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Veröffentlicht am 26.06.2025

Interessantes Thema, ummantelt von einer ausschweifenden, überladenen Storyline

Hello Stranger
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Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren ...

Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren Vater – entschieden und den Weg einer Künstlerin – jenen, den auch ihre Mutter einst mit Leidenschaft ging – eingeschlagen hat. Mittlerweile hält sich die junge Frau mit Porträtmalerei und dem Geplänkel mit ihrer besten Freundin gerade so über Wasser, vermeidet peinlich genau jeden nicht notwendigen Kontakt mit ihrer Familie und versucht ihr Glück regelmäßig bei verschiedenen Talentwettbewerben ‐ erfolglos. Bis jetzt. Denn nun hat es Sadie Montgomery endlich geschafft und zählt zu den 20 FinalistInnen des prestigeträchtigsten Porträtwettbewerbs des ganzen Landes. Ihre große Chance! In sechs Wochen muss sie ein Kunstwerk einreichen, dass das Beste ist, was je aus ihrem Pinsel floss …
Doch binnen eines Wimpernschlags ändert sich das Leben der Endzwanzigerin auf drastische Weise und plötzlich ist alles Talent nicht genug …

„Hello Stranger“ beschäftigt sich mit der »erworbenen apperzeptiven Prosopagnosie« – mit einer Erkrankung, von der ungefähr 2 Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind und die bekannter ist unter „Gesichtsblindheit“. Dies war auch der Grund, wieso ich den Roman von Katherine Center unbedingt lesen wollte.
Erzählt wird einzig aus der Sicht von Sadie, sodass wir nicht nur Teil von ihrer gegenwärtigen Überforderung, der Verzweiflung und ihrer Angst sind, der mit jedem Tag weiter schwindenden Hoffnung auf eine (schnelle) Genesung, sondern auch innerhalb des Verlaufs etliche Informationen aus ihrer – einsamen, von Trauer durchzogenen – Vergangenheit zusammentragen können. Dass der anstehende Wettbewerb für die Zukunft der Protagonistin – ihre finanzielle Unabhängigkeit und ihre Karriere – ungemein wichtig, sie jedoch nicht mehr in der Lage ist, Porträts zu schaffen, erhöht Sadies inneren Druck. Jeder Schritt außerhalb ihrer Wohnung – tief erschrocken von Fragmenten, wo einst Mimik war, Sicherheit, Orientierung – wird von Gefühlen der Ohnmacht und Unsicherheit begleitet, bringt die Künstlerin an emotionale Grenzen. Und genau jetzt, als Sadie am verletzlichsten ist, sucht sie das Unheil ihrer Jugendjahre heim. Zudem kratzt der zwielichtige Nachbarstyp an ihren Nerven, Peanut braucht dringend Hilfe und Sue? Die steckt in einem ganz eigenen Abenteuer …

War der Beginn vielversprechend, aufgrund des lockeren Stils, etlicher herzerwärmender, skurriler Momente und der mitschwingenden (Selbst-)Ironie unterhaltsam, Sadies Beeinträchtigung interessant, verlor sich die anfängliche Euphorie in vielerlei Hinsicht stetig. Denn nach und nach kommt so einiges zusammen, dass die Gesichtsblindheit und den Umgang mit dieser kontinuierlich in den Hintergrund drängt.
Sadie, auf ihre Art durchaus sympathisch, rebellisch und darauf geeicht, mit Humor auf Niederlagen zu reagieren, verliert mehrfach binnen zwei Sätzen jeden frischen Tatendrang und neuerlichen Schub Selbstbewusstsein. Nur, um sich in etlichen, schier endlosen, irrelevanten Monologen und (wiederholenden) Überlegungen zu verlieren. Dieser Umstand ging mir ebenso rasch auf die Nerven wie die Masse an Konflikten und Missverständnissen. Ein Schritt vor, drei zurück – und das in einer Tour.
▪︎Seiten überblättern, ohne etwas zu verpassen? Ist hier problemlos und oft möglich.
▪︎Den Fokus verlieren, weil ein Gedankenstrom auf den nächsten, ein Drama auf das andere folgt? Ja! Einfach ja.
▪︎Parkers Sticheleien und Auftritte sollten vermutlich als Spannungskomponente fungieren, waren aber unnötig und too much.
▪︎Das distanzierte Vater-Tochter-Verhältnis erhielt zwar eine Basis, das „klärende Gespräch“ empfand ich jedoch als zu einfach/plötzlich – aber am Ende wird eben alles gut, oder?
▪︎Ebenfalls weist der Plot Schwächen und Unstimmigkeiten auf. Ob dies auch der Fall gewesen wäre, wenn sich die Autorin auf eine gute Ausarbeitung von nur ein, zwei Punkten konzentriert hätte?

Aber es gab auch Positives:
▪︎Die romantische Entwicklung bspw.: Vorhersehbar? Auf jeden Fall. Amüsant? Definitiv. Gerade die ernsten Gespräche und der spritzige Schlagabtausch mit Joe sorgten für einige Schmunzler. Das sich verändernde Verhältnis zwischen ihm und Sadie war insgesamt schön zu verfolgen.
▪︎Peanut: Weil Hunde die besseren Menschen sind.
▪︎Center greift „Trauer“ und den individuellen Umgang mit dieser authentisch auf. Manche Verluste tun auch Jahrzehnte später noch weh, und das ist vollkommen ok.
▪︎Der medizinische Aspekt wurde u. A. mithilfe von Dr. Nicole, in Kombination mit Sadies Empfindungen und den bildhaften, teilweise sehr emotionalen Schilderungen vorstellbar dargelegt.
Montgomerys Erfahrungen regen zusätzlich zum Nachdenken an: Denn wenn optische Attraktivität, die wir hauptsächlich in Gesichtern suchen, nicht erkennbar ist, müssten wir unser Gegenüber aufgrund von Taten, Können und Verhalten bewerten. Eine spannende Betrachtungsweise, oder?

Insgesamt schafft „Hello Stranger“ ohne Frage Aufmerksamkeit für Prosopagnosie und die ‚Sichtweise' Betroffener, bietet zeitgleich aber eine vollkommen überladene Storyline. Zwischen ausschweifenden Gedankenkreisen und etlichen Längen finden sich jedoch auch romantische Augenblicke, tiefgehende Überlegungen, Schmerz und eine an sich selbst zweifelnde Frau, die nicht bereit ist, aufzugeben – allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Zu hohe Erwartungen meinerseits.

Dragon Games - Liebe aus Flammen
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„Liebe aus Flammen“ ist das Finale der High-Fantasy-/Romantasy-Trilogie „Dragon Games“ und beginnt, wo der Vorgänger endete. Zuvor nahm sich Ursa Jaumann jedoch erneut die Zeit, die bisherigen Ereignisse ...

„Liebe aus Flammen“ ist das Finale der High-Fantasy-/Romantasy-Trilogie „Dragon Games“ und beginnt, wo der Vorgänger endete. Zuvor nahm sich Ursa Jaumann jedoch erneut die Zeit, die bisherigen Ereignisse zusammenzufassen und relevante Charaktere vorzustellen.

Während Victoria Black auf dem Verlorenen Kontinent noch immer um ihr (Über)Leben bangt, sich auf die körperlich und mental anstrengende Prüfung zur Dragonoath vorbereiten muss und im Zwiespalt – hin- und hergerissen zwischen all dem, was sie zu wissen glaubte, und den Wahrheiten, die sie mit eigenen Augen sieht, zwischen den in ihr streitenden Gefühlen – zergeht, setzt James de Burgh alles – Ressourcen, Vermögen und Männer – daran, seine Lady zurückzuholen. Nicht mal vor dem Eisernen Rat, Druck und Drohung macht der einstige Drachenritter halt. Dabei ist fraglich, ob er und Onyx das Kulethische Meer – wenngleich Professoren und Techniker an einer Lösung arbeiten – überwinden können, seine Liebe noch lebt und Feridum ausreichend für einen Krieg aus unbekannter Richtung gerüstet ist … denn dieser wird kommen.

Ursa Jaumann führt uns langsam in die gegenwärtigen Situationen der Protagonisten, schenkt uns weitere Einblicke in das naturverbundene Dasein der Látaiea und nimmt auch Bezug auf die hier herrschenden Uneinigkeiten. Die Welt außerhalb des auf technischen Fortschritt und Profit fixierten Imperiums kam malerisch zur Geltung – wenn gleich dieses Land nicht ohne Gefahren ist, Vic noch immer Feindseligkeit zuteilwird und vor ihr Aufgaben liegen, die ihr alles abverlangen, sie alles kosten könnten.
Killian, der alles daran setzt, dass sich Victoria in seinem Clan integriert, sich zu Hause fühlt, sorgt mehrfach mit seiner verletzlichen Seite, seiner Offenheit und der Art, wie er die Drachenritterin herauszufordern vermag, daran erinnert, wer sie wirklich ist, für überraschende und intensive Momente. Dabei hofft er inständig, dass Victoria wahrlich für die gleichen Überzeugungen wie das Vergessene Volk, an seiner Seite, kämpfen wird … selbst wenn sie wieder in James’ Arme sinken sollte.
Die Anziehung zwischen Victoria und ihrem „Entführer“ war unterhaltsam, immer häufiger troffen Gefühle und Wahrheiten hinter Witz und seichtem Geplänkel hervor. Bereits im Vorgänger schwang die Ahnung schwerer, emotionaler Entscheidungen mit – nun gibt die Autorin ihrer Fantasystory mit dem direkten Why-Choose-Trope etwas Frisches und zeigt, dass unkonventionelle Beziehungsmodelle auch außerhalb einer spicy, darken Romance funktionieren.

Das klingt alles ganz nett, ich weiß, aber leider konnte mich der Abschluss der „Dragon Games“-Trilogie nicht gänzlich überzeugen. Fand ich den Auftakt originell und durchweg spannend, den zweiten Band zumindest großteils interessant und unterhaltsam, wollte der Funke hier nicht überspringen. Zum einen, weil sich die ~660 eBook Seiten zogen – durch unnötig ausgeschmückte Szenen, ein „Auf der Stelle treten“ sowie Vics immer gleiche Gedankengänge und ihr ausgiebiges, sich im Kreis drehendes Gefühlschaos. Geduldsprobe pur! Auch der Stil selbst wirkte auf mich dieses Mal nicht so durchdacht und wohlüberlegt wie gewöhnlich, sondern recht einfach und lasch. Worte fehlten, Informationen und Formulierungen – bspw. leidenschaftliche Geständnisse, die langfristig an Wirkung einbüßten, und die Monologe – wiederholten sich – und wo ist eigentlich die taffe, starke Protagonistin aus 𝐇𝐞𝐫𝐳 𝐚𝐮𝐬 𝐅𝐞𝐮𝐞𝐫 hin?
Diese Serie entwickelte sich mMn zu einer 0815-Romantasy, die Gegebenheiten, Ziele und die aussagekräftigen Themen – Missstände, Unterdrückung, Ausbeutung, Klimawandel, Umweltverschmutzung (…) – oftmals aus den Augen verlor und Zweifel/Überlegungen romantischen Ursprungs in den Vordergrund rückte.
Erst nach etwa 60 % nahmen Tempo, Ereignisdichte und Spannung merklich zu, inkl. Dramatik und Twists, die die Kraft haben, Herzen zu brechen.

Actionreiche Szenen sowie jene mit Drachen sind lebendig, die Traditionen und Rituale mystisch inszeniert, wenn auch fantastische Elemente und Steampunk-Vibes nur als Hintergrundrauschen vernehmbar waren. Aufbrausende Reden und Offenbarungen, die nicht nur Beziehungen ins Wanken, sondern eine Gesellschaft auslöschen könnten, kamen ebenso wenig zu kurz wie Verluste und die (persönlichen) Opfer, die es braucht, um Veränderungen, dauerhafte, zu generieren. Der Plan der Látaiea, der vor allem in den letzten Kapiteln Beachtung und Aktivismus fand, sowie die Gründe und Vorgehensweisen waren durchdacht und einfallsreich. Letztlich war es aufregend, Victoria, gezeichnet von Blut, Trauer und Schmerz, dabei zu begleiten, wie sie zu ihrem alten Selbst, ihrer Stärke zurückfand.
Zwischen all den Trümmern warten auch ein zauberhaftes Wunder, die Hoffnung auf Gleichheit und der Beginn von etwas Neuem.

Für welches Leben, welche Liebe sich Victoria entscheidet? Ob das Stahlimperium fällt und die Drachen Freiheit erfahren – oder ob der Verlorene Kontinent mitsamt der Geheimnisse und der Magie untergeht? Findet es heraus.

Fazit: Trotz aller Kritik ist „Liebe aus Flammen“ kein schlechtes Buch, nur eben nicht das, was ich nach dem starken, originellen Auftakt erwartet habe. Mir fehlte es schlicht an Abwechslung im Geschriebenen und größtenteils an einem Vorankommen im Verlauf.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Kaum charakterliche Entwicklung, wenig Worldbuilding, wenig Stärke - dafür Spice.

Die Skaland-Saga, Band 1 - A Fate Inked in Blood
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(Nordische) Mythologie, raue Welten und starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich aus patriarchalischen Systemen, ihren vorbestimmten Rollen und den Erwartungen befreien – lieben ...

(Nordische) Mythologie, raue Welten und starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich aus patriarchalischen Systemen, ihren vorbestimmten Rollen und den Erwartungen befreien – lieben wir!
Dementsprechend war „A Fate Inked In Blood“ ein Muss für mich. Was mit viel Potenzial und Amüsement begann, entpuppte sich leider als eine 0815-Romantasy, in der die Protagonistin weder von ihrer Naivität noch von der vermeintlich Sympathiepunkte bringenden Selbstlosigkeit, geschweige denn ihrem pubertären Gehabe abzubringen ist.

Von klein auf wurde Freya dazu angehalten, ihre Kraft zu verbergen, um weder sich noch ihre Familie in Gefahr zu bringen. Heute ist sie eine (zwangs)verheiratete, junge Frau, nicht mehr als Arbeitskraft und Zuchtstute, degradiert zum Eigentum eines Mannes. Als sie eines Tages auf einen Fremden trifft, ändert sich alles – und doch nichts. Denn selbst mit Offenlegung ihres streng gehüteten Geheimnisses bleibt Freya eine Spielfigur, ein Mittel zum Zweck, Besitz. Und sollte sie sich nicht an die Regeln halten, leiden jene, die sie liebt. Jene, die sie verkauft, belogen und verraten haben …
Nur Bjorn – ebenso mit göttlichem Blut gesegnet – sieht in Freya einen ebenbürtigen Menschen und mehr als die Schildmaid, die laut einer Prophezeiung das Reich einen – oder eine Schneise aus Tod und Blut hinterlassen – soll.
So sehr es zwischen den beiden bitzelt und knistert … ist er doch der Sohn ihres Gemahls.

Danielle L. Jensen führt uns rasch in ihre Geschichte, sodass wir Freya und ihre Situation, die sich im Verlauf mehrfach wandelt, meist schlimmer und auswegloser wird, genau kennenlernen und verfolgen.
Bereits zu Beginn zeigt sich, dass wir in einem direkten, leichten und oftmals unpassend saloppen Ton durch die Handlung geführt werden. Einerseits sorgt dies für etliche humorvolle Momente, andererseits ist es schwer, sich des Ernstes, der dem kompletten Geschehen theoretisch zugrunde liegen sollte, gewahr zu werden. Zwar waren die spritzigen, oft anzüglichen Schlagabtausche zwischen Freya und Bjorn von Anfang an unterhaltsam, die direkten, impulsiven Worte und Überlegungen der Schildmaid schienen stark, doch zahlreiche explizite, lüsterne Szenen/Vorstellungen torpedierten die Storyline, untergruben Spannung und Gefahr. Wenig zuträglich für das historische, mystisch-kühle Setting war auch die Art, wie diese formuliert wurden.

Da einzig aus der Sicht der Schildmail erzählt wird, sind wir ausgiebig Teil ihres – öfter anstrengenden – Wankens, ihrer Meinungen und Sichtweisen. Nur in wenigen Momenten ist Freyas Stärke zu spüren, ein Hauch Gnadenlosigkeit und der Wille, etwas (für sich) zu verändern. Größtenteils bleibt sie festgefahren in ihrer Naivität, ihren unverrückbaren Ansichten und, auch im Angesicht von Verrat und einer Wahl, ihrer selbstlosen Gutherzigkeit.
Für Interesse sorgen jedoch die unberechenbaren Gegebenheiten – von Angriffen, Kämpfen und perfiden Plänen bis zu mysteriösen Prophezeiungen und göttlichen Prüfungen – und eine Fülle undurchsichtiger Figuren, wie bspw. Ylva und der fanatische Snorri. Auch Bjorn war trotz steter Präsenz und diverser Facetten schwer zu greifen und macht insgesamt aufgrund seines Verhaltens neugierig.

Worldbuilding, (Halb)Götter und Mythologie blieben abgesehen von eingeworfenen Erwähnungen ziemlich auf der Strecke. Actionreiche Szenen wurden, im Gegensatz zum romantischen Aspekt und zögernden, zweifelnden Monologen seitens der Auserwählten, rasch abgehakt. Schade, immerhin bietet die Situation, in der sich Skaland und alle BewohnerInnen des Reiches befinden, reichlich Potenzial für eine fesselnde, temporeiche Geschichte. Ohne Frage bleibt die Stimmung durchweg angespannt. Es gab blutige Überraschungen, unerwartete Offenbarungen und heikle Entscheidungen, Rachsucht und Boshaftigkeit.

Wenn auch nicht alle Entwicklungen unvorhersehbar waren, es Welt und Mythologie an Ausarbeitung, den Charakteren an tiefen, greifbaren Emotionen sowie durchweg an Ernst und charakterlicher Stärke fehlte; der Plot selbst löchrig scheint, ist das Ende eines, welches trotz aller Kritik Lust auf das Finale macht.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Joahr, gute Idee, die nicht sonderlich ausgearbeitet wirkt.

Eislotus. Wasser findet seinen Weg
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„𝐄𝐢𝐬𝐥𝐨𝐭𝐮𝐬: 𝐖𝐚𝐬𝐬𝐞𝐫 𝐟𝐢𝐧𝐝𝐞𝐭 𝐬𝐞𝐢𝐧𝐞𝐧 𝐖𝐞𝐠“ ist der erste Band der aktuellen High-Fantasy-Dilogie von Liza Grimm und lockte mich mit der vielversprechenden Idee: Menschen, die Elementarmagie beherrschen, und ...

„𝐄𝐢𝐬𝐥𝐨𝐭𝐮𝐬: 𝐖𝐚𝐬𝐬𝐞𝐫 𝐟𝐢𝐧𝐝𝐞𝐭 𝐬𝐞𝐢𝐧𝐞𝐧 𝐖𝐞𝐠“ ist der erste Band der aktuellen High-Fantasy-Dilogie von Liza Grimm und lockte mich mit der vielversprechenden Idee: Menschen, die Elementarmagie beherrschen, und Seelen, die in Bücher gebannt werden.

𝙊𝙥𝙩𝙞𝙨𝙘𝙝 𝙚𝙞𝙣 𝙃𝙞𝙜𝙝𝙡𝙞𝙜𝙝𝙩 – kann der Inhalt da mithalten?

Die hier geschaffene Welt besteht aus mehreren Reichen, in denen die unterschiedlichsten Bedingungen und die jeweiligen Völker über ein Element herrschen. Seelenbücher, die mit der Macht und dem Wissen Verstorbener gespeist werden, tragen erheblich zu den Fähigkeiten der Menschen bei. Jedoch sind es einzig die Buchbinder, die die Seelen in die Artefakte bannen können – die wichtigste Ressource der Welt. Wo die Buchbinder leben, floriert der Handel, erblüht das Leben. Um einen erneuten Krieg um diese zu verhindern, wurde vor vielen Jahren das „Ritual des Lichts“ angesetzt. Doch nur wer den harten Wettkämpfen der Akademie und den prüfenden Blicken der BewohnerInnen von Lort standhalten kann, darf sich während diesem beweisen …
32 TeilnehmerInnen, die für Ehre und ihr Volk antreten. Doch am Ende haben nur 4 von ihnen die Chance auf das kostbarste Gut der Welt.

💙 »𝘿𝙖𝙨 𝙍𝙞𝙩𝙪𝙖𝙡 𝙙𝙚𝙨 𝙇𝙞𝙘𝙝𝙩𝙨 𝙜𝙚𝙬𝙞𝙣𝙣𝙩, 𝙬𝙚𝙧 𝙨𝙠𝙧𝙪𝙥𝙚𝙡𝙡𝙤𝙨 𝙜𝙚𝙣𝙪𝙜 𝙞𝙨𝙩, 𝙪𝙢 𝙟𝙚𝙣𝙚 𝙖𝙪𝙨𝙯𝙪𝙨𝙘𝙝𝙖𝙡𝙩𝙚𝙣, 𝙙𝙞𝙚 𝙗𝙚𝙨𝙨𝙚𝙧𝙚 𝘾𝙝𝙖𝙣𝙘𝙚𝙣 𝙝𝙖𝙗𝙚𝙣.«

Nara ist die Elementgesandte ihres Volks, eine Mondgebundene, und erhofft sich von einem Sieg keinen Ruhm – aber Rettung. Denn ihre Heimat erzittert vor Armut, Kälte und Abwanderung.
Auch Katso Sano will nicht nur verhindern, dass seine Familie alles verliert, sondern auch die Zukunft Sas sichern. Dass der Sonnengebundene einen Nachteil gegenüber den anderen hat, sollte dabei möglichst nicht ans Licht kommen.
Durch diese beiden erleben wir das Geschehen. Zu Beginn bekommen wir einen Eindruck ihrer Probleme, Situationen und ihrer Intentionen. Grimm führt die LeserInnen eher bedächtig und langsam in ihre durchaus einfallsreiche und malerische Handlung, jedoch werden relevante Informationen ausgespart, maximal angedeutet, nie voll und ganz ausgeführt. Für mich bleibt das gesamte Worldbuilding daher ziemlich blass, lückenhaft und oberflächlich, was es mir schwer machte, die Gegebenheiten komplett zu verstehen und zu greifen.

Lässt man diesen Punkt außen vor, hat man eine Akademie-Story, in der Halbwahrheiten und Lügen, Geheimnisse, mysteriöse Tode und verschwundene Seelenbücher ebenso das Interesse aufrechterhalten wie das präsente Konkurrenzverhalten der verschiedenen Elementgesandten. Wenn auch der Großteil dieser blass und im Hintergrund bleibt, sorgen die aktiv im Geschehen verankerten Charaktere für Misstrauen, rufen zur Vorsicht auf. Wer ehrlich und wohlwollend ist, bleibt fraglich. Die Protagonisten wurden hingegen mit Details, Gefühlen und Fehlern ausgearbeitet, sind hilfsbereit und entschlossen. Positiv und authentisch ist, dass sich weder Nara noch Katso besonders in den Vordergrund drängen oder signifikant „talentierter“ als ihre MitstreiterInnen sind. Auch stehen romantische Entwicklungen nicht im Fokus, jedoch ist absehbar, dass zwischen den Rivalen ein »mehr« flirrt. Ebenso wie der Mix aus bekannten Elementen und neuen Ideen empfand ich diesen Umstand als ziemlich erfrischend.

Die Gestaltung von „Eislotus: Wasser findet seinen Weg“ ist außen wie innen toll gelungen, der Stil liest sich leicht und unkompliziert, auch wenn es dem Auftakt an Lebendigkeit und Tiefe fehlte. Für Witz und Bissigkeit sorgte die „gesichtslose Fußnote“ – wer diese Anmerkungen von sich gibt und die Geschehnisse beobachtet, wird (noch) nicht enthüllt, jedoch meine ich, dass es sich um etwas Altes, Wissendes handelt.
Im Verlauf finden sich Aufgaben und Prüfungen, die insgesamt interessant zu verfolgen waren, kommen wir durch diese doch den Kräften des Einzelnen nahe. Auch Verluste müssen betrauert – und kritisch beäugt – werden, Ungereimtheiten tun sich im gleichen Maße auf wie der – für die Elementgesandten unverständliche – Unmut der BewohnerInnen Lorts. Irgendetwas – oder irgendjemand – scheint in diesem Wettstreit falsch zu sein. Und zu all der Vorsicht, die jedeR Auserwählte innerhalb der Mauern walten lassen muss, wenn er/sie überleben will, sind auch die ‚Unversehrten' – eine Rebellengruppierung, die gegen den Bund zwischen Mensch und Seelenbuch agiert – nicht zimperlich...

Das Ende war für mich nicht sonderlich überraschend, was nicht heißt, dass ich trotz aller Kritik nicht dennoch wissen möchte, wie es weitergeht. Welche Elementgesandten werden am ‚Ritual des Lichts' antreten und weshalb sind die Buchbinder eine Rarität? Was hat es mit den seltsamen Vorkommnissen an der Academy, der gesamten Welt und der Magie wirklich auf sich? So viele Fragen, auf die wir (hoffentlich) im Herbst eine Antwort bekommen.

Fazit: Spannende Idee, die mMn nur halbgar ausgearbeitet wurde.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Cozy-Story, die nicht als Dystopie überzeugen kann.

The Last Bookstore on Earth
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„The Last Bookstore on Earth“ ist das Debüt von Lily Braun-Arnold und entführt uns in ein postapokalyptisches Szenario, in eine Welt, die durch unberechenbare Wetterphänomene zerstört wurde, in der die ...

„The Last Bookstore on Earth“ ist das Debüt von Lily Braun-Arnold und entführt uns in ein postapokalyptisches Szenario, in eine Welt, die durch unberechenbare Wetterphänomene zerstört wurde, in der die wenigen Überlebenden bereit sind zu tun, was getan werden muss … Ausgenommen der 17-jährigen Elizabeth, die sich seit dem „Sturm“ in einer Buchhandlung verbarrikadiert, hin und wieder mit BesucherInnen Literatur oder ihren „Post-Service“ gegen Nahrung und potenziell nützliche Sachen tauscht.
Seit Eva aufgebrochen ist, um eigene Wege zu gehen, ist Liz allein, hat sich eine Routine geschaffen, einen fragilen Safe-Place, den sie nicht aufgeben will. Bis eine ungehobelte Einbrecherin ihren Alltag durcheinander und neben Diskussionen und Konflikten auch Gefahren mit sich bringt. Und ein längst vergessenes Gefühl von Gemeinsam in Liz weckt …
Doch der nächste „Sturm“ wird kommen – egal, ob die marode Bleibe einer neuerlichen Welle ätzenden Regens und wütendem Unwetter standhalten kann.

„Wir schreiben über uns. Wir schreiben alles auf. Wir schreiben, bis alles andere verschwindet, nur für den Fall, dass wir es auch tun.“

Vorab: Das Konzept Dystopie wurde hier nicht konsequent durchgezogen, der Verlauf ist größtenteils eher unspektakulär, gar langsam und geizt an für die Storyline zuträglichen Informationen. Eine »atemberaubende Thrilleratmosphäre« fand ich hinter dem wunderschönen Cover ebenso wenig wie eine »berührende Liebesgeschichte«.

Erzählt wird einzig von Elizabeth – naiv und unbeholfen, bedacht darauf, weder mit Gewohnheiten zu brechen, noch ihre moralischen Grenzen der neuen Realität anzupassen. Kurz: wie sie bisher überlebte, vor Maeves eindringen, bleibt fraglich. Liz lebte in den Tag hinein, klammert sich an die Hoffnung „Alles wird sich fügen“, hat im letzten Jahr keinen Gedanken an Wasser und Nahrung – das Wegfallen von beiden – verschwendet und die Reparaturen am Gebäude? Pah! Erst ihre neue Mitbewohnerin rückt all das, das Überleben, in den Vordergrund.
Trotz der harschen, distanzierten Fassade, der Tatsache, dass Maeve „Dinge“ getan und Geheimnisse hat, ist ihre Verletzlichkeit, ihre Erschöpfung zu spüren. Genau wie jene Müdigkeit von Elizabeth. Während die eine versucht, mit Härte und Arbeit gegen Erinnerungen und Gedanken anzukommen, flüchtet sich die andere zwischen Buchdeckeln, schreibt über die, die ihr Heim aufsuchten. Je mehr Tage vergehen, umso näher rücken die zwei unterschiedlichen Mädchen zusammen. Dabei hat sich Liz geschworen, niemals wieder einen anderen zu brauchen, haben sie doch bisher alle verlassen …
Und vielleicht sollte sie wirklich keiner Fremden vertrauen.

„The Last Bookstore on Earth“ basiert auf einer originellen Idee, deren Potenzial leider kaum angerührt wurde. Sowohl die Katastrophe selbst als auch die Figuren und das „davor“ werden auf eine Art oberflächlich behandelt, die es schwer macht, mitzufiebern -und zufühlen. Anekdoten und weitere Erinnerungen, die die gegenwärtige Handlung rege unterbrechen, minimieren zusätzlich das Vorankommen und die Spannung; auch die Kapitel, die uns in die Monate vor den ersten „Sturm“ führen, sind nur bedingt relevant, jedoch zumindest so aufschlussreich, dass wir einen Eindruck von Liz’ familiärer, angespannter Situation bekommen und uns gewahr werden, dass die Menschen wussten, dass sie ahnten, das etwas Zerstörerisches kommen wird.
Da weder Elektrizität noch technische Errungenschaften vorhanden bzw. funktionsfähig sind, und wir lediglich durch Liz, die in New Jersey lebt(e), und durch Maeve, die aus New York stammt, einen Eindruck von den Ausmaßen der Naturkatastrophe bekommen, bleibt fraglich, wie es um andere Kontinente steht. Wirkt dieser Umstand frustrierend und lückenhaft, ist er doch logisch. Dennoch fehlte mir „mehr“ – über die Ursachen und Auswirkungen, über Empfehlungen und Maßnahmen der Obigen – solche Informationen hätten die Rückblenden aufgewertet und dem Szenario Tiefe verliehen.
Die beiden Hauptfiguren, ihre jetzigen Versionen, wurden hingegen nahbar ausgearbeitet, ihre freundschaftliche Entwicklung war oft humorvoll und stellenweise herzerwärmend. Obgleich es zwischen Maeve und Liz leise knistert, sind romantische Empfindungen nur zu erahnen.
In den letzten Kapiteln steigt das Tempo signifikant an, die Zeit läuft, die Gefahren sind zu nah – es wird emotional und mitreißend. Bis ein – mMn – unbefriedigendes, zu schnelles Ende die Geschichte beendet.
Positiv möchte ich den Stil von Lily Braun-Arnold erwähnen, der einfach wunderbar zu lesen war und mich trotz meiner Kritik an der Geschichte durch die Seiten zog. Gefühlvoll, modern, mit passendem Zynismus und einem sarkastischen Unterton, sorgt die Autorin trotz aufwallender Beklemmung und Tristesse für unterhaltsame Lesestunden.

Dieses Buch ist keine übliche Dystopie, umfängt uns nicht mit der typisch drückenden, vorsichtheischenden Atmosphäre. Auch stehen weder Ereignisse noch Spannung im Vordergrund. Eher nehmen Liz „Wachsen“, ihre Gedanken den Fokus ein, die Frage, was Menschen bereit sind zu tun, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen, ihnen nicht anderes übrig bleibt als zu kämpfen.
Lily Braun-Arnold thematisiert Freundschaft und Vergebung, appelliert daran, das Glück zu suchen, wenn auch die Welt untergeht. Die Schönheit im Schrecken zu finden.

„Es sieht schön aus. Ich bin jedes Mal überrascht, in diesen Tagen Schönheit zu finden. Die Ästhetik der Apokalypse ist nicht immer ansprechend, aber dieser Sonnenuntergang ist wunderschön. Pinterestwürdig. Eine Pinterest-Pinnwand zum Walduntergang.“

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