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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2019

Unterhaltsam, aber auch inhaltlich dünn

Über Gott, den Urknall und den Anfang des Lebens
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Ich kannte Harald Lesch bisher nur von seinen Fernseh-Auftritten und habe in der Bibliothek spontan nach diesem Büchlein gegriffen.
Laut Impressum ist dieser Titel erstmals als Hörbuch erschienen, was ...

Ich kannte Harald Lesch bisher nur von seinen Fernseh-Auftritten und habe in der Bibliothek spontan nach diesem Büchlein gegriffen.
Laut Impressum ist dieser Titel erstmals als Hörbuch erschienen, was man dem Text deutlich anmerkt. Er ist in einem sehr lockeren Ton geschrieben. Ich kann mir gut vorstellen, dass er in gesprochener Form zu einem unterhaltsamen und für manche Zuhörer mitreißendem Vortrag wird.
Er richtet sich jedoch nur an absolute Neulinge auf diesem Gebiet. Der Autor gibt ein paar Basisinformationen zu Themen wie Urknall, Entstehung des Sonnensystems oder „Was ist Leben?“. Aber um alle Fragen, die ein bisschen mehr in die Tiefe gehen würden, drückt er sich herum oder überspielt sie mit amüsanten Zwischenbemerkungen.
Auch seine Aussagen zum Thema Gott sind eher Wischiwaschi.
Als kurzweiliger Einstieg in die Materie ist diese Lektüre durchaus brauchbar. Von einem Professor für Astrophysik hätte ich allerdings mehr erwartet.

Veröffentlicht am 27.07.2019

Eine weitere Geschichte aus Saint-Louis

Der Unfall auf der A35
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Wie schon „Das Verschwinden der Adele Bedeau“ ist auch dieser Roman in der elsässischen Kleinstadt Saint-Louis der frühen 1980er Jahre angesiedelt.
Als Kommissar Gorski eines Nachts am Schauplatz eines ...

Wie schon „Das Verschwinden der Adele Bedeau“ ist auch dieser Roman in der elsässischen Kleinstadt Saint-Louis der frühen 1980er Jahre angesiedelt.
Als Kommissar Gorski eines Nachts am Schauplatz eines tödlichen Verkehrsunfalls eintrifft, scheint es sich dabei um eine Routine-Angelegenheit zu handeln. Doch weil die Witwe des Opfers, des Rechtsanwalts Bertrand Barthelme, ihn bittet, herauszufinden, wo ihr Mann die Stunden vor seinem Tod verbracht hat, sieht er sich den Fall doch genauer an. Dabei bekommt er mehr und mehr den Eindruck, dass Barthelme etwas zu verbergen hatte.
Auch Raymond, der Sohn des Verstorbenen, stellt seine eigenen Nachforschungen an, nachdem er im Schreibtisch seines Vaters einen Zettel mit einer Adresse gefunden hat.

Kommissar Gorski mit all seinen Minderwertigkeitskomplexen, seltsamen Gedankengängen und privaten Problemen entspricht sicher nicht dem Bild eines typischen Polizeibeamten, ist aber auf jeden Fall eine interessante Persönlichkeit.
Zu Raymond konnte ich dagegen keine rechte Beziehung aufbauen. Als Typ passt er dennoch gut in dieses Ambiente und seine Abenteuer treiben die Handlung voran.
Es ist durchaus unterhaltsam, die beiden bei ihren jeweiligen Unternehmungen zu begleiten und in ihre Lebenswelten einzutauchen. Ihre Aktionen sowie Charakterisierungen diverser anderer Bewohner von Saint-Louis und des nahe gelegenen Mülhausen machen den Großteil des Inhalts aus.
Der Kriminalfall tritt demgegenüber eher in den Hintergrund. Daher wird auch kaum Spannung aufgebaut. Die Auflösung ist dann zwar teilweise vorhersehbar und etwas unvollständig, wirkt aber doch stimmig und passt zur Atmosphäre dieses Buches.

Ich würde jedenfalls gerne noch mehr Geschichten aus Saint-Louis lesen.

Veröffentlicht am 27.07.2019

Zehn umwälzende Ereignisse

Zeitenwende 1979
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Ein Jahr herauszugreifen und auf seine historische Bedeutung hin zu untersuchen, ist eine beliebte Vorgehensweise unter Sachbuch-Autoren. 1979 gehört diesbezüglich jedoch nicht zu den üblichen Kandidaten. ...

Ein Jahr herauszugreifen und auf seine historische Bedeutung hin zu untersuchen, ist eine beliebte Vorgehensweise unter Sachbuch-Autoren. 1979 gehört diesbezüglich jedoch nicht zu den üblichen Kandidaten. Daher war ich doch überrascht, wie viele bedeutende Ereignisse sich in diesem Jahr zugetragen haben.

Dieses Buch befasst sich mit zehn davon: Revolution im Iran, Papst Johannes Paul II in Polen, Revolution in Nicaragua, Chinas Öffnung, Boat People aus Vietnam, Sowjetischer Einmarsch in Afghanistan, Thatchers Wahl und Gründung der Grünen, Zweite Ölkrise, AKW-Unfall in Harrisburg sowie die Fernsehserie „Holocaust“.

Bereits bei einem Blick auf die Inhaltsangabe wird also deutlich, dass hier einige Geschehnisse angesprochen werden, die auch heute noch in Medienberichten und Diskussionen präsent sind.
Der Autor beschreibt jeweils ihre Hintergründe und vor allem ihre Folgen, wobei insbesondere Auswirkungen auf und Reaktionen aus Deutschland – sowohl BRD als auch DDR – relativ breiten Raum einnehmen.
Die Ausführungen dürften gründlich recherchiert sein, was die umfangreichen Anmerkungen beweisen, und bleiben, obwohl bisweilen kontroverse Themen angesprochen werden, weitgehend objektiv. Sie sind aber großteils eher trocken.

Die Lektüre gestaltet sich daher gelegentlich etwas zäh, ist aber auch sehr informativ und regt dazu an, sich mit ein paar Punkten noch genauer auseinander zu setzen.

Veröffentlicht am 11.07.2019

Das schwarze Loch der Biologie

Der Funke des Lebens
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Nick Lane befasst sich hier mit Themen, über die sich vermutlich sogar viele Biologen noch keine näheren Gedanken gemacht haben. Warum arbeiten Zellen gerade so, wie sie arbeiten? Wie ist die große Lücke ...

Nick Lane befasst sich hier mit Themen, über die sich vermutlich sogar viele Biologen noch keine näheren Gedanken gemacht haben. Warum arbeiten Zellen gerade so, wie sie arbeiten? Wie ist die große Lücke zwischen der morphologischen Einfachheit der Bakterien und der überwältigenden Komplexität aller anderen Lebewesen zu erklären? Derartige Fragen versucht er zu beantworten.

Er verarbeitet dabei viele interessante Informationen und stellt erstaunliche Zusammenhänge her. Letztlich lässt sich für ihn alles darauf zurückführen, wie die Energiegewinnung und -verteilung in den Zellen funktioniert. Dadurch erscheint einiges unter einem neuen Blickwinkel und es kann beispielsweise erklärt werden, wie es zu Fehlgeburten kommt, warum wir altern und sterben oder was der Vorteil von Sex ist.
Seine Ausführungen sind allerdings eher trocken und trotz eines umfangreichen Glossars, in dem viele Begriffe noch mal erläutert werden, oft nicht leicht verständlich.

Obwohl der Inhalt spannend ist, ist daher für die Lektüre doch eine gewisse Kondition vonnöten.

Veröffentlicht am 11.07.2019

Abenteuerroman vor interessantem Hintergrund

Der Gesang der Bienen
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Münstertal im Jahre 1152: Seyfried ist Zeidler. Seine Tätigkeit besteht darin, aus den Stöcken wilder und halbwilder Bienen Honig, Wachs und andere wertvolle Produkte zu gewinnen. Doch sein Leben wird ...

Münstertal im Jahre 1152: Seyfried ist Zeidler. Seine Tätigkeit besteht darin, aus den Stöcken wilder und halbwilder Bienen Honig, Wachs und andere wertvolle Produkte zu gewinnen. Doch sein Leben wird auf den Kopf gestellt, als seine Frau Elsbeth zu Unrecht beschuldigt wird, für den Tod der Tochter von Marschall Gottfried verantwortlich zu sein. Das Urteil lautet auf Tod durch Köpfen. Nur 16 Tage hat Seyfried Zeit, die Hinrichtung zu verhindern. Er macht sich auf den Weg nach Bingen, um die berühmte Äbtissin, Prophetin und Heilerin Hildegard um Hilfe zu bitten.
Seine Kinder Anna und Jasper müssen derweil auf Gottfrieds Burg bleiben, wo Anna die Aufmerksamkeit eines gefährlichen Mannes auf sich zieht.

Diese Geschichte wird flott und aus mehreren verschiedenen Perspektiven erzählt. Dabei wird einige Spannung aufgebaut, wozu auch beiträgt, dass in den Kapitelüberschriften immer wieder angegeben wird, wie viele Tage noch bis zur Vollstreckung des Urteils verbleiben.
Die Handlung ist mitreißend und beeindruckt mit anschaulichen Schilderungen historischer Gegebenheiten und Lebenswelten. An manchen Stellen wird vielleicht ein bisschen zu viel Dramatik erzeugt und einige Wendungen wirken etwas unrealistisch oder sind vorhersehbar. Doch all dies bleibt im Rahmen dessen, was man in diesem Genre eben erwarten muss. Es gibt aber jedenfalls auch ein paar Überraschungen und das Ende ist insgesamt stimmig.
Außerdem sind die Protagonisten einfühlsam und facettenreich gezeichnet, sodass ich mich gut in sie hineinversetzen und mit ihnen mitfiebern konnte. Dabei sticht natürlich vor allem Hildegard heraus. Diese historische Persönlichkeit wird nachvollziehbar dargestellt, nicht nur als große Heldin, sondern durchaus auch mit Schwächen ausgestattet.
Generell sind in den Text viele interessante Informationen eingeflochten, insbesondere zur Zeidlerei sowie eben zu Leben und Werk der Hildegard von Bingen.

Es handelt sich hier also um einen rundum gelungenen historischen Roman, der sich schon allein aufgrund seines außergewöhnlichen Themas vom sonstigen Einheitsbrei abhebt.