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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2025

Berührend, charmant und voller Wärme

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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Gabrielle Zevin hat mit "Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry" eine Geschichte geschrieben, die gleichzeitig berührend, charmant und voller Wärme ist. Im Mittelpunkt steht ein Buchhändler, dessen Leben ...

Gabrielle Zevin hat mit "Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry" eine Geschichte geschrieben, die gleichzeitig berührend, charmant und voller Wärme ist. Im Mittelpunkt steht ein Buchhändler, dessen Leben unerwartet neue Wendungen nimmt. Was anfangs melancholisch und nachdenklich wirkt, entwickelt sich zu einer Erzählung, die Hoffnung, Liebe und die Kraft der Bücher in den Vordergrund stellt.

Besonders gefallen hat mir der Ton des Romans: leise, feinfühlig und voller kleiner literarischer Anspielungen. Auch die Figuren wirken authentisch und lebendig – sie machen Fehler, entwickeln sich weiter und wachsen einem im Verlauf der Geschichte ans Herz. Gerade A.J. Fikry hat mich beim Lesen überrascht – je besser man ihn kennenlernt, desto spannender wird seine Wandlung.

Das Buch lädt dazu ein, innezuhalten und über die Bedeutung von Geschichten im eigenen Leben nachzudenken. Es ist keine laute, actionreiche Handlung, sondern eine Erzählung, die durch ihre leisen Töne, ihre Menschlichkeit und ihre Wärme überzeugt. Manche Passagen habe ich ganz bewusst langsamer gelesen, um die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. Und die vielen literarischen Bezüge sind ein kleines Extra, das jedes Bücherherz höher schlagen lässt.

"Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry" ist ein warmherziger Roman über Verlust, Neuanfang und die Kraft der Geschichten. Wer Bücher liebt und sich gern von einer leisen, aber nachhaltigen Geschichte berühren lässt, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 03.08.2025

Vielschichtig, atmosphärisch und überraschend komisch

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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In "Wedding People" schickt Alison Espach Phoebe Stone ins abgelegene Cornwall Inn, wo sie eigentlich ihr Leben beenden will. Doch dort trifft sie auf eine Hochzeitsgesellschaft – die Braut hat das ganze ...

In "Wedding People" schickt Alison Espach Phoebe Stone ins abgelegene Cornwall Inn, wo sie eigentlich ihr Leben beenden will. Doch dort trifft sie auf eine Hochzeitsgesellschaft – die Braut hat das ganze Hotel für eine Woche exklusiv gebucht. Durch einen Buchungsfehler bekommt Phoebe trotzdem ein Zimmer, und zwar das schönste im Haus. Statt dem erhofften Rückzug wird sie so unerwartet Teil dieser teils skurrilen, vielschichtigen Gesellschaft.

Der Roman erzählt aus einer eher distanzierten Perspektive, fängt aber Phoebes Gedanken und Gefühle sehr einfühlsam ein. Sie wirkt dabei gleichzeitig sarkastisch, melancholisch und verletzlich – eine Figur, die mir noch lange im Kopf geblieben ist.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Begriff aus einem kurzen Gespräch: „mäandernde Geschichten“. Für mich bringt das diesen Roman perfekt auf den Punkt. Wedding People folgt keiner straffen Handlung, sondern nimmt sich Zeit für Umwege, Abschweifungen und stille, aber auch laute Momente. Das schafft eine ganz besondere Atmosphäre, auch wenn es an ein oder zwei Stellen Längen gibt.

Das ist keine klassische Hochzeitsgeschichte, sondern eine leise und zugleich laute, melancholisch-humorvolle Auseinandersetzung mit Lebensmüdigkeit, Einsamkeit, Fremdheit – und der überraschenden Nähe, die Menschen zueinander finden können. Ein großartiges Buch – vielschichtig, atmosphärisch und überraschend komisch.

Veröffentlicht am 09.07.2025

Für Einsteiger und fortgeschrittene Anleger

Anlegen mit ETF
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„Anlegen mit ETF“ ist ein sehr gut strukturierter Ratgeber für alle, die einen sicheren, langfristigen Einstieg in die Geldanlage suchen. Die Erklärungen sind verständlich, praxisnah und unabhängig – ideal ...

„Anlegen mit ETF“ ist ein sehr gut strukturierter Ratgeber für alle, die einen sicheren, langfristigen Einstieg in die Geldanlage suchen. Die Erklärungen sind verständlich, praxisnah und unabhängig – ideal für Einsteiger ohne Vorkenntnisse. Besonders hilfreich sind die grundsätzlichen Hinweise zum Sparen und die Erläuterungen zur Auswahl und Bewertung von ETFs.

Wer auf der Suche nach einem sachlichen, aber gut verständlichen Buch zur passiven Geldanlage ist, wird hier fündig. Fortgeschrittene Anleger werden einige Passagen vielleicht als zu grundlegend empfinden, trotzdem lohnt es sich: Die Informationen sind verlässlich, aktuell und unabhängig – etwas, das man nicht überall bekommt. Als Standardwerk für Einsteiger ist es fast unschlagbar.

Veröffentlicht am 16.04.2025

Ein ungewöhnliches Buch, das nachwirkt

Heim schwimmen
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Deborah Levy erzählt in Heim schwimmen die Geschichte eines Sommers, der für eine kleine Gruppe britischer Urlauber in Südfrankreich nicht ganz so harmlos verläuft, wie es zunächst scheint. Die Idylle ...

Deborah Levy erzählt in Heim schwimmen die Geschichte eines Sommers, der für eine kleine Gruppe britischer Urlauber in Südfrankreich nicht ganz so harmlos verläuft, wie es zunächst scheint. Die Idylle des Ferienhauses, die Routine aus Essen, Trinken und Pool wird jäh gestört, als eine Fremde auftaucht. Kitty Finch hat angeblich ein Gedicht dabei, das sie dem berühmten Dichter Joe Jacobs zeigen möchte, der ebenfalls unter den Gästen ist. Doch schnell wird klar: Kitty bringt nicht nur ein Gedicht mit, sondern auch eine Unruhe, die sich bald auf alle überträgt.

Heim schwimmen ist kein Roman, der alles auserzählt. Levy deutet an, spielt mit Perspektiven, lässt Leerstellen, die gerade dadurch spannend werden. Die Sprache ist elegant, dabei fast schwebend, und wirkt manchmal traumartig entrückt, dann wieder glasklar und direkt. Es gibt keine übermäßigen Erklärungen, stattdessen viel zwischen den Zeilen – und genau das macht den Reiz aus.

Die Stimmung im Buch ist oft gespannt – mal wirkt alles wie in einem merkwürdigen Traum, dann wieder ganz klar und beinahe schmerzhaft real. Die Figuren bewegen sich umeinander, halten Abstand, kommen sich näher, ohne sich wirklich zu erreichen. Jede von ihnen trägt etwas mit sich herum: Zweifel, Verluste, unerfüllte Wünsche. Und Kitty Finch ist wie ein Auslöser – durch sie kommt vieles ans Licht, das vorher verdrängt wurde.

Heim schwimmen ist ein ungewöhnliches Buch, das nachwirkt - still, klug, verstörend. Und vielleicht gerade deshalb: großartig.

Veröffentlicht am 16.04.2025

Fordernd, aber unbedingt lesenswert

Der unendliche Gipfel
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Toine Heijmans erzählt in „Der unendliche Gipfel“ von der fiktiven Figur Walter Welzenbach, der allein einen Achttausender besteigt. Doch schon bald wird klar: Diese Reise ist keine Heldengeschichte, sondern ...

Toine Heijmans erzählt in „Der unendliche Gipfel“ von der fiktiven Figur Walter Welzenbach, der allein einen Achttausender besteigt. Doch schon bald wird klar: Diese Reise ist keine Heldengeschichte, sondern ein stiller, oft verstörender Abstieg in Zweifel, Selbstverlust und Wahn.

Die Handlung entfaltet sich langsam, fast schwebend, und bleibt dabei über weite Strecken bewusst vage. Vieles wird angedeutet, manches bleibt unausgesprochen – und genau das macht den Reiz aus. Stück für Stück verschwimmt die Realität. Was hat der Erzähler wirklich erlebt? Was spielt sich nur in seinem Inneren ab? Die Grenzen verwischen, nicht nur für ihn, sondern auch für mich als Leserin. Das schafft Spannung – aber auf eine ganz leise, unangenehm eindringliche Weise.

Die Sprache ist kühl, reduziert, manchmal fast spröde. Und doch gelingt es Heijmans, starke Bilder zu erzeugen, mit wenigen Worten viel Raum zu schaffen – für Gedanken, Zweifel, Fragen. Ich habe oft Sätze zweimal gelesen, nicht weil sie schwer verständlich waren, sondern weil sie nachwirkten, sacken wollten.

Der Titel passt perfekt. Der Gipfel ist nicht einfach ein Ziel – er ist ein Symbol. Für Ehrgeiz, für das Streben nach Bedeutung, für das Scheitern. Und vielleicht auch für den Versuch, sich selbst zu überschreiten – mit allen Konsequenzen.

Der unendliche Gipfel ist kein Wohlfühlbuch. Es ist fordernd, manchmal sogar anstrengend, aber gerade deshalb wirkungsvoll. Es hallt nach und ist unbedingt lesenswert.