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Veröffentlicht am 14.04.2025

Unbewältigte Schulerinnerungen und Familienproblematiken

Nowhere Heart Land
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Die Hauptfigur Rosa Konert, die zu Beginn des Romans noch International Accounts für iTV-Fernsehwerbung in London managt, mutiert bei ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt zu einer arbeitslosen, unsympathischen, ...

Die Hauptfigur Rosa Konert, die zu Beginn des Romans noch International Accounts für iTV-Fernsehwerbung in London managt, mutiert bei ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt zu einer arbeitslosen, unsympathischen, sogar selbstzerstörerischen, in Selbstmitleid untergehenden Figur. Ihre seltsamen, ruinösen Aktionen z.B. im IKEA oder im FAMILY FUNLAND mit ihrer versessenen Fokussierung auf ihre damalige beste Schulfreundin Lena zeigen gut den emotionalen Strudel aus Schulerinnerungen mit ihrem Hang zur Nostalgie um dieses Internat, das mehr ihr Zuhause ist als sonst wo. Ihrer Angst um Vereinsamung und Nicht-Beantwortung vieler ihrer Fragen schafft sie nur teilweise zu entgehen, indem sie Kontakt zu früheren Wegbegleitern findet wie z.B. zum alten Lehrer Herr Pfeiffer, zu dem Oberstudienrat Markus Reuters, dem Tanzfreund Felix oder dem Künstler Oliver Vogt. Diese interessanten Nebenfiguren verleihen der Handlung angenehme Dynamik, besser als die überlangen inneren Monologe von Rosa. Die gesellschaftskritischen Gedanken von ihr besonders zu ihrer beruflichen Branche und auch zu ihrem privaten Lebensstil hätte man vertiefen können. Insgesamt ein angenehmer Schreibstil.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Zwischen Traum und Wirklichkeit – surreale Welt

Nachtlügen
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Zwischen Traum und Wirklichkeit wandelt die Hauptfigur Isra als Nachtalb oder Nachtmahr nicht in der Fantasie-Gestalt wie in den Gemälden von Johann Heinrich Füssli (Fuseli) durch Träume ihrer Mitmenschen, ...

Zwischen Traum und Wirklichkeit wandelt die Hauptfigur Isra als Nachtalb oder Nachtmahr nicht in der Fantasie-Gestalt wie in den Gemälden von Johann Heinrich Füssli (Fuseli) durch Träume ihrer Mitmenschen, sondern wie ein Mensch zumindest äußerlich. Dieses eigentliche Fantasie- und Sagenwesen stiehlt Menschen ihre Träume zur eigenen Energieaufladung und flößt ihnen dafür Albträume ein. Im interessanten Ambiente eines Varietés arbeitet sie als Kellnerin, während sie sich früher in der Traumforschung zusammen mit ihrer erfolgreichen, prominenten Großmutter Orchea engagiert hat. Parallel zu dieser Erzählebene erfährt der Leser im INTERMEZZO einiges über REM, dem Amt für reversible energieausgleichende Maßnahmen, ihr Regelwerk und Newsletter-Auszüge. Dieses surreale Nachtgespenst Isra, sonderbar, geplagt von Halluzinationen,
mehr und mehr bedroht durch ihr unkontrollierbares Monster, wirkt zwar menschlich, verantwortungsbewusst und in spannende, kreative Szenen verstrickt, bleibt aber ein kaum fassbares Wesen. Thematisiert werden verschiedene Traumarten mit Angstzuständen, teils z.B. zur Verarbeitung von Schuld. Die Idee um Nachtalbe in dieser Geschichte ist originell, auch die Informationen zur Schlaf- und Traumforschung sind interessant.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Etwas enttäuschend!

Die Magnolienkatzen
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Das Cover mit schwarz-weißer Katze und Jungkatze unter einem blühenden Magnolienbaum gefällt sowohl in dieser Komposition als auch in der Farbgebung – sehr ansprechend! Die Autorin beschreibt als Ich-Erzählerin ...

Das Cover mit schwarz-weißer Katze und Jungkatze unter einem blühenden Magnolienbaum gefällt sowohl in dieser Komposition als auch in der Farbgebung – sehr ansprechend! Die Autorin beschreibt als Ich-Erzählerin – vermutlich autobiographisch – das Auffinden einer Straßenkatze mit ihrem Wurf im Gebüsch beim abgesägten Magnolienbaum. Wie sich das Zusammenleben von Noriko mit ihrer Mutter positiv verändert, gelingt ihr während der gesamten Zeit der Aufzucht von fünf quirligen, schnurrenden Persönlichkeiten samt fürsorglicher Katzenmutter sachlich zu dokumentieren. Detailliert beschreibt sie sämtliche Entwicklungsstufen ihrer tierischen Schützlinge über Impfungen, Kastration bzw. Sterilisation, Stressverhalten bis zur liebevollen Interaktion mit Ihnen und ihrem familiären Freundeskreis. In sechs Kapiteln reflektiert Noriko auch über die starke emotionale Bindung bis zum Glücksgefühl, über ihre Verantwortung gegenüber ihren zunächst unerwünschten, tierischen Mitbewohnern. Leider fehlen Tiefgang, mehr Twists und Turns hinsichtlich der hier involvierten Menschen. Für Katzenliebhaber ist dieser Roman sicher ein Highlight.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Thriller in ungewöhnlichem Setting

Die Kammer
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Das Cover mit geisterhaft aufgedrückter, schwarzer Hand in undurchsichtigem Nebel hinter einem Bullauge setzt bereits nicht alltägliche Akzente, denn dahinter verbringen sechs Sättigungstaucher unter Druckausgleich ...

Das Cover mit geisterhaft aufgedrückter, schwarzer Hand in undurchsichtigem Nebel hinter einem Bullauge setzt bereits nicht alltägliche Akzente, denn dahinter verbringen sechs Sättigungstaucher unter Druckausgleich mehrere Tage während ihres Einsatzes an einer Ölpipeline, hier in der Nordsee. Zu Beginn des Buches befindet sich die Darstellung des Taucherbasisschiffs DSV Deep Topaz, mit Kammer, Nasszelle und Taucherglocke, am Ende ein Glossar. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive von Ellen Brooke, der einzigen Frau im Team, belastet mit Schuldgefühlen nach dem jähen Verlust ihrer Familie. Die wiederholten Schilderungen von überlebenswichtigen Regeln bezüglich ihres Unterwasseralltags, jedoch nur eines Tiefseeeinsatzes, sind so detailreich und lebendig, dass man die klaustrophobische Atmosphäre voller akuten Gefahren, Misstrauen und Ängste in und außerhalb der eisernen Druckkammer gut nachempfindet. Begriffe wie z.B. Medlock oder TUP-Kapsel etc. werden nicht nur im Text direkt erklärt, sondern fügen sich organisch auch in die Handlung ein, die mit dem ersten Toten auf engstem Raum für arge Beklemmung beim Lesen sorgt. Die völlig fremde Arbeitsumgebung der Sättigungstaucher entpuppt sich dabei als lehrreich, zunehmend spannender mit steigender Anzahl der Todesfälle. Thematisiert werden auch Überlebenswillen, Gruppendynamik, Isolation, Vertrauen, die physischen und psychischen Belastungen. Auch die aufs wesentliche reduzierte Kommunikation und die eigene Art von Humor beleuchtet der Autor treffend. Jedoch das Ende scheint ohne Motiv für die Morde zu sein mit André, vielleicht mit »Bubble-Hirn«, in einer geschlossenen Station eines Krankenhauses. Die Schuldfrage für vier Morde wird nicht eindeutig geklärt, was enttäuscht.

Veröffentlicht am 03.03.2025

Das Tinder-Zeitalter mit seinen Herausforderungen

No Hard Feelings
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Penelope Moore, Penny, ist 26 Jahre alt, Account Managerin bei Scout Digital Meistens in Cremorne, einem Stadtteil von Melbourne, Victoria, Australien. Mit ihren Freundinnen Annie, Anwältin und Bec Cooper, ...

Penelope Moore, Penny, ist 26 Jahre alt, Account Managerin bei Scout Digital Meistens in Cremorne, einem Stadtteil von Melbourne, Victoria, Australien. Mit ihren Freundinnen Annie, Anwältin und Bec Cooper, verlobt hat sie regen Gedankenaustausch über ihre Versagensängste und Selbstzweifel, über Sinnsuche in ihrem Beruf und Akzeptanz in männlichen Bekanntschaften wie Max Fitzgerald. Gerne hätte Penny, die Erzählerin, weniger Lebensbaustellen und langweilt mit Selbstmitleidsmonologen, wenn auch in flottem, teils humorvollem Schreibstil. In dieser Welt der Mitt- bzw. Endzwanziger schimmert ein wenig australisches Lokalkolorit durch. Thematisiert werden neben ausgiebigem Alkoholgenuss, Pennys psychische Gesundheit, Depressionen und Ängste neben der sich verändernden Freundinnenschaft während ihrer schwierigen Zeit der Selbstfindung.
Insgesamt ein kurzweiliges Leseerlebnis, gerne mit mehr Tiefe.

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