Profilbild von Karin1910

Karin1910

Lesejury Star
offline

Karin1910 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karin1910 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2026

Interessante, aber auch komplexe Reise durch die Welt der Gravitation

Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft
0

Der Astrophysik-Professor Luciano Rezzolla, der unter anderem an der Erstellung des ersten „Fotos“ eines schwarzen Lochs beteiligt war, hat sich hier zum Ziel gesetzt, sein Fachgebiet auch Laien nahe zu ...

Der Astrophysik-Professor Luciano Rezzolla, der unter anderem an der Erstellung des ersten „Fotos“ eines schwarzen Lochs beteiligt war, hat sich hier zum Ziel gesetzt, sein Fachgebiet auch Laien nahe zu bringen.
Ausgehend von der Feststellung, dass die Gravitation wie kaum ein anderes physikalisches Phänomen unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht wie auch unsere Fantasie beflügelt, unternimmt er eine interessante Tour, sowohl durch die Geschichte der Physik - von Newton über Einstein bis hin zu den Durchbrüchen des 21. Jahrhunderts - als auch durch das Universum, vom Sonnensystem bis zu schwarzen Löchern, Gravasternen und Gravitationswellen.
Bei seinen Ausführungen geht er Schritt für Schritt vor, die Argumente bauen aufeinander auf und man kann gut mitverfolgen, wie etwa mathematische Berechnungen und astronomische Beobachtungen zusammenspielen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, die eine oder andere Formel einzuführen (wobei manche nur „verbal“ beschrieben werden) und ihre Bedeutung zu erklären.
Man merkt das Bemühen des Autors, seine Leser zu begeistern und ihnen die Materie auf verständliche Art nahe zu bringen. Dennoch ist eine gewisse Kondition nötig, um sämtlichen Erläuterungen einigermaßen folgen zu können. Ich kann nicht behaupten, wirklich Alles verstanden zu haben, obwohl ich bereits einige populärwissenschaftliche Veröffentlichungen zu diesen Themen gelesen habe.
Kompletten Neu-Einsteigern würde ich dieses Buch daher nicht empfehlen. Wer schon ein paar Vorkenntnisse besitzt und bereit ist, sich auch in kompliziertere Sachverhalte hineinzudenken, kann hier aber sicher noch etwas dazulernen und faszinierende Einsichten gewinnen.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Interessanter Ausflug ins mittelalterliche Wales

Die Tochter der Drachenkrone
0

Wie schon in ihrer „Geraldines“-Reihe besucht Sabrina Qunaj auch hier das Wales des Hochmittelalters, wo die alteingesessenen Briten und die neu hinzugezogenen normannischen Eroberer um die Vorherrschaft ...

Wie schon in ihrer „Geraldines“-Reihe besucht Sabrina Qunaj auch hier das Wales des Hochmittelalters, wo die alteingesessenen Briten und die neu hinzugezogenen normannischen Eroberer um die Vorherrschaft ringen.
Erzählt wird die Geschichte von Gwenllian, der jüngsten Tochter von Rhys ap Gruffydd, dem mächtigen Fürsten von Südwales, deren Lebensweg über einige Jahrzehnte, von 1196 bis 1219, verfolgt wird. Es ist eine ereignisreiche und kriegerische Zeit. So kämpfen nicht nur zwei von Gwenllians Brüdern gegeneinander um die Nachfolge ihres verstorbenen Vaters, auch die häufig wechselnden Bündnisse der Briten untereinander sowie zwischen britischen Fürsten und Normannen (bzw wie sie hier genannt werden „Freinc“) sorgen für ständige Unruhe.
Als Frau ist Gwenllian bei all dem nur eine passive Rolle zugedacht. Ihr Beitrag besteht in ihrem Wert als Heiratskandidatin. Doch sie ist nicht so leicht bereit, sich diesbezüglich den Entscheidungen zu fügen, die andere für sie treffen. Sie strebt nach einer Verbindung, die ihr nicht nur einen guten Ehemann bringt, sondern auch der Sache der Briten dient.

Der historische Hintergrund dieses Romans ist interessant, aber auch sehr komplex. Ich hatte öfters Schwierigkeiten, den Überblick darüber zu behalten, wer gerade mit wem verbündet ist oder gegen wem kämpft. Dabei schreibt die Autorin im Nachwort, dass sie sogar noch einiges vereinfacht hat.
Auch sonst hat sich sie viele dichterische Freiheiten genommen, die teilweise der unvollständigen historischen Überlieferung geschuldet sind (vor allem über die Frauen der damaligen Zeit weiß man nur sehr wenig), teilweise biegt sie sich die Faken aber auch bewusst so zurecht, dass sie besser zu ihrer Geschichte passen. Derartiges finde ich in historischen Romanen immer etwas problematisch, vor allem, wenn realen Persönlichkeiten ein bestimmter Charakter unterstellt wird, für den es keine echten Hinweise gibt.
Trotzdem ist es schön, Gwenllian bei ihren Erlebnissen zu begleiten. Sie ist eine sympathische Protagonistin und auch ihre persönliche Entwicklung von einem naiven Mädchen zu einer mitten im Leben stehenden Frau wird gut dargestellt. Einiges ändert sich dabei jedoch nicht, wie ihre Ablehnung gegenüber den Normannen, wobei sie mit der Zeit aber doch erkennt, dass man nicht alle in einen Topf werfen darf.
Ich habe mich allerdings öfters gefragt, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll. Die Handlung hat wenige Höhepunkte, (wenngleich auch kaum langweilige Szenen). Das Ende wirkt dann ziemlich unrealistisch – obwohl (oder gerade weil) es auf einer Legende beruht – und kommt vor allem zu abrupt. Es hätten ein paar Seiten mehr investiert oder eventuell noch ein Blick in die Zukunft geworfen werden sollen.

Insgesamt dennoch ein unterhaltsamer und streckenweise spannender Roman, der in einem flotten Stil verfasst ist und an interessante Schauplätze führt.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Wie der Krieg in die Welt kam und wer von ihm profitiert

Die Evolution der Gewalt
0

Ein Evolutionsbiologe, ein Archäologe und ein Historiker gehen hier der Frage nach, wie der Krieg in die Welt gekommen ist. Sie widersprechen mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten der oft gehörten ...

Ein Evolutionsbiologe, ein Archäologe und ein Historiker gehen hier der Frage nach, wie der Krieg in die Welt gekommen ist. Sie widersprechen mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten der oft gehörten Behauptung, dass Krieg in der Natur des Menschen läge. (Dass es sich dabei im Gegenteil um eine historische Anomalie handelt, zeigt sich beispielsweise schon allein daran, dass sich auch nach Jahrtausenden der Kriegspropaganda immer noch Widerstand dagegen regt.)
So erklären sie, dass es zwar schon in der Altsteinzeit einzelne Akte von Gewalt gab, dass die Menschheit aber während 99% ihrer Evolution ohne Kriege ausgekommen ist.
Daraufhin arbeiten sie heraus, wie und warum das Phänomen organisierter Gewalttaten gegenüber Gruppen im Zuge der Sesshaftwerdung erstmals aufgetreten ist, wie die Gesellschaften auf dem Weg zu den ersten Zivilisationen und schließlich Staaten immer martialischer wurden und vor allem auch, wer die wahren Nutznießer der Kriege waren und sind.
Dabei verfolgen sie gewissermaßen einen interdisziplinären Ansatz, für den sie vor allem Erkenntnisse über die Evolution des Menschen und Befunde aus der Archäologie heranziehen, aber auch Beobachtungen an Kulturen von Jägern und Sammlern der letzten Jahrhunderte (wobei immer darauf hingewiesen wird, dass letztere nicht repräsentativ für die Verhältnisse in der Steinzeit sein müssen.)
Die Ausführungen kommen ohne großes Fachvokabular aus, sind leicht verständlich und in einem klaren und eingängigen Stil verfasst.
Die gezogenen Schlüsse sind in manchen Details vielleicht etwas zu spekulativ, wirken insgesamt aber doch plausibel und fundiert.
Einige Inhalte kannte ich schon aus früheren Werken der Autoren (bzw eines Teils von ihnen), beispielsweise was die verschiedenen Naturen des Menschen, die Verquickung von Religion und Krieg oder die Gründe für die zunehmende Unterdrückung der Frauen betrifft. Es werden aber auch neue Überlegungen und Aspekte eingebracht.
Insgesamt lies mich dieses Buch viele Entwicklungen und Ereignisse der Weltgeschichte und Weltpolitik sowie Lehrmeinungen der Soziologie mit anderen Augen sehen und es regt zum Nachdenken darüber an, was die Kriegsmaschinerie am Laufen gehalten hat und hält und wie wir sie vielleicht stoppen können. (Wobei die Autoren zugeben, dass sie diesbezüglich auch keine wirkliche Lösung zu bieten haben, dies aber ohnehin in der Zuständigkeit der Politiker liegt.)

Veröffentlicht am 07.01.2026

Motivationssprüche und oberflächliche Tipps

Reden ist Silber, Schreiben ist Gold
0

Thomas Brezina hat über 600 Bücher in verschiedenen Genres verfasst, die in über 40 Ländern gelesen werden und sich über 45 Millionen Mal verkauft haben. Deshalb war ich schon sehr gespannt darauf, was ...

Thomas Brezina hat über 600 Bücher in verschiedenen Genres verfasst, die in über 40 Ländern gelesen werden und sich über 45 Millionen Mal verkauft haben. Deshalb war ich schon sehr gespannt darauf, was er zum Thema Schreiben zu sagen hat und welche Tipps er angehenden Autor(inn)en gibt. Das Ergebnis war allerdings eher enttäuschend.
Immerhin ist der Stil ganz angenehm, die Ausführungen lesen sich flott. Dass der Autor mit den Lesern per Du ist, sorgt zwar einerseits für eine gewisse Nähe, wirkt jedoch streckenweise anbiedernd.
Vor allem aber ist das Werk inhaltlich ziemlich dünn. Von den ohnehin nur 250 Seiten sind viele lediglich halb bedruckt oder werden überhaupt leergelassen (damit man sich dort Notizen machen kann.) Ansonsten besteht ein großer Teil entweder aus persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen – nach dem Motto „So mache ich es, aber Du musst selbst den Weg finden, der für Dich/ Dein Buch am besten passt.“ – oder allgemeinen Motivationssprüchen. Dazwischen gibt es natürlich auch immer wieder echte Ratschläge, beispielsweise dazu, wie man eine geeignete Geschichte findet, wie man Figuren entwickelt oder einen Dialog gestaltet. Diese sind allerdings meist oberflächlich und haben mir keine wesentlichen neuen Erkenntnisse beschert.
Nun ist es zugegeben lobenswert, dass der Autor sich trotz all seiner Erfolge nicht als großer Zampano aufspielt, der den einzig wahren Weg zum Besteller kennt. Den durch die Inhaltsangabe geweckten Erwartungen wird das Buch aber eben nicht gerecht.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Vier Kurz-Krimis mit Weihnachtsstimmung

Christbaum, Mord und Engelshaar
0

Manfred Baumann hat für diesen Band vier Krimis verfasst, die sich rund um das Thema Weihnachten (bzw Silvester) drehen.
Zunächst muss das bereits aus anderen Werken des Autors bekannte Team um Kommissar ...

Manfred Baumann hat für diesen Band vier Krimis verfasst, die sich rund um das Thema Weihnachten (bzw Silvester) drehen.
Zunächst muss das bereits aus anderen Werken des Autors bekannte Team um Kommissar Martin Merana in einem Todesfall im Umfeld der spektakulären Fernseh-Show „The Golden Christmas Tree“ ermitteln. Anschließend ist der Mord an einer streitbaren Journalistin aufzuklären, die sich unter anderem gegen „machoide“ Weihnachtsmänner ausgesprochen hat, bevor im Londoner Sherry Club ein seltsames Wichtelgeschenk einige Fragen aufwirft. Zuletzt gibt es ein klassisches „Whodunit“, das in einem wegen eines Lawinenabgangs von der Außenwelt abgeschnittenen Ferienhaus spielt.

Angesichts der Kürze der einzelnen Episoden darf man hier keinen großen Spannungsbogen erwarten. Die Geschichten sind aber gut konstruiert und regen zum Miträtseln an, wobei der Täter meist erratbar, jedoch auch nicht zu offensichtlich ist.
Außerdem treten so manche interessanten oder skurrilen Personen auf, die für einigen Unterhaltungswert sorgen, und die immer wieder in die Handlung eingewobenen Informationen rund um Weihnachten, beispielsweise zu diversen Bräuchen, tragen zur richtigen Stimmung bei.
Insgesamt ist dies also eine passende Lektüre zur (Vor)weihnachtszeit.