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Veröffentlicht am 23.05.2025

Wenn die Klügeren nachgeben, geschieht immer nur das, was die Dummen wollen

Marconi und der verschwundene Wattschützer
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Es handelt sich um den 2. St. Peter Ording Krimi um Massimo Marconi und seine Truppe. Marconi war Hauptkommissar in München, hat sich aber aufgrund familiärer Verpflichtungen an die Nordsee versetzen lassen, ...

Es handelt sich um den 2. St. Peter Ording Krimi um Massimo Marconi und seine Truppe. Marconi war Hauptkommissar in München, hat sich aber aufgrund familiärer Verpflichtungen an die Nordsee versetzen lassen, was ihm allerdings bei den Kompetenzen eine deutliche Einbuße beschert hat.
In einer Julinacht verschwindet der Wattschützer Piet Laurenzen. Die Tat scheint im Zusammenhang mit der umstrittenen Ölbohrinsel Mittelplate A zu stehen. Zur Klärung der Entführung werden Kollegen aus Flensburg angefordert, zwei arrogante Ermittler, die den „Dorfbullen“ in St. Peter Ording kaum eine Straßensperre zutrauen. Marconi sieht das naturgemäß anders und verhält sich auch entsprechend, was ihm den ein oder anderen Rüffel der übergeordneten Kollegen einbringt. Aber er und noch mehr die beiden ortsbekannten Kollegen, Jens und Eva kennen sich aus, wissen um die Zusammenhänge und finden auch viel einfacher Zugang zu den verschlossenen Peteranern.
Marconi hat die Erziehungsaufgabe für seine 13jährige Nichte Klara und ihren neunjährigen Bruder Stefano übernommen. Nach dem viel zu frühen Tod von Schwägerin und Bruder will man vermeiden, dass die Kinder ins Heim oder zu Pflegefamilien gegeben werden müssen. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes scheint allerdings auch von den Erziehungsqualitäten Massimo Marconis nicht überzeugt zu sein, sie taucht immer dann auf, wenn Marconi gerade gar nicht gut aussieht, bzw. sie gar nicht brauchen kann.
Gerade Klara ist als 13jährige in einer schwierigen Phase. Sie begehrt auf und lässt ihren Onkel nicht nur einmal wissen, dass sie mit seinen Erziehungsmethoden nicht einverstanden ist. Ihr Interesse gilt dem Schutz des Wattenmeers und sie hat sich einer Initiative junger Leute angeschlossen, die demonstrieren, die sich aber auch gerne am Rande der Legalität bewegen. Massimo hat alle Hände voll zu tun, sie aus den Akten herauszuhalten und ihr immer wieder klarzumachen, welche Art von Protest erlaubt ist und welche nicht.
Stefano ist hingegen noch ein Kind, spielt gern mit seinen Freunden und hat Angst, doch irgendwann aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden. Hier kann sich Massimo in Empathie üben, die bisher so gar nicht seine Sache war.
Der Fall ist ausgesprochen verzwickt und ganz oft müssen sich die drei Polizisten aus St. Peter Ording fragen, wer denn eigentlich aus welcher Sache Vorteile ziehen könnte. Die Kollegen aus Flensburg machen es sich da wesentlich einfacher, sie nehmen einfach jemanden fest, der ihnen verdächtig erscheint. Gut, dass Massimo nicht davor zurückschreckt, sich auch unbeliebt zu machen. Die Kollegen aus Flensburg sind ihm sowieso zutiefst unsympathisch. Tatsächlich weiter kommen die Ermittlungen erst, als die Leiche des Wattschützers gefunden wird. Die sich daran anschließenden Handlungen führen Marconi endlich auf die richtige Spur.
Der Fall schließt sich ziemlich nahtlos an den vorangegangenen Fall an, auf ihn wird oft Bezug genommen und somit ist es zumindest von Vorteil, ihn zu kennen. Dringend notwendig ist es aber nicht, denn auf vieles greift Daniele Palu zurück oder er stellt noch einmal die Personen vor, die auch in Band 1 eine Rolle gespielt haben.
Der Fall spielt zwar die Hauptrolle, die Bemühungen der Wattschützer, seien sie gesetzeskonform oder nicht, nehmen aber auch viel Raum ein. Marconi zeigt, dass es auch für Polizisten schwierig sein kann, selbst privat den Wattschützern zuzustimmen, ihre Handlungen aber auch oft genug als Polizist nicht gutheißen zu dürfen.
Daniele Palu hat auch mit dem zweiten Fall einen sehr lesenswerten Krimi geschrieben, der auch bis zuletzt spannend war und dessen Lösung sich nicht schon ab der Mitte abzeichnete. Aber das Buch profitiert eben auch von den Entwicklungen der einzelnen Personen. So ist es schön, zu beobachten, wie Marconi sich zwar oft nach der Einfachheit seines Lebens in München zurücksehnt, seine Nichte und seinen Neffen aber auf keinen Fall mehr missen möchte. Die Fabel mit dem Fuchspapa passte gut zu diesem Thema und gab dem kleinen Stefano einfach etwas mehr Rückhalt und Gewissheit, dass die Geborgenheit in der Familie auch weiterhin Bestand hat.
Der Autor hat auch in diesem Band italienische Rezepte, die auf den Norden angepasst sind, dem Buch hintangestellt. Den Spaghetti Crabbonara kann man nun eine Labskausagne folgen lassen.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Rätselhafter Dreifachmord

Mörderisches La Rochelle
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Es ist August, die Sonne strahlt vom leuchtend blauen Himmel und Commissaire Chevalier genießt seinen Urlaub an der Stränden von La Rochelle, wo er sich im Kite-Surfen versucht. Doch die Ferienstimmung ...

Es ist August, die Sonne strahlt vom leuchtend blauen Himmel und Commissaire Chevalier genießt seinen Urlaub an der Stränden von La Rochelle, wo er sich im Kite-Surfen versucht. Doch die Ferienstimmung endet jäh, als sich an der Pointe St. Clément ein brutaler Dreifachmord ereignet. Ein Urlauberpaar wurde mit je zwei Kopfschüssen ebenso getötet wie ein Fahrradfahrer, der wir zufällig getroffen im Straßengraben liegt.

Nach Tod in la Rochelle ist das der zweite Krimi der Reihe um Commissaire Chevalier. Beim Autor haben wir es wie bei so vielen Cozy Crimes aus Frankreich mit einem Deutschen zu tun, der unter einem französischen Namen schreibt. Jean-Claude Vinet heißt eigentlich Maximilian Rosar und lebt in Trier.
Ich kenne Band 1 der Reihe noch nicht, fand aber auch nicht, dass es notwendig war. Der Fall steht für sich und notwendige Informationen aus Band 1 werden in Band 2 eingeflochten.
Die Ausgangslage ist für den Kommissar und sein Team äußerst schwierig. Wer sollte eigentlich getroffen werden? War einer der Morde ein Zufallsmord, nur weil das Opfer Zeuge und in der Nähe war?
Doch nicht nur der Fall selbst lässt sich schwer an, auch im Team gibt es Veränderungen. Der neue Vorgesetzte Vignaud ist so gar nicht nach dem Geschmack seiner Mitarbeiter, er ist ein Erbsenzähler und Pedant und darüber hinaus jemand, der gerne nach oben buckelt und nach unten tritt.
Es dauert seine Zeit, bis die ermittelnden Kommissare Licht in das Dunkel des Falles bringen, aber wie in einem Puzzle gesellt sich ein Teil zum anderen und das Bild wird langsam vollständiger. Ich fand es gut, dass man als Leser tatsächlich jeder Spur und jedem Gedanken folgen konnte und dass damit klar wurde, dass es gar nicht einfach ist, in das Leben von vollkommen Fremden einzutauchen, deren Familie und Freundeskreis auch nicht immer an einer Lösung des Falles interessiert sind.
Und außerdem wird sehr klar, dass Ermittlungen auch gefährlich sein können. Je näher man dem Täter kommt, desto mehr läuft man Gefahr, selbst in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Der Fall war ausgesprochen spannend, bis zum Schluss ergaben sich immer wieder neue Wendungen und Verdachtsmomente, bis dann endlich jedes Puzzleteilchen an seinem Platz gelandet war. Im Fall stand eindeutig der Krimi im Vordergrund, die schöne Region um La Rochelle wurde zwar gebührend erwähnt, der Krimi artete aber nie in einen Reiseführer aus. Von den Beteiligten gefiel mir die Familie Chevalier am besten, Sandrine lebt ihr Leben und für ihre Kunst aber sie bringt auch ganz viel Verständnis für ihren Mann auf und akzeptiert seine Verbundenheit mit seinem Beruf.
Und Clément ist besonnen, achtet auf seine Mitarbeiter, schirmt sie auch vor Presse und ungeduldigen Vorgesetzten ab und sein Bauchgefühl hat ihn noch selten betrogen.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Wer lässt die Toten lächeln?

Signora Commissaria und der lachende Tod
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Florenz wird von einer rätselhaften Mordserie erschüttert. Der Täter schneidet seinen Opfern die Kehle durch und hinterlässt sie mit einem starren Lächeln im Gesicht. Außerdem versteckt er einen Hinweis ...

Florenz wird von einer rätselhaften Mordserie erschüttert. Der Täter schneidet seinen Opfern die Kehle durch und hinterlässt sie mit einem starren Lächeln im Gesicht. Außerdem versteckt er einen Hinweis auf sein nächstes Opfer.

Commissaria Giulia Ferrari, die gerade erst wieder in Florenz Fuß fassen will und eigentlich zunächst einmal den Urlaub vergangener Jahre abfeiern wollte, ist gefordert und versichert sich der Unterstützung des ehemaligen Commissario Luigi und seines Hundes Tulipan sowie des blinden Polizisten Enzo, einem Recherchegenie.

Es trifft Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Milieus stammen und auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben können: einen Busfahrer, einen Sommelier und eine Geigenvirtuosin, später dann noch eine obdachlose ältere Frau. Die Ermittler stehen vor einem schier unlösbaren Rätsel und suchen händeringend nach Gemeinsamkeiten.

Natürlich finden sie diese Gemeinsamkeiten letztendlich auch, aber es ist eine spannende Reise bis dorthin und sie ist mit einigen Toten gepflastert. Ein wenig lernt man bei den Ermittlungen auch Florenz kennen, und natürlich darf das gute Essen nie zu kurz kommen. Glücklicherweise teilt Carla ihre Rezepte mit uns, so dass wir uns als Leser schon einmal auf Italien einstimmen können bevor wir dann auf den Spuren der Commissaria uns dort selbst umsehen.

Ich kenne Band 1 der Reihe noch nicht, aber das werde ich sicher nachholen und auf Band 3 freue ich mich bereits. Ähnlich, wie ich immer wieder auch den Fällen von Luc Verlain folge.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Leander Lost ist einfach genial

Lautlose Feinde
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Mit „Lautlose Feinde“ ist meiner Meinung nach Gil Ribeiro wieder ein Meisterstück gelungen. Es hat genau die richtigen Anteile an spannendem Krimi, dann aber auch wieder sehr familiäre Szenen und Lokalkolorit ...

Mit „Lautlose Feinde“ ist meiner Meinung nach Gil Ribeiro wieder ein Meisterstück gelungen. Es hat genau die richtigen Anteile an spannendem Krimi, dann aber auch wieder sehr familiäre Szenen und Lokalkolorit der Ostalgarve.

Worum geht es:

Am Tag vor der Hochzeit von Leander Lost und Soraia wird der Zollbeamte André Bento getötet, seine Enkelin, die ihm gerade etwas bringen wollte, wird entführt. Das Kind wird befreit, aber die Entführer entkommen.

Der Leser wechselt vom Ermittlerteam um Graciana zu zwei Paaren, die offensichtlich hinter dem Koffer eines Amerikaners her sind und sich in seinen Besitz bringen wollen. Im Zuge dieser Jagd nach dem Koffer verlieren drei Menschen ihr Leben.

Leander und Isadora waren für mich die herausragenden Ermittler in diesem Fall. Graciana hatte ihre Leitungsfunktion kurzfristig an Miguel Duarte abgeben müssen, der aber in alte Muster zurückfällt und sich hauptsächlich darum kümmert, in der Presse gut dazustehen.

Die Zusammenarbeit zwischen Leander und Isadora funktioniert einwandfrei und ich fand es genial, den beiden in ihren Schlüssen zu folgen.

Privat haben Soraia und Leander endlich ihr Glück gefunden und in einer ergreifenden Zeremonie geheiratet. Für einen Asperger-Patienten wächst er mit seiner Liebeserklärung an Soraia über sich hinaus: „Sein Herz brachte ihn zum Lächeln, denn es tanzte, tanzte vor Vergnügen. »All das lässt nur eine Hypothese zu: du bist mein ganz persönliches Wunder, Soraia.«“ Fast hätte dieses Glück nur einen Tag gedauert, auch hier empfand ich es als großen Liebesbeweis Leanders, Soraia seinen Wächtern anzuvertrauen und selbst darauf zu verzichten.

Und natürlich kommt auch die portugiesische Küche nicht zu kurz, wofür alleine schon Carlos mit seinem steten Hunger und Raquel mit ihrer hervorragenden Kochkunst sorgen. Eine Hochzeitszeremonie in Fuseta mit der Einbeziehung des ganzen Dorfes miterleben zu dürfen, das hatte schon etwas Besonderes.

Ich war bereits von Band 6 der Reihe um Leander Lost sehr angetan gewesen und finde, Gil Ribeiro hat sich mit Band 7 noch weiter gesteigert. Er ist absolut lesenswert und hoffentlich folgt auch noch Band 8. Die Bewunderung Victoria Coens und Gloria Santos für die schnellen Schlüsse Leanders lassen fast auf einen Karriereschritt im nächsten Buch schließen. Allerdings glaube ich dann doch nicht, dass er die Ostalgarve verlassen wird.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Bei dieser Geschichte wird der Krimi fast zur Nebensache

Nordlicht - Die Spur des Mörders
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Am Sockel des Idstedt Löwen in Flensburg wird die Leiche des 73jährigen Karl Bentien gefunden. Der Idstedt-Löwe ist seit seiner Renovierung und Wiederaufstellung Symbol der deutsch-dänischen Freundschaft. ...

Am Sockel des Idstedt Löwen in Flensburg wird die Leiche des 73jährigen Karl Bentien gefunden. Der Idstedt-Löwe ist seit seiner Renovierung und Wiederaufstellung Symbol der deutsch-dänischen Freundschaft. Warum würde man hier einen alten Mann umbringen? Ein Fall für das deutsch-dänische Ermittlerteam aus Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg.

Und tatsächlich müssen die beiden zur Lösung des Falles weit in die Vergangenheit eintauchen. Nicht nur der Leser lernt hier eine ganze Menge über die Kriegs- und Nachkriegsgeschichte zwischen den beiden Ländern. Und das machte für mich auch den Reiz des Buches aus, der Fall selbst wurde da fast zur Nebensache.

Dennoch sind auch die Ermittlungen spannend beschrieben und der Leser wird oft genug auf falsche Fährten gelockt. Ich fand das Buch ausgesprochen lesenswert und empfehle es gerne weiter.

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