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Veröffentlicht am 26.05.2025

Spannend und wendungsreich

Die gute Tat
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Franka Erdmann und Alpay Eloğlu vom LKA Hamburg haben es in ihrem vierten Fall mit einer Wasserleiche zu tun. Bei den Ermittlungen stoßen sie auf eine Reihe von Vermissten, die sich ehrenamtlich engagiert ...

Franka Erdmann und Alpay Eloğlu vom LKA Hamburg haben es in ihrem vierten Fall mit einer Wasserleiche zu tun. Bei den Ermittlungen stoßen sie auf eine Reihe von Vermissten, die sich ehrenamtlich engagiert hatten, ist das ihre Gemeinsamkeit?

Besonderen Spaß macht an dieser Reihe die Entwicklung des Verhältnisses der beiden Protagonisten. Trotz des großen Altersunterschiedes und der gegensätzlichen Persönlichkeiten ergänzen und schätzen sich Franka und Alpay, sie sind ein gutes Team. Nach dem plötzlichen Tod ihres Chefs stehen Veränderungen in der Abteilung an, über die auch Franka sich Gedanken macht. Sie ist sehr zufrieden mit Alpays Entwicklung in den vergangenen drei Jahren und kann ihm auch mal die Führung bei den Untersuchungen überlassen, was ihr nicht ganz leicht fällt, sie aber entlastet und ihr so auch gut tut. Die komplexe Ermittlungsarbeit erscheint mir authentisch beschrieben und es wird auch klar, dass ein derart vielschichtiger Fall den engagierten Kommissaren kaum eine Atempause lässt, bis die Puzzleteilchen endlich an die richtige Stelle fallen und das Rätsel gelöst ist.

Nicht nur die Figurenzeichnung der Ermittler überzeugt, auch die Opfer, deren Angehörige und die Täterperson werden glaubwürdig und eindringlich beschrieben. Hubertus Borck legt einige falsche Fährten, denen ich mehr oder weniger gefolgt bin und die mich über die Identität des Täters rätseln ließen.

Der Schreibstil ist klar, lebendig und angenehm zu lesen, erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven und auf zwei Zeitebenen, wobei der Zusammenhang vorerst unklar bleibt. Der Autor hat gut recherchiert, vermittelt Hamburger Lokalkolorit und bindet auch Gesellschaftskritik in die Geschichte ein. 'Die gute Tat' ist bis zum Ende spannend, fesselnd und wendungsreich. Auch dieser vierte Teil der Reihe hat mich sehr gut unterhalten und ich freue mich auf eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Berührende und warmherzige Geschichte um Bücher und das Lesen

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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'Die geheime Sehnsucht der Bücher' ist für mich ein sehr bereicherndes Buch. Nina George schreibt humorvoll, bildhaft und poetisch, manchmal auch philosophisch. Sie ist sprachgewandt, erschafft neue Wörter, ...

'Die geheime Sehnsucht der Bücher' ist für mich ein sehr bereicherndes Buch. Nina George schreibt humorvoll, bildhaft und poetisch, manchmal auch philosophisch. Sie ist sprachgewandt, erschafft neue Wörter, deren Bedeutung sich mir beim Lesen mühelos erschließt und die Spaß machen. Viele Lebensweisheiten, auch in Bezug auf Bücher, lassen mich innehalten, das Gelesene reflektieren und mich daran erfreuen.

Die fein gezeichneten Charaktere sind komplex, glaubwürdig und berühren, vor allem die knapp 12jährige Françoise, die mit ihrer psychisch instabilen Mutter praktisch die Rollen getauscht hat, aber auch die junge empathische Pauline mit ihrer Menschenkenntnis, die bei Jean Perdu in die Lehre geht und Monsieur Perdu selbst, der immer die richtigen Worte findet, seinem Gegenüber hilft, Lösungswege zu erkennen, und der in der Lage ist, Bücher und Menschen zum richtigen Zeitpunkt zusammen zu bringen, sind liebenswerte Figuren.
Perdus Bücherschiff, seine literarische Apotheke, gibt Impulse und stößt Dinge an, hier entsteht ein Livestream über Bücher für Kinder und Jugendliche, der hohe Wellen schlägt, und hier findet eine wunderschön beschriebene Geburtstagsfeier für Pauline statt mit allen, die sie liebt und die ihr wichtig sind.

Die Verweise auf andere Bücher wirken wie Leseempfehlungen, die neugierig machen. Das Pariser Flair bringt die Autorin gut zur Geltung, was sich im passenden Cover wiederfindet, das ich farblich ebenfalls sehr gelungen finde. Die Geschichte wird abwechslungsreich aus den verschiedenen Perspektiven der Hauptcharaktere erzählt und vermittelt viele kluge Ansichten und Sprüche, spendet Trost und macht Mut. Die Liebe zu Büchern ist genau so Thema wie Freundschaft, Trauer, (Selbst-)Vertrauen und Liebe. Auch Gesellschaftskritik bindet die Autorin in die Geschichte ein, ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Hinweise auf Perdus Vergangenheit machen Lust auf die Vorgängerbände, die ich noch nicht kenne, aber auch 'Die geheime Sehnsucht der Bücher' werde ich mit Sicherheit wieder lesen, um alle Feinheiten dieser emotionalen Geschichte zu erfassen. Ich kann das Buch allen, die Bücher lieben, empfehlen.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Fesselnder Thriller um Schuld, Schmerz und Rache

Der dunkle Sommer
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Die Architektin Tilda kauft zum symbolischen Preis von einen Euro ein heruntergekommenes Haus im Geisterdorf Botigalli, ein seit über 40 Jahren aufgegebener Ort in der einsamen und zerklüfteten Barbagia ...

Die Architektin Tilda kauft zum symbolischen Preis von einen Euro ein heruntergekommenes Haus im Geisterdorf Botigalli, ein seit über 40 Jahren aufgegebener Ort in der einsamen und zerklüfteten Barbagia im Osten Sardiniens.

Nach monatelanger Renovierung steht plötzlich ihr Bruder Nino überraschend vor der Tür und sie lernt ihn ganz neu und näher als zuvor kennen, so ohne Ablenkung durch Medien jeglicher Art und in der abgeschiedenen Umgebung. Eines Tages verschwindet Nino spurlos.

Der Journalist Enzo recherchiert zur Geschichte des Dorfes und versucht die Ereignisse vor 40 Jahren aufzuklären.

Auf einer weiteren Zeitebene erzählt die Jugendliche Franca aus Botigalli ab dem Tag des Fußball-WM-Endspiels 1982, als das Dorf Italiens Sieg die ganze Nacht lang feierte.

Franca, Tilda und Enzo erzählen kapitelweise abwechselnd aus der Ich-Perspektive, so dass ich ihre Gedanken und Gefühle unmittelbar teile. Die Figurenzeichnung wird erst allmählich vervollständigt, manche Details überraschen und berühren mich.

Von Beginn an ist die Atmosphäre düster und geheimnisvoll, das fängt schon mit dem verstörenden Prolog an und auch das passende Cover mit der undurchdringlich erscheinenden Umgebung des Dorfes verstärkt diese Wirkung. Vera Bucks anschaulicher und bildhafter Schreibstil trägt ebenfalls zu dieser bedrohlichen Stimmung bei.

Erst gegen Ende der spannenden Geschichte zeigt sich, wie die dramatischen Ereignisse vor über vier Jahrzehnten bis in die Gegenwart hinein wirken und die tragischen Zusammenhänge werden aufgeklärt.

Ein beeindruckendes Nachwort der Autorin zu den realen Hintergründen des Thrillers runden diese spannende Geschichte um Schuld, Schmerz und Rache ab. 'Der dunkle Sommer' ist raffiniert konzipiert, gut durchdacht und fesselnd geschrieben. Mir hat das Buch sehr gefallen und mir auch die Barbagia und die Menschen dort und ihre Vergangenheit näher gebracht.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Unterhaltsam und tiefgründig

Wut und Liebe
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Obwohl sie sich lieben, trennt sich Camilla, Alleinverdienerin des Paares, von Noah, sie will nicht mehr jeden Cent umdrehen müssen, sie will mehr, will ein anderes Leben führen. Noahs Ziel ist es, sie ...

Obwohl sie sich lieben, trennt sich Camilla, Alleinverdienerin des Paares, von Noah, sie will nicht mehr jeden Cent umdrehen müssen, sie will mehr, will ein anderes Leben führen. Noahs Ziel ist es, sie zurück zu gewinnen, da kommt ihm ein Angebot der wohlhabenden Betty Hasler gerade recht.

Martin Suter erzählt 'Wut und Liebe' aus verschiedenen Perspektiven, die Charaktere sind nahbar und durch ihr Auftreten und ihre Dialoge glaubhaft beschrieben, ihre Emotionen erreichen mich und lassen mich mitfühlen, Noahs Trauer und Verzweiflung berühren mich genau so wie Camillas schmerzhafte Konsequenz oder auch Bettys Leid und Wut.
Die Geschichte zieht mich von Beginn an in ihren Bann, sie ist fesselnd, spannend und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Humor und Situationskomik haben mich auch schmunzeln lassen.

Suters Schreibstil ist klar, einnehmend und angenehm zu lesen.
Besonders einfallsreich und äußerst unterhaltsam geschildert finde ich, wie und wodurch Noah sich als Künstler weiter entwickelt.

Der Roman stellt nicht nur die Frage, welchen Stellenwert wir der Liebe im Leben einräumen, sondern konfrontiert auch das Sein mit dem Schein und zeigt, wie falsch Handeln auf der Basis unzureichender Informationen sein kann.

Mir hat Suters neuer Roman sehr gut gefallen, er ist unterhaltsam und gleichzeitig tiefgründig.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Spannend und mehr als ein Krimi, ein gelungener Spionagethriller

Lautlose Feinde
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Am Tag vor Soraias und Leanders Hochzeit wird der Zollbeamte Bento ermordet, seine Enkelin entführt. Das Kind kann befreit werden, die Entführer entkommen und es stellen sich viele Fragen zum Mord und ...

Am Tag vor Soraias und Leanders Hochzeit wird der Zollbeamte Bento ermordet, seine Enkelin entführt. Das Kind kann befreit werden, die Entführer entkommen und es stellen sich viele Fragen zum Mord und dessen Hintergrund. Während Leander und seine Kollegen mühsam Anhaltspunkte sammeln und versuchen, Merkwürdigkeiten zu verstehen, versorgt mich der Autor durch Rückblenden zum vergangenen Tag oder auch 'zwei Tage vorher' mit einem Informationsvorsprung über die Täter und deren Aktivitäten.
Es hat etwas gedauert, bis ich die Beteiligten und ihr Ziele identifiziert hatte, dennoch hat mich die raffinierte Spionagegeschichte schnell gefesselt, die Gil Ribeiro sich hat einfallen lassen, sie ist komplex, spannend und mitreißend geschrieben.

Auch das Lokalkolorit der Algarve, das Leben in Fuseta, die freundlichen Menschen und kulinarischen Köstlichkeiten werden wieder eindrucksvoll und atmosphärisch geschildert, so dass mich die Reiselust packt. Noch überzeugender ist die Figurenzeichnung, dem Autor gelingt es großartig, seine Charaktere nicht nur zum Leben zu erwecken, sie entwickeln sich auch von Buch zu Buch weiter, es gibt immer wieder neue Details zu entdecken, nicht nur bei Leander Lost, dem Autisten, der seine Routine und Ordnung braucht und diesmal auch Gefühl zeigt und zum ersten Mal Carlos erfolgreich verbal reinlegt. Sehr zugewandt und humorvoll beschreibt Ribeiro die Zusammenarbeit des Teams, ihren Zusammenhalt, gleichzeitig scharfsinnig analysiert er die Beziehungen der Kollegen zueinander und zu anderen Charakteren und auch die Gegenspieler erscheinen mir beängstigend realitätsnah und glaubhaft beschrieben.

Das schöne Cover passt zu den sechs Vorgängerbänden der Serie 'Lost in Fuseta', jeder Band kann auch eigenständig gelesen werden, da die Fälle unabhängig voneinander und jeweils abgeschlossen sind. Mehr Spaß macht es zweifellos, die Entwicklung der Figuren von Buch zu Buch zu verfolgen. Dieser siebte Band ist mehr als ein Krimi, er ist ein überzeugender Spionagethriller, der mich bestens unterhalten hat.

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