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Veröffentlicht am 06.09.2020

Fesselnder Reihenauftakt

Der Untergang der Könige
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enn Lyons präsentiert in ihrem Debüt eine epische Fantasyerzählung, die als Rückblende präsentiert wird – eine "vollständige Darstellung der Ereignisse, die zur Verbrennung der Hauptstadt geführt haben" ...

enn Lyons präsentiert in ihrem Debüt eine epische Fantasyerzählung, die als Rückblende präsentiert wird – eine "vollständige Darstellung der Ereignisse, die zur Verbrennung der Hauptstadt geführt haben" – zusammengestellt von einem Mann, der, wie wir später erfahren werden, kaum ein desinteressierter Beobachter war. Damit erhält sie die Lizenz für die freie Verwendung von Fußnoten, die mit gelegentlichem Sarkasmus die Weltanschauungen der anderen Hauptfiguren erschweren.

Der Untergang der Könige erzählt die Geschichte von Kihrin, genannt Krähe, die abwechselnd von Kihrin selbst und seiner Gefängniswärterin Klaue erzählt wird, die die Gabe hat, in seinen Geist zu blicken und seine Gedanken zu stehlen.
Kihrin ist vieles: Waise, Dieb, lang verlorener Sohn eines Prinzen, Kern einer Prophezeiung, Zerstörer der Welt? Doch zu Beginn treffen wir ihn im Gefängnis und sind gespannt, zu erfahren, welche Ereignisse ihn an diesen Punkt gebracht haben.

Kihrins Berichts wirft uns mitten ins Geschehen, seinen Verkauf in einer heiß umkämpften Sklavenauktion. Klaues Erzählung beginnt weiter zurück – als Khirin Zeuge eines sadistischen Mordes wurde und die Kette von Ereignissen in Gang setzte, die sein Leben völlig verändert hat, von dem eines Diebes und Musiklehrlings, der in einem Bordell lebt, zu seiner (unglücklichen) Anerkennung als Spross einer der mächtigsten Familien seines Landes. Khirin ist ein komplexerer Charakter, als es zunächst scheint, und je mehr der Leser über ihn erfährt, desto interessanter wird er.

Mit gutem Schreibstil, faszinierenden Charakteren, einer fesselnden Erzählung und einem gut durchdachten, tiefründigen Setting ist „Der Untergang der Könige“ ein vielversprechender Beginn einer mehrteiligen Buchreihe. Ich freue mich darauf zu sehen, wie die Geschichte weitergeht.

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Veröffentlicht am 06.09.2020

Toller Roman über Emanzipation und Selbstbestimmung

Gipskind
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Wenn man sich auf Sprache und Stil von Gabriele Kögl einlässt, taucht man ein in eine großartige Geschichte über die Emanzipation einer jungen Frau, die sich aus ländlicher Armut und elterlichem Desinteresse ...

Wenn man sich auf Sprache und Stil von Gabriele Kögl einlässt, taucht man ein in eine großartige Geschichte über die Emanzipation einer jungen Frau, die sich aus ländlicher Armut und elterlichem Desinteresse mit eigenem Willen und Beharrlichkeit ein eigenes, selbstbestimmtest Leben erkämpft. Von den Eltern weitestgehend sich selbst überlassen und von der geliebten Oma verwöhnt, lernt die Protagonistin alle Chancen zu nutzen, um sich Freiräume zu erschaffen und sich von dem von den Eltern erhofften Weg immer weiter zu entfernen.
Das Gipsbett des Kindes mit den schiefen Beinen ist eine Metapher für das Korsett des dörflichen Lebens, aus dem "die Kleine" sich langsam aber zielstrebig herausschält. Den Namen des Mädchens erfährt man erst in der zweiten Hälfte des Buches, als aus dem eher lästigen Problemkind eine Gymnasiastin wird, die jetzt ganz sicher den vorgezeichnete Weg verlassen wird. Ab diesem Zeitpunkt kommt auch der Freund als Hauptperson hinzu, der in ganz anderer Umgebung aufgewachsen ist und auf seine Weise mit den wünschen seiner Eltern umzugehen lernen muss.
Die Geschichte spielt in Österreich, doch auch wenn einige Begriffe aus dem Österreichischen dem Leser aus Deutschland fremd sind, hätte diese Geschichte sich so auch in den ebenso katholisch und traditionell geprägten Bauernschaften Deutschlands ereignen können, denn das Traditionelle wurde in den 60er Jahren auch hier - wenn überhaupt - erst zaghaft hinterfragt.
Ein lesenswerter Roman von Gabriele Kögl, deren Namen ich mir merken werde.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Eindringlich aber sperrig

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Anna Maschik entfaltet eine vier Generationen umspannende Familiengeschichte, die am ersten Tag des 20. Jahrhunderts beginnt und von der am Ende als einzige übrig gebliebenen Alma erzählt wird.
Die Zitronenscheibe ...

Anna Maschik entfaltet eine vier Generationen umspannende Familiengeschichte, die am ersten Tag des 20. Jahrhunderts beginnt und von der am Ende als einzige übrig gebliebenen Alma erzählt wird.
Die Zitronenscheibe des Titelbildes offenbaren sich erst auf den letzten Seiten, bis dahin nimmt man als Leser am Leben aller Familienmitglieder einige Momente teil. Das Augenmerk liegt hierbei auf den Fauen der Familie, die sich bei allen Unterschieden am Ende doch sehr ähnlich sind.
Die Sprache der Autorin ist beobachtend und analysierend, viele der kurzen Kapitel enthalten ein nüchternes Fazit des Gesagten in Listenform. Dieser Erzählstil ist recht unbequem und sperrig, trotzdem liest sich das Buch gut, man muss sich allerdings darauf einlassen. Durch den kargen Stil bleibt das Buch kurz, ufert nicht aus und schafft es trotzdem Atmosphäre zu vermittelt; vielleicht grade dadurch, dass vieles unerwähnt bleibt.

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Gruselige Blasmusik

Die Stadt der Schattenschläfer und die Melodie der Albträume
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Schon der Klappentext liest sich wie ein Albtraum, man stelle sich nur vor in so einer Stadt zu leben, in der man Tag für Tag mit Blasmusik malträtiert wird und andere Musik und Instrumente in den Köpfen ...

Schon der Klappentext liest sich wie ein Albtraum, man stelle sich nur vor in so einer Stadt zu leben, in der man Tag für Tag mit Blasmusik malträtiert wird und andere Musik und Instrumente in den Köpfen der menschen schlichtweg nicht existieren.

Klar dass man hier als Heavy Metal Fan nicht länger bleiben kann und so beginnt die abenteuerliche Geschichte von Elly, die dem Humtata entfliehen will und unvermutet neue Freunde findet, aber auch ein gruseliges Geheimnis tief unter der Stadt entdeckt. Elly und ihre Freunde haben mir gut gefallen, sie setzten ein Zeichen für das Anderssein und Gegen-den-Strom-Schwimmen.

Die Geschichte hatte ich mir ein wenig anders vorgestellt und habe mich gefreut, wie sie sich entwickelt hat, die Geschichte der Schattenschläfer, die Bedeutung von Musik und die etwas gruselige Atmosphäre haben mir gefallen und auch unsere 13-jährige Leseratte war von dem Buch begeistert.

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Veröffentlicht am 06.10.2022

In vieler Hinsicht untypisch

Tohrus Japan
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Mit Tohru Nakamura reiht sich ein weiterer Sternekoch in die Reihe der Kochbuchautoren ein, dieses Buch sticht jedoch aus der Masse hervor, da es mit einer gewissen Exotik aufwarten kann.
Optisch erfüllt ...

Mit Tohru Nakamura reiht sich ein weiterer Sternekoch in die Reihe der Kochbuchautoren ein, dieses Buch sticht jedoch aus der Masse hervor, da es mit einer gewissen Exotik aufwarten kann.
Optisch erfüllt das Buch dann auch alle Erwartungen, die Gerichte sind appetitlich und ansprechend fotografiert, die Struktur ist übersichtlich und klar gegliedert, aus dem Inhaltsverzeichnis ist ersichtlich, dass die Rezepte nach ihrer Hauptzutat in Kapitel unterteilt sind, zusätzlich gibt es am Ende des Buches ein ausführliches Register, das die einzelnen Rezepte nach Zutaten gruppiert sowie ein Glossar. Letzteres ist überaus hilfreich, wenn man wie ich mit den meisten Zutaten überhaupt nichts anfangen kann. Ebenso nützlich ist die Warenkunde zu Beginn jedes Kapitels, in der auf Besonderheiten und Zubereitung der jeweiligen Hauptzutat eingegangen wird.
Bevor es mit den Rezepten losgeht, erwartet den Leser erstmal eine vierzigseitige Einleitung über Lebensstationen und Werdegang des Autors, die man getrost überspringen kann, immerhin erklärt sie aber denjenigen, die die Rezepte nicht japanisch genug finden, woher der deutsche Einfluss kommt.
Mein Hauptkritikpunkt an diesem Kochbuch ist, dass viele Zutaten selbst für Großstädter nicht unbedingt einfach zu beschaffen sind, wahrscheinlich muss man in einer Metropole wie Frankfurt, München oder Berlin leben, oder aber man besorgt sich die Zutaten online. Als Kritik an einem japanischen Kochbuch ist das wahrscheinlich banal, denn natürlich werden exotische Zutaten verwendet, allerdings werden die Rezepte dadurch nicht unbedingt brauchbar zum Nachkochen, da mit der Rarität der Zutaten auch ein gewisser Preis einhergeht.
Ich werde daher versuchen, Rezepte, die mich ansprechen, entsprechend abzuwandeln und andere Zutaten zu verwenden, vielleicht ist auch das ein oder andere in einem Asiamarkt in meiner Nähe erhältlich, Reisessig, Sojasoße und Sesamöl haben wir immer ohnehin meist im Haus und Sake und die ein oder andere Alge sind sicher auch einfach zu bekommen.
Alles in allem ist "Alles außer Sushi" ein nicht alltägliches Kochbuch, das aus diesem Grund auch nicht für jeden zu empfehlen ist, wer jedoch mal einen Abstecher in die japanische Küche wagen möchte, kann durchaus einen Blick auf die Rezepte werfen und findet sicher etwas zum Ausprobieren, schön anzusehen ist das Buch allemal.
Ob die Rezepte nun "typisch japanisch" sind oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da ich die "typisch japanische Küche" nicht kenne, allerdings heißt das Buch ja auch "Tohrus Japan" und erhebt damit meiner Meinung nach nicht den Anspruch, ein japanisches Kochbuch zu sein. Schon aus dem Klappentext geht hervor, dass der Autor deutsche und japanische Wurzeln hat, die ihn kulinarisch geleichermaßen beeinflusst haben und mit persönlich sind die Rezepte japanisch genug.