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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.11.2024

Augenöffner

Break the Cycle
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Vorweg: Ich habe jahrelang eine Therapie gemacht. Als ich über meine Kindheit/Eltern sprechen wollte, wurde ich von der Therapeutin unterbrochen mit dem Hinweis, dass die Vergangenheit vorbei ist und ich ...

Vorweg: Ich habe jahrelang eine Therapie gemacht. Als ich über meine Kindheit/Eltern sprechen wollte, wurde ich von der Therapeutin unterbrochen mit dem Hinweis, dass die Vergangenheit vorbei ist und ich auf das JETZT und nach vorne schauen muss.

Heute weiß ich, dass meine damalige Therapeutin gut daran täte, das Buch von Dr. Mariel Buque zu lesen.

Unsere Kindheit und Ahnen haben sehr wohl Einfluss auf das Jetzt. Und zwar stärker als uns vielleicht lieb ist. Das Buch erklärt und zeigt wie das funktioniert. Ich fand mich und meine Verwandten im Buch wieder.

„Break the cycle“ basiert auf dem therapeutischen Ansatz von Dr. Buque und ist daher keine einfache Lektüre. Es ist zudem sehr übungslastig. Ohne die Übungen macht es meiner Meinung nach keinen Sinn das Buch durchzuarbeiten. Das kenne ich auch aus meiner Therapie. Leider sind die Übungen nicht immer gut beschrieben. Es fehlen Bilder um darzustellen was man tun soll.

Die Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Kindheit kann die Augen öffnen, aber auch schmerzhaft sein. Daher findet man am Anfang des Buches den Hinweis, dass man sich wenn nötig, professionelle Hilfe holen soll. Ich denke, dass das Buch vor allem begleitend zu einer Therapie sehr hilfreich sein kann. Natürlich bei dem richtigen Therapeuten der sich mit komplexen generationsübergreifenden Mustern auskennt. Vielleicht gibt das Buch den einen oder anderen auch den Anstoß eine Therapie zu starten.

Als Leser muss man aber auch akzeptieren, dass die Auseinandersetzung Arbeit bedeutet und dauert. Einfach nur das Buch lesen und gut ist, spielt sich nicht. Das Buch kann einem nur Anregungen geben und einem helfen Dinge in einem neuen Licht zu sehen. z.B. hab ich erst gestern zufällig ein Kleidungsstück gefunden, dass ich als Kind in der Schule genäht habe. Ich musste gleich wieder an ein abwertendes Kommentar meiner Werklehrerin denken. Durch das Wissen das ich aus „Break the cycle“ mitnehmen konnte, sah ich das plötzlich in einem neuen Licht. Ich hab immer gedacht: „Warum sagt sie so etwas unterschwellig gemeines zu mir?“ Nun aber verstehe ich, dass es ihr wohl unbewusst raus gerutscht ist. Es war ein Satz, den sie als Kind auch immer wieder gehört hat. Dadurch ist plötzlich ein besseres Verständnis und vielleicht auch Heilung, möglich. Ich konnte mit dieser Situation abschließen.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Gruselig aber schwächer als der Vorgänger

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
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Nachdem wir „Flammenrad“ verschlungen haben, warteten wir sehnsüchtig auf den zweiten Teil der Reihe. Auch der Nachfolger bietet reichlich Spannung für Gruselfans und etwas ältere Leser, reicht jedoch ...

Nachdem wir „Flammenrad“ verschlungen haben, warteten wir sehnsüchtig auf den zweiten Teil der Reihe. Auch der Nachfolger bietet reichlich Spannung für Gruselfans und etwas ältere Leser, reicht jedoch nicht ganz an die durch das „Flammenrad“ hochgelegte Messlatte heran.

Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch weniger düster ausfällt als der Vorgänger. Damit eignet es sich auch für etwas zartbesaitetere Kinder. Zwar wird die Vorgeschichte in wenigen Sätzen angerissen, man kann der Handlung aber auch ohne Vorkenntnisse problemlos folgen.

Für Kenner des ersten Teils ist es jedoch enttäuschend, dass die Kinder ständig nach logischen Erklärungen für das Mysteriöse suchen und fürchten, man würde ihnen keinen Glauben schenken. In Anbetracht des gemeinsamen Abenteuers mit ihren Eltern im ersten Band wirkt dieses Verhalten völlig unlogisch. Hier zeigt sich eine weitere Schwäche. Während der erste Teil den Leser lange im Unklaren ließ, ob die Geschehnisse real oder eingebildet sind, wurde das Tor zum Übernatürlichen am Ende bereits weit aufgestoßen. Als Leser erwartet man nun, dass man es wieder mit Geistern zu tun hat und dadurch verliert das Buch an Spannung.

Zudem braucht die Handlung recht lange, bis sie an Fahrt gewinnt und gruselig wird. Dieser langsame Aufbau könnte dazu führen, dass jüngere Leser vorzeitig das Interesse verlieren.


Wir schwanken zwischen 3 und 4 Punkten

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Applaus, Applaus

Standing Ovations
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Die Kulturkolumnistin Charlotte Runcie hat mit ihrem Debütroman „Standing ovations“ einen spannende Roman, der das Verhältnis zwischen Künstlern und Kritikern auslotet, geschrieben. Bei der Beleuchtung ...

Die Kulturkolumnistin Charlotte Runcie hat mit ihrem Debütroman „Standing ovations“ einen spannende Roman, der das Verhältnis zwischen Künstlern und Kritikern auslotet, geschrieben. Bei der Beleuchtung des Machtgefälles geht es auch um „Me Too“. Auch die Schwierigkeit als Frau Beruf und Kind unter einem Hut zu bringen sowie Mental Load wurden thematisch reingepackt. Und auch um die Grauzonen. Wann ist etwas okay? Nur weil es gesetzlich erlaubt ist und die Frau den Konsens gegeben hat? Und was ist schlimmer: Ein Mann der nach außen hin den Nerd und Softie gibt, trotzdem eine Affäre beginnt und sich dann in der Opferrolle suhlt oder der stadtbekannte Herzensbrecher, der mit seinem Lausbuben-Charme die Frauen reihenweise ins Bett kriegt und sie dann fallen lässt wie eine heiße Kartoffel? Und wie weit darf ein Shit-Storm gehen? Was ist noch fair? Wo sind die Grenzen?

Das Buch macht es sich durch das Ausloten der Grauzonen nicht gerade leicht. Alex Lyons ist zwar überheblich, aber ist kein Harvey Weinstein der seine Position missbraucht. Auch ist er kein Gerard Depardieu der über Frauen herfällt. Die Frauen gehen aus freien Stücken mit ihm ins Bett, meist ohne zu wissen wer er überhaupt ist.

Den Schluss fand ich etwas überhastet und es gibt auch einige Klischees. Die Beziehung zwischen der Icherzählerin Sophie und ihren Mann Josh ist auch nicht sonderlich gut herausgearbeite. Was solche Dinge betrifft hat mir „Verheirate Frauen“ von Christina Campos deutlich besser gefallen. Dennoch habe ich das Buch gerne und vor allem schnell durchgelesen. Ein richtiger Page-Turner.

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Veröffentlicht am 12.04.2025

Eine Feier der Weiblichkeit und Freundschaft

Verheiratete Frauen
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Bei dem Buch bin ich zwiegespalten. Beim Lesen fühlt es sich „echt“ an und die Frauenfreundschaft wurde gut dargestellt. Man bekommt den Eindruck Gabi, Silvia und Cosima wirklich zu kennen. Kein Wunder, ...

Bei dem Buch bin ich zwiegespalten. Beim Lesen fühlt es sich „echt“ an und die Frauenfreundschaft wurde gut dargestellt. Man bekommt den Eindruck Gabi, Silvia und Cosima wirklich zu kennen. Kein Wunder, wird doch von ihren intimsten Gedanken, Gefühle und Sehnsüchten erzählt. Männer bleiben im Hintergrund. Wir sehen sie hauptsächlich durch die Augen der Ehefrauen oder Geliebten. Manchmal werden sie auch von der Erzählstimme, die hin und wieder aus dem Off etwas erklärt, erwähnt.

Christina Campos, die Autorin hat in ihrer Biographie einige Berührungspunkte mit dem Medium Film, vielleicht kommt die Erzählstimme daher. Mich persönlich haben Passagen ähnlich wie „Sie schworen sich ewige Liebe. Doch es kam anders“ aus dem Lesefluss gebracht. Positiv hingegen fand ich einige Filmreife Szenen wie die mit dem Kleid der Schwiegermutter bei der Hochzeit oder die drei Frauen die quasi streng geheim einen Mann nachspionieren.

Das Buch ist sehr explizit. Und macht auch vor Klischees nicht halt. Da finden sich dann Sätze wie „Die Unbekannte ist keine Mutter, aber sie ist eine Frau“. Damit wird begründet, warum eine Zufallsbekanntschaft gleich weiß wie man sich in einer schwierigen Situation verhält und mit fremden Babys umgeht. Weil Frauen das halt können. Andererseits feiert das Buch auch die Weiblichkeit, die weibliche Lust und die Freundschaft zwischen Frauen.

Negativ fiel mir auch die Psychologisierung auf. Vor allem im Hinblick auf Bosco tat es weh. Es werden die üblichen Klischees wiedergekaut. Bei einigen Szenen dachte ich wirklich, das Buch muss Satire sein. Vielleicht verstehe ich es nur nicht richtig.

Andere Momente sind wiederum sehr gut gelungen. Die Eheprobleme zwischen Gabi und German sind außergewöhnlich gut und glaubwürdig beschrieben.

Wie gesagt, streckenweise ist das Buch richtig, richtig gut. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Punkten.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Ein Buch das den Fokus mehr auf das Werk als auf die Künstlerin setzt

Der ewige Tanz
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„Nackttänzerin Anita Berber: Die Skandalnudel der Zwanzigerjahre“ titelte der Spiegel vor ein paar Jahren. Von den ganzen Skandalen bekommt man in „Der ewige Tanz“ nur am Rande mit. Mag sein, dass der ...

„Nackttänzerin Anita Berber: Die Skandalnudel der Zwanzigerjahre“ titelte der Spiegel vor ein paar Jahren. Von den ganzen Skandalen bekommt man in „Der ewige Tanz“ nur am Rande mit. Mag sein, dass der Spiegel mit einer reißerischen Schlagzeile mehr Klicks generieren wollte. Ich vermute aber stark, dass es auch daran liegt, dass Steffen Schroeder bewusst seinen Fokus auf das Werk und weniger auf die Skandale setzen wollte. Das Buch zeigt eine große Faszination für die alten Filme, Aufführungen und die Kunst des Schauspiels selbst.

Den ersten Teil des Buches fand ich eher schwierig zu lesen. Ständig trifft man sich in den richtigen Kaffees, auf Partys und redet über die Leute die nicht da sind. Die Motivation der Figuren bleibt dabei oft auf der Strecke. Eventuell wollte Schroeder bei den historischen Figuren nicht allzu viel hineininterpretieren. Dadurch bleiben die Figuren dem Leser aber fremd.

Der zweite Teil legt den Fokus mehr auf Anita und ihre Liebhaber. Durch Drogen- und Geldprobleme ist der Spannungsbogen hier höher.

Das Buch hat mich inspiriert mehr über Anita Berber zu erfahren. Dadurch musste ich aber auch feststellen, dass einige spannende Aspekte ihres Lebens wir ihr gesellschaftlicher Fall im Buch nur angedeutet werden.

Fazit:
Interessantes Buch für Leute die sich für die 20er Jahre und die Anfänge der Filmkunst interessieren. Das Buch macht Lust mehr über Anita Berber zu erfahren. Eine faszinierende Frau, die wohl selbst für die als verrucht und freizügig bekannten 20er Jahre zu extrem war. Und die es damit wie keine andere schaffte die Doppelmoral der damaligen Zeit zu entlarven.

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