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Veröffentlicht am 04.04.2025

sehr düstere Fortsetzung

Sepia 2: Sepia und die Verschwörung von Flohall
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Mit „Sepia – Die Verschwörung von Flohall“ setzt Theresa Bell ihre Trilogie rund um die Tintenmagie fort. Da die Geschichte direkt an Band 1 anschließt, ist es auf jeden Fall ratsam, diesen zuvor gelesen ...

Mit „Sepia – Die Verschwörung von Flohall“ setzt Theresa Bell ihre Trilogie rund um die Tintenmagie fort. Da die Geschichte direkt an Band 1 anschließt, ist es auf jeden Fall ratsam, diesen zuvor gelesen zu haben.

Sepia hat ihr erstes Lehrjahr in der Druckerei Silbersilbe hinter sich und bereitet sich auf die Prüfungen vor. Gleichzeitig geschehen in Flohall seltsame Dinge, und eine drohende Gefahr ist unmittelbar spürbar. Bald geraten Sepia und ihre Freunde Niki und Sanzio in einen Strudel unheimlicher Ereignisse, und auch ihre Freundschaft muss eine Bewährungsprobe überstehen.

Der zweite Band ist genauso eingängig und flüssig geschrieben wie der erste Teil, so dass man das Buch am liebsten in einem Rutsch lesen möchte. Die Atmosphäre ist diesmal noch düsterer und unheimlicher als im ersten Band.

Ich habe das Buch zusammen mit meinem Sohn (11) gelesen, und ihm hat der erste Teil besser gefallen als der zweite. Insgesamt war ihm die Geschichte etwas zu düster, und es wäre für ihn sicher ansprechender gewesen, wenn gelegentlich humorvolle Elemente enthalten gewesen wären. Obwohl mir die Idee der Reihe insgesamt sehr gut gefällt, fehlt mir im Vergleich zu anderen Kinder-Fantasy-Reihen das gewisse Etwas, um wirklich begeistert zu werden, und ich merke, dass ich zu den Charakteren eher auf Distanz bleibe. Manchmal wirkt die Geschichte auf mich etwas blutleer und konstruiert. Vielleicht ändert sich das ja im finalen Band der Trilogie noch. Wir vergeben für den zweiten Teil 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 28.10.2024

gesellschaftskritisch und grotesk

Die Vegetarierin
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Yong-Hye führt in Seoul mit ihrem Mann eine durchschnittliche, leidenschafts- und ereignislose Ehe. Er arbeitet meist bis Mitternacht, sie kümmert sich um den Haushalt und hat einen Teilzeit-Job. Eines ...

Yong-Hye führt in Seoul mit ihrem Mann eine durchschnittliche, leidenschafts- und ereignislose Ehe. Er arbeitet meist bis Mitternacht, sie kümmert sich um den Haushalt und hat einen Teilzeit-Job. Eines Tages beschließt sie, Vegetarierin zu werden. Dies erschüttert das Eheleben der beiden und wirkt sich auch auf weitere Familienangehörige aus…

Der Roman besteht aus drei Teilen, die jeweils aus der Sicht eines anderen Familienmitglieds erzählt werden. Der erste Teil nimmt die Perspektive von Yong-Hyes Mann ein, immer wieder unterbrochen durch kursiv gesetzte Einschübe von Yong-Hyes Träumen. Der zweite Teil wird aus der Sicht von Yong-Hyes Schwager geschildert, der dritte aus der Perspektive ihrer Schwester In-Hye.

Sehr interessant war für mich der Einblick in die südkoreanische Kultur. Yong-Hyes Familie ist streng patriarchalisch geprägt, als Frau hat man dem Ehemann zu gehorchen, ihn zu umsorgen und ihm ein angenehmes Heim und nahrhafte Mahlzeiten zu bereiten. Auch als Erwachsene schuldet man dem Vater Gehorsam. Der soziale Druck ist enorm, und wer aus der Reihe tanzt, wird geächtet, weil er Schande über die Familie gebracht hat. In diesem Sinne ist auch eine für uns im Westen so individuelle wie banale Entscheidung, vegetarisch (bzw. in Yong-Hyes Fall sogar vegan) zu leben, ein Affront gegen die Familie, ebenso wie der Entschluss, auf das Tragen eines BHs zu verzichten oder sich nicht zu schminken. Diese Stellen haben mich zum Teil emotional sehr bewegt und auch fassungslos gemacht, ist es für mich doch selbstverständlich, meine Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen und hier klare Grenzen gegen Einmischungen Dritter zu ziehen.

Dem gesamten Buch haftet eine düstere, hoffnungslose Grundstimmung an, die Menschen sind einsam, melancholisch, desillusioniert, depressiv. Beziehungen werden aus eher rationalen Gründen denn aus tiefer Liebe geschlossen, man lebt nebeneinander her ohne wirkliches Interesse an den Gefühlen des Anderen, und eine gewisse Todessehnsucht schwingt mit.

Ich hatte zunächst erwartet, eine Erklärung für Yong-Hyes plötzlichen Sinneswandel hin zum Verzicht auf tierische Produkte zu erhalten. Diese folgte jedoch nicht, zumindest nicht in einem rationalen Sinne. Vielmehr durchzieht sämtliche Kapitel eine gewisse Sehnsucht nach der Verschmelzung von Mensch und Pflanzenwelt bzw. der Metamorphose vom Menschen hin zur Pflanze. Diese grotesk anmutende, irrationale und kafkaesk wirkende Komponente war für mich schwer fassbar.

Fazit: Insgesamt fällt es mir schwer, den Roman zu bewerten. Der Schreibstil hat mich durchaus gepackt, und die Einblicke in die koreanische Gesellschaft waren sehr interessant. Allerdings konnte ich mit der Sehnsucht nach der Verwandlung vom Menschen zum Baum nichts anfangen bzw. mir wurde nicht klar, was mir Han Kang damit sagen möchte.

Ich vergebe daher 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

unterhaltsam, aber mit Schwächen

Noch fünf Tage
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Lis ist eine Spitzenköchin und arbeitet für die superreiche Unternehmerfamilie Harman. Als sie dieser ein opulentes Silvestermenü kredenzt, stirbt die ganze Familie an einer giftigen Substanz im Essen. ...

Lis ist eine Spitzenköchin und arbeitet für die superreiche Unternehmerfamilie Harman. Als sie dieser ein opulentes Silvestermenü kredenzt, stirbt die ganze Familie an einer giftigen Substanz im Essen. Lis hat zwar überlebt, allerdings hat auch sie eine tödliche Dosis der Substanz abbekommen und wird innerhalb der nächsten fünf Tage sterben. Vom Krankenhaus aus setzt Lis alles daran, den Mörder zu finden und das Leben ihrer minderjährigen Tochter abzusichern.

Das Setting – todgeweihte Figur sucht im Wettlauf gegen die Zeit ihren Mörder – ist nicht neu, aber immer wieder spannend. Auch bei „Noch fünf Tage“ habe ich bis zum Schluss mitgerätselt. Allerdings würde ich den Roman eher als Krimi denn als Thriller einordnen, da die Aufklärung des bereits im Vorfeld geschehenen Verbrechens im Vordergrund steht und der Spannungsbogen für einen Thriller nicht groß genug ist.

Weder Lis noch die in Rückblenden beschriebene Familie Harman waren mir sympathisch, so dass ich nicht so richtig emotional mitgefiebert habe. Bei Lis dreht sich alles um Spitzengastronomie und elaborierte Speisen; das wurde mir irgendwann zu viel. Die Harmans entsprechen dem Klischee abgehobener, verwöhnter Milliardäre, die es gewohnt sind, dass alle nach ihrer Pfeife tanzen.

Was mich leider ziemlich gestört hat, waren die – angesichts der Ursache der Vergiftung – völlig unzureichenden und unglaubwürdigen Sicherheitsvorkehrungen. Das würde in der Realität sicher ganz anders ablaufen. Auch die Substanz selbst kann so, wie sie im Roman beschrieben wird, nicht existieren (ist chemisch Unsinn; da ich nicht spoilern möchte, kann ich nicht näher darauf eingehen). Insgesamt konnte mich die Auflösung nicht so recht überzeugen.

Fazit: „Noch fünf Tage“ sorgt für unterhaltsame Lesestunden, aber echte Nähe zu den Figuren kommt nicht auf. Hinzu kommen logische Mängel, so dass ich letztlich 3 Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz lebt für ihre Arbeit. Sie ist Mitte Dreißig und kurz vor dem Sprung in die Vorstandsetage des Aviola-Konzerns. Einziger Haken: Ihre Sozialkompetenz ist, vorsichtig gesagt, ausbaufähig, ...

Marlene Buchholz lebt für ihre Arbeit. Sie ist Mitte Dreißig und kurz vor dem Sprung in die Vorstandsetage des Aviola-Konzerns. Einziger Haken: Ihre Sozialkompetenz ist, vorsichtig gesagt, ausbaufähig, und ein zweiwöchiges Achtsamkeitstraining beim berühmten Coach Alex Grow soll Abhilfe schaffen. Alex´ Coaching-Akademie steckt in den roten Zahlen, und der Fortbestand der Akademie hängt davon ab, ob er bei Marlene Erfolg hat. Denn nur dann will Aviola die kompletten Mitarbeiter-Coachings in seine Hände legen. Und dummerweise ist Marlene widerspenstiger als gedacht.

Ich mag die Bücher von Maxim Leo sehr und war daher voller Vorfreude auf „Einatmen. Ausatmen.“ Wie gewohnt ist der Schreibstil flüssig zu lesen, unterhaltsam und pointiert. Allerdings können mich Charaktere und Handlung diesmal nicht überzeugen. Die Figuren wirken klischeehaft und überzogen, und mit fortschreitender Seitenzahl wird die Geschichte immer unglaubwürdiger und abstruser. Ich hatte beim Lesen leider nicht das Gefühl, es mit echten Menschen, sondern eher mit Abziehbildern zu tun zu haben. Schade, aber diesmal hat mich Maxim Leo nicht erreicht.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Gelbe Monster
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Charlie, Doktorandin der Mathematik und Ende 20, hat Blutergüsse im Gesicht und einen gebrochenen Arm. Sie sieht aus, als wäre sie geschlagen worden – wieder ein Fall von partnerschaftlicher Gewalt gegen ...

Charlie, Doktorandin der Mathematik und Ende 20, hat Blutergüsse im Gesicht und einen gebrochenen Arm. Sie sieht aus, als wäre sie geschlagen worden – wieder ein Fall von partnerschaftlicher Gewalt gegen Frauen, einer von knapp 140.000 jedes Jahr? Doch Charlie ist diejenige, die zum Antiaggressionstraining muss, nicht ihr Freund Valentin. Was ist passiert und warum?

„Gelbe Monster“ widmet sich einem Thema, das gesellschaftlich wenig Beachtung findet: Der partnerschaftlichen Gewalt gegen Männer. Auch wenn über 80% der Opfer von Gewalt in Beziehungen weiblich sind und auch die Schwere der Verletzungen bei ihnen deutlich höher ist (BKA, Statistik 2024), muss auch über Gewalt gegen Männer gesprochen werden.

Clara Leinemann erzählt aus der Sicht von Charlie und springt hierbei zwischen zwei Zeitebenen: Die erste spielt in der Gegenwart und ist im Präsens verfasst. Charlie ist vorübergehend bei ihrer Freundin Ella untergekommen, geht zur Therapie und versucht, ihr Leben nach der Trennung von Valentin wieder in den Griff zu bekommen. Die zweite schildert im Präteritum die Ereignisse in der Vergangenheit, beginnend mit dem Kennenlernen der beiden. Obwohl die Zeitsprünge nicht durch Kapitel voneinander abgetrennt sind, hatte ich keine Schwierigkeiten, diese entsprechend zuordnen zu können. Generell mag ich diese Art des Erzählens sehr.

Der Klappentext verspricht eine „Antiheldin, [die] so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.“. Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Charlie war mir von Beginn an unsympathisch: Sie ist unsicher, verplant, oberflächlich und macht sich ständig Gedanken um ihre Außenwirkung. Sie ist nicht in der Lage, eine reife Beziehung einzugehen, ihre Bedürfnisse angemessen zu kommunizieren und ihren Partner so wahrzunehmen, wie er ist. Stattdessen lebt sie in einer Art Traumwelt mit einer idealisierten, stark von Äußerlichkeiten geprägten Vorstellung einer Beziehung. Auch Valentin, den man als Leser:in nur aus Charlies subjektiver Sicht erlebt, wirkt unreif und bleibt blass. Auch ihre berufliche Situation finde ich als Mathematikerin wenig realistisch – wer seine Doktorarbeit monatelang so stark vernachlässigt und eine PostDoc -Stelle in Madrid ausschlägt, dürfte sich keine Hoffnung machen, dieselbe Stelle zwei Jahre später nochmals angeboten zu bekommen – dazu sind die wissenschaftlichen Stellen in diskreter Mathematik viel zu umkämpft.

Durch die Erzählweise bleibt sehr lange im Dunkeln, was nun genau vorgefallen ist und zu Charlies Verletzung geführt hat. Auch die Gründe für Charlies Unsicherheit und ihre mangelnde Selbstliebe werde nur angedeutet. Insgesamt werden viele wesentliche Aspekte kaum oder nur kurz angesprochen, so dass man am Ende mit vielen Fragen zurückbleibt. Hier hätten dem sehr kurzen Roman weitere 50 Seiten sehr gutgetan, um mehr Tiefe zu erreichen. So bleibt alles sehr oberflächlich und eine fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik findet nicht statt.

Problematisch finde ich, dass sowohl bei Valentin als auch bei den Fällen, die im Antiaggressionstraining geschildert werden, suggeriert wird, dass der Mann eine gewisse Mitschuld an der Gewalt trägt. Wenn der Freund der Frau auch vor Dritten zwischen die Beine oder an den Hintern fasst, wer kann da eine Ohrfeige verdenken? Natürlich ist zu beachten, dass wir als Leser:in nur die unzuverlässige Sichtweise der Täterinnen kennenlernen, dennoch bleibt ein unangenehmer Nachhall.

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