Zu hohe Erwartungen meinerseits.
Dragon Games - Liebe aus Flammen„Liebe aus Flammen“ ist das Finale der High-Fantasy-/Romantasy-Trilogie „Dragon Games“ und beginnt, wo der Vorgänger endete. Zuvor nahm sich Ursa Jaumann jedoch erneut die Zeit, die bisherigen Ereignisse ...
„Liebe aus Flammen“ ist das Finale der High-Fantasy-/Romantasy-Trilogie „Dragon Games“ und beginnt, wo der Vorgänger endete. Zuvor nahm sich Ursa Jaumann jedoch erneut die Zeit, die bisherigen Ereignisse zusammenzufassen und relevante Charaktere vorzustellen.
Während Victoria Black auf dem Verlorenen Kontinent noch immer um ihr (Über)Leben bangt, sich auf die körperlich und mental anstrengende Prüfung zur Dragonoath vorbereiten muss und im Zwiespalt – hin- und hergerissen zwischen all dem, was sie zu wissen glaubte, und den Wahrheiten, die sie mit eigenen Augen sieht, zwischen den in ihr streitenden Gefühlen – zergeht, setzt James de Burgh alles – Ressourcen, Vermögen und Männer – daran, seine Lady zurückzuholen. Nicht mal vor dem Eisernen Rat, Druck und Drohung macht der einstige Drachenritter halt. Dabei ist fraglich, ob er und Onyx das Kulethische Meer – wenngleich Professoren und Techniker an einer Lösung arbeiten – überwinden können, seine Liebe noch lebt und Feridum ausreichend für einen Krieg aus unbekannter Richtung gerüstet ist … denn dieser wird kommen.
Ursa Jaumann führt uns langsam in die gegenwärtigen Situationen der Protagonisten, schenkt uns weitere Einblicke in das naturverbundene Dasein der Látaiea und nimmt auch Bezug auf die hier herrschenden Uneinigkeiten. Die Welt außerhalb des auf technischen Fortschritt und Profit fixierten Imperiums kam malerisch zur Geltung – wenn gleich dieses Land nicht ohne Gefahren ist, Vic noch immer Feindseligkeit zuteilwird und vor ihr Aufgaben liegen, die ihr alles abverlangen, sie alles kosten könnten.
Killian, der alles daran setzt, dass sich Victoria in seinem Clan integriert, sich zu Hause fühlt, sorgt mehrfach mit seiner verletzlichen Seite, seiner Offenheit und der Art, wie er die Drachenritterin herauszufordern vermag, daran erinnert, wer sie wirklich ist, für überraschende und intensive Momente. Dabei hofft er inständig, dass Victoria wahrlich für die gleichen Überzeugungen wie das Vergessene Volk, an seiner Seite, kämpfen wird … selbst wenn sie wieder in James’ Arme sinken sollte.
Die Anziehung zwischen Victoria und ihrem „Entführer“ war unterhaltsam, immer häufiger troffen Gefühle und Wahrheiten hinter Witz und seichtem Geplänkel hervor. Bereits im Vorgänger schwang die Ahnung schwerer, emotionaler Entscheidungen mit – nun gibt die Autorin ihrer Fantasystory mit dem direkten Why-Choose-Trope etwas Frisches und zeigt, dass unkonventionelle Beziehungsmodelle auch außerhalb einer spicy, darken Romance funktionieren.
Das klingt alles ganz nett, ich weiß, aber leider konnte mich der Abschluss der „Dragon Games“-Trilogie nicht gänzlich überzeugen. Fand ich den Auftakt originell und durchweg spannend, den zweiten Band zumindest großteils interessant und unterhaltsam, wollte der Funke hier nicht überspringen. Zum einen, weil sich die ~660 eBook Seiten zogen – durch unnötig ausgeschmückte Szenen, ein „Auf der Stelle treten“ sowie Vics immer gleiche Gedankengänge und ihr ausgiebiges, sich im Kreis drehendes Gefühlschaos. Geduldsprobe pur! Auch der Stil selbst wirkte auf mich dieses Mal nicht so durchdacht und wohlüberlegt wie gewöhnlich, sondern recht einfach und lasch. Worte fehlten, Informationen und Formulierungen – bspw. leidenschaftliche Geständnisse, die langfristig an Wirkung einbüßten, und die Monologe – wiederholten sich – und wo ist eigentlich die taffe, starke Protagonistin aus 𝐇𝐞𝐫𝐳 𝐚𝐮𝐬 𝐅𝐞𝐮𝐞𝐫 hin?
Diese Serie entwickelte sich mMn zu einer 0815-Romantasy, die Gegebenheiten, Ziele und die aussagekräftigen Themen – Missstände, Unterdrückung, Ausbeutung, Klimawandel, Umweltverschmutzung (…) – oftmals aus den Augen verlor und Zweifel/Überlegungen romantischen Ursprungs in den Vordergrund rückte.
Erst nach etwa 60 % nahmen Tempo, Ereignisdichte und Spannung merklich zu, inkl. Dramatik und Twists, die die Kraft haben, Herzen zu brechen.
Actionreiche Szenen sowie jene mit Drachen sind lebendig, die Traditionen und Rituale mystisch inszeniert, wenn auch fantastische Elemente und Steampunk-Vibes nur als Hintergrundrauschen vernehmbar waren. Aufbrausende Reden und Offenbarungen, die nicht nur Beziehungen ins Wanken, sondern eine Gesellschaft auslöschen könnten, kamen ebenso wenig zu kurz wie Verluste und die (persönlichen) Opfer, die es braucht, um Veränderungen, dauerhafte, zu generieren. Der Plan der Látaiea, der vor allem in den letzten Kapiteln Beachtung und Aktivismus fand, sowie die Gründe und Vorgehensweisen waren durchdacht und einfallsreich. Letztlich war es aufregend, Victoria, gezeichnet von Blut, Trauer und Schmerz, dabei zu begleiten, wie sie zu ihrem alten Selbst, ihrer Stärke zurückfand.
Zwischen all den Trümmern warten auch ein zauberhaftes Wunder, die Hoffnung auf Gleichheit und der Beginn von etwas Neuem.
Für welches Leben, welche Liebe sich Victoria entscheidet? Ob das Stahlimperium fällt und die Drachen Freiheit erfahren – oder ob der Verlorene Kontinent mitsamt der Geheimnisse und der Magie untergeht? Findet es heraus.
Fazit: Trotz aller Kritik ist „Liebe aus Flammen“ kein schlechtes Buch, nur eben nicht das, was ich nach dem starken, originellen Auftakt erwartet habe. Mir fehlte es schlicht an Abwechslung im Geschriebenen und größtenteils an einem Vorankommen im Verlauf.