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Veröffentlicht am 06.05.2025

Liebe und Hass liegen manchmal so nah beieinander

Die Garnett Girls
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Ich war seitdem der Verlag das Buch angekündigt hat im Zwiespalt, ob ich es lesen soll oder nicht. Der Klappentext klang interessant und eigentlich nach einer Geschichte, die mir gefallen könnte. Abgeschreckt ...

Ich war seitdem der Verlag das Buch angekündigt hat im Zwiespalt, ob ich es lesen soll oder nicht. Der Klappentext klang interessant und eigentlich nach einer Geschichte, die mir gefallen könnte. Abgeschreckt haben mich die Superlative, mit denen das Buch beworben wurde. Ein fulminantes Debüt und ein süchtigmachendes Familiendrama. Meine Erfahrungen der letzten Zeit waren leider so, dass je pompöser ein Buch vermarktet wurde, umso schlechter hat es mir gefallen. Daher waren meine Erwartungen zu Beginn ein klein wenig gedämpft.
Die Beziehung der drei Schwestern Rachel, Imogen und Sasha untereinander und vor allem aber zu ihrer Mutter Margo ist vielschichtig und komplex. Einerseits spürt man eine tiefe Liebe und Verbundenheit der vier Damen zueinander, aber andererseits gibt es auch viel Konkurrenzkampf, Missgunst, Abneigung und Hass. Wie bereits im Klappentext erwähnt, leidet Margo auch noch viele Jahre nach der Trennung von ihrem Mann Richard unter eben jener Trennung. Aber auch das Thema älter werden macht ihr zu schaffen. Trotz ihrer Probleme scheint Margo aber das geschafft zu haben, dass sich wahrscheinlich jede Mutter für ihre Kinder wünscht. Nämlich das sie zu reifen und unabhängigen Erwachsenen geworden sind und mit beiden Beinen fest im Leben stehen.
Doch der erste Eindruck täuscht und je weiter die Geschichte fortschreitet, umso deutlicher wird, dass die Trennung vom Vater tiefe Spuren bei den Mädchen hinterlassen hat. Autorin Georgina Moore hat meiner Meinung nach die innere Zerrissenheit und Machtlosigkeit der Schwestern sehr gut dargestellt. Die Figuren wirken dadurch echter und realistischer, wenn auch nicht immer sympathischer. Obwohl sich Rachel, Imogen und Sasha charakterlich doch stark unterscheiden, vereint sie doch das Streben nach Anerkennung und Liebe.
Der Grundton des Buches ist getragen, melancholisch und manchmal auf ein wenig deprimierend, was bei der Grundgeschichte auch zu erwarten war. Unterstrichen wird das Ganze noch von der äußerst melodischen Stimme von Yara Blümel. Ihre Sprachmelodie passt meiner Meinung nach hervorragend zu dieser etwas bedrückenden Geschichte.
Im Laufe der Geschichte wird öfter einmal die Erzählperspektive und die zeitliche Perspektive verändert. Einerseits war dies hilfreich, um einen tieferen Einblick in die Gedankenwelt der verschiedenen Personen zu erhalten, andererseits hat es mich ab und zu auch ein wenig verwirrt. Für mich persönlich waren die Wechsel nicht immer logisch und an manchen Stellen habe ich auch den Faden verloren. Dazu beigetragen haben auch die unzähligen Personen und Handlungsstränge, die nach und nach auftauchen. Die losen Enden, die dadurch entstanden sind, haben sich dann aber nach und nach zu einem Gesamtbild verwoben und meine Verwirrung hat sich aufgelöst.
Dies hat dazu geführt, dass mich Georgina Moores Debüt nicht komplett überzeugen konnte. Ich fand das Gesamtpaket nicht ganz stimmig, wenn ich auch die Protagonistinnen sehr interessant fand. Meiner Meinung nach hätte man die eine oder andere belanglose Party weglassen können und dafür einige andere Themen intensiver und tiefer beleuchten, wie z.B. die Ehe von Sasha und Phil.
All jene die auf der Suche nach einer leichten Sommerlektüre sind, würde ich dieses Buch eher nicht empfehlen. Wer aber Lust hat sich mit komplexen Familiendynamiken und komplizierten Beziehungen zu beschäftigen der sollte sich auf jeden Fall die Zeit für dieses Buch nehmen.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Sherlock Goethe und Dr. Schiller

Durch Nacht und Wind (Goethe und Schiller ermitteln)
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Die Großmeister der deutschen Literatur als kriminalistisches Duo, als ich dies gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch lesen muss. Natürlich kam mehr oder weniger sofort die Assoziation ...

Die Großmeister der deutschen Literatur als kriminalistisches Duo, als ich dies gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch lesen muss. Natürlich kam mehr oder weniger sofort die Assoziation mit Sherlock Holmes und Dr. Watson auf und ich denke, dies war vom Autor auch so gedacht.
Denn meiner Meinung nach, spürt man während des Lesens des Buches, dass Stefan Lehnberg nicht nur sehr gut mit der deutschen Literatur vertraut ist und sich intensiv mit Goethe und Schiller auseinander gesetzte hat, sondern auch, dass er ausgiebig die Romane rund um Sherlock Holmes genossen hat.
Die Umsetzung der Idee des Ermittlerduos finde ich so gelungen, dass man sich wirklich vorstellen kann, dass dies nicht nur eine fiktive Idee des Autors ist, sondern die beiden wirklich den einen oder anderen Kriminalfall gelöst haben. Unterstützt wird dies durch die altertümliche Sprechweise der Protagonisten und der der damaligen Zeit entsprechenden Rechtschreibung. Beides ist auf den ersten Blick ein klein wenig gewöhnungsbedürftig, aber obwohl ich schon lange keine Werke mehr aus dieser Zeit gelesen habe, hatte ich damit keinerlei Schwierigkeiten.
Leider habe ich sehr vieles, das ich über das Leben von Schiller und Goethe in der Schule gelernt habe, mittlerweile wieder vergessen. Daher habe ich zwar die eine oder andere Anspielung bemerkt, konnte diese aber nicht wirklich einordnen und ich vermute auch, dass ich viele Hinweise auf das Leben und die Werke der beiden nicht bemerkt habe. Umfangreiche Kenntnisse über das Leben und Wirken der beiden Herren ist nicht zwangsläufig notwendig, um das Buch genießen zu können, intensiviert aber sicherlich das Vergnügen.
Der Roman vermischt mehrere Genres auf mehr oder weniger gelungene Weise miteinander. Neben den beiden offensichtlichen Genres, nämlich Historien- und Kriminalroman, kommt da auch noch Komödie, Tragödie und Satire dazu und Komponenten eines modernen Actionfilms. Viele der Elemente verwebt der Autor ganz geschickt miteinander, manche waren für mich ein wenig übertrieben und haben das Gesamtbild ein wenig verzerrt.
Der Roman hat mich im Großen und Ganzen recht gut unterhalten, trotzdem bin ich von dem Konzept nicht wirklich überzeugt. Vielleicht liegt es an meinen mangelhaften literarischen Kenntnissen oder daran, dass der Kriminalfall zwar recht interessant, aber auch ein wenig durchschaubar war.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Düsteres Kopfkino

Glaube Liebe Tod (Ein Martin-Bauer-Krimi 1)
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"Glaube Liebe Tod" ist der Auftakt zu einer Krimireihe des Autorenteams Peter Gallert und Jörg Reiter. Die Martin Bauer Krimi Reihe umfasst drei Bände und wie der Name bereits verrät drehen sich alle Bücher ...

"Glaube Liebe Tod" ist der Auftakt zu einer Krimireihe des Autorenteams Peter Gallert und Jörg Reiter. Die Martin Bauer Krimi Reihe umfasst drei Bände und wie der Name bereits verrät drehen sich alle Bücher um den Polizeiseelsorger Martin Bauer. Dieser ist auch der Grund, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe. Ein Ermittlerduo aus einer Kommissarin und einem Seelsorger fand ich unglaublich faszinierend und ich war neugierig in weit religiöse Komponenten in das Buch und vor allem die Ermittlungsarbeit einfließen.
Der Einstieg in die Geschichte war unglaublich packend und fesselnd. Die Spannungskurve ist gleich zu Beginn auf einem Höhepunkt und das Tempo ist auch recht zügig. Dies fand ich einerseits sehr gelungen, da man gleich voll in die Geschichte eintaucht und mitgerissen wird. Andererseits kam aber auch der Gedanke auf, dass es wahrscheinlich nicht möglich sein wird, das Spannungsniveau ständig auf diesem hohen Level halten zu können, geschweige denn das Niveau noch zu erhöhen. Und so kam es dann auch. Nach einem rasanten Beginn, kam dann erst mal eine kleine Flaute, in der man die Möglichkeit hatte durchzuatmen und sich mit den handelnden Personen vertraut zu machen.
Recht schnell musste man sich dann aber wieder neu orientieren und umstellen, denn nach und nach werden mehr Personen und vor allem zusätzliche Handlungsstränge eingeführt. Für mich war der Übergang von einem Handlungsstrang zum nächsten im ersten Augenblick nicht immer ganz logisch oder nachvollziehbar. Ich verstehe aber, warum das Autorenduo die Übergänge so gewählt hat. Das sich die diversen Handlungsstränge mit der Zeit zu einem großen Ganzen verweben werden, ist von Anfang an absehbar, die Art und Weise wie dies geschieht fand ich aber sehr gut gelöst.
Obwohl das Tempo der Geschichte meistens recht hoch ist, wie bereits mehrfach erwähnt, gibt es natürlich auch hier die eine oder andere eher langatmigere Passage. Diese hätte man meiner Meinung nach teilweise ein wenig kürzen können, wenn man ein paar, für den Verlauf der Geschichte nicht notwendigen Handlungsstrang weggelassen hätte.
Ein Sticker auf dem Cover verspricht Kopfkino Edition. Die Befürchtung das dies eine übertriebene Werbemaßnahme ist kam kurz bei mir auf. Ich gebe aber gerne zu, dass diese Befürchtungen unbegründet waren. Denn das Buch hat bei mir wahrlich Kopfkino ausgelöst. Das Autorenduo schafft es eindrucksvoll eine düstere und bedrückende Stimmung zu erzeugen. Die Verzweiflung mancher Protagonisten kann man fast körperlich spüren und als der große Wind aufkam, konnte ich diesen hören.
Die Charaktere fand ich sehr gut beschrieben, wenn auch die meisten keine Sympathieträger sind. Dafür finde ich Protagonisten aber glaubwürdig und authentisch, bei manchen hätte ich mir aber ein wenig mehr Tiefgang und detailliertere Beschreibungen erwartet. Eine religiöse Komponente ist wie erwartet Teil der Geschichte, kommt aber weniger stark zum Vorschein, als ich das vermutet hätte.
Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn das Buch kleinere Schwächen ausweist.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Solider Krimi mit französischem Lokalkolorit

Der Kommissar und das Rätsel von Biscarrosse
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Dieses Buch ist Teil der "Kommissar Philippe Lagarde", welche mittlerweile bereits 14 Bände umfasst. Der vorliegende ist hierbei Band 8. Besonders gut gefällt mir, dass alle Bücher in sich abgeschlossen ...

Dieses Buch ist Teil der "Kommissar Philippe Lagarde", welche mittlerweile bereits 14 Bände umfasst. Der vorliegende ist hierbei Band 8. Besonders gut gefällt mir, dass alle Bücher in sich abgeschlossen sind und unabhängig voneinander gelesen werden können. Denn für mich war es das erste Buch, welches ich von der Autorin gelesen habe.
Erhofft hatte ich mir von diesem Buch ein paar vergnügliche und spannende Lesestunden in der wunderbaren Landschaft Frankreichs. So viel sei schon zu Beginn verraten, dies habe ich auch bekommen, auch wenn ich ein paar kleine Abzüge bezüglich vergnüglich und spannend machen muss.
Die Geschichte ist sehr gut und wohldurchdacht konstruiert, an manchen Stellen wirkte es auf mich aber ein wenig zu konstruiert. Da habe ich schon Krimis gelesen, die besser abgestimmt waren. Trotzdem liegt hier eine solide Handlung vor, mit durchaus sehr interessanten und sympathischen Charakteren. Das Lokalkolorit ist durchwegs spürbar und man hat fast das Gefühl die raue Seeluft des Atlantiks riechen zu können. Auch wie nicht anders zu erwarten, wird der Kulinarik viel Platz eingeräumt. Die Franzosen lieben gutes Essen und da ist auch Kommissar Philippe Lagarde keine Ausnahme.
Obwohl die Morde an und für sich recht brutal und blutig sind, ist die Stimmung des Buches meistens eher ruhig, entspannt und auch ein wenig heiter. Dies scheint ein Widerspruch in sich zu sein, aber die Autorin Maria Dries schafft hier einen wunderbaren Spagat.
Der Erzählstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen und vor allem ihre anschaulichen Beschreibungen der Landschaft und des Essens sind mir positiv aufgefallen. Im Vergleich zu anderen Regionalkrimis muss ich sagen, dass ich sowohl witzigere, als auch spannendere gelesen habe. Dieses Buch reiht sich in allen Kategorien solide im Mittelfeld ein. Dies ist eines jener Bücher, die man perfekt an einem freien Tag lesen kann und sich sicher sein kann, dass man damit nichts falsch machen wird.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Sprachliche Verwirrung

Russische Spezialitäten
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Es gibt Bücher die muss ich unbedingt lesen und bei manchen ist es mir egal ob ich das Buch selbst lese oder es vorgelesen bekomme. Es gibt auch Bücher, die ich zuerst gelesen habe und mir danach das Hörbuch ...

Es gibt Bücher die muss ich unbedingt lesen und bei manchen ist es mir egal ob ich das Buch selbst lese oder es vorgelesen bekomme. Es gibt auch Bücher, die ich zuerst gelesen habe und mir danach das Hörbuch angehört habe. Normalerweise bin ich bei dem Thema Buch oder Hörbuch sehr flexibel. Bei diesem Buch bin ich im Nachhinein aber sehr froh, dass ich mich für das Hörbuch entschieden habe.
Dies liegt vor allem daran, dass der Autor, der auch der Sprecher des Hörbuches ist, sehr viele russische und auch ukrainische Wörter verwendet. Ich habe die Vermutung, dass ich beim Lesen große Schwierigkeiten damit gehabt hätte. Man könnte jetzt behaupten, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn die Wörter und Ausdrücke übersetzt worden wären. Dann wäre aber meiner Meinung nach ein wichtiger Teil der Geschichte weggefallen und das Buch hätte an Authentizität verloren.
Das Dmitrij Kapitelman kein ausgebildeter Sprecher ist, merkt man im Laufe der Zeit immer wieder. An manchen Stellen wirkt es ein wenig holprig, das macht das ganze aber nur umso sympathischer. Die Stimmmelodie von Dmitrij habe ich als sehr angenehm empfunden und ihm wirklich gerne zugehört.
Doch nun kommen wir zum wichtigsten: Zum Inhalt des Buches und meinem Eindruck davon. Selten ist mir die Bewertung von einem Buch so schwergefallen. Denn obwohl ich mir ausnahmsweise mehrere Tage Zeit gelassen habe und wirklich intensiv über das gehört nachgedacht habe, weiß ich noch immer nicht, was ich davon halten soll.
Ich denke, dass ich im Großen und Ganzen schon verstanden habe, was der Autor mir mit seinem Werk sagen möchte. Und auch wenn ich es nicht aus persönlicher Erfahrung kenne, ich sein Gefühl der Entfremdung nachvollziehen kann. Ich fand es unglaublich faszinierend und tragisch mitzuverfolgen, wie der Krieg in der Ukraine Familien und Freunde entzweit. Allerdings habe ich so einige Probleme mit dem vom Autor gewählten Stilmittel. Seine übertrieben bildliche Sprache, in der dann plötzlich Fische oder Maschinengewehre zu sprechen beginnen, haben mich doch sehr verwirrt und ratlos zurückgelassen.
Eine Empfehlung kann ich nicht wirklich für das Buch aussprechen, ich wüsste nämlich nicht, wem ich das Buch empfehlen sollte. Abraten möchte ich aber auch niemanden, denn auf einer gewissen Ebene hat mich das Buch doch berührt und zum Nachdenken gebracht.

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