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Veröffentlicht am 22.04.2025

Mensch und Maschine

Künstliche Empathie
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„Künstliche Intelligenz kann bestimmte Aspekte der Empathie nachahmen, aber sie kann die echte menschliche Empathie, die auf einem tieferen emotionalen Verständnis und zwischenmenschlichen Beziehungen ...

„Künstliche Intelligenz kann bestimmte Aspekte der Empathie nachahmen, aber sie kann die echte menschliche Empathie, die auf einem tieferen emotionalen Verständnis und zwischenmenschlichen Beziehungen basiert, nicht vollständig ersetzen.“
Dieses Buch über die Gefühle der Maschinen deckt verschiedene Bereiche des Lebens ab, von Bildung über Gesundheit bis hin zum Tod. Dabei wird in erster Linie beschrieben, wie dieser Gesichtspunkt derzeit organisiert wird, wie beispielsweise ein Lehrer die Entwicklung eines Schülers beeinflussen kann, indem er auf eine bestimmte Weise auf diesen eingeht.
Anschließend werden Einsatzmöglichkeiten für künstliche Intelligenz aufgeführt, darunter fallen aber auch Mähroboter, die nun nicht gerade für ihre Interaktion mit Menschen oder eine Form von Gefühlen bekannt sind.
Der eigentliche Kernaspekt des Buches, zumindest nach meiner Erwartungshaltung anhand des Titels, kommt schließlich viel zu kurz. Es werden einige Beispiele genannt, wie Pflege in manchen Ländern bereits mit Hilfe von Robotern begleitet wird, wozu ich gerne mehr erfahren hätte.
Es wird klar, dass wir uns von einer Maschine manipulieren lassen, wenn sie uns menschlich erscheint, doch das Thema Empathie wirkte beinahe nur wie eine Randnotiz, während grundsätzliche Aspekte von KI teilweise mehrfach besprochen wurden. Originell waren fiktionalisierte Teile, wie eine Ansprache durch die künstliche Intelligenz oder eine Geschichte von der Zukunft.
Somit ist mein Wissensdurst hiermit noch nicht gestillt, und ich begebe mich weiter auf die Suche nach Lektüre zu diesem Thema. Meinem virtuellen Begleiter fällt dazu bestimmt etwas ein.

Veröffentlicht am 06.04.2025

Finstere Zeiten

Ginsterburg
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Der Roman erzählt die Geschichte der Bewohner von Ginsterburg in den Jahren des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.
Unter den Büchern, die diese Zeit beleuchten, sticht es durch seine Machart ...

Der Roman erzählt die Geschichte der Bewohner von Ginsterburg in den Jahren des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.
Unter den Büchern, die diese Zeit beleuchten, sticht es durch seine Machart heraus. Zum einen erhalten wir keine kontinuierliche Geschichte, sondern springen nur in drei ausgewählte Jahre, nämlich 1935, 1940 und 1945, was Geschehnisse offenlässt oder dazu führt, dass Figuren wegfallen oder hinzukommen. Zum anderen ist der irgendwo in Deutschland gelegene Handlungsort erfunden, was ich als Möglichkeit des Autors, kreativ wirken zu können, verstehe.
Diese Art und Weise hat es mir etwas schwergemacht, der Handlung zu folgen. Unter der Vielzahl an Figuren haben nur einige eine starke Präsenz ausgestrahlt. Durch die Fiktionalisierung des Ortes habe ich mich immer wieder gefragt, ob Ereignisse der Epoche tatsächlich so passiert oder ebenfalls der Fantasie des Autors entsprungen sind.
Grundsätzlich geht es darum, wie Menschen in den besagten Phasen denken und reagieren - auf Propaganda, auf Jugendorganisationen, auf die Entwicklung des Kriegs. „‚Ich habe mir eingeredet, dass sie da nur Leibesübungen machen. Beim Jungvolk. Gesunde Sachen an der frischen Luft.‘“ In erster Linie habe ich dies hier als Gutgläubigkeit oder Realitätsverleugnung wahrgenommen, während Widerstand gegen das System fehlte.
Auch wenn ich von der Handlung nicht vollends überzeugt wurde, habe ich doch Arno Franks Erzählweise genossen, weil er es sich aus der Sicht des auktorialen Erzählers eben leisten kann, die Zustände pointiert aufs Korn zu nehmen. „Streng knattert die Hakenkreuzfahne in der steifen Brise.“

Veröffentlicht am 29.03.2025

Verständnis

An der Seite der Sucht
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Das Buch richtet sich an diejenigen, die sich um eine suchterkrankte Person sorgen, sie verstehen und ihr zur Seite stehen wollen.
Der Psychotherapeut Till Roderigo beleuchtet das Thema von der Identifizierung ...

Das Buch richtet sich an diejenigen, die sich um eine suchterkrankte Person sorgen, sie verstehen und ihr zur Seite stehen wollen.
Der Psychotherapeut Till Roderigo beleuchtet das Thema von der Identifizierung einer Sucht nach wissenschaftlichen Parametern bis zu Behandlungsmöglichkeiten. Dabei werden immer wieder die Rollen klargestellt, um Erkrankte und Helfer abzugrenzen. „Die süchtige Person muss die Veränderung wollen, nicht Sie!“
In zwei Punkten entsteht, zu Lasten der Glaubwürdigkeit, ein verzerrtes Bild. Erstens wird pauschal von „illegalen Drogen“ gesprochen, die beispielsweise die Dauer einer Therapie beeinflussen, während die Illegalität nichts darüber aussagt, wie eine Sucht behandelt werden muss. Zweitens wird die Cannabissucht auf eine Stufe mit einer Alkoholabhängigkeit gestellt, obwohl in ersterem Fall ein viel geringeres Suchtpotenzial besteht; Tabak wäre, um nicht mit „illegalen Drogen“ anzufangen, ein passenderes Beispiel.
Auch wenn eine genaue Differenzierung in Hinblick auf die Unterschiede möglicher Suchtmittel fehlt, was ich zur Einordnung des Problems für wichtig halte, werden doch praktische Hilfestellungen für die Kommunikation und den Umgang mit Personen mit einer Abhängigkeit gegeben.

Veröffentlicht am 08.03.2025

Mütter und Töchter

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Eine Familiengeschichte über ein Jahrhundert und fünf Generationen mit dem Fokus auf die Ahnenlinie der Frauen. Im Mittelpunkt stehen Martha und ihre Tochter Raisa, über deren Zusammenleben etwas Düsteres ...

Eine Familiengeschichte über ein Jahrhundert und fünf Generationen mit dem Fokus auf die Ahnenlinie der Frauen. Im Mittelpunkt stehen Martha und ihre Tochter Raisa, über deren Zusammenleben etwas Düsteres schwebt, was selbst für die Tochter schwer zu greifen ist. „Kannst du bitte normal mit mir reden, so wie andere Mütter auch?“
Eigentlich reizen mich in Romanen die Verstrickungen zwischen den Figuren, und derer gibt es einige. So erfahren wir in Zeitsprüngen von einer schwierigen Vergangenheit, können Verhalten in der jüngsten Zeitebene anders interpretieren.
Mein Problem mit diesem Roman liegt aber genau in diesem Interpretieren. Wir werden mit vielen Andeutungen konfrontiert, durch die dramatische Ereignisse blass bleiben und eine Distanz zu den Figuren entsteht. Ich hätte mir gewünscht, mich in ihre Probleme einfühlen zu können; das ist mir nur selten gelungen.
Gut gefallen hat mir die Darstellung einer kindlichen Freundschaft, die durch Phantasie und Offenheit geprägt ist. Auch sprachlich habe ich das Buch als sehr ansprechend empfunden.

Veröffentlicht am 16.02.2025

Meer oder nicht Meer

Meeresleuchten
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Was macht den hohen Norden aus? „Meeresleuchten“ nimmt uns mit nach Schleswig-Holstein und gleichzeitig auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Region und seiner Bewohner.
Die Verfasser der Gedichte ...

Was macht den hohen Norden aus? „Meeresleuchten“ nimmt uns mit nach Schleswig-Holstein und gleichzeitig auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Region und seiner Bewohner.
Die Verfasser der Gedichte dieser Anthologie sind dort geboren oder haben dort gelebt, auch einige Dänen, wie Hans Christian Andersen, finden sich in der illustren Runde wieder. Doch begegnet sein können sie sich nicht allesamt, denn die Ältesten unter ihnen sind im 17. Jahrhundert gestorben, während andere heute noch am Leben sind.
Die sachdienlichen Hinweise des Herausgebers bieten eine hilfreiche Einordnung, denn manches Gedicht gibt seine geographische Einordnung nicht direkt zu erkennen. Geht es um Liebe oder Glaube, hätte dies im Prinzip überall so stattfinden können.
Und dann gibt es eben die typischen Texte, die auf die Landschaft anspielen („O, so grüß‘ mir meinen fernen Kühlen Meeresstrand!“, Theodor Storm: In die Heimat) oder gar in Plattdeutsch verfasst wurden („Aanten int Water, Wat værn Gesnater!“, Klaus Groth: Aanten int Wader) und somit für mich den besonderen Reiz dieser Sammlung ausmachen.
Schön ist es auch, hier bekannte Werke wiederzufinden, die bisher ganz ohne örtliche Verknüpfung auf mich gewirkt hatten (Matthias Claudius: Abendlied oder Christian Adolf Overbeck: An den Mai).
„Meeresleuchten“ wartet mit einer überraschenden Vielfalt von Poesie auf, die mal mehr, mal weniger ihren Ursprungsort offenbart. Das mit Leinen und Folie gestaltete Büchlein ist auch äußerlich eine Bereicherung für das Lyrikregal.