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Veröffentlicht am 27.06.2025

Ein packend geschriebener Weltraumroman mit zusätzlicher Ebene

Atmosphere
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Der neue Roman von Taylor Jenkins Reid war tatsächlich mein erster von ihr, obwohl mensch an ihrem Namen in der Buch-Bubble natürlich nicht vorbeikommt. Und ich kann es nun sehr gut verstehen: Diese Autorin ...

Der neue Roman von Taylor Jenkins Reid war tatsächlich mein erster von ihr, obwohl mensch an ihrem Namen in der Buch-Bubble natürlich nicht vorbeikommt. Und ich kann es nun sehr gut verstehen: Diese Autorin kann absolut packend schreiben und porträtiert inspirierende Frauen ohne ins Pathetische abzudriften.

Jane Goodwin schafft es als eine der ersten Frauen, ins SpaceShuttle-Programm der NASA aufgenommen zu werden. Entsprechend vorprogrammiert sind natürlich auch patriarchale Strukturen und sexistische Abwertung am Arbeitsplatz. Diese werden thematisiert, nehmen aber keinen allzu großen Raum ein, was ich im Rahmen der Gesamthandlung auch okay fand. Obwohl Reid sich, dem Nachwort entsprechend, einige künstlerische Freiheiten herausgenommen hat, ist der Roman voller technischer und organisatorischer Details. Das mochte ich einerseits total gern, fand es streckenweise aber auch etwas zäh.

Doch „Atmosphere“ ist weit mehr als ein Weltraumroman! Es ist auch eine Geschichte über Queer Awakening, queeres Leben in einer überaus queerfeindlichen Umgebung und über Selbstfindung. Gerade letzteres driftet ja gerne auch mal ins Pathetische ab, was hier überhaupt nicht der Fall ist. Ich mochte nämlich ganz besonders an diesem Roman, dass seine Figuren erwachsen gezeichnet sind und sich auch entsprechend verhalten. Das Drama kommt eher aus dem Rahmen und nicht aus der zentralen Beziehung selbst. Je älter ich werde, desto genervter bin ich von ewig andauernden Kommunikationsproblemen! 🙈

Die Liebesgeschichte ist ehrlich, authentisch und einfach nett zu verfolgen. Mit geschickten Vor- bzw. Rückblenden hält Reid die Lesenden bei der Stange. Sie schafft es dadurch, eine primär von Alltag geprägte Haupthandlung absolut packend einzurahmen. Denn was sich auf dem zentralen Weltraumflug ereignet, hat mich am Ende mit Tränen in den Augen zurückgelassen…

Besonders erwähnen möchte ich auch noch die Beziehung von Jane und deren Nichte Frances. Absolut ergreifend wird hier noch einmal auf andere Weise das Konzept „Familie“ diskutiert. Janes Schwester Barbara war mir persönlich am Ende zu überzeichnet, was meine Lesefreude minimal getrübt hat.

Ein großartiger Roman, der mich enorm unterhalten hat und dessen Hauptfiguren ich wirklich sehr mochte. Ich wünsche ihm sehr viele Leser*innen und bin mir sicher, dass er viele auf eine angenehme Art inspirieren kann.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Oh, was für ein bitterböses und fesselndes Werk

Blaues Wunder
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Also, ich muss ja sagen, Anne Freytag hat mich hier von den Socken gehauen! Ich kenne die Autorin von ihren Jugendromanen und hatte da nur die sanften, manchmal traurigen Texte im Gedächtnis. Und dann ...

Also, ich muss ja sagen, Anne Freytag hat mich hier von den Socken gehauen! Ich kenne die Autorin von ihren Jugendromanen und hatte da nur die sanften, manchmal traurigen Texte im Gedächtnis. Und dann ist „Blaues Wunder“ so ein messerscharfer Pageturner?! Ihr literarisches Werk reizt mich ab sofort sehr.

Für dieses Buch muss mensch sicherlich in Stimmung sein, aber ich möchte es dennoch allen ans Herz legen. Die Geschichte ist bitterböse, bissig ohne Ende und strotzt nur so vor Intrigen und Rachegelüsten. Wir begleiten die Ehefrauen von drei Männern, die beruflich miteinander verbunden sind: Walter als Chef und Ferdinand sowie Kilian als Anwärter auf den Chefsessel. Nora, Franziska und Rachel sind alle wohlhabend und teilen doch ein ähnliches Schicksal: verachtet, belächelt und unterschätzt. Freytag rückt diese Randfiguren nun ganz klar ins Zentrum ihres Romans - und wie sie das macht!

Der gemeinsame Kurzurlaub auf einer Yacht ist von Anfang an eine Farce. Dank der wechselnden Perspektiven lernen wir schnell, wie alle ein abgekartetes Spiel spielen. Ich habe mich zwischenzeitlich gefühlt wie in „Gossip Girl“! Der Roman ist außerdem extrem spannungsgeladen und bleibt bis zum Schluss fast thrillerhaft. Ich konnte nicht aufhören und bin wirklich von Anfang bis Ende begeistert! Und obwohl immer mal wieder kleine Hints eingestreut werden, war ich vom Schluss überrascht.

Einziges Manko und kleiner Abzug beim Hörbuch: Die Sprecherin war nicht ganz ein perfektes Match für mich. Außerdem fand ich es manchmal schwer, den Perspektivwechseln zu folgen, obwohl die jeweils erzählende Figur am Kapitelanfang vorgestellt wird. Deshalb stelle ich mir das Buch tatsächlich im gelesenen Zustand noch besser vor. Wobei die Sprecherin den bissigen Zynismus und Sarkasmus wirklich gut umgesetzt hat.

Freytag schreibt mit einer psychologischen Raffinesse, die süchtig macht. Klare Empfehlung für alle mit Lust auf female rage and revenge! Ich habe es sehr gefeiert, auch wenn es phasenweise harter Tobak ist.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Ein ruhiges und spannendes Werk über menschliche Zwischentöne

Nebenan
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Mir hat Kristine Bilkaus Roman richtig gut gefallen. Mit seinem ruhigen Ton erfüllt er genau das, was ich an norddeutschen Romanen so gern mag. Außerdem liebt die Autorin ihre Figuren spürbar und hat ein ...

Mir hat Kristine Bilkaus Roman richtig gut gefallen. Mit seinem ruhigen Ton erfüllt er genau das, was ich an norddeutschen Romanen so gern mag. Außerdem liebt die Autorin ihre Figuren spürbar und hat ein unglaubliches Talent für die Feinheiten menschlichen Lebens sowie menschlicher Beziehungen.

Ich würde wahrscheinlich empfehlen, das Buch nach Möglichkeit lieber zu lesen statt zu hören, da ich die wechselnde Erzählperspektive im Hörbuch nicht so gut umgesetzt fand. Hier wäre es sinnvoll, jedes neue Kapitel, in dem eine andere Figur erzählt, klar abzugrenzen. So bin ich leider ganz schön oft durcheinandergekommen.

Der Roman basiert auf den mysteriösen Umständen rund um ein verlassenes Haus, deren Spannung bis zum Ende nicht ganz aufgelöst wird. Ich persönlich fand das okay, denn das ist gar nicht der Punkt des Romans. Vielmehr geht es um verschiedene Herausforderungen menschlicher Existenz. Bilkau schafft es, die Komplexität des Lebens gut und einfühlsam abzubilden und schreibt dabei sehr unaufgeregt. So geht es zum Beispiel um [TW!] unfreiwillige Kinderlosigkeit, Fehlgeburt und die darauf folgende Isolation in unserer Gesellschaft. Es geht um Partner*innenschaften in sich verändernden Lebenslagen, andeutungsweise auch um häusliche Gewalt und einen möglichen Umgang mit entsprechenden Vermutungen.

Überhaupt steht Isolation immer wieder im Mittelpunkt der Handlung. Ganz zentral thematisiert die Autorin so auch den Verfall eines kleinen Ortes und wie infolgedessen viele Menschen, insbesondere junge und ältere, in die häusliche Isolation getrieben werden. Besonders positiv fiel mir Bilkau außerdem in ihrem Respekt jungen Menschen gegenüber auf. Gerade auch deren Räume müssen nämlich oft weichen, weil sie keinen Profit abwerfen, obwohl sie so immens wichtig sind.

Der Roman hat mich schnell für sich eingenommen, weil er es schafft, die Isolierung vieler Menschen abzubilden und sie doch gleichzeitig auch miteinander in eine zarte Verbindung zu bringen, da sich ihre Wege in dem kleinen Ort kreuzen. Er hat mich wieder einmal daran erinnert, dass alle Personen um mich herum ihre eigenen Herausforderungen mit sich tragen. Ein Buch, das ich nur empfehlen kann und bestimmt auch noch einmal lesen würde, weil es emotional lange in mir nachwirkt.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Lesenswerter Coming-of-Age-Roman mit viel Herz, Humor und Ernsthaftigkeit

The Lesbiana's Guide to Catholic School
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Mir hat dieser thematisch vielfältige Roman wirklich außerordentlich gut gefallen. Ich kann mir Yami richtig gut als Protagonistin einer Serie vorstellen, weil sie mich an Devi aus „Never have I ever“ ...

Mir hat dieser thematisch vielfältige Roman wirklich außerordentlich gut gefallen. Ich kann mir Yami richtig gut als Protagonistin einer Serie vorstellen, weil sie mich an Devi aus „Never have I ever“ erinnert hat. Sie ist einfach eine sehr zugängliche, direkte und nahbare Figur, die ich emotional oft gut nachvollziehen konnte und äußerst authentisch fand.

Mit einem tollen Humor und ganz viel Herz hat Sonora Reyes hier eine diskriminierungssensible Geschichte geschrieben, in welcher them wohl viel aus eigener Erfahrung spricht. Und das macht sich darin bemerkbar, dass der Text wirklich extrem einfühlsam und verständlich geschrieben ist. Gleichzeitig bespricht das Buch auch sehr schwere und wichtige Themen. Es geht um Rassismus und Queerfeindlichkeit, ganz besonders in einem katholisch geprägten Umfeld, aber auch um mentale Gesundheit. Ich finde es sehr gut, dass Reyes diese Themen hier in einen Roman gepackt hat, der eine junge Zielgruppe adressiert.

Damit komme ich zu einem ersten kleinen Kritikpunkt: Ich fand in einigen Szenen zu klar auserzählt, was die Protagonistin gerade denkt, ohne dass sie dann jedoch auch die Schlussfolgerung zieht, die mir aufgrund der Informationslage ziemlich klar erschien. Vielleicht, und das ist mir ganz wichtig abzugrenzen, liegt es aber daran, dass ich nicht die Haupt-Zielgruppe bin. Eventuell ist es für eine jüngere Leser*innenschaft wichtig, die Dinge konkreter zu formulieren und weniger zwischen den Zeilen zu belassen. Von daher ziehe ich hier auch nichts von der Wertung ab.

Wofür ich jedoch einen halben Stern abziehe, ist die Glaubwürdigkeit einiger Nebenfiguren. Vielleicht bin ich da auch naiv, aber ich fand den Charakterumschwung mehrmals zu drastisch und damit etwas unglaubwürdig. Das mag durchaus auch der Realität entsprechen und doch hat es mich spürbar gestört.

Das Buch ist insgesamt aber zu gut, um da sonderlich viel zu kritisieren. Die Protagonistin erobert sich im Verlauf der Handlung Raum, was ich sehr empowernd finde. Die farbenfrohe Gestaltung des Romans selbst passt hervorragend zur Kraft seiner Figuren. Er geht absolut mit der Zeit und erinnert in der liebenswerten Art vieler Charaktere an „Heartstopper“, was ihn für mich zu einer klaren Leseempfehlung macht - ganz besonders, aber nicht nur, für ein junges Publikum.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Eine schlau konstruierte Geschichte

Das Fest
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„Das Fest“ ist mein erstes Buch von Lucy Fricke und ich war sehr begeistert. Sie schafft es meisterinnenhaft, subtile Botschaften ohne viele Schnörkel zu vermitteln.

Überwiegend habe ich das Buch als ...

„Das Fest“ ist mein erstes Buch von Lucy Fricke und ich war sehr begeistert. Sie schafft es meisterinnenhaft, subtile Botschaften ohne viele Schnörkel zu vermitteln.

Überwiegend habe ich das Buch als Hörbuch gehört und fand es von Bettina Hoppe wirklich großartig eingesprochen. Sie gibt den Figuren Lebhaftigkeit und macht ihre Unterscheidung voneinander leichter. Denn, und das wäre mein einziger Kritikpunkt, im Text selbst arbeitet Fricke zwar mit direkter Rede, jedoch ohne Anführungszeichen, was die Unterscheidung von Erzählstimme und Dialog nicht immer leicht macht.

Abgesehen von meiner formellen Kritik war ich jedoch vom Inhalt hin und weg! Jakob ist von seinem 50. Geburtstag alles andere als begeistert, blickt pessimistisch in die Zukunft und möchte dem Tag am liebsten keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Seine Freundin Ellen sieht das jedoch anders und so reisen wir an Jakobs Seite in seine Vergangenheit ohne uns aus der Gegenwart wegzubewegen.

Die geschickte Erzählweise hat mir in ihrer Verschränkung von Vergangenem und Gegenwärtigem richtig gut gefallen. Die Sprache ist schörkellos und klar, transportiert jedoch subtil ganz viel. Während Jakobs Körper regelrecht tragikomisch innerhalb eines Tages rasant verfällt, wächst er auf mentaler und sozialer Ebene fast über sich hinaus. Die Handlung ist schlau konstruiert, alles wirkt organisch und doch manchmal auch auffällig schicksalhaft. Alle Figuren sind glaubhaft, vielschichtig und in ihrer Aufrichtigkeit herzerwärmend. Außerdem geht es in der Geschichte nicht nur um Jakob, was ich besonders am Ende einen schönen Twist fand.

Fricke schenkt uns hier eine sehr kurzweilige Geschichte rund um Vergebung, Zwischenmenschliches im Allgemeinen und Liebe im Speziellen. Der Roman ist auf seine besondere Art inspirierend, ohne dabei das Leben zu romantisieren. Er kommuniziert stattdessen ganz klar: Das Altern ist von Veränderungen geprägt, die Angst machen können, aber gemeinsam besser auszuhalten sind.

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