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Veröffentlicht am 23.09.2019

Ausbaufähiger Serienauftakt

Demetrias Rache: Odo und Lupus, Kommissare Karls des Großen - Erster Roman
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Dieser erste Band einer Reihe historischer Krimis ist im Frankenreich Karls des Großen angesiedelt.
Der Kaiser ist bestrebt, Ordnung in sein Reich zu bringen und sein Recht durchzusetzen. Aus diesem Grund ...

Dieser erste Band einer Reihe historischer Krimis ist im Frankenreich Karls des Großen angesiedelt.
Der Kaiser ist bestrebt, Ordnung in sein Reich zu bringen und sein Recht durchzusetzen. Aus diesem Grund entsendet er Teams von Königsboten, darunter auch den Adeligen Odo, angeblich ein Nachfahre der Merowinger, und den rechtkundigen Diakon Lupus. Noch bevor die beiden ihr Mandatsgebiet in Sachsen erreichen, machen sie in einer Grafschaft Station, wo seltsame Dinge vorgehen. Ein Zentgraf soll verschwunden sein und dann wird auch noch dessen Tochter ermordet. Hauptverdächtiger ist der Barde Siegram. Doch Odo und Lupus glauben nicht recht an seine Schuld.

Erzählt wird diese Geschichte von Lupus in Ich-Form. Dies wird aber nicht vollständig durchgehalten - an einigen Stellen tritt er in dritter Person auf, was vielleicht daran liegt, dass nachträglich die Perspektive geändert wurde. Auch sonst haben sich in den Text mehrere Fehler eingeschlichen.
Außerdem bleiben die Protagonisten zu blass. Das ist schade, denn vor allem Odos Persönlichkeit dürfte facettenreicher sein, als es zunächst scheint. Auch sind die Schilderungen zu sachlich, sodass ich nicht wirklich das Gefühl hatte, mitten im Geschehen zu sein.
Immerhin ist die Handlung streckenweise spannend und kann mit ein paar überraschenden Wendungen aufwarten. Allerdings stehen die wesentlichen Aspekte der Auflösung des Falles schon relativ bald fest und es gibt auf dem Weg zur Aufklärung einige unrealistische oder unglaubwürdige Szenen.

Alles in allem ist dies dennoch ein ganz gelungener Auftakt zu einer Reihe, die darüber hinaus vor einem interessanten historischen Hintergrund angesiedelt ist.

Veröffentlicht am 23.09.2019

Eintönige Geschichte um drei Frauen und jede Menge Geheimnisse

Das Geheimnis meines Mannes
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Dieser Roman handelt von drei Frauen, die im Umfeld einer katholischen Schule aufeinander treffen:
Cecilia hat ihr Leben, das sich hauptsächlich um ihre Familie und ihre Tätigkeit als Tupperware-Beraterin ...

Dieser Roman handelt von drei Frauen, die im Umfeld einer katholischen Schule aufeinander treffen:
Cecilia hat ihr Leben, das sich hauptsächlich um ihre Familie und ihre Tätigkeit als Tupperware-Beraterin dreht, fest im Griff, bis ihr zufällig ein alter Brief ihres Mannes John-Paul in die Hände fällt, der erst nach seinem Tod geöffnet werden soll. Er reagiert seltsam, als sie ihn darauf anspricht, weshalb sie sich dazu entschließt, den Brief zu lesen.
Auch Tess muss mit einer schlimmen Überraschung zurechtkommen, als sie erfährt, dass ihr Mann Will und ihre Cousine und beste Freundin Felicity sich ineinander verliebt haben. Überstürzt fährt sie mit ihrem Sohn zu ihrer Mutter, wo sie einige alte Bekannte wiedertrifft.
Währenddessen hat Rachel den Tod ihrer Tochter vor mehr als zwanzig Jahren noch nicht überwunden.

Diese Handlungsstränge werden abwechselnd erzählt, weisen aber natürlich viele Bezüge zueinander auf.
Die Protagonistinnen und auch diverse Nebenfiguren sind interessant gezeichnet und mit jeweils eigenen Persönlichkeiten sowie Stärken und Schwächen ausgestattet. Aufgrund des lebendigen und einfühlsamen Stils konnte ich mich auch überwiegend gut in sie hineinversetzen.

Die Handlung als solche ist jedoch über weite Strecken eher langweilig. Die Protagonistinnen denken wieder und wieder über die immer gleichen Dinge nach, meist ohne zu neuen Ergebnissen zu gelangen. Auch sind die meisten Geschehnisse vorhersehbar. Lediglich gegen Ende gibt es ein paar Überraschungen. Spannung kommt aber jedenfalls keine auf.

So konnte mich dieser Roman trotz einer vielversprechenden Grundidee und einiger eindrucksvollen Szenen nicht wirklich begeistern. Ich habe von der Autorin schon Besseres gelesen.

Veröffentlicht am 23.09.2019

Schatten der Vergangenheit

Totenbauer
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Auch im zweiten Münsterland-Krimi von Tom Finnek müssen Heinrich Tenbrink, Maik Bertram und ihre Kollegen einen verzwickten Fall lösen.
Die letzten Worte eines ermordeten Altenpflegers geben Rätsel auf. ...

Auch im zweiten Münsterland-Krimi von Tom Finnek müssen Heinrich Tenbrink, Maik Bertram und ihre Kollegen einen verzwickten Fall lösen.
Die letzten Worte eines ermordeten Altenpflegers geben Rätsel auf. Wer ist der „tote Bauer“? Hat er tatsächlich etwas mit dem Mord zu tun oder handelt es sich hierbei um eine falsche Fährte? Und wie hängt der Fall mit einem Verbrechen zusammen, das vor Jahren auf Kreta geschehen ist?
Daneben haben die Ermittler auch mit persönlichen Problemen zu kämpfen. Tenbrink, der sich im Krankenstand befindet, aber dennoch einige „Stöbereinsätze“ unternimmt, kommt der Ursache für seine Gedächtnisaussetzer auf die Spur, während Bertram von seiner Vergangenheit eingeholt wird.

Diese Geschichte wird flott erzählt. Diverse Andeutungen und Rückblicke laden zum Miträtseln ein. Außerdem ist die Handlung facettenreich, sodass sich die Lektüre abwechslungsreich gestaltet. Einige Themen hätten dabei ruhig noch etwas genauer ausgeleuchtet werden können.
Die Protagonisten sind überwiegend nachvollziehbar und weitgehend klischee-frei gezeichnet. Vor allem die persönliche Entwicklung der Hauptdarsteller ist interessant.
Im Vergleich zum ersten Teil enthält die Auflösung diesmal auch weniger Ungereimtheiten und wirkt besser durchdacht, ist allerdings nicht wirklich überraschend.

Fazit: Alles in allem ein gelungener Krimi, der mit etwas Lokalkolorit gewürzt ist.

Veröffentlicht am 03.09.2019

Spannender Krimi mit hinreißendem Hauptdarsteller

Gray
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Elliot Fairbanks, ein Student der renommierten Universität Cambridge, stürzt vom Dach der King´s Chapel in den Tod. Elliots Tutor, Dr Augustus Huff, wird unversehens in die Sache verwickelt und muss sich ...

Elliot Fairbanks, ein Student der renommierten Universität Cambridge, stürzt vom Dach der King´s Chapel in den Tod. Elliots Tutor, Dr Augustus Huff, wird unversehens in die Sache verwickelt und muss sich vorübergehend um den Graupapagei Gray kümmern. Er findet mehr und mehr Hinweise darauf, dass es sich bei Elliots Tod um Mord gehandelt haben könnte. Mit Grays Unterstützung stellt er daher eigene Nachforschungen an.

Diese Geschichte wird hier auf mitreißende und zugleich humorvolle Weise erzählt.
Zwar ist die Figur des Augustus Huff nicht wirklich überzeugend gezeichnet. Einerseits wird er als komplexbeladener Mensch geschildert, als Ordnungsfanatiker mit häufigem Drang, sich die Hände zu waschen. Andererseits soll er beispielsweise eine Expedition an den Amazonas hinter sich haben, der seinem Wesen nach unordentlich ist und wo es selten Gelegenheit zum Händewaschen gibt.
Der eigentliche Hauptdarsteller ist aber ohnehin Gray. Auch er bietet natürlich kein realistisches Bild eines Papageis. Doch es ist einfach ausgesprochen unterhaltsam, ihn bei den Abenteuern, die er gemeinsam mit Huff erlebt, zu begleiten und zu beobachten, wie er in jeder Situation einen „passenden“ Spruch auf Lager hat.
Außerdem ist die Handlung überraschend spannend. (Überraschend deshalb, weil Spannung und Humor einander sonst meist ausschließen.) Es gibt einige unerwartete Wendungen und daneben werden noch so manche Informationen rund um das Leben in Cambridge eingebaut.
Am Ende bleiben ein paar Fragen offen. Insgesamt wird das Ganze aber doch zu einem stimmigen Abschluss gebracht.

Ich kann dieses Buch allen Krimi-Fans und Tierliebhabern nur weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 03.09.2019

Faszinierender Ansatz in langatmiger Ausführung

Wer regiert die Welt?
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Die Frage, warum „der Westen“ die Welt regiert, wurde schon auf vielfältige Weise zu beantworten versucht.
Ian Morris hat hier einen durchaus innovativen Ansatz gewählt: Zunächst definiert er die Begriffe ...

Die Frage, warum „der Westen“ die Welt regiert, wurde schon auf vielfältige Weise zu beantworten versucht.
Ian Morris hat hier einen durchaus innovativen Ansatz gewählt: Zunächst definiert er die Begriffe „Osten“ und „Westen“ neu. Unter Westen versteht er alle Gesellschaften, deren Abstammung auf das früheste Kerngebiet von Landwirtschaft und Viehzucht im sogenannten Fruchtbaren Halbmond zurückzuführen ist. Osten dagegen meint alle jene Gesellschaften, deren Herkunft auf das Kerngebiet zwischen Gelbem Fluss und Jangtse zurückgeht.
Nun berechnet er einen Index der gesellschaftlichen Entwicklung in Ost und West zu verschiedenen Zeitpunkten. Dafür hat er ein ausgeklügeltes Punktesystem entwickelt, in welches Energieausbeute, Organisation/Urbanisierung, Kriegsführung und Informationstechniken als Messgrößen einfließen.
Repräsentiert werden die Weltregionen jeweils durch ihren am höchsten entwickelten Vertreter. (Für den Westen waren das im Verlauf der Jahrtausende unter anderem der fruchtbare Halbmond, Mesopotamien, Rom, Westeuropa oder die USA.) Diese Vorgehensweise wirkt auf den ersten Blick etwas einschränkend, andererseits ist wohl eine gewisse Vereinfachung nötig, um der Komplexität des Themas Herr zu werden.

Das insgesamt erzielte Ergebnis war für mich dann doch überraschend: Während der letzten 15 Jahrtausende war der Westen 14 Jahrtausende lang der am weitesten entwickelte Teil der Erde. Lediglich ein Jahrtausend lang – von ca 550 bis ca 1775 (und somit gerade auch zu der Zeit, als die großen europäischen Entdeckungsfahrten stattfanden) – hatten die asiatischen Gebiete die Nase vorn.
Die nächsten Kapitel widmen sich jeweils einem bestimmten Zeitabschnitt und beschreiben sehr ausführlich, wie Westen und Osten sich während dieser Epoche entwickelt haben und welche Umstände für Auf- oder Abschwünge verantwortlich waren. Dabei stellt sich immer wieder heraus, dass Klimawandel sowie Einflüsse der Völker aus der asiatischen Steppe wichtige Faktoren waren. Das sollte uns zu denken geben.
Abschließend gibt der Autor nochmal eine aufgefeilte Antwort auf seine eingangs gestellte Frage und wagt auch einen Blick in die Zukunft. Zunächst wird hier deutlich, dass er eine etwas zu sehr US-amerikanisch geprägte Sichtweise hat. Seine Prognosen sind dann teilweise ziemlich spekulativ. Er gelangt aber doch zu einem irgendwie faszinierenden Ergebnis.

So ist der Inhalt dieses Buches auf jeden Fall hochinteressant. Es ist auch in einem eingängigen Stil geschrieben und diverse Grafiken tragen zur Anschaulichkeit bei. Bisweilen wird sogar eine gewisse Spannung erzeugt.
Die Darstellung ist allerdings, wie bereits erwähnt, sehr - und vielfach eben zu - ausführlich. Die mit zu vielen Details überfrachteten Schilderungen machen es schwer, sich auf die Kernaussagen zu konzentrieren.
Außerdem wird die Lektüre dadurch streckenweise mühsam.
Dazu kommt noch, dass sich in den Text doch einige Fehler eingeschlichen haben.
Nichtsdestotrotz ist die Lektüre lohnend, eröffnet sie doch neue Perspektiven auf die Menschheitsgeschichte.