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Veröffentlicht am 07.04.2025

Eine Silvesterparty wird zum Überlebenskampf

Die Yacht
7

Eine Silvesterfeier auf einer Luxusyacht im Hafen von Ventimiglia (Norditalien) wird zum Albtraum: Hannah, eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, freut sich über die Einladung ihrer langjährigen ...

Eine Silvesterfeier auf einer Luxusyacht im Hafen von Ventimiglia (Norditalien) wird zum Albtraum: Hannah, eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, freut sich über die Einladung ihrer langjährigen Schuldfreundin, der superreichen Libby. Doch die sozialen Unterschiede wiegen von Anfang an schwer: die Reichen (Libby, ihr Mann sowie ein weiteres Paar) lassen ständig ignorante, abwertende Kommentare auf Hannah regnen, der neureiche Harry versucht zu vermitteln, aber Hannah beschließt am Neujahrsmorgen heimlich abzureisen. Leider muss sie feststellen, dass die Yacht auf dem Meer treibt, zudem kann sie nicht (mehr) gesteuert werden. Das Funkgerät ist auch kaputt, die Vorräte werden knapp und die Stimmung wird immer toxischer. Es hagelt Vorwürfe, Beleidigungen, schließlich kommt es zu Handgreiflichkeiten, dann wird jemand vermisst ...

Der lebendige Schreibstil ist mitreißend und man bekommt schnell einen Eindruck von den Charakteren bzw. der komplizierten, problematischen Dynamik zwischen ihnen. Die Autorin nimmt sich Zeit die Figuren sowie das Zwischenmenschliche zu erklären bzw. auszuführen. Die beiden reichen Paare kommen dabei eindimensional weg, sie führen sich unmöglich auf. Zunächst “nur” völlig rücksichtslos, himmelschreiend arrogant und lächerlich materialistisch, später schlichtweg zerstörerisch in jeder Hinsicht!

Mir waren die ständigen Streitereien ein bisschen zu viel, auch weil ich die vier betreffenden Figuren, die immer wieder Unfrieden stiften, als eindimensional und empfand.

Mit der zunehmenden Not (Essen + Mineralwasser gehen aus, zudem gibt es ohne Strom keine Heizung oder Zugang zu Leitungswasser) steigt der Stresspegel und die Konflikte werden immer bösartiger. Schließlich verpuffen Hoffnung und Aktionismus, übrig bleiben Verzweiflung und Entsetzen: ab einem gewissen Punkt geht es ums blanke Überleben, wegen der unberechenbaren Menschen an Bord sowie den Naturgewalten. ...

All das bzw. Hannah emotionale Achterbahnfahrt und ihre Ängste werden sensationell greifbar geschildert, sodass ich durchweg mit ihr gelitten habe!

Die Auflösung bzw. Der Weg dahin ist ausgeklügelt, unerwartet und glaubwürdig, ich war allerdings ein kleines bisschen enttäuscht, denn für meinen Geschmack hätte sie spektakulärerer ausfallen können.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 31.03.2025

Düsterer als Cover & Inhaltsangabe vermuten lassen ...

That's Not My Name
0

Eine Teenagerin wacht verletzt, ohne Erinnerungen, am Rande einer Straße auf. Ein Polizist nimmt sie mit, doch kurz darauf taucht ein Mann auf, der beweisen kann, dass er ihr Vater ist, also geht die junge ...

Eine Teenagerin wacht verletzt, ohne Erinnerungen, am Rande einer Straße auf. Ein Polizist nimmt sie mit, doch kurz darauf taucht ein Mann auf, der beweisen kann, dass er ihr Vater ist, also geht die junge Frau mit ihm. Ihr fallen allerdings immer mehr Ungereimtheiten auf, zudem ist der Mann wirklich seltsam, denn er hat sehr spezielle Wertvorstellungen, dann wird ihre schlimmste Befürchtung real, aber schlimmer geht immer ...

Die Freundin des Jugendluchen Drew wird seit Wochen vermisst und da er in der Nacht ihres Verschwindens mit ihr zusammen war, gilt er als Hauptverdächtiger. Er ist verzweifelt und leidet unter der Ausgrenzung, dann ändert ein “Geständnis” alles, weil es zu einer vielversprechenden Spur führt - deren Verfolgung voller Hindernisse ist ...

Die Handlung nimmt für meinen Geschmack eher langsam an Fahrt auf, das störte mich allerdings kaum, da das Geschehen von Anfang an atmosphärisch, beklemmend, rätselhaft und unterhaltsam gestaltet ist.

Die Charaktere sind großartig gezeichnet: interessant, sympathisch, nuanciert (das gilt nicht für die Antagonisten!) und lebensecht. Auf den ersten Blick wirken die Widersacher vielleicht eindimensional bzw. schablonenhaft, ich finde jedoch, dass sie ein Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen sind, denn mMn sind auch im wahren Leben viele sturer sowie radikaler in ihrem Denken und Handeln geworden. Die Protagonisten sind wirklich facettenreich, sie haben echte Schwächen und Fehler, wenn es darauf ankommt, kann man sich aber auf ihr Verständnis, ihre Hilfsbereitschaft und ihre unerschrockene Entschlossenheit verlassen - auch wenn es aufgrund ihrer Eigenarten immer wieder zu Kabbeleien kommt!

Die ausgeklügelte, wendungsreiche Handlung wird allmählich zunehmend düster, komplex, nervenaufreibend, dramatisch und zum Ende hin fast unerträglich spannend sowie erschütternd! Kaum zu glauben, dass es sich bei “That’s not my Name” um ein Debüt handelt!!!

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Dranbleiben lohnt sich!

Sie wird dich finden
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Ich fand den Handlungsverlauf während der 1. Hälfte größtenteils schleppend und auch nervig, weil es viel um Millies Gedanken zu ihrem Mann, ihren Kindern sowie den seltsamen Nachbarn bzw. ihrem neuen ...

Ich fand den Handlungsverlauf während der 1. Hälfte größtenteils schleppend und auch nervig, weil es viel um Millies Gedanken zu ihrem Mann, ihren Kindern sowie den seltsamen Nachbarn bzw. ihrem neuen “Vorstadt-Leben” geht.

Sie macht sich Sorgen, dass ihr Mann auf die unverschämt offensichtlichen Annäherungsversuche der Nachbarin eingehen könnte. Sie fragt sich von wem ihre Tochter ihre Ernsthaftigkeit und ihre Intelligenz “geerbt” hat. Sie macht sich Sorgen wegen der Verhaltensauffälligkeiten ihres Sohnes. Sie fühlt sich genötigt eine Zugehfrau zu beschäftigen und hat so ihre Problemchen mit unausgesprochenen Vorstadtregeln.

Es gibt zwar von Anfang an viele unheilvolle Kleinigkeiten sowie rätselhafte Begebenheiten, die neugierig machen, aber für meinen Geschmack passiert lange nichts Entscheidendes und so richtig spannend wurde es für mich erst ab der 2. Hälfte - mit der Entdeckung einer Leiche, die nur die Spitze des Eisbergs ist. Von da an fand ich “Sie wird dich finden” wirklich toll – typisch Freida McFadden: nervenaufreibend, herrlich gewieft, raffiniert und überraschend!

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Fesselnd

Haus Waldesruh
0

Marco lädt drei ehemalige Schuldfreunde und Schulfreundinnen 15 Jahre nach der Matura (Abitur) zu einem Treffen in die Jagdhütte seines Onkels ein. Er (ein antikapitalistischer Rebell) und Anna (ernst, ...

Marco lädt drei ehemalige Schuldfreunde und Schulfreundinnen 15 Jahre nach der Matura (Abitur) zu einem Treffen in die Jagdhütte seines Onkels ein. Er (ein antikapitalistischer Rebell) und Anna (ernst, ehrgeizige), Ferdinand (ein kapitalistischer, schnieker Typ) sowie Lea (eine vegan lebende Yogini) hatten seither kaum Kontakt, denn ein tragisches Ereignis überschattete ihren Schulabschluss und traf sie hart. Die Stimmung ist von Anfang an volatil: Ausgelassene Wiedersehensfreude und Sticheleien wechseln sich ab, zudem kommen alte Meinungsverschiedenheiten an die Oberfläche. Dann taucht ein Überraschungsgast auf und Erwähnungen von Max, Annas Ex sowie Marcos bester Schulfreund, der sich kurz nach der Matura das Leben nahm, sorgen immer wieder für eine beklemmende Atmosphäre. Als jemand vorschlägt, Geheimnisse auszuplaudern, Dämonen zu offenbaren oder Schmerzhaftes einzugestehen, um als Gemeinschaft zu wachsen, wird es richtig interessant ...

Der atmosphärische, ausdrucksstarke Schreibstil ist großartig und auch die Charaktere sind toll gezeichnet. Die Handlung ist faszinierend verstörend sowie fesselnd, nur das Ende lässt die Geschehnisse dann mMn irgendwie “verloren” wirken: Ich fand es “spektakulär unspektakulär” - sehr realistisch.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Anders als erwartet ...

Als Grace verschwand
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Die Journalistin Simone und ihr Ehemann, ein Arzt, mussten vor achtzehn Jahren einen niederschmetternden Schicksalsschlag ertragen: Ihre sechs Monate alte Tochter wurde entführt und nie gefunden. Als eine ...

Die Journalistin Simone und ihr Ehemann, ein Arzt, mussten vor achtzehn Jahren einen niederschmetternden Schicksalsschlag ertragen: Ihre sechs Monate alte Tochter wurde entführt und nie gefunden. Als eine Studentin namens Grace behauptet jenes entführte Mädchen zu sein, gerät Simone in einen Strudel aus Täuschungen, einem Mord ohne Leiche, entsetzlichen Verbrechen sowie Gefahren. Dann verschwindet Grace erneut ...

Der ausdrucksstarke Schreibstil ist toll, genau wie die authentischen Charaktere, und die komplexe Handlung ist spannend. Das Geschehen besteht hauptsächlich auf den Ermittlungen, die Simone, zuerst zusammen mit ihrer mutmaßlichen Tochter, später dann mit einem Kollegen unternimmt. Nach und nach ergibt sich ein erschütterndes Gesamtbild mit überraschenden Zusammenhängen, aber Achtung – Misshandlungen von Frauen bzw. die Gedanken der Täter dazu, werden ein paar Mal explizit geschildert – das ist vielleicht nicht für jede: n etwas ...

Aufgrund der Inhaltsbeschreibung habe ich eine ganz andere Handlung erwartet: Ich fand den “Dreh und Angelpunkt” der Verbrechen “seltsam” (dargestellt), irgendwie nicht ganz überzeugend. Die Vielschichtigkeit der Geschickte, die wirklich rätselhaft aufgebaut ist, und die interessanten Figuren bzw. ihr Zusammenspiel haben mir jedoch sehr gut gefallen, genau wie die Wendungen und die Auflösung.

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