Erfahrung arbeitet sie wochenlang auf Ölplattformen am Meer und bringt ihre Expertise ein, ...

Gro Kristjánsdóttir ist Mitte vierzig und erfolgreiche Geologin bei einer großen Erdölfirma. Mit Leidenschaft und Erfahrung arbeitet sie wochenlang auf Ölplattformen am Meer und bringt ihre Expertise ein, als unerwartet ihr Ehemann verstirbt und sich ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellt. Gro kündigt ihre einträgliche Stelle und zieht sich zurück in einen einsamen Fjord am Polarkreis, allein im einzigen Häuschen in einer Gegend namens „Heimsuchung“, denn hier sollen sich böse Geister umtreiben. Im Kreis der Natur, umgeben von einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt, findet Gro langsam wieder zu sich selbst. Aber kaum hat sie sich eingelebt, kommen neue Schwierigkeiten auf sie zu.

Begleitet von liebevollen Illustrationen zum jeweiligen Beginn gliedert sich das Buch in vier große Abschnitte, nämlich die vier Jahreszeiten am entlegenen Fjord. Ruhig und besonnen fühlt sich Anette Strohmeyers Schreibstil an, geht dabei in Details, ohne bloßzustellen. Im Einklang mit der Natur, der unendlichen Ruhe ohne Handy und Fernseher, kann Gro den Vögeln und Robben lauschen, den Duft von Tang und Blüten atmen, die schroffen Felsen erklimmen. Immer wieder gleiten Gros Gedanken zurück in ihr früheres Dasein und lassen uns als Leser teilhaben an ihrer persönlichen Geschichte, die überaus stimmig und verständlich dargestellt wird; den Grund dafür erfahren wir im Anhang, der noch einmal wesentliche Informationen preisgibt. Bis dahin unterhält die Geschichte großartig mit Momenten, die teils traurig sind, andererseits aber auch immer wieder einen Horizont von Hoffnung einblenden und dadurch Gro stärken in ihrem Denken und Handeln. Ihre Entwicklung kann man wunderbar beobachten und mitverfolgen, sodass das Jahr im Fjord sehr schnell vergeht und stets kurzweilig daherkommt.

Ich habe Gro sehr gerne begleitet bei ihrer Reise durch Trauer und Erholung, viele sehr berührende Szenen erlebt mit einem perfekten Ausblick für die Zukunft, sodass ich dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Danas Wahrheit

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Seit eineinhalb Jahren ist Dana verschwunden, die Polizei hat den Fall längst zu den Akten gelegt, nur Art Mayer, ihr Nachbar, gibt nicht auf. Insbesondere deshalb, weil Milla, Danas achtjährige Tochter, ...

Seit eineinhalb Jahren ist Dana verschwunden, die Polizei hat den Fall längst zu den Akten gelegt, nur Art Mayer, ihr Nachbar, gibt nicht auf. Insbesondere deshalb, weil Milla, Danas achtjährige Tochter, ihm zuletzt in gewisser Weise ans Herz gewachsen ist. Als am stillgelegten Wohnwagenplatz eine Leiche auftaucht, beginnen sich die Ereignisse zu überstürzen.

Der knurrige BKA-Ermittler und seine junge Kollegin haben auch diesmal wieder allerhand zu tun. Während Art einfach Urlaub nimmt und auf eigene Faust vorgeht, befindet sich Nele noch in Elternzeit mit ihrem sieben Monate alten Sohn Lasse. Dennoch setzen die beiden alles daran, Dana zu finden und einen Zusammenhang mit dem Toten vom Campingplatz herzustellen. Das Verschwinden von Dana und die Suche nach der Wahrheit stehen nun im Mittelpunkt. Gewohnt flott geht es durch die Seiten, verquickt Marc Raabe aktuelle Geschehnisse mit Szenen aus der Vergangenheit und erschafft somit einen unvergleichlichen weiteren Teil seiner Art-Mayer-Serie. Mit großartigen Charakteren, bildhaften Beschreibungen und allerhand interessanten Details bleibt die Handlung kurzweilig und fesselnd, Raabes eloquenter und authentischer Schreibstil zieht auch diesmal die Leser in seinen Bann.

Eigentlich ist alles geklärt, ein dritter, spannender Fall gelöst, aber – wie es scheint – kehren Art und Nele wieder; im Frühjahr 2026, worauf ich schon gespannt bin. Leseempfehlung, aber unbedingt unter Einhaltung der richtigen Reihenfolge!

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Hirsch

Die Dämmerung (Art Mayer-Serie 2)
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Ein totes Monster hängt im Königswald – eine an einen Baum gefesselte weibliche Leiche, über dem Kopf ein Hirschgeweih. Es handelt sich um die Wohltätigkeitsdame Charlotte Tempel. Schnell wird ihre 21jährige ...

Ein totes Monster hängt im Königswald – eine an einen Baum gefesselte weibliche Leiche, über dem Kopf ein Hirschgeweih. Es handelt sich um die Wohltätigkeitsdame Charlotte Tempel. Schnell wird ihre 21jährige Tochter Leo als Täterin verdächtigt, aber Art hat da seine Zweifel.

Spannende Szenen folgen Schlag auf Schlag, Art mit seinen unverkennbaren Eigenheiten trägt auf großartige Weise durch die Handlung. Dabei steht ihm Kollegin Nele Tschaikowski um nichts nach. Man sollte allerdings unbedingt „Der Morgen“ vorab lesen, um wesentliche Zusammenhänge zu verstehen, mit einzelnen Hinweisen ist das nicht getan. Während diesmal die Rechtsmedizinerin Veronika Perlau mit ihrem sympathischen Wiener Dialekt nur selten zu Wort kommt, zeigen sich aber Arts Qualitäten als Nachbar der siebenjährigen Milla umso deutlicher. Immer öfter flüchtet sich die Kleine in seine Wohnung, um Ruhe vor der schwerhörigen Großmutter zu finden und um ernst genommen zu werden. Was es mit Millas verschwundener Mutter Dana auf sich hat, wird auch diesmal nicht geklärt, dafür hat es die Suche nach dem bestialischen Hirschmörder in sich. Eine alte Tonbandkassette weist den Weg in ein spanisches Kloster und deckt Verblüffendes auf, auch Art ist mitunter sprachlos.

Eine brillante Erzählung, fabelhaft charakterisierte Figuren und glaubhafte Motive – auch der zweite Teil der Serie ist ein Muss für Marc Raabe-Freunde und Leser, die es noch werden wollen. Ich empfehle die ersten beiden Bände rund um Art Mayer sehr gerne weiter und freue mich auf „Die Nacht“.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Teil 1

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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Berlin im Winter, ein Kleinlaster ohne Fahrer, auf der Ladefläche eine nackte Tote. Sie sieht friedlich aus, als ob sie schliefe, auf ihrem Bauch ein blutiger Hinweis auf die Adresse des Bundeskanzlers. ...

Berlin im Winter, ein Kleinlaster ohne Fahrer, auf der Ladefläche eine nackte Tote. Sie sieht friedlich aus, als ob sie schliefe, auf ihrem Bauch ein blutiger Hinweis auf die Adresse des Bundeskanzlers. Gerufen wird der eben noch suspendierte kauzige Artur (Art) Mayer, ihm zur Seite steht eine Anfängerin, Nele Tschaikowski. Daneben eine alte Geschichte über ein Heimkind und eine abgedrehte Jugendgruppe. Die Spannung kann beginnen.

Eine großartige Geschichte aus der Feder Marc Raabes nimmt in diesem ersten Teil ihren Lauf. Hervorragend skizzierte Charaktere treffen in „Der Morgen“ aufeinander und bieten einen fulminanten Wettlauf um die Zeit, bevor weitere Opfer zu beklagen sind. Ob dies gelingen kann, wenn Artur gleichzeitig mit den Dämonen der Vergangenheit kämpft und Nele als Neuzugang und Nichte des Polizeipräsidenten über keinerlei praktische Erfahrung verfügt? Brillant setzt Raabe die Handlung in Szene, wirft geschickt und wohldosiert einzelne Erkenntnisse in den Raum und löst nach etwa 600 Seiten das Ganze logisch auf, jedoch genau so, dass man schon wieder Lust hat auf mehr. „Die Dämmerung“ möchte man direkt im Anschluss lesen.

Die Thriller-Serie rund um Art Mayer beginnt fesselnd und atemberaubend, kleinste Details verleihen der Geschichte größte Lebendigkeit, sodass ich gespannt den zweiten Band zur Hand nehme.


Veröffentlicht am 03.04.2025

Zwischen Schwarz und Weiß

Dunkle Momente
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Seit dreißig Jahren ist Eva Herbergen Strafverteidigerin aus Leidenschaft. In neun einzelnen Episoden erzählt sie erstaunliche Geschichten aus ihrem Alltag und verblüfft damit, dass Gerichtsbeschlüsse ...

Seit dreißig Jahren ist Eva Herbergen Strafverteidigerin aus Leidenschaft. In neun einzelnen Episoden erzählt sie erstaunliche Geschichten aus ihrem Alltag und verblüfft damit, dass Gerichtsbeschlüsse keineswegs nur auf den Buchstaben des Gesetzes basieren. Die Urteilsfindung ist deutlich komplexer als man annehmen möchte. Dunkle Momente zeigt auf anschauliche Weise, welche Gratwanderung notwendig ist auf dem Weg zu Recht oder Gerechtigkeit, was keineswegs dasselbe ist und welche Dilemmata Ethik und Moral mit sich bringen.

Mit einem interessanten Vorwort zu realen Vorlagen dieses Romans steigen wir ein ins Geschehen, kurz darauf begeben uns auf die Spuren einer bekannten Schriftstellerin, die ihren Bruder ermordet hat, begleiten einen überzeugten Kannibalen und einen brutalen Kindersoldaten, erleben das raffinierte Geständnis eines Chirurgen und noch vieles mehr. Dabei schildert Elisa Hoven die einzelnen Szenen detailgetreu und lebensnah, flicht immer wieder Eva Herbergens Gedanken zu den jeweiligen Fällen ein, sodass man einerseits die Strategie der Verteidigerin gut mitverfolgen und andererseits die Hintergründe der Straftat erkennen kann. Nicht selten wird dann eine auf den ersten Blick eindeutige Angelegenheit schwieriger zu beurteilen als gedacht, verschwimmen Grenzen zwischen Gut und Böse, ist das Vordergründige, die Freisprechung, gar nicht immer das gewünschte Ziel. Erstaunlicherweise hängen Urteile oft an einem seidenen Faden, die Aussage eines einzigen Zeugen wird zum Zünglein an der Waage, die Planung der Verteidigung mitunter eine Falle, wird sie nicht rechtzeitig angepasst. Wie aus einem Vergewaltigungsopfer eine Täterin wird oder einfaches Speisesalz Existenzen ruiniert, ist ebenfalls Teil der spannenden Schilderungen in diesem Buch. Hovens Zusammenstellung dieser voneinander unabhängigen Strafverfahren ist absolut gelungen und gekonnt in eine schöne Rahmenhandlung eingebettet. Eva Herbergen als gewiefte Strafverteidigerin wandelt oftmals auf einem engen Grat zwischen Moral und Recht und darf sich keineswegs auf persönliche Befindlichkeiten stützen. Dass dies nicht immer einfach ist und selten nur Schwarz und Weiß zu erkennen sind, sondern unzählige Schattierungen von Grau auch den Alltag vor Gericht dominieren, ist erstaunlich. Dabei darf stets nur der verurteilt werden, dem eine Straftat eindeutig nachzuweisen ist, moralisch unter Umständen bedenklich, dem Gesetz entsprechend logisch.

Sprachlich und inhaltlich top umgesetzt, mir haben die neun Fälle, inspiriert von realen Begebenheiten, außerordentlich gut gefallen. Für Dunkle Momente vergebe ich ganz klar fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

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