„Geht so“ ist geht so?
„Geht so“ von Beatriz Serrano hat mich wirklich überrascht. Der Titel wirkt erstmal wie absichtliches Tiefstapeln, aber der Inhalt ist viel schärfer, pointierter und ehrlicher, als man vermuten würde.
Marisa, ...
„Geht so“ von Beatriz Serrano hat mich wirklich überrascht. Der Titel wirkt erstmal wie absichtliches Tiefstapeln, aber der Inhalt ist viel schärfer, pointierter und ehrlicher, als man vermuten würde.
Marisa, die Hauptfigur, arbeitet in einem Job, der nach außen ziemlich beeindruckend wirkt – aber innerlich macht er sie kaputt. Sie fühlt sich leer, überfordert und gleichzeitig irgendwie festgefahren. Dieses Spannungsfeld trifft Serrano ziemlich gut. Was das Ganze besonders macht, ist der sarkastische, oft bissige Ton, der aber trotzdem nicht zynisch wird. Der Humor sitzt, auch wenn er manchmal fast ein bisschen zu gezielt cool wirken will.
Marisa selbst ist keine Heldin, sondern einfach ein Mensch, der versucht, irgendwie klarzukommen. Sie macht Fehler, ist manchmal anstrengend, oft überfordert – und gerade deshalb fühlt sie sich echt an. Die Nebenfiguren sind teilweise etwas überzeichnet, aber das passt gut zum Ton der Geschichte und unterstreicht die satirischen Elemente.
Das Cover finde ich super gewählt: schlicht, ein bisschen schräg, aber trotzdem modern. Genau wie das Buch selbst. Besonders stark sind die Themen: mentale Gesundheit, der Druck, im Leben “etwas zu werden”, und das ständige Gefühl, funktionieren zu müssen. Es ist kein schwerer Roman – aber einer, der einen zum Nachdenken bringt, gerade weil er das alles mit so viel Ironie und Selbstironie erzählt.
Ein Buch für alle, die sich manchmal fragen, ob das wirklich schon alles gewesen sein kann – ohne dass es dabei gleich in Lebenshilfe-Kitsch abrutscht.