Profilbild von SophiaDango

SophiaDango

Lesejury Star
offline

SophiaDango ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SophiaDango über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.06.2025

Surferidylle vor den Kulissen Marrakeschs - spannend und bedrohlich

The Surf House
0

Bea ist 23 Jahre alt und Model. Bei einem Job in den Gassen Marrakeschs wird ihr in der drückenden Hitze und Kleidung klar, dass sie so nicht mehr weiter machen kann. Sie flieht Hals über Kopf aus dem ...

Bea ist 23 Jahre alt und Model. Bei einem Job in den Gassen Marrakeschs wird ihr in der drückenden Hitze und Kleidung klar, dass sie so nicht mehr weiter machen kann. Sie flieht Hals über Kopf aus dem Hotel und verirrt sich in den dunklen Gassen, die immer unheimlicher werden. Als sie zwei junge Männer einkreisen und sie in einer Sackgasse sitzt, weiß sie nicht mehr weiter. In letzter Sekunde eilt ihr eine Frau herbei und flieht mit ihr. Sie stellt sich als Marnie vor und nimmt Bea zunächst mit in ihr Hotel, dem "Surf House". Da Bea alles an Wertgegenständen gestohlen wurde, steht sie ohne Pass und Geld da. Marnie bietet ihr an, im "Surf House" zu helfen und so lange zu bleiben, wie Bea braucht um wieder nach Großbritannien zurück zu kommen. Bea ahnt noch nicht, in welche Gefahr sie sich begibt, denn im "Surf House" ist bereits eine junge Frau verschwunden. Als deren Bruder auftaucht um nach seiner Schwester zu suchen, beginnt auch Bea nachzuforschen und das gefällt nicht jedem dort.

Mir hat das Cover sehr gut gefallen, ich hatte zuvor auch noch nichts von Lucy Clarke gelesen. Das Setting ist toll angelegt und die drückende Hitze, das Gewimmel Marrakeschs und das vermeintliche Urlaubsparadies werden toll beschrieben, sodass man Leser mittendrin ist. Auch das Leben als Aussteiger und das Surfen werden einem nahe gebracht, der Surfjargon hat mich nicht gestört.
Bea blieb mir leider die meiste Zeit unsympathisch, ich konnte auch viele ihrer Handlungen nicht nachvollziehen, z.B. warum sie nach dem Diebstahl nicht eine Botschaft aufsucht. Oft stolpert sie naiv und leichtgläubig durch die Geschichte. Auch Marnie blieb mir undurchsichtig, sie hatte oft etwas an sich, was man nicht greifen konnte. Da die Handlung aus Beas Perspektive erzählt wird, bleibt alles sehr subjektiv, was aber zur Geschichte gepasst hat. Unterbrochen werden die Kapitel von Tagebucheinträgen der verschwundenen Savannah, die das Ganze abwechslungsreich gestalten. Davon hätte ich mir mehr gewünscht, denn die Geschichte nimmt, sobald Bea im "Surf House" wohnt, nur langsam an Fahrt auf.

Im "Surf House" verkehrt eine ganz eigene Community, alles wirkt entschleunigt und ich konnte den Zauber des Surfers und des Wassers (als Nicht-Surferin) meist nicht ganz nachvollziehen. Als Savannahs Bruder Seth in diese Community platzt, kommt Spannung in die Geschichte, denn er ist das komplette Gegenteil der locker-leichten Surfergemeinde und wirkt fehl am Platz. Vielleicht hätten einige Kapitel aus Maries oder Seth' Sicht dem Ganzen noch mehr Spannung und Abwechslung verliehen. Die Handlung an sich ist oft vorhersehbar, doch das Ende fiel dann anders aus als ich erwartet hätte. "The Surf House" ist für mich kein typischer Thriller, man erwartet dann doch mehr von einem Thriller.

Ich werde mir noch andere Bücher Lucy Clarkes vornehmen, die Geschichte hier konnte mich nicht komplett überzeugen als Thriller, aber das Urlaubsfeeling und das Geheimnis der verschwundenen Savannah macht vieles wieder wett.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.05.2025

Leise Geschichten über den Sinn und die Wendungen im Leben

Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen
0

Im Café Marble an einem Fluss in einem Vorort Tokios arbeitet der junge Wataru. Mit viel Liebe zum Detail und zu seinen Gästen bedient er sie Tag für Tag. Jeden Donnerstag kommt zudem eine junge Frau in ...

Im Café Marble an einem Fluss in einem Vorort Tokios arbeitet der junge Wataru. Mit viel Liebe zum Detail und zu seinen Gästen bedient er sie Tag für Tag. Jeden Donnerstag kommt zudem eine junge Frau in das Café und die immer einen heißen Kakao trinkt. Wataru würde gerne mehr über sie erfahren, denn sie liest stets Briefe, mal betrübt, mal fröhlich dabei, er traut sich jedoch nicht. Auch seine anderen Gäste bringen ihre eigenen Geschichten mit und brauchen meist, neben einem warmen Getränk, noch einen kleinen Schubs für eine Wendung in ihrem Leben.

Bereits das erste Buch der Autorin hat mich begeistert und ich war gespannt auf ihren neuen Roman. Das Café Marble bildet den Ausgangspunkt für die vielen kleinen Kurzgeschichten, die auf ihre Weise alle miteinander zusammen hängen. Die Autorin zeichnet die Figuren alle passend und detailliert, trotz der vielen Namen kommt man nicht durcheinander beim Lesen. Gerade Wataru wächst einem immer mehr ans Herz und man fühlt sich als Leser selbst wohl im Café als wäre man selbst dort Gast.
Das Buch besteht aus Kurzgeschichten, die alle ganz unterschiedliche Figuren, Ereignisse und Schauplätze beinhalten, aber trotzdem miteinander zu tun haben. Manchmal hat mir die Tiefe gefehlt bzw. hätten die Geschichten noch etwas ausgeschmückter oder tiefer sein können. Ich hätte beim Lesen gerne mehr über die Charaktere erfahren, aber vielleicht macht auch gerade das den Reiz der Geschichten aus. Die Vielfalt der unterschiedlichen Charaktere, die alle im Café einkehren, gefällt mir sehr gut: ob Karrierefrau, Erzieherin oder Beobachterin, jeder bringt seine Geschichte mit und lernt dabei, mit verschiedenen Situationen umzugehen.

Von mir gibt es eine Empfehlung für alle, die gerne leise und schöne Kurzgeschichten lesen, die typisch japanisch sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2025

Spannender Thriller mit interessantem Setting in der Welt der Blumen

The Florist
0

Amy Mackenzie ist Floristin und selbstständig mit ihrem Geschäft "Darling Blossoms". Sie liefert unter anderem auch Blumen für das Architekturbüro Cole & Elliot. James Elliot, einer der Chefs dort, beauftragt ...

Amy Mackenzie ist Floristin und selbstständig mit ihrem Geschäft "Darling Blossoms". Sie liefert unter anderem auch Blumen für das Architekturbüro Cole & Elliot. James Elliot, einer der Chefs dort, beauftragt sie mit den Blumenarrangements für den Geburtstag seiner Schwägerin. Amy wittert einen großen und lukrativen Auftrag und sagt begeistert zu. Sie lernt Elliots Schwägerin Isabel kennen und die beiden verstehen sich auf Anhieb. Als Isabel an ihrem Geburtstag zu Tode kommt, fällt der Verdacht schnell auf Amy. Sie muss alles dafür tun, den Verdacht von sich zu lenken. Denn in ihrer Vergangenheit sind Dinge passiert, die niemals jemand erfahren darf...

Mich hat das Cover sofort angesprochen, es zeigt sofort, um was es geht und verbindet das leichte lockere Blumenbouquet mit einer Düsternis, Blut und etwas Geheimnisvollem.
Der Anfang des Buches läuft für mich eher schleppend an. Es wird viel aus Amy Alltag und von ihrer Arbeit berichtet. Das wird durch die Ich-Perspektive Amys unterstrichen, aus der erzählt wird. Man gewinnt so einen Einblick in ihre Gefühlswelt, es wirkt aber auch stellenweise eintönig und blass. Die Arbeit einer Floristin wird hier toll beschrieben, ich habe dabei für mich viel Neues gelernt und diese Details spielen auch für den Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle. Da Amy eine Einzelgängerin ist, kommt zunächst wenig Spannung auf und die Geschichte plätschert eher dahin.
Spätestens jedoch mit dem Besuch bei den Elliots und dem Kennenlernen mit Isabel nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Man erfährt bis zum Schluss kaum etwas von Amy Vergangenheit, an der sie uns Leser kaum teilhaben lässt. Amy wirkt meist nicht greifbar und blieb für mich lange undurchsichtig, auch gerade durch ihre Zurückgezogenheit.

Das Ende hat mich dann nochmal umgehauen, ich hatte diese Wendung überhaupt nicht kommen sehen. Die Autorin greift mit diesem Roman die wichtigen Themen von toxischer Freundschaft und einem ungesunden Zugehörigkeitsdrang auf und verwebt diese gekonnt in ihre Geschichte.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, einzige Kritikpunkte sind für mich der schleppende Beginn und die Längen, die es in der ersten Hälfte gab. Ich kann dieses Buch allen Thriller-Fans gerne empfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2025

Spannender Thriller mit einigen (oft vorhersehbaren) Wendungen, der mit dem Klischee einer amerikanischen Vorzeigefamilie spielt

The Family Guest
0

Natalie Merritt und ihre Familie haben vor zwei Jahren ihre geliebte Tochter Anabel verloren. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern Paige und Will haben sie den Tod Anabels mehr schlecht als recht verarbeitet, ...

Natalie Merritt und ihre Familie haben vor zwei Jahren ihre geliebte Tochter Anabel verloren. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern Paige und Will haben sie den Tod Anabels mehr schlecht als recht verarbeitet, denn Anabel wir immer Natalies Lieblingskind. In dieser Situation nehmen die Merritts eine Austauschschülerin aus Großbritannien auf: Tanya Blackstone ist scheinbar perfekt und gerade Mutter Natalie schließt sie sofort ins Herz. Anders als Paige, der Tanya sofort seltsam vorkommt und die sie vom ersten Moment an verabscheut. Paige stellt zusammen mit ihrem Bruder Will Nachforschungen zu Tanyas Leben und ihrer Vergangenheit an. Was sie dabei herausfinden, ist nur die Spitze des Eisbergs und bald schwebt die Familie in Lebensgefahr.

Mich hat das Cover direkt angesprochen, der Gegensatz vom pinken Barbiehaus zum düsteren Hintergrund ist sehr gut umgesetzt und passt perfekt zur Geschichte. Als Leser ist man direkt zu Beginn mitten in der Geschichte als die Merritts Tanya am Flughafen abholen. Mir gefällt sehr die abwechselnde Kapitel aus der Sicht von Paige und Natalie. Der Leser erfährt so sowohl von der Ablehnung Paiges als auch von der wachsenden Mutterliebe Natalies zu Tanya. Bei mir sind sofort Fragen aufgetaucht, sowohl die Familie betreffend als auch Tanya. Die Autorin serviert häppchenweise Hinweise und Erklärungen, die mich als Leserin immer zum Weiterlesen quasi gezwungen haben.
Es herrscht stets eine unterschwellige bedrohliche Atmosphäre, die sich im Laufe der Handlung immer mehr verdichtet und die die Autorin gekonnt beschreibt. Die Familie Merritt ist das typische Vorzeigemodell einer amerikanischen Familie: eine große Villa, ein Pool, entzückende Kinder und ein hart arbeitender Vater sowie eine Mutter, die die Organisation von Wohltätigkeitsveranstaltungen übernimmt. Die meisten Charaktere im Buch waren mir eher weniger sympathisch, allen voran Tanya, deren Verhalten sowohl Fragen aufwirft als mich auch immer mehr genervt hat. Auch Mutter Natalie kommt nicht besser weg. Einzig der 12-jährige Will verliert nie seinen Optimismus und hält sich, so gut es geht, gerade am Anfang, aus den Streitigkeiten heraus.
Mein Kritikpunkt sind vor allem die oft vorhersehbaren Wendungen und Aufschlüsselungen, die man im Verlauf der Geschichte zu lesen bekommt. Meist wusste man, oder ahnte viel mehr schon, was passieren wird und da die Rolle der "guten" und "bösen" Charaktere schnell zugewiesen waren, ist an einigen Stellen der Überraschungseffekt verpufft.

"The Family Guest" ist trotz allem ein fesselnder und spannender Thriller, der das Leben einer amerikanischen Vorzeigefamilie auseinander nimmt und mit den Klischees und Erwartungen daran spielt. Von mir gibt es eine Empfehlung für alle Thriller-Fans!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2025

Humorvolle Geschichte über Probleme und Freundschaft, die einen beim Lesen oft zum Lachen bringt

Das Leben ist eins der Härtesten
0

Es geht um vier sehr unterschiedliche Charaktere, die alle eins gemeinsam haben: sie haben Probleme. Silke kämpft mir ihrem Ex-Mann, der aus der Versenkung wieder auftaucht. Willy-Martin hat eine scheinbar ...

Es geht um vier sehr unterschiedliche Charaktere, die alle eins gemeinsam haben: sie haben Probleme. Silke kämpft mir ihrem Ex-Mann, der aus der Versenkung wieder auftaucht. Willy-Martin hat eine scheinbar tolle Frau kennengelernt, muss sich aber nun mit einem sabbernden Hund herum ärgern. Renates Hund Mandarine-Schatzi ist in einer Punica-Flasche gestorben und sie tröstet sich nun mit Teleshopping-Einkäufen. Und Frau Goebel sieht sich mit ihrem immer näher rückenden Tod konfrontiert. Die vier kennen sich mehr oder weniger gut, aber sie beschließen, den Problemen für ein paar Tage zu entfliehen und fahren ins "Tropical Islands", einer Hotelanlage ähnlich den "Center Parcs". Aber auch dort machen die Probleme nicht halt und der Zusammenhalt des ungewöhnlichen Vierergespann wird mehr als ein Mal auf die Probe gestellt.

Ich hatte zuvor den neuesten Roman "Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes" von Giulia Becker gelesen und war sehr begeistert, weswegen ich auch den Debütroman von ihr lesen wollte. Das Cover finde ich fast schon unscheinbar und wenig aussagekräftig, es passt aber nach dem Lesen insgesamt zur Geschichte.
Die vier Hauptpersonen werden allesamt sehr überspitzt dargestellt, an manchen Stellen war es mir ab und zu ein wenig zu viel des Guten, z.B. Willy-Martins Niesattacken. Trotzdem kommt im Roman auch immer wieder Kritik an unserer Gesellschaft vor, vor allem das Thema Einsamkeit wird gut integriert und auf eine humorvolle Erzählweise eingebunden. Auch "Gadget-Stefan" repräsentiert sehr gut einen Teil unserer Gesellschaft: immer mehr zu wollen, andere zu beeindrucken und sich an materiellen Dingen zu messen. Die Geschichte zeigt auf, was am Ende für uns alle zählt: Freundschaft und Zusammenhalt, so unterschiedlich auch jeder mit seinen Eigenheiten und Macken sein mag.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen mit ein paar wenigen Schwächen, er eignet sich sehr gut zum Zwischendurch-Lesen, man muss oft laut auflachen beim Lesen und trotzdem kommt auch die Gesellschaftskritik nicht zu kurz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere