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Veröffentlicht am 08.05.2025

Rätselhafter Dreifachmord

Mörderisches La Rochelle
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Es ist August, die Sonne strahlt vom leuchtend blauen Himmel und Commissaire Chevalier genießt seinen Urlaub an der Stränden von La Rochelle, wo er sich im Kite-Surfen versucht. Doch die Ferienstimmung ...

Es ist August, die Sonne strahlt vom leuchtend blauen Himmel und Commissaire Chevalier genießt seinen Urlaub an der Stränden von La Rochelle, wo er sich im Kite-Surfen versucht. Doch die Ferienstimmung endet jäh, als sich an der Pointe St. Clément ein brutaler Dreifachmord ereignet. Ein Urlauberpaar wurde mit je zwei Kopfschüssen ebenso getötet wie ein Fahrradfahrer, der wir zufällig getroffen im Straßengraben liegt.

Nach Tod in la Rochelle ist das der zweite Krimi der Reihe um Commissaire Chevalier. Beim Autor haben wir es wie bei so vielen Cozy Crimes aus Frankreich mit einem Deutschen zu tun, der unter einem französischen Namen schreibt. Jean-Claude Vinet heißt eigentlich Maximilian Rosar und lebt in Trier.
Ich kenne Band 1 der Reihe noch nicht, fand aber auch nicht, dass es notwendig war. Der Fall steht für sich und notwendige Informationen aus Band 1 werden in Band 2 eingeflochten.
Die Ausgangslage ist für den Kommissar und sein Team äußerst schwierig. Wer sollte eigentlich getroffen werden? War einer der Morde ein Zufallsmord, nur weil das Opfer Zeuge und in der Nähe war?
Doch nicht nur der Fall selbst lässt sich schwer an, auch im Team gibt es Veränderungen. Der neue Vorgesetzte Vignaud ist so gar nicht nach dem Geschmack seiner Mitarbeiter, er ist ein Erbsenzähler und Pedant und darüber hinaus jemand, der gerne nach oben buckelt und nach unten tritt.
Es dauert seine Zeit, bis die ermittelnden Kommissare Licht in das Dunkel des Falles bringen, aber wie in einem Puzzle gesellt sich ein Teil zum anderen und das Bild wird langsam vollständiger. Ich fand es gut, dass man als Leser tatsächlich jeder Spur und jedem Gedanken folgen konnte und dass damit klar wurde, dass es gar nicht einfach ist, in das Leben von vollkommen Fremden einzutauchen, deren Familie und Freundeskreis auch nicht immer an einer Lösung des Falles interessiert sind.
Und außerdem wird sehr klar, dass Ermittlungen auch gefährlich sein können. Je näher man dem Täter kommt, desto mehr läuft man Gefahr, selbst in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Der Fall war ausgesprochen spannend, bis zum Schluss ergaben sich immer wieder neue Wendungen und Verdachtsmomente, bis dann endlich jedes Puzzleteilchen an seinem Platz gelandet war. Im Fall stand eindeutig der Krimi im Vordergrund, die schöne Region um La Rochelle wurde zwar gebührend erwähnt, der Krimi artete aber nie in einen Reiseführer aus. Von den Beteiligten gefiel mir die Familie Chevalier am besten, Sandrine lebt ihr Leben und für ihre Kunst aber sie bringt auch ganz viel Verständnis für ihren Mann auf und akzeptiert seine Verbundenheit mit seinem Beruf.
Und Clément ist besonnen, achtet auf seine Mitarbeiter, schirmt sie auch vor Presse und ungeduldigen Vorgesetzten ab und sein Bauchgefühl hat ihn noch selten betrogen.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Wer lässt die Toten lächeln?

Signora Commissaria und der lachende Tod
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Florenz wird von einer rätselhaften Mordserie erschüttert. Der Täter schneidet seinen Opfern die Kehle durch und hinterlässt sie mit einem starren Lächeln im Gesicht. Außerdem versteckt er einen Hinweis ...

Florenz wird von einer rätselhaften Mordserie erschüttert. Der Täter schneidet seinen Opfern die Kehle durch und hinterlässt sie mit einem starren Lächeln im Gesicht. Außerdem versteckt er einen Hinweis auf sein nächstes Opfer.

Commissaria Giulia Ferrari, die gerade erst wieder in Florenz Fuß fassen will und eigentlich zunächst einmal den Urlaub vergangener Jahre abfeiern wollte, ist gefordert und versichert sich der Unterstützung des ehemaligen Commissario Luigi und seines Hundes Tulipan sowie des blinden Polizisten Enzo, einem Recherchegenie.

Es trifft Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Milieus stammen und auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben können: einen Busfahrer, einen Sommelier und eine Geigenvirtuosin, später dann noch eine obdachlose ältere Frau. Die Ermittler stehen vor einem schier unlösbaren Rätsel und suchen händeringend nach Gemeinsamkeiten.

Natürlich finden sie diese Gemeinsamkeiten letztendlich auch, aber es ist eine spannende Reise bis dorthin und sie ist mit einigen Toten gepflastert. Ein wenig lernt man bei den Ermittlungen auch Florenz kennen, und natürlich darf das gute Essen nie zu kurz kommen. Glücklicherweise teilt Carla ihre Rezepte mit uns, so dass wir uns als Leser schon einmal auf Italien einstimmen können bevor wir dann auf den Spuren der Commissaria uns dort selbst umsehen.

Ich kenne Band 1 der Reihe noch nicht, aber das werde ich sicher nachholen und auf Band 3 freue ich mich bereits. Ähnlich, wie ich immer wieder auch den Fällen von Luc Verlain folge.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Leander Lost ist einfach genial

Lautlose Feinde
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Mit „Lautlose Feinde“ ist meiner Meinung nach Gil Ribeiro wieder ein Meisterstück gelungen. Es hat genau die richtigen Anteile an spannendem Krimi, dann aber auch wieder sehr familiäre Szenen und Lokalkolorit ...

Mit „Lautlose Feinde“ ist meiner Meinung nach Gil Ribeiro wieder ein Meisterstück gelungen. Es hat genau die richtigen Anteile an spannendem Krimi, dann aber auch wieder sehr familiäre Szenen und Lokalkolorit der Ostalgarve.

Worum geht es:

Am Tag vor der Hochzeit von Leander Lost und Soraia wird der Zollbeamte André Bento getötet, seine Enkelin, die ihm gerade etwas bringen wollte, wird entführt. Das Kind wird befreit, aber die Entführer entkommen.

Der Leser wechselt vom Ermittlerteam um Graciana zu zwei Paaren, die offensichtlich hinter dem Koffer eines Amerikaners her sind und sich in seinen Besitz bringen wollen. Im Zuge dieser Jagd nach dem Koffer verlieren drei Menschen ihr Leben.

Leander und Isadora waren für mich die herausragenden Ermittler in diesem Fall. Graciana hatte ihre Leitungsfunktion kurzfristig an Miguel Duarte abgeben müssen, der aber in alte Muster zurückfällt und sich hauptsächlich darum kümmert, in der Presse gut dazustehen.

Die Zusammenarbeit zwischen Leander und Isadora funktioniert einwandfrei und ich fand es genial, den beiden in ihren Schlüssen zu folgen.

Privat haben Soraia und Leander endlich ihr Glück gefunden und in einer ergreifenden Zeremonie geheiratet. Für einen Asperger-Patienten wächst er mit seiner Liebeserklärung an Soraia über sich hinaus: „Sein Herz brachte ihn zum Lächeln, denn es tanzte, tanzte vor Vergnügen. »All das lässt nur eine Hypothese zu: du bist mein ganz persönliches Wunder, Soraia.«“ Fast hätte dieses Glück nur einen Tag gedauert, auch hier empfand ich es als großen Liebesbeweis Leanders, Soraia seinen Wächtern anzuvertrauen und selbst darauf zu verzichten.

Und natürlich kommt auch die portugiesische Küche nicht zu kurz, wofür alleine schon Carlos mit seinem steten Hunger und Raquel mit ihrer hervorragenden Kochkunst sorgen. Eine Hochzeitszeremonie in Fuseta mit der Einbeziehung des ganzen Dorfes miterleben zu dürfen, das hatte schon etwas Besonderes.

Ich war bereits von Band 6 der Reihe um Leander Lost sehr angetan gewesen und finde, Gil Ribeiro hat sich mit Band 7 noch weiter gesteigert. Er ist absolut lesenswert und hoffentlich folgt auch noch Band 8. Die Bewunderung Victoria Coens und Gloria Santos für die schnellen Schlüsse Leanders lassen fast auf einen Karriereschritt im nächsten Buch schließen. Allerdings glaube ich dann doch nicht, dass er die Ostalgarve verlassen wird.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Bei dieser Geschichte wird der Krimi fast zur Nebensache

Nordlicht - Die Spur des Mörders
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Am Sockel des Idstedt Löwen in Flensburg wird die Leiche des 73jährigen Karl Bentien gefunden. Der Idstedt-Löwe ist seit seiner Renovierung und Wiederaufstellung Symbol der deutsch-dänischen Freundschaft. ...

Am Sockel des Idstedt Löwen in Flensburg wird die Leiche des 73jährigen Karl Bentien gefunden. Der Idstedt-Löwe ist seit seiner Renovierung und Wiederaufstellung Symbol der deutsch-dänischen Freundschaft. Warum würde man hier einen alten Mann umbringen? Ein Fall für das deutsch-dänische Ermittlerteam aus Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg.

Und tatsächlich müssen die beiden zur Lösung des Falles weit in die Vergangenheit eintauchen. Nicht nur der Leser lernt hier eine ganze Menge über die Kriegs- und Nachkriegsgeschichte zwischen den beiden Ländern. Und das machte für mich auch den Reiz des Buches aus, der Fall selbst wurde da fast zur Nebensache.

Dennoch sind auch die Ermittlungen spannend beschrieben und der Leser wird oft genug auf falsche Fährten gelockt. Ich fand das Buch ausgesprochen lesenswert und empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Genau so könnten die 20er Jahre auf dem Land in Norddeutschland gewesen sein!

Kronsnest
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Hannes wächst als 15jähriger in den 20er Jahren auf dem elterlichen Hof in Kronsnest nordwestlich von Hamburg auf. Der Fluss, an dem die Kinder sich häufig treffen heißt Krückau und fließt weiter westlich ...

Hannes wächst als 15jähriger in den 20er Jahren auf dem elterlichen Hof in Kronsnest nordwestlich von Hamburg auf. Der Fluss, an dem die Kinder sich häufig treffen heißt Krückau und fließt weiter westlich in die Elbe.

Es gibt reiche Bauern mit viel und gutem Land, es gibt aber auch kleinere Bauern, die sehr ums Überleben kämpfen müssen. Hannes Eltern sind eigentlich kleine Bauern, die aber versuchen, durch harte Arbeit ihren Besitz zu vergrößern.

Hannes Vater hatte sehr genaue Vorstellungen von seinem Sohn und Hannes genügte ihnen nur selten. Der Vater ist gespalten zwischen gutem Willen, der Liebe zu seiner Frau und dem Vorbild des eigenen Vaters, der ihn mit harter Hand erzogen hatte und später dem Alkohol verfallen war. Er kann seine Wut nicht immer zügeln, auch wenn es ihm hinterher leid tut.

Hannes selbst ist zu Beginn der Handlung noch Kind, meistens will er es seinen Eltern Recht machen. Doch hin und wieder kommt auch schon ein recht rebellischer Jugendlicher zum Vorschein, der seinem Vater Paroli bietet. Diese Vater-Sohn-Beziehung ist gut beschrieben und man kann sich die Verbitterung beider vorstellen, wenn der jeweils andere mal wieder ganz anders reagiert, als erwartet.

Seine Bezugspersonen in der Schule sind Thies, der Nachbarsjunge und die Kinder des reichen Bauern von Heesen Mara und Jakob. Mara ist sein großer Schwarm, sie will er für sich gewinnen und es gelingt ihm auch. Doch auch Mara und Jakob haben Probleme. Der Hof ist in Schieflage geraten, weil er schlecht geführt wird. Der Vater ist eigentlich Kaufmann und hat von Landwirtschaft keine Ahnung.

Ende der 20er Jahre beginnen die rechten Parteien auch auf dem Land immer mehr Anhänger zu sammeln. Da sind zum einen die Kommunisten und auf der anderen Seite das rechte Landvolk, das immer mehr zum Anhängsel der aufstrebenden NSDAP wird. Schlägereien auf den Straßen sind keine Seltenheit und manchmal sind auch Opfer zu beklagen. Viele Auseinandersetzungen werden nicht nur mit Worten sondern noch mit Prügeleien geführt, Hannes ist so lange Opfer der rechtsgesinnten Landjugend, bis er selbst boxen und sich zu wehren lernt.

Die Situation zuhause spitzt sich zu und die Mutter steht dazwischen. Eigentlich hält sie mehr zu Hannes, ihrem Mann zeigt sie wochenlang die kalte Schulter, was ihn aber letztendlich ebenfalls in den Alkohol treibt. Ein tragischer Unfall bereitet seinem Leben ein jähes Ende.

Florian Knöppler schildert das tägliche Leben der Familie Thormälen auf eindrückliche Art und Weise. Die Bauern hatten kaum den ersten Weltkrieg mit den großen menschlichen Verlusten überstanden, da kam die unstete Weimarer Zeit und legte den Samen für die rechtsradikalen Entwicklungen in den 30er und 40er Jahren. Selbst jemand, der eigentlich unpolitisch sein wollte, konnte sich den Entwicklungen nicht entziehen und stieß auf die ein oder andere Weise mit denen zusammen, die sich bereits radikalisiert hatten. Insbesondere junge Leute hatten es schwer, sich dem entgegenzustemmen. Wie sagt es Govinski irgendwann: „Und auf Dauer muss man sowieso Position beziehen.“ Er meint es sowohl politisch als auch privat und Hannes weiß, was er tun muss. Diese kleinen Fluchten sind es, die das Leben für ihn dann doch lebenswert machen.

Ich fand das Buch ausgesprochen lesenswert und bedanke mich, dass ich an der Leserunde teilnehmen konnte.

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