Dieses höchst emotionale Buch über die bewundernswerte Frau Lydia war definitiv eines meiner Highlights bezüglich wahrer Lebensgeschichten, die ich jemals gelesen habe. Bereits der Aufbau des Buches hat ...
Dieses höchst emotionale Buch über die bewundernswerte Frau Lydia war definitiv eines meiner Highlights bezüglich wahrer Lebensgeschichten, die ich jemals gelesen habe. Bereits der Aufbau des Buches hat mich sehr überzeugt: man lernt den Weg kennen, wie das Buch entstanden ist, und auch die zahlreichen Verwandten, Nachfahren und Familienangehörigen, die mit diesem Buch ihrer geliebten Mutter bzw. Großmutter – zurecht – ein Denkmal setzen wollten – und dies auch definitiv geschafft haben. Lydia stellt für mich ein absolutes Vorbild dar, ebenso wie die deutliche Botschaft, die das Buch vermittelt: die Bedeutung von Familie und Zusammenhalt, die einem durch jegliche Lebenslage hilft, egal wie aussichtslos sie auch erscheinen mag. Das tragische Schicksal von Lydia und ihrer Familie hat mich emotional sehr mitgenommen, ich musste schmunzeln, teilweise ist mir die Luft weggeblieben beim Lesen, und bei den letzten Seiten musste ich sogar weinen vor Rührung. Der verbale Blumenstrauß am Ende vollendet die Kontextualisierung des Haupttextes, der größtenteils auf Lydias Tagebuchaufzeichnungen beruht. Der kurze prägnante Schreibstil macht ihren Lebensweg besonders einprägsam und nahegehend.
Ich kann diese Buch wirklich jedem Menschen empfehlen; es ist zwar keine leichte Kost, aber öffnet einem die Augen für die wirklich wichtigen Dinge im eigenen Leben, man wird geerdet, reflektiert sich selbst und sein Verhalten und besinnt sich wieder auf das Wesentlich – die Familie und die Menschen, die einem wichtig sind.
Die Gerüche der Kathedrale ist thematisch mit seinem sinnes- und kirchengeschichtlichen Schwerpunkt am Puls der mediävistischen Forschung und bietet einen interessanten und weitestgehend auch für Laien ...
Die Gerüche der Kathedrale ist thematisch mit seinem sinnes- und kirchengeschichtlichen Schwerpunkt am Puls der mediävistischen Forschung und bietet einen interessanten und weitestgehend auch für Laien gut verständlichen ersten Eindruck, auch in die Geschichte der niederländischen Stadt Antwerpen im Mittelalter. Man bekommt viele detaillierte und tiefe Einblicke in die religiöse und alltägliche Lebenswelt eines mittelalterlichen Antwerpener Kirchenbesuchers. Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar trotz vieler historischer Informationen und Details. In der Mitte des Buches befindet sich ein umfangreicher Bildteil mit vielen tollen Abbildungen, die die Schilderungen des Buches untermalen und visualisieren – ich habe sehr viel hin und her geblättert, was sich aber durchaus gelohnt hat. Sehr gefreut haben mich ebenfalls die kleinen Details zu Beginn jedes Kapitels, nämlich Ausschnitte aus einem der zentralen wichtigen Gemälde, das eine wichtige Grundlage des Buches darstellt. Mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt, die Kathedrale von Antwerpen selbst zu besuchen und mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen, die Vielfalt auch in der Realität auf mich wirken zu lassen. Schade fand ich lediglich die einigen Schreib- und Layoutfehler, die sich eingeschlichen hatten.
„Erst da ging mir auf, dass ich zwar ein neues Leben beginnen, mein altes Leben aber nie ganz hinter mir lassen konnte. Meine Vergangenheit würde meine neue Welt durchdringen wie Wasser, das durch Risse ...
„Erst da ging mir auf, dass ich zwar ein neues Leben beginnen, mein altes Leben aber nie ganz hinter mir lassen konnte. Meine Vergangenheit würde meine neue Welt durchdringen wie Wasser, das durch Risse in einem nicht ordentlich abgestützten Damm drang – es sei denn, ich stellte mich meiner wahren Geschichte.“ (S. 188)
Kurze Inhaltszusammenfassung
Wien in den 1930ern: Hedwig Kiesler, eine junge Frau jüdischer Abstammung, ist Schauspielerin mit Leib und Seele, doch sie lässt sich von der Macht eines Verehrers, dem österreichischen Waffenhändler Fritz Mandl, blenden und heiratet ihn. Nach kurzer Zeit bemerkt sie nicht nur dessen Gewalttätigkeit, sondern auch wer seine Geschäftspartner sind: Diktatoren wie Benito Mussolini und Adolf Hitler. Gerade noch rechtzeitig gelingt ihr die Flucht nach Amerika – vor ihrem Mann und vor dem, was ihr durch die Ausbreitung des Nationalsozialismus in ihrer Heimat droht. In Hollywood schafft sie den Durchbruch als Schauspielerin Hedy Lamarr, doch ihre Vergangenheit holt sie immer wieder ein. Hinter ihrer Fassade steckt ein reflektierter, intelligenter und erfinderischer Geist, der alle Hebel in Bewegung setzt, um eine Möglichkeit zu entwickeln, die verbreiteten Grauen des NS-Regimes zu stoppen.
Fazit
Das Cover strahlt für mich bereits vieles aus, was man als Leser/in im Buch über die Protagonistin Hedy erfährt und wie ich sie nach der Lektüre empfinde: extravagant, geheimnisvoll, besonders, tiefgründig. Der Schreibstil hat mich überzeugt durch die direkte, aber durchdachte Art und Weise, mit der man Hedys Leben mitverfolgt. Besonders gefallen hat mir die dargestellte Entwicklung von Hedy, ihr Kampfgeist und Mut, ihre Entschlossenheit und Selbstreflexion, ihr Durchhaltevermögen. Charakterlich ist sie mir sehr nahe gegangen durch die vielen Zweifel, Reflexionen, Vorwürfe und Fragen, die ihr letztendlich aber die Motivation dafür geben, ihr erworbenes Wissen als Ehefrau von Mandl gegen das NS-Regime zu verwenden und deren Gräueltaten zu beenden. Hedys Geschichte hat viele Emotionen verschiedenster Art in mir ausgelöst: Bewunderung, Abscheu, Entsetzen, Empathie, Ekel – aber vor allem Fassungslosigkeit über die ständige Unterschätzung, die sich wie ein roter Faden durch Hedys Leben zieht. Niemand nimmt sie Ernst, weder als Frau noch als Persönlichkeit. Jeder ist nur begeistert von ihrer Schönheit und lässt sich von ihrer Schauspielkarriere blenden – aber niemand sieht wirklich hinter diese Fassade und erkennt die geniale Idee, die sie als fachfremde Person verwirklichen konnte und die vielleicht den Verlauf der Geschichte verändert hätte, wenn man Hedwig Kiesler nur Ernst genommen hätte.
Weil sie so gut passen und ihre Lebensgeschichte wirklich auf den Punkt bringen nochmal zwei Zitate aus dem Buch:
„Ich war stets die einzige Frau im Raum gewesen, der einzige Farbtupfer in einem Meer aus dunklen Anzügen.“ (S. 99)
„Ich war immer allein gewesen unter meiner Maske, ich war stets die einzige Frau im Raum gewesen.“ (S. 296)
Empfehlung
Klare Empfehlung von ganzem Herzen! Das Buch thematisiert so viele wichtige Themen und erzählt das ereignisreiche Leben einer Frau, die meiner Meinung nach viel zu unbekannt geblieben ist. Wer Hedy wirklich sehr persönlich kennenlernen will und über ihre Erfahrungen mit Macht, männlicher Dominanz, jüdischer Abstammung zu Zeiten des Nationalsozialismus, der Eigenständigkeit als Frau, technischen Erfindungen, der Bedeutung von Familie und dem vermeintlichen Glanz von Hollywood erfahren will, der bekommt mit „Die einzige Frau im Raum“ eine einzigartige Gelegenheit dazu!
„Die Wahrheit kommt immer zutage. Sie ist wie ein Gas, das beständig nach oben steigt. Vielleicht wirst auch du eines Tages dafür sorgen, dass es freikommt.“ (S. 389)
Kurze Inhaltszusammenfassung
Ende ...
„Die Wahrheit kommt immer zutage. Sie ist wie ein Gas, das beständig nach oben steigt. Vielleicht wirst auch du eines Tages dafür sorgen, dass es freikommt.“ (S. 389)
Kurze Inhaltszusammenfassung
Ende des 19. Jahrhunderts verschwindet in München ein französischer Diplomat spurlos. Der begabte Kriminalist Gryszinski soll den Verschwundenen wieder aufspüren, vermeintlich keine große Sache. Doch als die Spuren eine Verbindung des Franzosen zu einem ermordeten bayerischen Erfinder, der eine neue Technologie zum Verschicken von telegrafischen Falschmeldungen entwickelt hat, und einem russischen Betrüger-Ehepaar führen, eröffnet sich erst die Tragweite des Falls. Denn am Ende werden sich nicht nur Gryszinski und seine Frau, sondern Jahrzehnte später auch deren Sohn Fritz für die Auflösung des Falls auf eine lebensgefährliche Reise quer durch Europa begeben.
Fazit
Ich habe bisher kaum ein Buch gelesen, das mich von der sprachlichen und stilistischen Gestaltung sowie vom Aufbau der Handlungsstränge und den Charakteren her so beeindruckt hat wie Der treue Spion. Die Autorin schreibt wirklich so, als ob jeder einzelne Satz etwas ganz Besonderes ist, geradezu ein eigenes Kunstwerk – sehr charmant und mit einem konsequenten Hauch von Ironie. Die Figuren sind alle unglaublich authentisch, das Kopfkino lief bei mir beim Lesen dauerhaft mit. Besonders fasziniert war ich von den Verflechtungen zwischen Zeit und Raum, die sich zwischen den beiden Gryszinski-Männern ergibt: beide befinden sich an denselben Orten, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das Schicksal von Vater und Sohn ist eng mit der Auflösung des wahnsinnig detaillierten und unfassbar spannenden Falls zusammen, der ein wichtiges zeitgenössisches Thema zur Sprache bringt: die Überlegenheit und Bedeutung von technologischen Neuerungen im Rahmen des Ersten Weltkriegs. Wie es das wundervolle Cover ganz treffend andeutet, kann man mit Der treue Spion an der Seite der Gryszinskis in eine für uns unbekannte Welt eintauchen: in die der Diplomatie, der Preußen und Bayern, der Hochstapelei, der Kriminalistik, der Spione, des Krieges – und vor allem: der intensiven Gefühle: von Angst, Rache, Patriotismus, Liebe und Hass.
Empfehlung
Der treue Spion kann ich wirklich jedem ans Herz legen, der sich genauso wie ich über einen spannenden, detailreichen und unvorhersehbaren Kriminalfall mitsamt überaus authentischer Figuren hinaus auch über eine stilistisch mehr als durchdachte Sprache und verblüffend geschickt arrangierte zeitliche und räumliche Verbindung der Handlungsstränge freut!
Kurze Inhaltszusammenfassung
Der römische Kommissar Vittorio Grassi, noch von der älteren Garde der Polizei, verlässt kurzfristig aus einem Bauchgefühl heraus ...
„Im Leben war nichts mehr zu ändern.“ (S. 245)
Kurze Inhaltszusammenfassung
Der römische Kommissar Vittorio Grassi, noch von der älteren Garde der Polizei, verlässt kurzfristig aus einem Bauchgefühl heraus seine Heimat und seine Familie, um das Erbe seines kürzlich verstorbenen Vaters zu beziehen, ein selbstgebautes Häuschen inmitten eines Olivenhains an der ligurischen Küste. Dort treten nicht nur mehrere interessante Frauen in sein Leben wie seine jüngere Kollegin Marta oder die ehemalige Gärtnerin und Mitbewohnerin seines Vaters, Toni, sondern Grassi bekommt direkt die Gelegenheit, sich als Ermittler zu profilieren: in kurzem zeitlichen Abstand werden zwei Leichen gefunden, die verzwicktere Hintergründe offenbaren als zunächst gedacht …
Fazit
Mithilfe des wunderschönen Covers hat man die Gegend um Cinque Terre direkt bildlich vor Augen. In diese Kulisse passen wunderbar die sehr unterschiedlichen, aber umwerfend charismatischen Figuren: Vittorio Grassi, ein eigensinniger aber sympathischer Polizist in einer leichten Midlife-Crisis und Inbegriff des Mottos „harte Schale, weicher Kern“; seine Mitbewohnerin Toni, die undurchschaubare ehemalige Gärtnerin seines Vaters mit einer bewegten Vergangenheit; seine neue selbstbewusste Kollegin Marta, die Grassi gerne auch mal die Stirn bietet und der pfeifende Rechtsmediziner Penza, um nur einige zu nennen. Neben den eindrücklichen Charakteren und dem lockeren und humorvollen, stellenweise aber auch reflektierten Schreibstil macht das Buch sehr viel Spaß zum Lesen auch durch den spannenden Fall, den es für die Ermittler zu lösen gilt. Dieser ist interessant, sehr detailliert, lädt zum miträtseln ein und enthält bis zum Schluss die ein oder andere unerwartete Wendung. Ein wichtiges Thema, sowohl für den Fall als auch für Grassi selbst, sind unausgesprochene Dinge und Missverständnisse zwischen geliebten Menschen. Die Reflexion darüber gibt dem Buch über den Krimi an sich hinaus noch eine weitere tiefgründigere Ebene. Was mir auch noch sehr gut gefallen hat, waren die eingestreuten nützlichen Hintergrundinformationen, wie z.B. zur Aufteilung der Zuständigkeiten innerhalb der italienischen Polizei oder zu wichtigen geschichtlichen Ereignissen wie der Entführung von Aldo Moro oder der Ermordung des berühmten Anti-Mafia-Richters Giovanni Falcone. Dieses Wissen holt auch die Nicht-Italien-Experten unter den Leser/innen ab und schafft ein besseres Verständnis für den Gesamtzusammenhang. Das Beste: der Schluss ist so offen und verheißungsvoll formuliert, dass Grassi in weiteren Fällen ermitteln wird – was das Nachwort des Autors bestätigt!
Empfehlung
Abschied auf Italienisch kann ich jedem empfehlen, der umringt von authentischen und herrlich italienischen Charakteren und vor der atemberaubenden Kulisse der ligurischen Küste einen spannenden Fall lösen möchte, der im Laufe noch weit mehr eröffnet als zwei Morde.