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Veröffentlicht am 20.07.2025

Übergangsband

Madame le Commissaire und die gefährliche Begierde
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Dieses Mal geht es bei Madame le Commissaire und ihrem Assistenenten Apollinaire um einen Fall, der eigentlich gar kein richtiger ist, denn die meisten Polizeistationen hätten ihn relativ schnell zu den ...

Dieses Mal geht es bei Madame le Commissaire und ihrem Assistenenten Apollinaire um einen Fall, der eigentlich gar kein richtiger ist, denn die meisten Polizeistationen hätten ihn relativ schnell zu den Akten gelegt.

Isabelle Bonnets Freundin Clodine wird eines Tages frühmorgens nackt am Strand von Pampelonne aufgegriffen, sie ist verwirrt und kann sich an nichts erinnern. Am Arm trägt sie ein auffälliges Armband. Darüber hinaus scheint ihr nichts passiert zu sein. Die Polizei geht von KO-Tropfen aus.

Apollinaire findet bald ähnlich gelagerte Fälle, keine der Frauen wurde vergewaltigt oder verletzt. Eine Frau allerdings vertrug das Betäubungsmittel nicht und starb daran, später findet sich ein weiterer Hinweis auf einen ähnlichen Fall in einer anderen Region, bei der die Frau verwirrt aus dem Fenster sprang und sich dabei tödlich verletzte.

Grund genug also, den Fällen nachzugehen, zumal auf der Polizeitstation in Fragolin gerade ganz wenig zu tun ist.

Ich fand den Fall nicht besonders spannend, obwohl ich durchaus verstand, dass ein Angriff mit KO-Tropfen jemanden sehr verunsichert und verletzt zurücklassen kann. Apollinaire kann durch seine Recherchen den Fall einer Lösung näherbringen, aber wir erleben auch zum ersten Mal, dass Isabelle nicht ganz bei der Sache ist. Sie macht Fehler. Das ist möglichweise bedingt durch die Veränderungen im zwischenmenschlichen Bereich, die sich gerade für Isabelle ergeben. Und der Cliffhanger zum Schluss deutet daraufhin, dass Isabelle im nächsten Band schwierige Zeiten bevorstehen könnten.

Auch wenn dieser Band für mich nicht zu den stärksten zählte, so bin ich doch gespannt auf den Folgeband.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Muss die Geschichte umgeschrieben werden?

Was am Ufer lauert
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Kaum hat die Polizeireporterin Gianna Pitti den letzten Fall gelöst und dabei aber auch leider ihre morgendliche Espresso-Bar eingebüßt, wartet schon der nächste Fall auf sie.
Ihr Vater ist zurückgekehrt ...

Kaum hat die Polizeireporterin Gianna Pitti den letzten Fall gelöst und dabei aber auch leider ihre morgendliche Espresso-Bar eingebüßt, wartet schon der nächste Fall auf sie.
Ihr Vater ist zurückgekehrt und bezieht seine Tochter in seine Ermittlungen ein. Er bittet sie, morgens am See eine Informantin zu treffen, die eine CD mit brisanten Informationen übergeben soll. Nur leider findet Gianna nur noch eine Frauenleiche im Wasser.
Gianna reagiert merkwürdig und meldet den Fall nicht der Polizei. Ganz im Gegenteil, sie informiert ihre Chefredakteurin beim Messagero, der örtlichen Zeitung in Riva. Der letzte Fall hatte der etwas notleidenden Zeitung Beachtung in ganz Italien gebracht, die Verkaufszahlen hatten Höhen erreicht, von denen sie nie zu träumen gewagt hatten. Gianna träumt von einer zweiten Chance für ihren Arbeitgeber.
Als allerdings wenig später ein Überfall in Malcesine passiert, schaltet sich die Polizei doch ein und verfolgt ihrerseits ihre Spuren.
Offenbar galt der Angriff einem Professor, der sich mit Churchills Beziehungen nach Italien und hier vor allem an den Gardasee befasst. Es wird vermutet, dass Churchill vor Beginn des zweiten Weltkriegs durchaus Sympathien für Mussolini hegte und das auch in Briefen kundgetan hat. Diese Briefe, von denen man nicht weiß, welch brisante Informationen sie enthalten, werden von Verbrechern genauso gesucht wie vom britischen Geheimdienst, der italienischen Polizei und den Investigativreportern des Messagero aus Riva.
Der Kriminalfall ist in diesem Buch nur eines von vielen Themen. Nebenher geht es auch immer wieder um die Zukunft von gedruckten Zeitungen, die sich der digitalen Welt verweigern, es geht um die Familiengeschichte der Pittis, um die Eheprobleme von Arnaldo und Carla und ihren jeweiligen neuen Partnern Elvira und Patrick, um die drohende Demenz von Francesco und eine sich anbahnende Romanze Giannas mit einem Polizisten. Alle diese Nebenschauplätze nehmen viel Raum ein, so dass der eigentliche Kriminalfall mehr so am Rande abläuft. Ich bin mir gar nicht sicher, ob man überhaupt noch von einem Krimi sprechen kann. Die Spannung hält sich auf jeden Fall in Grenzen, auch wenn es einige Passagen gibt, in denen es doch mal etwas gefährlicher wird und wir mit den Protagonisten zittern müssen.
Das Gardasee Feeling kommt auf jeden Fall über das Titelbild rüber, in den Beschreibungen der Locations konnte ich mich an einige Stationen erinnern, für ein Urlaubsfeeling hat es allerdings noch nicht gereicht.
Da das Ende offen bleibt, erwarte ich im nächsten Jahr einen weiteren Band für Arnaldo, Elvira, Gianna und Francesco und bin gespannt, ob Churchills Geheimnis nun bereits gelüftet ist oder noch seiner Enthüllung harrt. Auch wenn mich die Spannung nicht unbedingt mitgenommen hat, so würde ich den Geschehnissen am See doch gerne weiter folgen.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Ihr Leben gehört dem Theater

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Der Umschlag basiert auf einem Bild „Juno und Jupiter“ von Gavin Hamilton, der im 18. Jh. lebte. Juno war auch in der römischen Antike die Frau des Göttervaters Jupiter, auch im Roman sind die beiden gleichnamigen ...

Der Umschlag basiert auf einem Bild „Juno und Jupiter“ von Gavin Hamilton, der im 18. Jh. lebte. Juno war auch in der römischen Antike die Frau des Göttervaters Jupiter, auch im Roman sind die beiden gleichnamigen Hauptfiguren miteinander verheiratet.
Jupiter in unserem Buch leidet allerdings an Multipler Sklerose und Juno hilft ihrem schwerkranken Mann, die Tücken des Alltags irgendwie zu meistern. Jupiter ist Schriftsteller, Juno Performance-Künstlerin, sie tanzt und spielt Theater. Beide leben von dem was sie verdienen mehr schlecht als recht, glücklicherweise bezieht Jupiter Pflegegeld, so dass die Wohnung wenigstens gesichert ist und die beiden nicht hungern müssen.
Während Juno tagsüber ihren kranken Mann betreut, kann sie nachts nicht schlafen und führt ein Doppelleben im Internet. Sie chattet mit sogenannten Love-Scammern, die mittels Fake-Profilen Kontakt zu Liebessuchenden aufnehmen, um sie finanziell auszubeuten. Bei ihr ist es allerdings so, dass sie sehr genau weiß, was sie tut und dass sie ihrerseits diese jungen Männer an der Nase herumführt, die in ihr eine Geldquelle sehen.
Einer dieser Betrüger ist Benu aus Nigeria, mit dem sie eine intensive virtuelle Beziehung aufbaut. Trotz des Wissens um die Künstlichkeit der Situation entsteht zwischen ihnen eine besondere Verbindung. Sie geben sich zwar nie ganz zu erkennen, aber sind doch erstaunlich offen miteinander, sie kümmern und sorgen sich umeinander. Juno beginnt sogar, sich Literatur über Nigeria zu besorgen.
Die Beziehung zu Jupiter ist derweil mehr von Sorge um das körperliche Wohlergehen bestimmt. Sie funktioniert wie eine Pflegekraft, organisiert seine Arztbesuche, sie kauft ihm, was er gerne isst, sie fährt mit ihm zu Lesungen, tiefgreifende Gespräche habe ich allerdings vermisst. Sie reden nicht sehr viel miteinander und scheinen mehr aneinander vorbeizuleben.
Es ist schon eine schwere Belastung, die Juno da auf sich genommen hat, denn selbst mit über 50 tanzt sie noch und tritt sie noch überregional auf. Für diese Auftritte muss sie lange planen, denn dann muss Jupiter allein zurechtkommen. Für Pflegekräfte reicht das Geld meistens nicht und selbst finanzielle Auszeichnungen für Jupiter als Schriftsteller oder für Junos Performances sind meist schnell wieder verplant und ausgegeben.
Dennoch hatte ich oft das Gefühl, dass diese Auszeiten ganz, ganz wichtig für sie waren. Sie lebte auf in ihren Performances, dort konnte sie sich zeigen, wie sie wirklich war. Eigentlich war es ja Theater, aber Juno zeigte dort sich selbst. Die Realität hingegen war entweder nur ein Funktionieren, oder sie spielte ihren Scammern eine Wirklichkeit vor, die es nicht gab.
Ich fand den Klappentext nicht so zutreffend, weil er einen gewissen Voyeurismus weckte. Dabei wurde das Love-Scamming aber von ganz anderen Themen überlagert, nämlich der täglichen Überforderung durch Care-Arbeit, den prekären Verhältnissen, wenn das Geld nicht so floss, wie man es brauchte und den kleinen Fluchten in Traum-Welten, entweder im Theater oder solche, die sich durch die Versuche junger Männer in Afrika oder anderen Ländern ergaben, eine einsame Frau um ihr Geld zu bringen und die sich dann selbst hinters Licht geführt sahen.
Es ist schon ein Buch, über das man nachdenken kann, auch wenn es mich nicht 100 %ig mitgenommen hat.




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Veröffentlicht am 29.03.2025

Hetzjagd durch den Rheingau

Rheingau-Höllen
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Elisa Lowe ist als Phantomzeichnerin beim hessischen LKA angestellt. Eine alte Freundin bittet sie zum Spaß um ein Phantombild als Hochzeitsgeschenk für einen Freund und sie erfüllt ihr diesen Wunsch. ...

Elisa Lowe ist als Phantomzeichnerin beim hessischen LKA angestellt. Eine alte Freundin bittet sie zum Spaß um ein Phantombild als Hochzeitsgeschenk für einen Freund und sie erfüllt ihr diesen Wunsch. Nur dumm, dass der Gezeichnete, ein Jura-Professor und Richter, kurz darauf tot aufgefunden wird und man seine Brieftasche bei Elisa findet.

Damit gerät die Angestellte des LKA unter Mordverdacht und die Kollegen müssen gegen sie ermitteln. Elisa macht sich selbst auf die Suche nach dem Täter, unterstützt von ihrem Freund, dem Fotografen Silviu, der allerdings angesichts von Elisas Vorgehen manchmal ganz verzweifelt ist und nicht mehr weiß, ob er ihr vertrauen kann oder nicht.

Der Autor Stephan Reinbacher beschreibt eine rasante Jagd durch den Rheingau, der Wein spielt allerdings, anders als man es vom Titelbild des Buches her erwarten könnte, keine besondere Rolle. Lediglich der Assmannshäuser Höllenberg findet hin und wieder Erwähnung. Und anders als in einem Cozy Crime werden die Orte des Rheingaus zwar erwähnt, die besonderen touristischen Highlights werden aber bestenfalls am Rande gestreift.

Ich habe mich eigentlich durch das ganze Buch hindurch gewundert, warum Elisa nicht mehr Vertrauen in ihre Kollegen hatte. Warum sie sich sofort auf die Flucht begeben hat und sich damit erst richtig verdächtig machte. Dieses überstürzte Handeln ohne vorher zu überlegen brachte nicht nur ihren Kollegen Engleholm zur Verzweiflung sondern auch ihren Partner, der zwischenzeitlich gar nicht wusste, wo sie war oder wie er sie erreichen konnte. Im Endeffekt deckt sie damit allerdings auch noch ganz andere Machenschaften bei der hessischen Justiz auf.



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Veröffentlicht am 30.01.2025

Sonnwendfeuer und andere Feuer

Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen
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Es handelt sich hier um Band 5 der Reihe um Alexa Jahn und Bernhard Krammer, sie als Kommissarin auf der deutschen Seite der Grenze, er Österreicher, die im ersten Band zu beider Überraschung feststellten, ...

Es handelt sich hier um Band 5 der Reihe um Alexa Jahn und Bernhard Krammer, sie als Kommissarin auf der deutschen Seite der Grenze, er Österreicher, die im ersten Band zu beider Überraschung feststellten, dass sie Tochter und Vater sind.
Immer noch haben beide ihre Schwierigkeiten, eine engere Verbindung zueinander aufzubauen und tatsächlich wissen auch nur die engsten Kollegen der beiden von der verwandtschaftlichen Beziehung.
Dieses Mal geht es um Brandanschläge in der Zeit der Sonnwendfeiern in den Alpen. Sowohl bei einem Unfall als auch bei einem Hausbrand wurde dem Feuer nachgeholfen, bei beiden Anschlägen gab es Todesopfer. Auch auf der österreichischen Seite brennen Villen betuchter Bürger und so kommt es zu einer weiteren gemeinsamen Ermittlung, weil ein Zusammenhang vermutet wird.
In Einschüben „Zuvor“ erfährt der Leser mehr zum Hintergrund und hat damit gegenüber den Ermittlern einen Vorteil. Allerdings führte das auch dazu, dass ich ungefähr ab der Mitte klar sehen konnte, welches Motiv zu den Taten geführt hatte. Das nahm dem Krimi ein wenig die Spannung.
In diesem Band wird oft auf den Fall in Band 4 zurückgegriffen, es hilft, wenn man ihn gelesen hat. Die Beziehungen der Kommissare untereinander sowie mit ihren jeweiligen Partnern oder Ex-Partnern nahmen einen relativ großen Raum ein, was dem Krimi einige Längen bescherte. Für mich war es nicht der stärkste Band der Reihe. Trotzdem bin ich sicher auch bei Band 6 wieder dabei.

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