Was von der Menschheit bleibt
Was würde mit der Erde und ihren Lebewesen passieren, wenn „morgen“ alle Menschen plötzlich verschwinden? Welche Tier- und Pflanzenarten wären die Nutznießer, wie lange würden die Hinterlassenschaften ...
Was würde mit der Erde und ihren Lebewesen passieren, wenn „morgen“ alle Menschen plötzlich verschwinden? Welche Tier- und Pflanzenarten wären die Nutznießer, wie lange würden die Hinterlassenschaften der Menschheit (etwa Kohlendioxid, radioaktive Abfälle oder Plastikmüll) die Umwelt noch belasten und könnte die Natur tatsächlich zu dem Zustand zurückkehren, in dem sie sich befand, bevor der Aufstieg des Homo sapiens begann? Derartigen Fragen geht dieses Buch nach.
Es handelt sich hier um ein spannendes Gedankenexperiment, von dem ausgehend der Autor immer weitere Kreise zieht. Neben (für ihn) naheliegenden Zielen wie einem Haus in der amerikanischen Vorstadt oder der New Yorker U-Bahn besucht er zahlreiche unterschiedliche Orte, von afrikanischen Nationalparks bis zu entvölkerten Grenzstreifen in Zypern oder Korea, von Industrieanlagen bis zu einem Korallenriff im Pazifik. Der Schwerpunkt liegt aber auf (Nord)Amerika.
Die Herkunft des Autors aus den USA ist also deutlich erkennbar, ebenso seine Herkunft aus dem Journalismus. Die einzelnen Kapitel wirken eher wie unabhängige Zeitungsartikel, was durch viele Interviews und Geschichten zum Hintergrund der Interviewpartner noch verstärkt wird. Mir hat ein bisschen der rote Faden gefehlt. Dennoch ist die Zusammenstellung von Einzelbeispielen aus der ganzen Welt interessant und regt zum Nachdenken an.
Für die „aktualisierte Ausgabe“ 2022 wurde das Buch nur um ein Nachwort ergänzt, der Rest ist jedoch auf dem Stand von 2007. Was die behandelten Themen betrifft, führte dies zwar manchmal zu „Zeitreisefeeling“ (vom Ozonloch habe ich beispielsweise seit Jahren nichts mehr gehört), viele Dinge haben sich aber erschreckend wenig geändert bzw sind in den letzten 17 Jahren noch weitaus schlimmer geworden.
Insgesamt kann ich dieses Werk weiterempfehlen. Obwohl es von den harten Fakten her keine großen Neuigkeiten zu bieten hat, wird sehr gut deutlich gemacht, dass das Leben auch ohne uns weiterexistieren wird und nur hinreichend viel Zeit verstreichen muss, bis fast nichts mehr auf die einstige Existenz der Menschheit hindeutet.