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Veröffentlicht am 30.05.2026

Streifzug durch die Kunstgeschichte in mäßige Rahmenhandlung verpackt

Monas Augen – Eine Reise zu den schönsten Kunstwerken unserer Zeit
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Die Grundidee dieses Romans wäre vielversprechend, handelt es sich hier doch um eine Art Mischung aus Familiendrama und Einführung in die Kunstgeschichte:
Die 10-jährige Mona erblindet eines Tages aus ...

Die Grundidee dieses Romans wäre vielversprechend, handelt es sich hier doch um eine Art Mischung aus Familiendrama und Einführung in die Kunstgeschichte:
Die 10-jährige Mona erblindet eines Tages aus heiterem Himmel. Obwohl ihr Sehvermögen nach ca einer Stunde zurückkehrt, bleibt die Sorge, dass sich ihr Zustand wieder verschlechtert. Ihr Großvater Henry nimmt sich daher vor, Mona die Welt der Kunst nahezubringen, solange noch die Möglichkeit dazu besteht. Ein Jahr lang geht er einmal pro Woche mit ihr in ein Museum, um dort gemeinsam ein Werk eines bedeutenden Künstlers zu betrachten.
Daneben gehen die Versuche weiter, die Ursache von Monas Sehstörung zu finden, die, wie sich schließlich herausstellt, in ihrer frühen Kindheit liegt.

Der Streifzug durch die Kunstgeschichte ist dabei durchaus interessant. Die Kunstwerke (überwiegend Gemälde, aber auch ein paar Skulpturen etc.) sind Großteils chronologisch angeordnet. Es wird jeweils nur ein Werk pro Künstler betrachtet, dessen Leben und künstlerisches Schaffen aber immer auch in einen größeren Kontext eingeordnet werden. Außerdem gibt es in jedem Kapitel eine „Lektion des Tages“, meist irgendeine Art von Lebensweisheit, die jedoch oft nur einen losen Zusammenhang mit dem Kunstwerk hat.
Da ich mich zugegebenermaßen noch nie eingehender mit Kunst(geschichte) befasst habe, konnte ich hier einiges Neues erfahren, andererseits waren es für mich aber auch etwas zu viele Informationen auf einmal. Ich hätte es besser gefunden, weniger Werke zu betrachten und über diese und ihre Urheber jeweils etwas mehr zu sagen. Kunstkenner mögen dies natürlich anders sehen.

Die Rahmenhandlung fand ich allerdings nicht besonders gelungen. Ich bin mit den Charakteren nicht richtig warm geworden. Dass Mona über ein für ihr Alter ungewöhnliches Kunstverständnis und eine bemerkenswerte Beobachtungsgabe verfügt, ist noch im Rahmen dessen, wie Romanfiguren eben (über)zeichnet werden. Der Grund für ihre vorübergehende Blindheit wirkt allerdings an den Haaren herbeigezogen. Hier wurde reichlich viel „Küchenpsychologie“ bemüht. Ebenso ist es nicht nachvollziehbar, wieso Henry sich so lange weigert, mit Mona über eine bestimmte Sache zu sprechen. Diese Geheimniskrämerei passt nicht zu seiner sonstigen Persönlichkeit und dem von Offenheit geprägten Verhältnis zwischen den beiden.
Auch darüber hinaus weist die Handlung ein paar Schwächen auf. Manche interessanten Ansätze werden nicht mehr weiterverfolgt und viele Probleme sind letztlich zu schnell gelöst.
Der Gesamteindruck ist daher eher durchwachsen.

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Veröffentlicht am 30.05.2026

Interessanter Roman mit unbefriedigendem Ende

Die Erfindung der Sprache
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Dieser Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen: In der Gegenwart gerät das geordnete Leben des Sprachwissenschaftlers Adam Riese durcheinander, als er erfährt, dass es eine Spur zu seinem vor fast 20 ...

Dieser Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen: In der Gegenwart gerät das geordnete Leben des Sprachwissenschaftlers Adam Riese durcheinander, als er erfährt, dass es eine Spur zu seinem vor fast 20 Jahren verschwundenen Vater gibt. Obwohl Adam immer wieder unter außerplanmäßigkeitsinduzierter Panik leidet, sich mit einer Leuchtreklametafel in seinem Kopf herumschlagen muss und sämtlichen Widrigkeiten durch das Erstellen von Listen mit genau sieben Elementen begegnet, wächst er in den nächsten Tagen über sich hinaus und bringt eine wahre „Heldenreise“ hinter sich.
Parallel dazu werden Rückblicke in die Vergangenheit geworfen. Erzählt wird unter anderem von Adams Großeltern, die auf der kleinen ostfriesischen Insel Platteoog eine Bäckerei betreiben, vom Auftauchen des Leuchtturmrestaurators Hubert Riese auf Platteoog und von Adams Kindheit, wo bald offenkundig wird, dass „etwas mit dem Jungen nicht so läuft, wie es soll.“

Das Buch ist in einem angenehmen und mitreißenden Stil verfasst, weist aber dennoch einen gewissen Tiefgang auf. Man erfährt zwar (anders als der Titel suggerieren würde) so gut wie nichts über die Erfindung der Sprache oder andere Aspekte der Sprachwissenschaft. Dafür kann man aber interessante psychologische Phänomene beobachten sowie Dynamiken innerhalb einer Familie und einer Dorfgemeinschaft miterleben.
Adam ist ein sympathischer Protagonist, den ich trotz oder gerade wegen all seiner psychischen Probleme gerne begleitet habe. Doch es treten auch einige andere faszinierende und skurrile Charaktere auf, beispielsweise Adams Großmutter, die jeder Schwierigkeit mit dem passenden Essen begegnet, ein Arzt mit ständiger Bereitschaft zur Fortbildung oder eine Logopädin mit Hang zum Diminutiv.

Der einzige wesentliche Schwachpunkt ist das Ende. Nicht nur, dass zum Schluss hin einiges unrealistisch wirkt. Es bleiben auch viele Fragen offen bzw sind die Erklärungen, die für manche Ereignisse aus der Vergangenheit gegeben werden, nicht wirklich überzeugend.
Dadurch wird der an sich positive Gesamteindruck dann doch getrübt.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Interessante, aber auch komplexe Reise durch die Welt der Gravitation

Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft
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Der Astrophysik-Professor Luciano Rezzolla, der unter anderem an der Erstellung des ersten „Fotos“ eines schwarzen Lochs beteiligt war, hat sich hier zum Ziel gesetzt, sein Fachgebiet auch Laien nahe zu ...

Der Astrophysik-Professor Luciano Rezzolla, der unter anderem an der Erstellung des ersten „Fotos“ eines schwarzen Lochs beteiligt war, hat sich hier zum Ziel gesetzt, sein Fachgebiet auch Laien nahe zu bringen.
Ausgehend von der Feststellung, dass die Gravitation wie kaum ein anderes physikalisches Phänomen unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht wie auch unsere Fantasie beflügelt, unternimmt er eine interessante Tour, sowohl durch die Geschichte der Physik - von Newton über Einstein bis hin zu den Durchbrüchen des 21. Jahrhunderts - als auch durch das Universum, vom Sonnensystem bis zu schwarzen Löchern, Gravasternen und Gravitationswellen.
Bei seinen Ausführungen geht er Schritt für Schritt vor, die Argumente bauen aufeinander auf und man kann gut mitverfolgen, wie etwa mathematische Berechnungen und astronomische Beobachtungen zusammenspielen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, die eine oder andere Formel einzuführen (wobei manche nur „verbal“ beschrieben werden) und ihre Bedeutung zu erklären.
Man merkt das Bemühen des Autors, seine Leser zu begeistern und ihnen die Materie auf verständliche Art nahe zu bringen. Dennoch ist eine gewisse Kondition nötig, um sämtlichen Erläuterungen einigermaßen folgen zu können. Ich kann nicht behaupten, wirklich Alles verstanden zu haben, obwohl ich bereits einige populärwissenschaftliche Veröffentlichungen zu diesen Themen gelesen habe.
Kompletten Neu-Einsteigern würde ich dieses Buch daher nicht empfehlen. Wer schon ein paar Vorkenntnisse besitzt und bereit ist, sich auch in kompliziertere Sachverhalte hineinzudenken, kann hier aber sicher noch etwas dazulernen und faszinierende Einsichten gewinnen.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Interessanter Ausflug ins mittelalterliche Wales

Die Tochter der Drachenkrone
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Wie schon in ihrer „Geraldines“-Reihe besucht Sabrina Qunaj auch hier das Wales des Hochmittelalters, wo die alteingesessenen Briten und die neu hinzugezogenen normannischen Eroberer um die Vorherrschaft ...

Wie schon in ihrer „Geraldines“-Reihe besucht Sabrina Qunaj auch hier das Wales des Hochmittelalters, wo die alteingesessenen Briten und die neu hinzugezogenen normannischen Eroberer um die Vorherrschaft ringen.
Erzählt wird die Geschichte von Gwenllian, der jüngsten Tochter von Rhys ap Gruffydd, dem mächtigen Fürsten von Südwales, deren Lebensweg über einige Jahrzehnte, von 1196 bis 1219, verfolgt wird. Es ist eine ereignisreiche und kriegerische Zeit. So kämpfen nicht nur zwei von Gwenllians Brüdern gegeneinander um die Nachfolge ihres verstorbenen Vaters, auch die häufig wechselnden Bündnisse der Briten untereinander sowie zwischen britischen Fürsten und Normannen (bzw wie sie hier genannt werden „Freinc“) sorgen für ständige Unruhe.
Als Frau ist Gwenllian bei all dem nur eine passive Rolle zugedacht. Ihr Beitrag besteht in ihrem Wert als Heiratskandidatin. Doch sie ist nicht so leicht bereit, sich diesbezüglich den Entscheidungen zu fügen, die andere für sie treffen. Sie strebt nach einer Verbindung, die ihr nicht nur einen guten Ehemann bringt, sondern auch der Sache der Briten dient.

Der historische Hintergrund dieses Romans ist interessant, aber auch sehr komplex. Ich hatte öfters Schwierigkeiten, den Überblick darüber zu behalten, wer gerade mit wem verbündet ist oder gegen wem kämpft. Dabei schreibt die Autorin im Nachwort, dass sie sogar noch einiges vereinfacht hat.
Auch sonst hat sich sie viele dichterische Freiheiten genommen, die teilweise der unvollständigen historischen Überlieferung geschuldet sind (vor allem über die Frauen der damaligen Zeit weiß man nur sehr wenig), teilweise biegt sie sich die Faken aber auch bewusst so zurecht, dass sie besser zu ihrer Geschichte passen. Derartiges finde ich in historischen Romanen immer etwas problematisch, vor allem, wenn realen Persönlichkeiten ein bestimmter Charakter unterstellt wird, für den es keine echten Hinweise gibt.
Trotzdem ist es schön, Gwenllian bei ihren Erlebnissen zu begleiten. Sie ist eine sympathische Protagonistin und auch ihre persönliche Entwicklung von einem naiven Mädchen zu einer mitten im Leben stehenden Frau wird gut dargestellt. Einiges ändert sich dabei jedoch nicht, wie ihre Ablehnung gegenüber den Normannen, wobei sie mit der Zeit aber doch erkennt, dass man nicht alle in einen Topf werfen darf.
Ich habe mich allerdings öfters gefragt, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll. Die Handlung hat wenige Höhepunkte, (wenngleich auch kaum langweilige Szenen). Das Ende wirkt dann ziemlich unrealistisch – obwohl (oder gerade weil) es auf einer Legende beruht – und kommt vor allem zu abrupt. Es hätten ein paar Seiten mehr investiert oder eventuell noch ein Blick in die Zukunft geworfen werden sollen.

Insgesamt dennoch ein unterhaltsamer und streckenweise spannender Roman, der in einem flotten Stil verfasst ist und an interessante Schauplätze führt.

Veröffentlicht am 07.01.2026

Wie der Krieg in die Welt kam und wer von ihm profitiert

Die Evolution der Gewalt
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Ein Evolutionsbiologe, ein Archäologe und ein Historiker gehen hier der Frage nach, wie der Krieg in die Welt gekommen ist. Sie widersprechen mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten der oft gehörten ...

Ein Evolutionsbiologe, ein Archäologe und ein Historiker gehen hier der Frage nach, wie der Krieg in die Welt gekommen ist. Sie widersprechen mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten der oft gehörten Behauptung, dass Krieg in der Natur des Menschen läge. (Dass es sich dabei im Gegenteil um eine historische Anomalie handelt, zeigt sich beispielsweise schon allein daran, dass sich auch nach Jahrtausenden der Kriegspropaganda immer noch Widerstand dagegen regt.)
So erklären sie, dass es zwar schon in der Altsteinzeit einzelne Akte von Gewalt gab, dass die Menschheit aber während 99% ihrer Evolution ohne Kriege ausgekommen ist.
Daraufhin arbeiten sie heraus, wie und warum das Phänomen organisierter Gewalttaten gegenüber Gruppen im Zuge der Sesshaftwerdung erstmals aufgetreten ist, wie die Gesellschaften auf dem Weg zu den ersten Zivilisationen und schließlich Staaten immer martialischer wurden und vor allem auch, wer die wahren Nutznießer der Kriege waren und sind.
Dabei verfolgen sie gewissermaßen einen interdisziplinären Ansatz, für den sie vor allem Erkenntnisse über die Evolution des Menschen und Befunde aus der Archäologie heranziehen, aber auch Beobachtungen an Kulturen von Jägern und Sammlern der letzten Jahrhunderte (wobei immer darauf hingewiesen wird, dass letztere nicht repräsentativ für die Verhältnisse in der Steinzeit sein müssen.)
Die Ausführungen kommen ohne großes Fachvokabular aus, sind leicht verständlich und in einem klaren und eingängigen Stil verfasst.
Die gezogenen Schlüsse sind in manchen Details vielleicht etwas zu spekulativ, wirken insgesamt aber doch plausibel und fundiert.
Einige Inhalte kannte ich schon aus früheren Werken der Autoren (bzw eines Teils von ihnen), beispielsweise was die verschiedenen Naturen des Menschen, die Verquickung von Religion und Krieg oder die Gründe für die zunehmende Unterdrückung der Frauen betrifft. Es werden aber auch neue Überlegungen und Aspekte eingebracht.
Insgesamt lies mich dieses Buch viele Entwicklungen und Ereignisse der Weltgeschichte und Weltpolitik sowie Lehrmeinungen der Soziologie mit anderen Augen sehen und es regt zum Nachdenken darüber an, was die Kriegsmaschinerie am Laufen gehalten hat und hält und wie wir sie vielleicht stoppen können. (Wobei die Autoren zugeben, dass sie diesbezüglich auch keine wirkliche Lösung zu bieten haben, dies aber ohnehin in der Zuständigkeit der Politiker liegt.)