Profilbild von walli007

walli007

Lesejury Star
offline

walli007 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit walli007 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2025

Geheimnisvolles Manor

Moonlit Thorns
0

Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Annabelle nach hause zurück. Ihr Studium sollte eigentlich zu einem anderen Ergebnis führen, doch ihr Vater ist plötzlich verstorben, ihre Mutter in eine Depression gefallen ...

Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Annabelle nach hause zurück. Ihr Studium sollte eigentlich zu einem anderen Ergebnis führen, doch ihr Vater ist plötzlich verstorben, ihre Mutter in eine Depression gefallen und ihr Bruder versucht das Schiff am schwimmen zu halten. Und Dann erfährt Annabelle auch noch, dass ihr Vater hoch verschuldet war. Gläubiger ist Asher Voss von dem geheimnisvollen Landsitz Midnight Manor. Wenn Annabelle ein Jahr lang als Ashers Assistentin arbeitet, werden die Schulden getilgt. Was genau Annabelle tun soll, weiß sie zunächst nicht. Dass sie aber erstmal auf der untersten Stufe der Leiter steht, wird ihr schnell klar.

Bei diesem Band handelt sich um den ersten Band einer Reihe um die Voss Brüder von Midnight Manor. Den Anfang macht Asher, der es nie verwunden hat, dass seine Mutter gestorben ist als er noch sehr jung war. Annavelle gerät also erstmal auf einen geheimnisvollen Landsitz und ihre Arbeitsbedingungen sind nicht die besten. Nur am Samstag Abend darf sie das Gelände verlassen und ihre Familie zu besuchen. Da sie manchmal nicht weiß, wie sie mit ihrer depressiven Mutter umgehen soll, ist sie garnicht so unglücklich. Und die schwarzen Limousinen, die Samstags zum Grundstück kommen, machen sie ziemlich neugierig. Zunächst muss sie sich aber um das herablassende Verhalten ihres Chefs ärgern.

Ein wenig nachempfunden ist dieser Roman dem Märchen „Die Schöne und das Biest“. Kein Wunder also, wenn es sich um ein Lieblingsmärchen handelt, dass man hier gerne zugreift. Vielleicht hätte man sich das Buch jedoch etwas genauer ansehen sollen, denn von einer Fantasy Komponente oder etwas zauberhaften ist nicht viel zu bemerken. Das Schöne und Märchenhafte wird schon etwas vermisst. Und auch etliche Triggerwarnungen sollte man durchaus ernst nehmen. Wenn man sie erst am Schluss liest, wird man vorher nicht nur freudige Überraschungen erlebt haben. Hat man sich allerdings etwas von dem vorher gesagten befreit, bekommt man eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die durchaus prickelnd ist. Um dem gefühlsmäßigen Überschwang folgen zu können, bedarf es vielleicht einer gewissen Jugendlichkeit. Die Umschlaggestaltung ist sehr gelungen, der Rosenbusch lässt einen dann doch in märchenhafte Welten entschweben.

Veröffentlicht am 28.04.2025

Musikzirkel

Aufklärung
0

In den 1730er Jahren beginnt die Tochter von Johann Sebastian Bach aus ihrem Leben zu berichten. Catharina Dorothea ist da noch in ihren Zwanzigern. Ihr Vater hat ein zweites Mal geheiratet und er und ...

In den 1730er Jahren beginnt die Tochter von Johann Sebastian Bach aus ihrem Leben zu berichten. Catharina Dorothea ist da noch in ihren Zwanzigern. Ihr Vater hat ein zweites Mal geheiratet und er und Anna Magdalena haben auch schon Nachwuchs bekommen. Viel wird musiziert im Haushalt und das Tagesgeschehen wird diskutiert. Da die Luise Gottsched, die Frau eines Professors, in ihrer aller Leben. Luise ist ausgesprochen intelligent und vielseitig interessiert. Sie hat Stücke geschrieben, Übersetzungen ausgeführt. Nur ihr Mann belächelt ihre Fähigkeiten eher und setzt sie auch als Assistentin ein. Doch natürlich ist Luise eine Bereicherung für den kleinen Kreis, der sich in Leipzig gebildet hat.

Aus der Erinnerung und auch mit Hilfe von Luises Aufzeichnungen entfaltet Dorothea ihren Bericht. Es wird Hausmusik gespielt. Man bereitet sich auf Auftritte vor. Und Dorothea tritt manchmal als Assistentin ihres Vaters auf. Doch auch Luises pfiffige Ideen bereichern Bachs Werk. Dorothea merkt schnell, dass sich Luise fast an jede Situation anpassen kann und mit ihrem Witz jedes Gespräch erfreut. Einzig ihr Mann weiß anscheinend nicht, was für einen Schatz er hat. Er findet seine eigenen Gedanken herausragend und merkt nicht, wenn er doch ein wenig belächelt wird.

Ein historischer Roman, der sich zwar dichterische Freiheiten nimmt, aber auch die Zeit der Aufklärung lebendig darstellt. Unter Überschriften gestellt entfalten sich tagebuchartige Aufzeichnungen. Gleichzeitig bezieht sich Dorothea auch auf Entdeckungen aus Luises Aufzeichnungen. Man fühlt sich fast so als ob man dabei wäre. Wörtliche Rede wechselt mit Beschreibungen ab. Nach Artikeln im Internet über die Familie Bach ist von Dorothea nicht viel mehr bekannt als ihr Geburts- und Todestag. Das gibt der Autorin natürlich eine große Leerstelle, die sie mit viel Akribie und leichten Worten füllt. Zwar ist das Ganze manchmal etwas sehr ausführlich und ausschweifend, so dass man irgendwann kaum noch anders kann als nicht mehr jedes Wort zu lesen, weil man sonst einfach nicht weiterkommt. Knapp sechshundert Seiten, relativ klein gedruckt, vereinzelt Fußnoten, das ist einfach viel. Dennoch passt das Buch gut zum Jahr mit Bach, dessen Todestag sich im Jahr 2025 zum 275. Mal jährt.

Veröffentlicht am 26.04.2025

Wilson Moon

So weit der Fluss uns trägt
0

Er ist es, das weiß die 17jährige Victoria sofort als die den jungen Wilson Moon sieht. Ihr Vater und ihr Bruder sehen das ganz anders. Im Jahr 1948 ist aber nicht unbedingt Victorias Meinung maßgebend. ...

Er ist es, das weiß die 17jährige Victoria sofort als die den jungen Wilson Moon sieht. Ihr Vater und ihr Bruder sehen das ganz anders. Im Jahr 1948 ist aber nicht unbedingt Victorias Meinung maßgebend. Besonders der Bruder sorgt dafür, dass Wilson verschwindet. Victoria lässt sich nicht beirren und sie fängt an nach Wilson zu suchen. Und so entspinnt sich eine zarte Beziehung zwischen den beiden jungen Leuten. Doch Victorias Bruder Seth, neidisch und mißgünstig wie so häufig, sorgt dafür, dass Wilson endgültig verschwindet. Victoria verlässt ihre Heimat der väterlichen Farm und zieht sich in die Berge Colorados zurück.

Die Handlung dieses Familienromans verläuft über mehr als zwanzig Jahre. Eine junge Frau macht ihren Weg. Das Schicksal verurteilt sie dazu, dies alleine zu tun. Mit viel Energie meistert die junge Frau die Aufgaben, die ihr das Leben stellt. Manchmal verzweifelt sie fast und immer wieder hat sie mit Verlusten zu kämpfen. Schon als die Handlung einsetzt ist ihre Mutter verstorben, worunter die Familie sehr gelitten hat. Der Vater wirkt recht eigenbrötlerisch und Seth hat sich zu einem Raufbruder entwickelt, mit dem kaum was anzufangen ist. Auch mit Wilson ist ihr nur ein kurzes Glück beschieden.

Ein abgerundeter Familienroman, der gut unterhält und etliche berührende Momente beinhaltet. Allerdings auch ein Roman, mit dem man vielleicht zwei Mal beginnen muss, weil es einen beim ersten Mal nicht packt. Dann jedoch entwickelt sich die interessante Geschichte einer alten Pfirsichfarm in Colorado, wo das Wetter eigentlich nicht optimal ist. Doch Victorias Vorfahren haben es geschafft. Victoria werden wahrhaft schwierige Entscheidungen abverlangt. Gelegentlich hätte man ihr mehr Glück gegönnt. Doch irgendwann wird eine große Frage ihres Lebens beantwortet. Victoria verliert viel, doch sie gewinnt auch einiges. Wenn auch etwas melancholisch, so doch ein schöner Roman mit einem stimmigen Cover.

Veröffentlicht am 24.04.2025

Reporterinstinkt

Das schwarze Chamäleon
0

Nachdem er als Reporter gescheitert ist, arbeitet der schwarze Clay Robinette als Dozent an der Uni von Arden, Ohio. Als eines Nachts das Telefon klingelt liegt er neben seiner friedlich schnarchenden ...

Nachdem er als Reporter gescheitert ist, arbeitet der schwarze Clay Robinette als Dozent an der Uni von Arden, Ohio. Als eines Nachts das Telefon klingelt liegt er neben seiner friedlich schnarchenden Frau Penelope. Mühsam wälzt er sich aus dem warmen gemütlichen Bett. Schnell ist sein Kopf wieder klar, sein Kollege Reggie Brogus bittet ihn um Hilfe. Was dann passiert konnte sich Clay in seinen schlimmsten Träumen nicht ausdenken, In seinem Büro am Institut für Afrikamerika Studien hat Reggie eine weibliche Leiche gefunden, die ihm mit Sicherheit das FBI untergeschoben hat. Dass Clay die junge Frau erkennt, macht es nicht besser.

In seiner verfahrenen Situation sieht Clay Robinette keine andere Chance als herauszufinden, was wirklich geschehen ist. Zunächst hilft er Reggie, der sich von einem Revoluzzer zum Erzkonservativen gewandelt hat, was für einen Schwarzen eigentlich nicht möglich ist, sich vom Ort des Geschehens zu entfernen. Doch was soll er mit dem Wissen anfangen, dass er die Tote kennt. Nicht zur das, er hatte auch was mit ihr. Das wirft natürlich kein gutes Bild auf ihn. Könnte er etwa selbst in Verdacht geraten? Und so sicher, dass Reggie es nicht war, ist sich Clay auch nicht.

Im Original wurde der Roman bereits im Jahr 2001 veröffentlicht. Angesiedelt ist die Handlung im Februar 1992. Man ist dann doch erstaunt, wie wenig sich die Diskussionen von damals zu heute geändert haben. Es hat wenig Fortschritt gegeben und heutzutage kann von Fortschritt nicht mehr gesprochen werden. Eingebettet in die Handlung des Kriminalfalls ist also auch einiges an Gesellschaftskritik. Dabei kommt Clay ganz schön ins Hadern und Lavieren. Wie soll er nur den Kopf aus der Schlinge ziehen. Das Opfer heißt im Original wegen ihres deutschen Diplomatenvaters Jennifer Wolfsheim, sie nennt sich Seeräuber-Jenni. Warum sie dann in der Übersetzung Wolfshiem genannt wird, erschließt sich nicht. Die Amerikanische Geschichte erschließt sich europäischen Lesern wahrscheinlich nicht immer. Auch hier werden Ereignisse erwähnt, die einem nicht so nah sind. Andere sind natürlich präsent. Doch in Gänze bleibt es einem doch etwas fremd. Dennoch schafft es der Autor Spannung aufzubauen, die einen bis zum Schluss am Ball bleiben lässt.

Veröffentlicht am 22.04.2025

Goldgräberin

Pineapple Street
0

Die Stocktons aus der Pineapple Street gehören zum alten Geldadel New Yorks. Tilda und Chip haben drei Kinder. Darley, die Älteste ist mit einem Investment Banker verheiratet und hat zwei Kinder. Georgina, ...

Die Stocktons aus der Pineapple Street gehören zum alten Geldadel New Yorks. Tilda und Chip haben drei Kinder. Darley, die Älteste ist mit einem Investment Banker verheiratet und hat zwei Kinder. Georgina, die Jüngste, hat ein geheimes Verhältnis am Arbeitsplatz. Cord hat gerade erst geheiratet und ahnt nicht, dass seine Schwestern seine Frau Sasha als Goldgräberin bezeichnen. Dabei kommt sie lediglich nicht aus einem reichen, sondern nur aus einem wohlhabenden Elternhaus. Und Sasha gibt sich viel Mühe, um dazuzugehören. Weiß auch, sie sollte dankbar sein, dass die Schwiegereltern ihnen das ehemalige Familienheim in der Pineapple Street überlassen haben. Doch so recht wohlfühlen will sie sich nicht in der alten vollgestopften Bude, in der sie nichts verändern darf.

Wenn man den Stadtplan New Yorks aufruft, kann man Bilder der Pineapple Street (und der anderen Früchtestraßen Orange und Cranberry) bewundern. Man sieht bekannte Ansichten aus einem alten New Yorker Viertel. Und genau hier wohnen die Stocktons, die durch Immobilieninvestitionen reich geworden sind. So reich, dass Trust für die Kinder eingerichtet wurden und diese schon in jungen Jahren sorglos leben können. Doch die Reichen bleiben unter sich, so müssen sie nicht über Geld reden und sie müssen auch nicht befürchten, dass sie ausgenutzt werden könnten. In diese Gesellschaft kommt Sasha, der eben unterstellt wird, eine Goldgräberin zu sein.

Die Idee zu diesem Buch ist sehr ansprechend, besonders weil man sich die Umgebung wirklich bebildern kann. Ein Sneak Peak in eine fremde Welt. Im Klappentext wird zitiert, man könne die drei Frauen der Pineapple Street ein kleines bisschen lieben, auch wenn es beinahe gegen den eigenen Willen geschehe. Allerdings gehen einem die Dekadenz und Oberflächlichkeit doch ein wenig auf die Nerven. Obwohl man nicht darüber spricht, bleiben Geld und Stellung doch immer ein Thema. Das Leben kommt etwas zu kurz. Erst zum Ende gibt es einige Entwicklungen und Erkenntnisse, die versöhnlich stimmen.