Ma Fille – tragisch-schöne Liebesgeschichte
Die verschwundene TochterDies ist schon der fünfte Band der achtteiligen Saga „Verlorene Töchter“ von Soraya Lane. Für mich war es die erste Begegnung mit dieser Schriftstellerin, die bei mir einen verborgenen Nerv getroffen hat. ...
Dies ist schon der fünfte Band der achtteiligen Saga „Verlorene Töchter“ von Soraya Lane. Für mich war es die erste Begegnung mit dieser Schriftstellerin, die bei mir einen verborgenen Nerv getroffen hat. Ich habe auch zwei Töchter, beinahe hätte ich beide auf ganz unterschiedliche Art verloren. Dass es das größte Glück einer Mutter ist, ihre Kinder glücklich zu sehen, das unterschreibe ich bedenkenlos.
Die Autorin hat einen geschmeidigen, leichten Stil, das Buch liest sich schnell. Aufgebaut ist es in zwei Zeitebenen, zuerst lernt der Leser Evelina Lavigne, Modedesignerin im Paris des Jahres 1937, vor ihrem ersten großen Erfolg kennen. Die Gegenwart füllt Blake aus, eine Journalistin mit angeborenem Hang zu Mode und enormem Kochtalent. Für Jahre hatte sie den Geschwistern die Mutter ersetzt, das Bekochen ist geblieben. Als ihre Zeitschrift in Bedrängnis gerät, macht sie in der Redaktionssitzung einen folgenschweren Vorschlag. Sie hat ein kurioses Erbe, ein kleines Kästchen mit einer Modezeichnung und einem wunderschönen Stoffmuster geerbt, es soll von ihrer Urgroßmutter stammen. Diese hat es in einem Haus für ledige Mütter hinterlassen als Erinnerung für ihre zur Adoption freigegebene Tochter. Aus diesem Erbe will Blake eine Fortsetzungsgeschichte entwickeln, die der Zeitung rettende Leserinnen bescheren soll.
Die Idee von Blake erfordert eine umfangreiche Recherche, die sie auch nach Paris führt. Dort lernt sie Henri, Modekurator und Charmeur, kennen und lieben. Für beide eine Bekanntschaft, die ihr ganzes weiteres Leben berührt. Die Erzählebene um das Leben von Evelina wechselt sich mit der Gegenwart ab und hält die Spannung über 360 Seiten aufrecht.
Das Einzige, was mir an diesem Roman nicht gefallen hat, ist der Name Blake, das ist für mich eher ein männlicher Vorname, aber auch ein Familienname, wie beim Dichter William Blake. Durch diesen Namen empfinde ich zur Hauptperson ein eher distanziertes Interesse. Man soll sich ja nicht von Äußerlichkeiten, der Name gehört auch dazu, leiten lassen, aber die Psychologie funktioniert bei mir offensichtlich anders.
Die Protagonisten sind lebendig und gut vorstellbar, am besten gefiel mir Abby, die Schwester von Blake. Aber auch das Buch selbst, das schöne Cover mit den bedruckten Innenflächen wirkt sehr edel. Der Spruch "Auch wenn die Wahrheit im Verborgenen liegt, das Herz findet seinen Weg." passt sehr gut zum Pariser Flair der Geschichte, das sich auf dem Cover spiegelt.
Fazit: Familienforschung interessiert mich im Allgemeinen sehr, aber dieses Buch ist doch mehr ein Liebes- und Unterhaltungsroman. Gut geschrieben und mit Tiefgang.