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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2025

Interessante Ausgangslage, spannendes Finale, gleichzeitig aber auch einige Längen

Amokspiel
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Inhalt: Gerade als die Kriminalpsychologin Ira Samin ihrem Leben ein Ende setzen möchte, wird sie zu einem Notfall gerufen: Ein Mann hat sich in der Zentrale eines Radiosenders verschanzt und droht seine ...

Inhalt: Gerade als die Kriminalpsychologin Ira Samin ihrem Leben ein Ende setzen möchte, wird sie zu einem Notfall gerufen: Ein Mann hat sich in der Zentrale eines Radiosenders verschanzt und droht seine Geiseln nach und nach zu töten, sollten zufällig angerufene Zuhörer nicht die richtige Parole nennen. Die Geiseln will er nur unter einer Bedingung freilassen: Seine Verlobte soll im Studio erscheinen – allerdings ist diese schon seit Monaten tot…

Persönliche Meinung: „Amokspiel“ ist ein Thriller von Sebastian Fitzek. Erzählt wird die Handlung aus verschiedenen personalen Perspektiven, wobei Ira die Hauptperspektive bildet. Dadurch erhält man immer wieder unterschiedliche Blickwinkel auf die Situation, sodass durch das neue Wissen eine latente Spannung entsteht. Ira ist eine Anti-Heldin: Seit dem Suizid ihrer Tochter, für den sie sich die Schuld gibt, ist sie alkoholabhängig; eigentlich möchte sie gar nicht im Geiseldrama vermitteln, da sie selbst mit ihrem Leben abgeschlossen hat. Die Handlung dreht sich hauptsächlich um die Geiselnahme, wobei schnell deutlich wird, dass vieles nicht so ist, wie es zunächst den Anschein hat. Vor allen Dingen die Geschichte der Verlobten hält einige Geheimnisse bereit, was nach und nach enthüllt wird. Allerdings: Stellenweise hatte die Handlung für mich einzelne Längen. Insbesondere die immer wieder geführten Gespräche zwischen dem Geiselnehmer und Ira, in denen sich beide häufig im Kreis drehen, empfand ich als zäh. Ein Stück weit versöhnt mit der Handlung von „Amokspiel“ wurde ich aber durch das Ende des Romans: Hier werden in einem großen Finale die offenen Fäden mit einigen überraschenden Wendungen zu einem stimmigen Ende geführt. Zudem lässt sich „Amokspiel“ sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Amokspiel“ ein Thriller mit interessanter Ausgangslage, gleichzeitig aber auch mit Längen – aufgrund der Auflösung unterm Strich aber eine lohnenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Ein vielschichtiger Horrorroman

Orakel
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Inhalt: Auf einem Blumenfeld zwischen Katwijk und Noordwijk erscheint das Wrack der jahrhundertealten „Orakel“. Wie sie dort hingekommen ist: ein Rätsel, das kaum gelöst werden kann. Denn: Wer durch die ...

Inhalt: Auf einem Blumenfeld zwischen Katwijk und Noordwijk erscheint das Wrack der jahrhundertealten „Orakel“. Wie sie dort hingekommen ist: ein Rätsel, das kaum gelöst werden kann. Denn: Wer durch die Luke des Schiffs steigt, verschwindet spurlos. Daher versucht der niederländische das Auftauchen der „Orakel“ zu verschleiern. Doch bald wird klar: Die Auswirkungen des Auftauchens der „Orakel“ sind schwer kleinzuhalten…

Persönliche Meinung: „Orakel“ ist ein Horrorroman von des niederländischen Schriftstellers Thomas Olde Heuvelt. Erzählt wird die Handlung aus einer Vielzahl von Perspektiven: Menschen, die eher zufällig auf die „Orakel“ treffen, kommen ebenso zu Wort wie Geheimdienstmitarbeiter. Ankerperspektiven sind dabei Robert Grim, ein Ermittler für Übernatürliches, der das Geheimnis der „Orakel“ lüften möchte, sowie Luca, ein 13-jähriger Junge, der die „Orakel“ entdeckt. Die Handlung, die sich über 650 Seiten erstreckt, ist sehr vielfältig und voll mit Überraschungen, sodass ich hier nur zwei Wegmarken festhalten möchte: Einen Schwerpunkt bildet Mystery/Horror: Vieles – insbesondere um die „Orakel“ – ist rätselhaft und unerklärlich; mehrfach finden sich handfeste Horrorszenen mit besonderen Wesen, die Thomas Olde Heuvelt sehr stark beschreibt. Daneben bildet ein Coming of Age-Plot einen weiteren Schwerpunkt. Luca muss aus bestimmten Gründen innerhalb kurzer Zeit erwachsen werden, wobei mir hier besonders die Darstellung der ersten Liebe gefallen hat. Auch das Setting der Handlung fand ich klasse: Oft sind Horrorromane ja in den USA angesiedelt. Dies ist hier anders, was ich sehr erfrischend fand: Der Roman spielt quasi vor der Haustür und die niederländischen Küstenorte sowie die Nordsee werden anschaulich beschrieben. Insgesamt ist „Orakel“ ein wendungsreicher, anschaulich geschriebener Horrorroman mit interessanten Figuren sowie Handlungsorten.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Eine schön erzählte Coming of Age-Novelle

Zweier ohne
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Inhalt: Seit Ludwig neu in die Klasse von Johann gewechselt ist, sind die beiden beste Freunde. Beide lieben den Rudersport – doch mehrfach müssen sie hinter den rudernden Zwillingen aus Potsdam den zweiten ...

Inhalt: Seit Ludwig neu in die Klasse von Johann gewechselt ist, sind die beiden beste Freunde. Beide lieben den Rudersport – doch mehrfach müssen sie hinter den rudernden Zwillingen aus Potsdam den zweiten Platz im Zweier ohne hinnehmen. Daher fassen sie einen Entschluss. Sie stimmen ihr Leben aufeinander ab, überlegen, was sie wie viel essen, treffen sich häufig, teilen alle Geheimnisse, um selbst im Gleichklang zu existieren – und letztlich wie Zwillinge zu sein.

Persönliche Meinung: „Zweier ohne“ ist eine Coming of Age-Novelle von Dirk Kurbjuweit. Erzählt wird die Handlung aus der retrospektiven Ich-Perspektive des erwachsenen Johann. Dieser zeichnet Stationen seiner Freundschaft mit Ludwig nach, wobei mehrere Coming of Age-Elemente bedient werden: die erste Liebe (körperlich wie seelisch), die Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen sowie die Abgrenzung von den Eltern. Eine Besonderheit der Geschichte ist Ludwig: Er ist extremer als Johann, zieht die Zwillingsidee intensiver durch und besitzt einen Hang zum Morbiden (Das Haus, in dem Ludwig wohnt, liegt an einer Brücke, an der sich Fälle von Suizid häufen. Mehrfach findet Ludwig Leichen im Garten und untersucht diese). Dadurch umweht die Figur Ludwig eine rätselhafte Aura, die bis zuletzt nicht völlig aufgelöst wird (was eine große Stärke der Novelle ist). Eine zweite Besonderheit ist der Erzählstil der Novelle. Einerseits wird nostalgisch und wehmütig erzählt; zugleich hat die Erzählung einen lyrischen Ton. Insgesamt ist „Zweier ohne“ eine spannende, schön erzählte Coming of Age-Novelle.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Eine schöne Liebeserzählung für zwischendurch

Honigkuchen
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„Honigkuchen“ ist eine Erzählung von Haruki Murakami. Sie wird von einem allwissenden Erzähler erzählt und dreht sich um die drei Freunde Junpei, Sayoko und Takatsuki, die sich während des Studiums kennengelernt ...

„Honigkuchen“ ist eine Erzählung von Haruki Murakami. Sie wird von einem allwissenden Erzähler erzählt und dreht sich um die drei Freunde Junpei, Sayoko und Takatsuki, die sich während des Studiums kennengelernt haben. Da die Erzählung vergleichsweise kurz ist, möchte ich inhaltlich nicht zu viel vorwegnehmen. Nur: Es handelt sich im Kern um eine Liebesgeschichte. Insbesondere Junpei, ein mäßig erfolgreicher Schriftsteller, ist mit seinen Sorgen, Hoffnungen und Ängsten eine dreidimensional gezeichnete Figur. Die Erzählung insgesamt besticht durch ihren feinen, klaren und ruhigen Ton. Sehr gelungen sind auch die Illustrationen von Kat Menschik, die den Text ergänzen: Diese sind in einem Pop Art-Stil gehalten und zum Einrahmen schön. Insgesamt ist „Honigkuchen“ eine einfühlsame Liebeserzählung für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Ein historischer Krimi mit Fokus auf dem Historischen

Die Nordseefalle
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Inhalt: Theodor Storm hat einen neuen Mandanten: den Tagelöhner Hinrich Dahl. Dieser wird beschuldigt, nach einer durchzechten Nacht einen Fremden erstochen zu haben. Brisant: Der Fremde war Däne, wodurch ...

Inhalt: Theodor Storm hat einen neuen Mandanten: den Tagelöhner Hinrich Dahl. Dieser wird beschuldigt, nach einer durchzechten Nacht einen Fremden erstochen zu haben. Brisant: Der Fremde war Däne, wodurch die Husumer Justiz nur bedingt agieren kann. Storm, der von der Unschuld seines Mandanten überzeugt ist, reist daher kurzerhand auf die Insel Föhr, wo gerade der dänische Hofstaat residiert…

Persönliche Meinung: „Die Nordseefalle“ ist ein historischer Krimi, der in Husum und Umgebung spielt. Es handelt sich um den vierten Storm-Krimi (da die Fälle in sich geschlossen sind, lassen sich die einzelnen Teile auch unabhängig voneinander lesen). Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Peter Söt, dem Schreiber von Theodor Storm. Storm und Söt bilden hier ein Ermittlergespann à la Holmes und Watson. Eine große Stärke des Romans ist seine historische Akkuratesse: Der historische Hintergrund sowie die Lebenslagen der Protagonisten sind stimmig und basieren – wie das Nachwort aufzeigt – auf detailreicher Recherche; die beiden Handlungsorte Husum und Föhr werden ebenfalls schön in das historische Setting eingebunden und insgesamt atmosphärisch dicht beschrieben. Der Schreibstil ist ingesamt klar und besitzt eine passende, leicht altertümliche Patina. Allerdings: Vor diesem wirklich brillanten Historischen blieb für mich die Krimihandlung zu blass. Storm und Söt ermitteln kaum, stolpern eher über Leichen und die prinzipiell spannende Lösung des Falls konnte ihr eigentliches Potential für mich nicht völlig entfalten. Insgesamt ist „Die Nordseefalle“ daher eher eine Lektüre für Liebhabende des Historischen als des Kriminellen – die Reihe insgesamt möchte ich dennoch jedem ans Herz legen, da sie durch den Ermittlern Theodor Storm wirklich einmalig ist!

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