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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.11.2017

Typischer Knickerbocker-Roman

Knickerbocker4immer - Alte Geister ruhen unsanft
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Als Kind waren die Krimis um die Knickerbockerbande meine absoluten Lieblingsbücher. Daher war ich gleich begeistert, als ich hörte, dass es eine Fortsetzung für Erwachsene gibt – und tatsächlich fühlte ...

Als Kind waren die Krimis um die Knickerbockerbande meine absoluten Lieblingsbücher. Daher war ich gleich begeistert, als ich hörte, dass es eine Fortsetzung für Erwachsene gibt – und tatsächlich fühlte ich mich während des Lesens in frühere Zeiten zurückversetzt.

An der Ausgangssituation hat sich natürlich einiges geändert: Infolge eines tragischen Unfalls war es zu einem heftigen Streit zwischen Lilo und Axel gekommen, weswegen die Knickerbockerbande auseinanderbrach. 20 Jahre lang hatten die Vier keinen Kontakt zueinander. Doch plötzlichen werden Axel, Lilo, Poppi und Dominik unter einem Vorwand auf eine einsame, fünfundvierzig Minuten von der Südküste Englands entfernte Insel gebracht, welche einmal Schauplatz eines noch immer ungelösten und rätselhaften Verbrechens war.
Außerdem stellt sich heraus, dass die Knickerbocker schon vor langer Zeit von einem geheimnisvollen Mann beobachtet wurden, der keine Skrupel kennt und keine Mühen scheut, um seine Ziele zu erreichen.

Dieses Buch bietet jedenfalls ein tolles Wiedersehen mit alten Freunden. Es ist interessant, zu erfahren, welches Leben die Knickerbocker als Erwachsene führen. Sie sind ihren Persönlichkeiten im Wesentlichen treu geblieben. Ein paar kleine Überraschungen gibt es dabei aber doch.
Obwohl die Ausgangssituation etwas unrealistisch wirkt und es einige Ungereimtheiten gibt, war ich von Beginn an mitten in der Handlung, die Lektüre ist richtig fesselnd.
Der Erzählstil ist eher einfach, die Kapitel sind relativ kurz und enden häufig mit einem Cliffhanger. Dadurch wird sehr viel Spannung aufgebaut, es gibt einige dramatische Wendungen und ungeahnte Enthüllungen.

Fazit: Trotz einiger kleiner Schwächen ist dies ein absolutes Muss für alle Fans der Knickerbockerbande!

Veröffentlicht am 06.01.2019

Packender Roman vor dramatischem Hintergrund

Bote des Feuers
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Richard Dübells neuer Roman befasst sich mit der Pest, die im 14. Jahrhundert mit nie zuvor gekannter Heftigkeit über Europa hereinbrach:
Der Jude Joseph ben Kesher befindet sich auf einer heiklen Mission. ...

Richard Dübells neuer Roman befasst sich mit der Pest, die im 14. Jahrhundert mit nie zuvor gekannter Heftigkeit über Europa hereinbrach:
Der Jude Joseph ben Kesher befindet sich auf einer heiklen Mission. Er soll verhindern, dass eine kürzlich in Caffa am Schwarzen Meer ausgebrochene Seuche sich weiter ausbereitet und muss dabei unter anderem den Dogen von Genua zu einer dramatischen Maßnahme überreden. Fast scheint es, als wäre sein Vorhaben von Erfolg gekrönt, doch dann überschlagen ich die Ereignisse und er muss erkennen, dass ein extrem gefährlicher Gegner dabei ist, die Zukunft des Abendlandes zu bedrohen.
Inzwischen hat auch Gisela, deren Heimat von einem Erdbeben zerstört wurde, den beschwerlichen Weg nach Genau zurückgelegt. Obwohl sie Joseph erst einmal begegnet ist, ist sie fest davon überzeugt, dass es sich bei ihm um die Liebe ihres Lebens handelt.
Die beiden sowie auch einige andere Unerschrockene nehmen einen mutigen und von vielen Rückschlägen begleiteten Kampf auf.

Diese Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, sodass sich die Lektüre abwechslungsreich und fesselnd gestaltet. Auch sonst gefällt mir der Stil sehr gut. Der Text liest sich flott und ist bisweilen mit einem gewissen Humor gewürzt.
Die Protagonisten sind gut und relativ klischee-frei gezeichnet. Sie decken ein breites Spektrum an Persönlichkeiten und Gesellschaftsschichten ab und sind oft auch mit einer interessanten Biografie ausgestattet, über die ich manchmal gern etwas mehr erfahren hätte. Ich fand es schön, sie bei ihren Erlebnissen und Gedankengängen zu begleiten, wobei sich immer wieder zeigt, dass im Falle einer Katastrophe sowohl das Beste als auch (leider häufiger) das Schlechteste im Menschen zum Vorschein kommt.
Der einzige Kritikpunkt besteht darin, dass die Handlung in ihren wesentlichen Aspekten doch ziemlich vorhersehbar ist und außerdem (wie bei Büchern dieser Art üblich) immer die richtigen Personen zum passenden Zeitpunkt erkranken. Doch all dies fällt während des Lesens kaum auf, da die Geschehnisse so rasant voranschreiten, dass dennoch einige Spannung erzeugt wird.
Ebenfalls erwähnenswert ist, dass sich am Ende nicht nur ein Nachwort mit einigen Hintergrundinformationen findet, sondern auch die Quellen angegeben sind, auf die sich der Autor bei seiner Recherche gestützt hat.

Fazit: Für Fans historischer Abenteuerromane ist dieses Buch auf jeden Fall empfehlenswert.

Veröffentlicht am 11.09.2017

Drei Frauen und ein Todesfall

Tausend kleine Lügen
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Dieser Roman beginnt gewissermaßen mit einem Knalleffekt: Während eines Quizabends für die Eltern der Grundschule im australischen Städtchen Pirriwee kommt es zu mehreren Körperverletzungen und einem Todesfall. ...

Dieser Roman beginnt gewissermaßen mit einem Knalleffekt: Während eines Quizabends für die Eltern der Grundschule im australischen Städtchen Pirriwee kommt es zu mehreren Körperverletzungen und einem Todesfall.
Nach diesem spannungsgeladenen Auftakt werden die letzten sechs Monate vor den dramatischen Ereignissen geschildert, wobei immer klarer wird, dass hinter den Kulissen dieser idyllischen Schule viele Streitigkeiten und Intrigen ablaufen.
Drei Frauen stehen im Mittelpunkt der Handlung, aus deren Perspektive abwechselnd erzählt wird: Die 24jährige Jane ist erst vor kurzem nach Pirriwee gezogen. Sie versucht, ihrem Sohn Ziggy eine gute Mutter zu sein und sich in die Schul-Gemeinschaft einzufügen, doch ihre diversen Unsicherheiten sowie ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Vergangenheit belasten sie. Madeline ist fast das genaue Gegenteil. Sie ist offen und kommunikativ, geht aber auch keiner Konfrontation aus dem Weg. Und in solche wird sie häufig verwickelt, hat sie doch nicht nur mit Schwierigkeiten innerhalb ihrer Patchwork-Familie zu kämpfen, sondern zeigt auch immer großen Einsatz, wenn es darum geht, ihren Freunden beizustehen. Die wunderschöne Celeste scheint dagegen nach außen hin ein perfektes Leben zu führen, in ihrer Ehe liegt jedoch Einiges im Argen.
In den Text, vor allem am Ende vieler Kapitel, werden Ausschnitte aus Interviews eingefügt, die mit einigen der Beteiligten nach dem Quizabend geführt wurden. Diese geben neue Einblicke ins Geschehen, zeigen insbesondere, wie unterschiedlich dieselbe Situation von verschiedenen Leuten interpretiert werden kann, und bauen mit geschickt eingestreuten Andeutungen einige Spannung auf.

So entsteht ein flott geschriebener und unterhaltsamer Frauenroman, der mit ein paar kriminalistischen Elementen gewürzt ist. Dass man zu Beginn nicht weiß, was passieren wird und wer das Opfer ist, animiert zum Miträtseln. Die Auflösung ist zwar teilweise vorhersehbar, enthält aber auch einige überraschende Wendungen.
Die Protagonistinnen wirken sehr sympathisch. Es sind interessante Charaktere, die alle ihre eigenen Stärken und Schwächen haben, und mit vielerlei Problemen kämpfen müssen. Obwohl ich nicht jede ihrer Verhaltensweisen nachvollziehen konnte, fiel es mir - auch aufgrund des lebendigen Erzählstils - leicht, mich in sie hineinzuversetzen.
Außerdem gelingt es der Autorin sehr gut, den Mikrokosmos einer Grundschule darzustellen, mit all den Interaktionen und Reibereien zwischen den Eltern, bei denen allzu oft vor allem das eigene Ego im Vordergrund steht.

So bietet dieses Buch fesselndes Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite, weshalb ich es nur weiterempfehlen kann!

Veröffentlicht am 02.05.2017

Ausflug ins Frühmittelalter

Die fremde Königin
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Wie schon in „Das Haupt der Welt“ befasst sich Rebecca Gable auch in diesem Roman mit der deutschen Geschichte. Im Mittelpunkt steht Otto der Große, der mit harter und doch weiser Hand über sein Reich ...

Wie schon in „Das Haupt der Welt“ befasst sich Rebecca Gable auch in diesem Roman mit der deutschen Geschichte. Im Mittelpunkt steht Otto der Große, der mit harter und doch weiser Hand über sein Reich herrscht. Dabei muss er sich aber nicht nur gegen äußere Feinde wie Ungarn und Slawen durchsetzen, sondern ist auch mit Widersachern innerhalb seiner eigenen Familie konfrontiert.

Ihren Ausgang nimmt die Handlung im Garda des Jahres 951, wo die italienische Königin Adelheid monatelang in einem Verlies festgehalten wird, bis der Panzerreiter Gaidemar ihr in Ottos Auftrag zur Flucht verhilft.
Adelheid heiratet Otto und ist fortan darum bemüht, nicht nur ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen, sondern sich als kluge und umsichtige Ratgeberin auch in das Regierungsgeschäft einzubringen.
Auch Gaidemars Leben durchläuft diverse Änderungen. Obwohl er ein Bastard ist, erringt er Wertschätzung und Vertrauen einiger mächtiger Persönlichkeiten und gelangt in einflussreiche Positionen, muss aber auch viele Gefahrensituationen und Schicksalsschläge meistern.

Es gelingt der Autorin hervorragend, die Vergangenheit wiederauferstehen zu lassen. Der Roman dürfte sehr gut recherchiert sein, es fließen viele interessante Informationen zu den geschichtlichen Hintergründen ein.
Mit Ausnahme von Gaidemar treten überwiegend reale historische Persönlichkeiten auf, weshalb sich der Inhalt nahe an reale Geschehnisse anlehnt. Da die Überlieferung aus dieser Epoche aber lückenhaft ist, hatte die Autorin doch einigen Spielraum für dichterische Freiheiten. Was Wahrheit und was Fiktion ist, wird dann in einem ausführlichen und informativen Nachwort erläutert.

Es wird immer wieder Spannung aufgebaut und die Handlung kann mit wirklichen Überraschungen aufwarten.
Einiges ist allerdings ziemlich vorhersehbar und vor allem am Ende fügen sich viele Dinge zu perfekt.
Außerdem hatte ich gewisse Schwierigkeiten, mit den Protagonisten richtig warm zu werden. Sie werden teilweise zu distanziert geschildert. Schön fand ich aber das Wiedersehen mit einigen aus dem ersten Teil bekannten Figuren, zum Beispiel Tugomir.

Nichtsdestotrotz ist dies ein lesenswerter historischer Roman, der sich eines interessanten Themas annimmt. Ich habe von Frau Gable allerdings schon bessere Bücher gelesen

Veröffentlicht am 27.02.2017

Edison contra Westinghouse

Die letzten Tage der Nacht
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Dieser Roman ist von einer für den weiteren Verlauf der Geschichte der technischen Entwicklungen wegweisenden Auseinandersetzung zwischen Thomas Alva Edison und George Westinghouse inspiriert, die als ...

Dieser Roman ist von einer für den weiteren Verlauf der Geschichte der technischen Entwicklungen wegweisenden Auseinandersetzung zwischen Thomas Alva Edison und George Westinghouse inspiriert, die als „Stromkrieg“ bekannt wurde.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der junge Anwalt Paul Cravath, dessen erster eigener Fall sich als wahrhaft gigantisch herausstellt: Sein Klient ist der Erfinder und Industrielle George Westinghouse, der mit niemand geringerem als den berühmten, als Genie geltenden Thomas Edison in einen Patentrechtsstreit um die Erfindung der Glühbirne verwickelt ist. Paul wird schnell klar, dass nicht nur seine Karriere mit dem Ausgang dieses Verfahrens steht und fällt. Milliarden Dollar, die Existenz von Westinghouse Unternehmen und nicht zuletzt auch Menschenleben stehen auf dem Spiel.
Doch Paul ist fest entschlossen, gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner zu bestehen, muss dabei aber auch selbst moralisch fragwürdige Dinge tun.

Schon auf den ersten Blick kann man erkennen, dass dieses Buch durchdacht gestaltet ist. Sämtliche Kapitel sind mit einem treffenden Titel versehen und werden vor allem von genau auf ihren Inhalt abgestimmten Zitaten eingeleitet. Letztere stammen von so klingenden Namen wie Bill Gates, Steve Jobs, Albert Einstein und einigen mehr und illustrieren sehr schön verschiedene Facetten des Themenkreises Erfindertum und Wissenschaft.

Obwohl der Erzählstil eher sachlich und nicht besonders gefühlsbetont ist, weshalb ich einige Zeit brauchte, um mit den Protagonisten richtig warm zu werden, konnte ich mich schließlich doch gut in Paul hineinversetzen und mit ihm mitfiebern.
Bei einem Großteil der hier auftretenden Figuren handelt es sich um echte historische Persönlichkeiten, neben Edison und Westinghouse tritt insbesondere auch Nikola Tesla auf, und sie alle sind nachvollziehbar gezeichnet, mit positiven wie negativen Eigenschaften, es wird wenig Schwarz-Weiß-Malerei betrieben.
Es ist spannend, zu beobachten, wie die diversen Rechtsstreitigkeiten und Intrigen sich entwickeln, und man kann erkennen, wie ähnlich sich die bedeutenden Erfinder ihrer Zeit waren, welche fundamentalen Unterschiede es aber auch zwischen ihnen gab.

Die meisten Handlungselemente orientieren sich an realen Ereignissen, der Autor hat sich dabei aber viel dichterische Freiheit genommen, die Geschehnisse beispielsweise in eine neue Reihenfolge gebracht und einiges dazuerfunden. Normalerweise bin ich ja eher skeptisch, wenn ein historischer Roman zu sehr von der Realität abweicht, hier finde ich das Zusammenspiel von Fakten und Fiktion aber alles in allem gut gelungen. Außerdem werden die wahren Zusammenhänge in einem ausführlichen Nachwort erläutert, das auch weitere Literaturhinweise enthält.
Weiters ist die Darstellung der wissenschaftlichen Grundlagen, die für die Handlung eine Rolle spielen, immer leicht verständlich und anschaulich, ich hätte mir diesbezüglich nur an manchen Stellen etwas genauere Informationen gewünscht.

Fazit: Ein absolut lesenswerter Roman, der ein interessantes Kapitel der Technikgeschichte ausleuchtet. Es sollte mehr Bücher dieser Art geben!