Kaum charakterliche Entwicklung, wenig Worldbuilding, wenig Stärke - dafür Spice.
Die Skaland-Saga, Band 1 - A Fate Inked in Blood(Nordische) Mythologie, raue Welten und starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich aus patriarchalischen Systemen, ihren vorbestimmten Rollen und den Erwartungen befreien – lieben ...
(Nordische) Mythologie, raue Welten und starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich aus patriarchalischen Systemen, ihren vorbestimmten Rollen und den Erwartungen befreien – lieben wir!
Dementsprechend war „A Fate Inked In Blood“ ein Muss für mich. Was mit viel Potenzial und Amüsement begann, entpuppte sich leider als eine 0815-Romantasy, in der die Protagonistin weder von ihrer Naivität noch von der vermeintlich Sympathiepunkte bringenden Selbstlosigkeit, geschweige denn ihrem pubertären Gehabe abzubringen ist.
Von klein auf wurde Freya dazu angehalten, ihre Kraft zu verbergen, um weder sich noch ihre Familie in Gefahr zu bringen. Heute ist sie eine (zwangs)verheiratete, junge Frau, nicht mehr als Arbeitskraft und Zuchtstute, degradiert zum Eigentum eines Mannes. Als sie eines Tages auf einen Fremden trifft, ändert sich alles – und doch nichts. Denn selbst mit Offenlegung ihres streng gehüteten Geheimnisses bleibt Freya eine Spielfigur, ein Mittel zum Zweck, Besitz. Und sollte sie sich nicht an die Regeln halten, leiden jene, die sie liebt. Jene, die sie verkauft, belogen und verraten haben …
Nur Bjorn – ebenso mit göttlichem Blut gesegnet – sieht in Freya einen ebenbürtigen Menschen und mehr als die Schildmaid, die laut einer Prophezeiung das Reich einen – oder eine Schneise aus Tod und Blut hinterlassen – soll.
So sehr es zwischen den beiden bitzelt und knistert … ist er doch der Sohn ihres Gemahls.
Danielle L. Jensen führt uns rasch in ihre Geschichte, sodass wir Freya und ihre Situation, die sich im Verlauf mehrfach wandelt, meist schlimmer und auswegloser wird, genau kennenlernen und verfolgen.
Bereits zu Beginn zeigt sich, dass wir in einem direkten, leichten und oftmals unpassend saloppen Ton durch die Handlung geführt werden. Einerseits sorgt dies für etliche humorvolle Momente, andererseits ist es schwer, sich des Ernstes, der dem kompletten Geschehen theoretisch zugrunde liegen sollte, gewahr zu werden. Zwar waren die spritzigen, oft anzüglichen Schlagabtausche zwischen Freya und Bjorn von Anfang an unterhaltsam, die direkten, impulsiven Worte und Überlegungen der Schildmaid schienen stark, doch zahlreiche explizite, lüsterne Szenen/Vorstellungen torpedierten die Storyline, untergruben Spannung und Gefahr. Wenig zuträglich für das historische, mystisch-kühle Setting war auch die Art, wie diese formuliert wurden.
Da einzig aus der Sicht der Schildmail erzählt wird, sind wir ausgiebig Teil ihres – öfter anstrengenden – Wankens, ihrer Meinungen und Sichtweisen. Nur in wenigen Momenten ist Freyas Stärke zu spüren, ein Hauch Gnadenlosigkeit und der Wille, etwas (für sich) zu verändern. Größtenteils bleibt sie festgefahren in ihrer Naivität, ihren unverrückbaren Ansichten und, auch im Angesicht von Verrat und einer Wahl, ihrer selbstlosen Gutherzigkeit.
Für Interesse sorgen jedoch die unberechenbaren Gegebenheiten – von Angriffen, Kämpfen und perfiden Plänen bis zu mysteriösen Prophezeiungen und göttlichen Prüfungen – und eine Fülle undurchsichtiger Figuren, wie bspw. Ylva und der fanatische Snorri. Auch Bjorn war trotz steter Präsenz und diverser Facetten schwer zu greifen und macht insgesamt aufgrund seines Verhaltens neugierig.
Worldbuilding, (Halb)Götter und Mythologie blieben abgesehen von eingeworfenen Erwähnungen ziemlich auf der Strecke. Actionreiche Szenen wurden, im Gegensatz zum romantischen Aspekt und zögernden, zweifelnden Monologen seitens der Auserwählten, rasch abgehakt. Schade, immerhin bietet die Situation, in der sich Skaland und alle BewohnerInnen des Reiches befinden, reichlich Potenzial für eine fesselnde, temporeiche Geschichte. Ohne Frage bleibt die Stimmung durchweg angespannt. Es gab blutige Überraschungen, unerwartete Offenbarungen und heikle Entscheidungen, Rachsucht und Boshaftigkeit.
Wenn auch nicht alle Entwicklungen unvorhersehbar waren, es Welt und Mythologie an Ausarbeitung, den Charakteren an tiefen, greifbaren Emotionen sowie durchweg an Ernst und charakterlicher Stärke fehlte; der Plot selbst löchrig scheint, ist das Ende eines, welches trotz aller Kritik Lust auf das Finale macht.