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Veröffentlicht am 15.05.2025

Beschreibung einer teils surrealen Welt

Verzauberte Vorbestimmung
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Das Cover zeigt Ned Ludd, mystischer Anführer der Ludditen, herausgefiltert aus einem hand-kolorierten Stich aus 1812 auf gelbem Grund. In einem von fünf großen Teilen geht es um einen böhmischen Weber, ...


Das Cover zeigt Ned Ludd, mystischer Anführer der Ludditen, herausgefiltert aus einem hand-kolorierten Stich aus 1812 auf gelbem Grund. In einem von fünf großen Teilen geht es um einen böhmischen Weber, der wie diese Ludditen des 19. Jahrhunderts durch einen automatisierten Webstuhl ersetzt wird.. Diese Bewegung englischer Textil-Arbeiter und Weber kämpfte vorab wie er verzweifelt gegen den Einsatz von Maschinen, gegen Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen an. Während es im ersten Abschnitt zunächst um einen algerischen Soldaten im Giftgasangriff der Deutschen im 1. Weltkrieg geht, bis ins hohe Alter als Briefträger in Lyon unterwegs ist. Der Autor ist auf seiner Reise auf den Spuren des Schriftstellers Peter Weiss, der auf den Spuren des Briefträgers und Erbauers des sogenannten „Palais idéal“ Ferdinand Cheval von Hauterives wandelt. Die weitere Reise nach Varnsdorf verfolgt die Spur um den jüdischen Schriftsteller und Maler Peter Weiss, dessen Vater dort in der Velveta a. s., einer Baumwollsamtweberei und Textilveredelung, als kaufmännischer Leiter tätig war. In den letzten zwei Kapiteln bewegt sich der Autor zunächst in Pharao City, dem New Kairo. Dort entsteht seit 2015 knapp 50 Kilometer östlich von Kairo auf einer Gesamtfläche von 725 Quadratkilometern eine derzeitige gigantische Geisterstadt. Die Geschichte erzählt von Mascha auf der Bühne der Grinsekatze, von der verliebten Stand-up-Comedian Tari und ihrer verdrahteten Freundin, einer Androidin, namens Kate. Weitere Orte wie Luxor, Karnak und Assuan beschreibt der Autor, durchzogen von durchlebten, lebensbedrohlichen Corona-Traumata mit seinen fiebrigen Nachwirkungen im ganzen Roman verteilt.
Der verschachtelte Satzbau erfordert aufgrund seiner Länge viel Konzentration. Die Reisebeschreibungen, teils verflochten mit historischen Ereignissen, bilden keine in sich geschlossene, harmonische Einheit.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Zu viele Stressfaktoren und innere Dämonen.

Wo wir uns treffen
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Diese britische Familiengeschichte ist verwoben mit einem großflächigen, herrschaftlichen Vermächtnis in Sussex aus dem 18. Jahrhundert, erworben in glorreichen Kolonialzeiten rund um Menschenhandel, ...

Diese britische Familiengeschichte ist verwoben mit einem großflächigen, herrschaftlichen Vermächtnis in Sussex aus dem 18. Jahrhundert, erworben in glorreichen Kolonialzeiten rund um Menschenhandel, Kaurimuscheln als Währung. Über fünf Tage zieht sich das Familientreffen wie ein roter Faden hin anlässlich der Beerdigung des Familienoberhauptes. Drei sehr verschiedene Geschwister, teils mit Familie und die Witwe werden mit ihren Schwächen, Problemen, Visionen und ihren Beziehungen untereinander vorgestellt auf renaturierten Ländereien auf 40 Hektar. Das Projekt „Albion“ krankt jedoch massiv unter dem Mangel an finanziellen Mitteln, unter dem besonders die Hauptprotagonistin Frannie Brooke als Erbin mit historischer Verantwortung zu leiden hat, was einfühlsam beschrieben wird. Das Problem behaftete Klima untereinander, verbunden mit Stress und Alkoholisierung, sorgt nicht für Entspannung beim Lesen. Der Erzählstrang rund um die Figur von Clara mit ihren Forschungsergebnissen wirkt zu konstruiert, wenn auch informativ. Nur der Hippie-Jünger Ned zeigt eine menschlich überzeugende positive Wirkungsweise zum Wohl dieser vor allem emotional gebeutelten Familie.
Interessante historische Fakten verknüpft mit zu vielen Problemen.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Ein Lebensmotto: „Sink or swim“

Das Licht in den Wellen
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Inge Martensen, fast 100 Jahre alt, ist unterwegs von der Insel Föhr nach New York in Begleitung ihrer Urenkelin Swantje. Während der mehrtägigen Reise mit dem Kreuzfahrtschiff Caribbean Sea gibt es Rückblenden ...

Inge Martensen, fast 100 Jahre alt, ist unterwegs von der Insel Föhr nach New York in Begleitung ihrer Urenkelin Swantje. Während der mehrtägigen Reise mit dem Kreuzfahrtschiff Caribbean Sea gibt es Rückblenden zu Inges erfolgreicher Auswanderungsgeschichte ab 1947. Dabei erfährt man viel über die meist bäuerlichen Inselbewohner auf Föhr und ihrer friesischen Sprache, Natur und Kultur. Ohne Ausbildung schafft es Inge mit 24 Jahren aus dieser sehr übersichtlichen, ruhigen Welt in die ruhelose Großstadt New York, findet Arbeit und Kontakte im familiären Umfeld, auch in einer Föhrer Gemeinschaft in New York. In diesen stark gegensätzlichen Welten bewegt sich die Hauptperson Inge beruflich und privat überzeugend, bewältigt auch einige unerwartete Rückschläge. Historische Ereignisse wie z. B. die Mondlandung oder den Tod von J.F. Kennedy sind zeitlich passend berücksichtigt. Die Lüftung von Inges Geheimnis berührt zwar zum Ende hin. Der Schreibstil hätte aber gern insgesamt etwas spannender gehalten werden können.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Unbewältigte Schulerinnerungen und Familienproblematiken

Nowhere Heart Land
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Die Hauptfigur Rosa Konert, die zu Beginn des Romans noch International Accounts für iTV-Fernsehwerbung in London managt, mutiert bei ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt zu einer arbeitslosen, unsympathischen, ...

Die Hauptfigur Rosa Konert, die zu Beginn des Romans noch International Accounts für iTV-Fernsehwerbung in London managt, mutiert bei ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt zu einer arbeitslosen, unsympathischen, sogar selbstzerstörerischen, in Selbstmitleid untergehenden Figur. Ihre seltsamen, ruinösen Aktionen z.B. im IKEA oder im FAMILY FUNLAND mit ihrer versessenen Fokussierung auf ihre damalige beste Schulfreundin Lena zeigen gut den emotionalen Strudel aus Schulerinnerungen mit ihrem Hang zur Nostalgie um dieses Internat, das mehr ihr Zuhause ist als sonst wo. Ihrer Angst um Vereinsamung und Nicht-Beantwortung vieler ihrer Fragen schafft sie nur teilweise zu entgehen, indem sie Kontakt zu früheren Wegbegleitern findet wie z.B. zum alten Lehrer Herr Pfeiffer, zu dem Oberstudienrat Markus Reuters, dem Tanzfreund Felix oder dem Künstler Oliver Vogt. Diese interessanten Nebenfiguren verleihen der Handlung angenehme Dynamik, besser als die überlangen inneren Monologe von Rosa. Die gesellschaftskritischen Gedanken von ihr besonders zu ihrer beruflichen Branche und auch zu ihrem privaten Lebensstil hätte man vertiefen können. Insgesamt ein angenehmer Schreibstil.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Zwischen Traum und Wirklichkeit – surreale Welt

Nachtlügen
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Zwischen Traum und Wirklichkeit wandelt die Hauptfigur Isra als Nachtalb oder Nachtmahr nicht in der Fantasie-Gestalt wie in den Gemälden von Johann Heinrich Füssli (Fuseli) durch Träume ihrer Mitmenschen, ...

Zwischen Traum und Wirklichkeit wandelt die Hauptfigur Isra als Nachtalb oder Nachtmahr nicht in der Fantasie-Gestalt wie in den Gemälden von Johann Heinrich Füssli (Fuseli) durch Träume ihrer Mitmenschen, sondern wie ein Mensch zumindest äußerlich. Dieses eigentliche Fantasie- und Sagenwesen stiehlt Menschen ihre Träume zur eigenen Energieaufladung und flößt ihnen dafür Albträume ein. Im interessanten Ambiente eines Varietés arbeitet sie als Kellnerin, während sie sich früher in der Traumforschung zusammen mit ihrer erfolgreichen, prominenten Großmutter Orchea engagiert hat. Parallel zu dieser Erzählebene erfährt der Leser im INTERMEZZO einiges über REM, dem Amt für reversible energieausgleichende Maßnahmen, ihr Regelwerk und Newsletter-Auszüge. Dieses surreale Nachtgespenst Isra, sonderbar, geplagt von Halluzinationen,
mehr und mehr bedroht durch ihr unkontrollierbares Monster, wirkt zwar menschlich, verantwortungsbewusst und in spannende, kreative Szenen verstrickt, bleibt aber ein kaum fassbares Wesen. Thematisiert werden verschiedene Traumarten mit Angstzuständen, teils z.B. zur Verarbeitung von Schuld. Die Idee um Nachtalbe in dieser Geschichte ist originell, auch die Informationen zur Schlaf- und Traumforschung sind interessant.

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