Wenn die Klügeren nachgeben, geschieht immer nur das, was die Dummen wollen
Marconi und der verschwundene WattschützerEs handelt sich um den 2. St. Peter Ording Krimi um Massimo Marconi und seine Truppe. Marconi war Hauptkommissar in München, hat sich aber aufgrund familiärer Verpflichtungen an die Nordsee versetzen lassen, ...
Es handelt sich um den 2. St. Peter Ording Krimi um Massimo Marconi und seine Truppe. Marconi war Hauptkommissar in München, hat sich aber aufgrund familiärer Verpflichtungen an die Nordsee versetzen lassen, was ihm allerdings bei den Kompetenzen eine deutliche Einbuße beschert hat.
In einer Julinacht verschwindet der Wattschützer Piet Laurenzen. Die Tat scheint im Zusammenhang mit der umstrittenen Ölbohrinsel Mittelplate A zu stehen. Zur Klärung der Entführung werden Kollegen aus Flensburg angefordert, zwei arrogante Ermittler, die den „Dorfbullen“ in St. Peter Ording kaum eine Straßensperre zutrauen. Marconi sieht das naturgemäß anders und verhält sich auch entsprechend, was ihm den ein oder anderen Rüffel der übergeordneten Kollegen einbringt. Aber er und noch mehr die beiden ortsbekannten Kollegen, Jens und Eva kennen sich aus, wissen um die Zusammenhänge und finden auch viel einfacher Zugang zu den verschlossenen Peteranern.
Marconi hat die Erziehungsaufgabe für seine 13jährige Nichte Klara und ihren neunjährigen Bruder Stefano übernommen. Nach dem viel zu frühen Tod von Schwägerin und Bruder will man vermeiden, dass die Kinder ins Heim oder zu Pflegefamilien gegeben werden müssen. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes scheint allerdings auch von den Erziehungsqualitäten Massimo Marconis nicht überzeugt zu sein, sie taucht immer dann auf, wenn Marconi gerade gar nicht gut aussieht, bzw. sie gar nicht brauchen kann.
Gerade Klara ist als 13jährige in einer schwierigen Phase. Sie begehrt auf und lässt ihren Onkel nicht nur einmal wissen, dass sie mit seinen Erziehungsmethoden nicht einverstanden ist. Ihr Interesse gilt dem Schutz des Wattenmeers und sie hat sich einer Initiative junger Leute angeschlossen, die demonstrieren, die sich aber auch gerne am Rande der Legalität bewegen. Massimo hat alle Hände voll zu tun, sie aus den Akten herauszuhalten und ihr immer wieder klarzumachen, welche Art von Protest erlaubt ist und welche nicht.
Stefano ist hingegen noch ein Kind, spielt gern mit seinen Freunden und hat Angst, doch irgendwann aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden. Hier kann sich Massimo in Empathie üben, die bisher so gar nicht seine Sache war.
Der Fall ist ausgesprochen verzwickt und ganz oft müssen sich die drei Polizisten aus St. Peter Ording fragen, wer denn eigentlich aus welcher Sache Vorteile ziehen könnte. Die Kollegen aus Flensburg machen es sich da wesentlich einfacher, sie nehmen einfach jemanden fest, der ihnen verdächtig erscheint. Gut, dass Massimo nicht davor zurückschreckt, sich auch unbeliebt zu machen. Die Kollegen aus Flensburg sind ihm sowieso zutiefst unsympathisch. Tatsächlich weiter kommen die Ermittlungen erst, als die Leiche des Wattschützers gefunden wird. Die sich daran anschließenden Handlungen führen Marconi endlich auf die richtige Spur.
Der Fall schließt sich ziemlich nahtlos an den vorangegangenen Fall an, auf ihn wird oft Bezug genommen und somit ist es zumindest von Vorteil, ihn zu kennen. Dringend notwendig ist es aber nicht, denn auf vieles greift Daniele Palu zurück oder er stellt noch einmal die Personen vor, die auch in Band 1 eine Rolle gespielt haben.
Der Fall spielt zwar die Hauptrolle, die Bemühungen der Wattschützer, seien sie gesetzeskonform oder nicht, nehmen aber auch viel Raum ein. Marconi zeigt, dass es auch für Polizisten schwierig sein kann, selbst privat den Wattschützern zuzustimmen, ihre Handlungen aber auch oft genug als Polizist nicht gutheißen zu dürfen.
Daniele Palu hat auch mit dem zweiten Fall einen sehr lesenswerten Krimi geschrieben, der auch bis zuletzt spannend war und dessen Lösung sich nicht schon ab der Mitte abzeichnete. Aber das Buch profitiert eben auch von den Entwicklungen der einzelnen Personen. So ist es schön, zu beobachten, wie Marconi sich zwar oft nach der Einfachheit seines Lebens in München zurücksehnt, seine Nichte und seinen Neffen aber auf keinen Fall mehr missen möchte. Die Fabel mit dem Fuchspapa passte gut zu diesem Thema und gab dem kleinen Stefano einfach etwas mehr Rückhalt und Gewissheit, dass die Geborgenheit in der Familie auch weiterhin Bestand hat.
Der Autor hat auch in diesem Band italienische Rezepte, die auf den Norden angepasst sind, dem Buch hintangestellt. Den Spaghetti Crabbonara kann man nun eine Labskausagne folgen lassen.