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Maimouna19

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Wohnst du noch oder lebst du schon

Wohnen
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„Wohnen“ von Doris Dörrie ist in der Essayreihe „Leben“ des Hanser Verlags erschienen. Der Hanser Verlag hat bekannte deutschsprachige Autor:innen gebeten, sich Gedanken zu den wesentlichen Themen des ...

„Wohnen“ von Doris Dörrie ist in der Essayreihe „Leben“ des Hanser Verlags erschienen. Der Hanser Verlag hat bekannte deutschsprachige Autor:innen gebeten, sich Gedanken zu den wesentlichen Themen des Lebens (Altern, Streiten, Lieben, Schlafen, Arbeiten, Wohnen, etc.) zu machen. Doris Dörrie hat sich mit dem Thema „Wohnen“ befasst und herausgekommen ist ein ganz wunderbares Essay.
Die Sesshaftigkeit der Eltern der 1955 in Hannover geborenen bekannten Filmemacherin und Autorin ist nichts für sie - sie wollte nie für immer an einem Ort leben. Auch wollte sie nicht das Schicksal ihrer Mutter teilen, deren Reich das Haus und besonders die Küche waren.
Doris Dörrie nimmt den Leser mit in die Wohnräume ihres Lebens, beschreibt das Elternhaus, die diversen Studentenbuden, Wohngemeinschaften, Wohnungen, in denen sie gelebt hat. Auf ihren vielen Reisen nach Japan, Mexiko, Marokko, Amerika und Südeuropa sieht sie, wie sehr das Wohnen mit der Kultur des jeweiligen Landes verbunden ist. Wohnen ist ein Menschenrecht, doch wie man wohnt und wieviel Platz man beansprucht, ist von Zivilisation zu Zivilisation unterschiedlich. Auch die Vorstellungen vom eigenen „Wohnparadies“ sind äußerst unterschiedlich.
„Wohnen“ ist durchaus eine Art Selbstporträt Dörries, sie beleuchtet aber auch politische und gesellschaftliche Aspekte des Wohnens und hinterfragt u.a., welche Räume wem zustehen (auch heute noch haben die wenigsten Frauen einen eigenen Raum in einer Wohnung) oder wieviel Raum/Platz wir wirklich benötigen (fehlender oder nicht mehr bezahlbarer Wohnraum, weil wir immer größer wohnen wollen), sind unsere Wohnvorstellungen (das große Eigenheim mit Garten) für die Zukunft noch geeignet, usw.
„Wohnen“ ist ein sehr kluges, lesenswertes Buch, lebendig und unterhaltsam geschrieben und regt durchaus zum Nachdenken ein. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Schon mal was von Selbstbestimmung gehört?

Nie, nie, nie
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„Nie, Nie, Nie“ – die namenlose Ich-Erzählerin in Linn Strømsborgs Roman hat sich entschieden – sie will keine Kinder („Ich will keine Kinder, nicht mit ihm, mit niemandem. Schon gar nicht mit mir selbst.“). ...

„Nie, Nie, Nie“ – die namenlose Ich-Erzählerin in Linn Strømsborgs Roman hat sich entschieden – sie will keine Kinder („Ich will keine Kinder, nicht mit ihm, mit niemandem. Schon gar nicht mit mir selbst.“). Die 35jährige Protagonistin hat diese Entscheidung für sich getroffen und bleibt dabei.
Linn Strømsborg erzählt auf humorvolle Weise von den Gedanken einer Frau, die sich gegen Kinder entschieden hat. Sie berichtet von ihrem Alltag mit Freunden, die Familien gründen und der Mutter, die gerne Oma werden würde. Auch von ihrer Beziehung erfahren wir, die daran zerbricht, dass ihr Partner irgendwann mit dieser Entscheidung doch nicht mehr klar kommt.

Nach wie vor ist der gesellschaftliche Druck auf Frauen, Kinder zu bekommen, sehr hoch und auch heute noch müssen sich Frauen ständig dafür rechtfertigen, wenn sie keinen Kinderwunsch verspüren und sich bewusst gegen Kinder entscheiden. Schon traurig, dass die Gesellschaft immer noch nicht in der Lage ist, zu akzeptieren, dass Frauen selbst bestimmen, was die für sie richtige Lebensweise ist!

Linn Strømsborg hat mit „Nie, Nie, Nie“ einen erfrischend ehrlichen und humorvollen Roman zum Thema Lebensfragen und –modellen geliefert. Das Buch regt zum Nach- und vielleicht auch Umdenken an!

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Leben im Krieg

Keiner wird um etwas bitten
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Seit mehr als drei Jahren tobt nun schon dieser unmenschliche Krieg in der Ukraine, die Welt ist aus den Fugen geraten, der Tod gehört zum Alltag. In „Keiner wird um etwas bitten“ erzählt Sherhij Zhadan ...

Seit mehr als drei Jahren tobt nun schon dieser unmenschliche Krieg in der Ukraine, die Welt ist aus den Fugen geraten, der Tod gehört zum Alltag. In „Keiner wird um etwas bitten“ erzählt Sherhij Zhadan in zwölf kurzen, unaufgeregten Geschichten vom veränderten Leben in seiner Heimatstadt Charkiw, von Schmerz, Trauer, Verlust und Tod. Menschen begegnen sich an noch nicht zerstörten Orten – im Hotel, auf dem Fußballplatz, in der Kirche, etc. , finden sich in völlig anderen Situationen, die ohne Krieg nicht vorstellbar gewesen wären, z.B. die Evakuierung einer alten Frau nach der Bombardierung ihres Wohnblocks, die missglückte Liebesnacht eines Soldaten und einer Soldatin, etc. Es sind Geschichten von Liebe, Trauer und Solidarität im Krieg, Geschichten von der Wirkung des Krieges auf die Menschen, nicht vom Krieg selbst.
Serhij Zhadan, 1974 im Gebiet Luhansk in der Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört heute zu den bekanntesten ukrainischen Schriftstellern. Für seine Werke hat er viele Auszeichnungen erhalten, z.B. den Friedenspreis des deutschen Buchhandels (2022). Er lebt in Charkiw und ist seit 2024 Soldat im ukrainischen Militär.
Die klare, kraft- aber auch poesievolle Sprache von „Keiner wird um etwas bitten“ hat mich sehr beeindruckt. Die Menschen in den Geschichten waren mir sehr nahe, bewundernswert ihre selbstbewusste und mutige Haltung in solch schweren Zeiten! Auch wenn man sich an die Nachrichten gewöhnt hat, die täglichen Schreckensmeldungen inzwischen fast verdrängt und kaum noch wahrnimmt, erinnert dieses Buch daran, dass es um Menschlichkeit, Würde und, ja, auch um Hoffnung geht. Wir dürfen die betroffenen Menschen nicht einfach vergessen, die Ukraine braucht nach wie vor unsere Solidarität und Unterstützung.
Ein wichtiges Buch und eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Dieses Buch ist der Wahnsinn!!

Das achte Leben (Für Brilka)
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In „Das achte Leben“ erzählt Nino Haratischwili auf knapp 1300 Seiten eine Familiensaga, die das gesamte 20. Jahrhundert umfasst, und von Tbilissi über Moskau, Wien und London bis Berlin führt. Die Geschichte ...

In „Das achte Leben“ erzählt Nino Haratischwili auf knapp 1300 Seiten eine Familiensaga, die das gesamte 20. Jahrhundert umfasst, und von Tbilissi über Moskau, Wien und London bis Berlin führt. Die Geschichte der georgischen Familie Jaschi ist eng verknüpft mit den historischen Ereignissen in Georgien und Russland und reicht von der zaristischen Epoche bis ins Nachwende-Berlin.
Niza erzählt ihrer zwölfjährigen Nicht Brilka, die zur Generation der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Geborenen gehört und Orientierung in ihrem Leben sucht, die Geschichte der Familie. Sie – und damit auch der Leser - erfährt von den oft tragischen Schicksalen der einzelnen Familienmitglieder: von den Schwestern Stasia und Christine, von Stasias Kindern Kitty und Kostja, von Kostjas Tochter Elene, und von Elenes Töchtern Daria und Niza.

„Das achte Leben“ ist nicht nur ein Familienroman, es ist gleichzeitig auch ein historischer Roman, der viele Informationen über die politische Situation des 20. Jahrhunderts in Georgien und Russland bzw. in der Sowjetunion liefert, eine Geschichte aus Unterdrückung, Hass, Gewalt und Sprachlosigkeit. Parallelen zum heutigen Russland (und auch anderen autoritären Regimes) lassen sich leicht erkennen.

Sehr beeindruckt hat mich die wortgewaltige Sprache mit der Haratischwilli, die in Georgien geboren und aufgewachsen ist, die Geschichte erzählt. Ihr Schreibstil ist so lebendig, fesselnd und berührend, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Ich habe das Buch geradezu verschlungen, keine Seite war zu viel!
Allerbeste Unterhaltung auf höchstem Niveau, dieses Buch wird mir lange in Erinnerung bleiben und es wird sicher nicht das letzte Buch von Haratischwilli bleiben, das ich lesen werde. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Zerbrechliches Glück?

Die Glücklichen
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Isabell und Georg stehen auf der sonnigen Seite Seite des Lebens. Sie haben gut bezahlte Jobs, Isabell ist Cellistin in einem kleinen Orchester, Georg arbeitet als Journalist bei einer großen Tageszeitung. ...

Isabell und Georg stehen auf der sonnigen Seite Seite des Lebens. Sie haben gut bezahlte Jobs, Isabell ist Cellistin in einem kleinen Orchester, Georg arbeitet als Journalist bei einer großen Tageszeitung. Sie wohnen in einer schicken Altbauwohnung in einem hippen Stadtviertel mit vielen Cafés und Bioläden, leisten sich Besuche in ihrem Lieblings-Sushi-Restaurant, schicke Kleidung und teure Urlaube im Ausland. Ihr kleiner Sohn Matti macht das Glück perfekt.
Doch dann schleichen sich Unsicherheiten in ihr Leben ein und alles ändert sich. Isabells Hand zittert bei öffentlichen Auftritten, sie kann nicht mehr Cello spielen und verliert ihr Engagement. Auch Georg verliert seinen Job, er wird entlassen, als seine Zeitung verkauft wird.
Anfänglich sind beide noch recht gelassen, doch bald muss das Paar Verzicht üben, die Angst vor dem
sozialen Abstieg vergiftet ihre Beziehung.
„Die Glücklichen“ ist eine Geschichte mitten aus dem Leben, vielen Menschen geht es wie Isabell und Georg. Arbeitslosigkeit kann sehr schnell in eine soziale Abwärtsspirale führen und Existenzängste auslösen. Natürlich hat so eine Krise auch oft einen negativen Einfluss auf Beziehungen.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Isabell und Georg, der Leser bekommt einen Einblick wie unterschiedlich die beiden mit der Krise umgehen. Ihre jeweiligen Ängste und Sorgen sind sehr gut nachvollziehbar.
Unaufgeregt und authentisch schildert Kristine Bilkau wie Krisen Menschen verändern, die sich eben noch in Sicherheit wähnten. Und wie kommt man aus dieser Krise wieder heraus? Gelingt es Isabell und Georg, ihre Beziehung wieder zu verbessern und trotz Krise wieder Glück zu verspüren?
„Die Glücklichen“ ist Kristine Bilkaus Debütroman, es folgte „Nebenan“ und für ihr jüngstes Buch „Halbinsel“ hat sie den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 erhalten.
Der Roman hat mir ein paar tolle Lesestunden beschert, Gegenwartsliteratur „at its best“, daher klare Leseempfehlung! „Die Glücklichen“ ist der erste Roman von Kristine Bilkau, den ich gelesen habe, aber sicher nicht der letzte!

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