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Veröffentlicht am 11.06.2020

Die evolutionären Wurzeln unseres Liebeslebens

Die verborgene Natur der Liebe
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Thomas Junker, der schon diverse populärwissenschaftliche Bücher zur Evolution (mit)verfasst hat, widmet sich hier einem Thema, das die Menschheit seit langem auf ganz besondere Weise bewegt. Daher verwundert ...

Thomas Junker, der schon diverse populärwissenschaftliche Bücher zur Evolution (mit)verfasst hat, widmet sich hier einem Thema, das die Menschheit seit langem auf ganz besondere Weise bewegt. Daher verwundert es nicht, dass es über Fragen im Zusammenhang mit Liebe und Sex die unterschiedlichsten Meinungen gibt, von althergebrachten Moralvorstellungen bis hin zu aktuellen Forschungsergebnissen.
Warum haben wir viel öfter Sex als es zur Fortpflanzung nötig wäre? Entspricht die monogame Zweierbeziehung tatsächlich unserer Natur oder doch eher das Leben in einer Kommune? Wovon hängt es ab, wen wir für attraktiv halten?

Diese und viele weitere Fragen werden hier untersucht. Der Autor betrachtet sie aus dem Blickwinkel unserer evolutionären Vergangenheit und überlegt, wie und warum sich entsprechende Vorlieben oder Lebensweisen herausgebildet haben könnten.
Um seine Gedanken zu verdeutlichen greift er dabei auch häufig auf Beispiele aus Büchern oder Filmen zurück. Manchmal übertreibt er es damit zwar ein bisschen, es trägt aber doch zur Anschaulichkeit bei.
Sicher, von den meisten der hier aufgeführten Überlegungen und Fakten habe ich bereits an anderer Stelle erfahren – in anderen Sachbüchern, Filmen, Romanen, Frauenzeitschriften etc. Doch zu so ziemlich jeder Aussage habe ich genauso auch schon mal das Gegenteil gehört bzw gelesen.
Der Autor macht sich dagegen die Mühe, jedes Thema von verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Er hinterfragt von diversen Medien verbreitete Behauptungen ebenso wie wissenschaftliche Theorien und stellt ihnen vor allem immer wieder die Lebenswirklichkeit gegenüber.
Ich kann nicht beurteilen, ob er damit immer richtig liegt – gerade in diesem Bereich dürfte der Grundsatz „zwei Experten, drei Meinungen“ in besonderem Maße gelten -, seine Argumentationslinien sind aber jedenfalls meist schlüssig und konsistent.

Insgesamt zeigt sich dabei, dass unser Liebes- und Sexualleben mehr von unserer Biologie beeinflusst wird als wir es gerne wahrhaben würden, dass wir Menschen diesbezüglich aber auch einige einzigartige Charakteristika aufweisen, weshalb das Ableiten von Erkenntnissen oder gar Verhaltensempfehlungen durch simple Vergleiche mit anderen Tierarten oft in die Irre führt.
Praktische Ratschläge zum Thema „Wie man die Richtigen findet“ darf man hier zwar (trotz eines Kapitels mit dieser Überschrift) nicht erwarten. Die Lektüre kann aber vielleicht trotzdem vor manchen Fehlern bewahren und insbesondere dabei helfen, über die Medien transportierte Vorstellungen und Bilder richtig einzuordnen.

Veröffentlicht am 11.06.2020

Uninspiriertes Panorama eines wegweisenden Jahres

Neue Zeit 1919
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Gerhard Jelinek berichtet hier darüber, was 1919, im ersten Jahr der jungen Republik (Deutsch)Österreich, in Österreich und seinen Nachbarstaaten so alles passiert ist.
Er erzählt sowohl von großen Ereignissen ...

Gerhard Jelinek berichtet hier darüber, was 1919, im ersten Jahr der jungen Republik (Deutsch)Österreich, in Österreich und seinen Nachbarstaaten so alles passiert ist.
Er erzählt sowohl von großen Ereignissen aus der Welt der Politik – wie den in Saint Germain diktierten Friedensbedingungen und ihren Folgen, kommunistischen Putsch(versuchen) oder den Schicksalen ehemals gekrönter Häupter – als auch von Erlebnissen prominenter Persönlichkeiten, beispielsweise Oskar Kokoschkas Puppenfetisch oder Thomas Manns Trauer um seinen Hund. Dabei treten auch einige Skurrilitäten zutage, etwa ein von einem Poeten ausgerufener künstlerischer Freistaat in Fiume. Auch auf Hunger und Not der Bevölkerung wird natürlich immer wieder eingegangen.

Das Alles ist nicht uninteressant und es regt sicher dazu an, sich über das eine oder andere Ereignis noch weiter zu informieren.
Jedoch werden auf die einzelnen Geschehnisse immer nur Schlaglichter geworfen. Größere Zusammenhänge werden so nicht deutlich und der Text ist auch eher trocken. Es gelingt somit nicht, das „Flair“ dieses besonderen Jahres einzufangen.
Das Buch hat mir daher weniger gut gefallen als ähnliche Werke, die ich schon gelesen habe (beispielsweise „Schöne Tage 1914“ desselben Autors). Das könnte natürlich auch daran liegen, dass der Autor aus diesem Zeitraum, der doch überwiegend von Negativem geprägt war, einfach nicht mehr machen konnte.
Insgesamt versäumt man aber jedenfalls nicht viel, wenn man dieses Buch nicht liest.

Veröffentlicht am 11.06.2020

Unterhaltsames Buch zum Mitraten und Dazulernen

Wer weiß denn sowas?
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Ich schaue mir „Wer weiß denn sowas?“ immer wieder gerne an. Eine unterhaltsame Sendung, die zum Miträtseln animiert und nebenbei noch auf amüsante Weise einiges Wissen vermittelt.
Fast genauso gut gefällt ...

Ich schaue mir „Wer weiß denn sowas?“ immer wieder gerne an. Eine unterhaltsame Sendung, die zum Miträtseln animiert und nebenbei noch auf amüsante Weise einiges Wissen vermittelt.
Fast genauso gut gefällt mir dieses Buch. Fast, weil man hier auf die oftmals witzigen Bemerkungen der prominenten Rateteams verzichten muss. (Das wäre vielleicht ein Verbesserungsvorschlag in Hinblick auf weitere Bände.)
Die 154 Fragen befassen sich mit den verschiedensten Themengebieten und halten eine Reihe interessanter oder überraschender Erkenntnisse bereit. Auch die Umsetzung des eBooks ist gelungen. Die Fragen und Antwortmöglichkeiten finden sich jeweils auf einer Seite, beim Umblättern gelangt man dann zur Antwort einschließlich einer kurzgefassten Erläuterung.

  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 10.06.2020

Gemeinschaftswerk, das auf wahren Ereignissen basiert

Die vierte Zeugin
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Der Grund für die Entstehung dieses Werkes war ein durchaus tragischer: Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009, welcher zur Zerstörung oder Beschädigung zahlreicher historischer Texte von unschätzbarem ...

Der Grund für die Entstehung dieses Werkes war ein durchaus tragischer: Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009, welcher zur Zerstörung oder Beschädigung zahlreicher historischer Texte von unschätzbarem Wert führte. Der Autorenkreis Quo Vadis sah sich veranlasst, ebenfalls einen Beitrag zu den Restaurierungsarbeiten zu leisten und übernahm schließlich die Patenschaft für die Gerichtsdokumente zum Fall der Agnes Imhoff. Folgerichtig wurde auch der vorliegende Roman, an dem insgesamt zwölf Autorinnen und Autoren beteiligt waren, von diesen wahren Ereignissen inspiriert:
Im Köln des Jahres 1534 erregt ein Gerichtsverfahren die Gemüter. Die Witwe Agnes Imhoff soll für Schulden haftbar gemacht werden, die ihr verstorbener Mann eingegangen war. Nach damaliger Rechtslage eigentlich nicht möglich, doch gerade das macht den Fall so brisant. Dazu kommt noch, dass es sich bei Agnes um eine schillernde Persönlichkeit handelt, bezüglich deren Eigenschaften die Meinungen stark auseinander gehen.
Doch nur wenige wissen, dass der Ausgang des Prozesses eigentlich von vornherein feststeht, da unter anderem der Richter und selbst Agnes Anwalt von mächtigen Personen beeinflusst werden.

Der(rechts)geschichtliche Hintergrund dieses Romans ist sehr interessant. Dass eine Frau früher nicht für die Schulden ihres Mannes verantwortlich gemacht werden konnte, wusste ich noch nicht. Zumindest ein Punkt, bei dem es auch Vorteile hatte, dass Frauen nicht als geschäftsfähig angesehen wurden, wenngleich dies auch Gaunern ihre Tätigkeit erleichtert haben dürfte…
Natürlich haben sich die Autoren bei der Darstellung der historischen Fakten einige Freiheiten genommen, teilweise werden diese aber zumindest im Nachwort erklärt.

Generell ist ein solches Gemeinschaftswerk ja eine gewisse Herausforderung und ich bin da meistens auch etwas skeptisch. Hier ist die Umsetzung aber alles in allem ganz gut gelungen.
Die Geschichte wird nacheinander aus der Sicht vieler verschiedener Personen erzählt, wobei eben jeder Autor eine davon übernommen hat. Dies hat den Nachteil, dass man jede Figur nur kurz kennen lernt, obwohl viele es verdient hätten, genauer ausgeleuchtet zu werden, und dass nicht alle eine gleich große Bedeutung für die Handlung haben. Auch bleiben ein paar Ungereimtheiten und Widersprüche.
Alles in allem stellen sich aber sämtliche Autoren in den Dienst des „größeren Ganzen“, sodass der Roman insgesamt eine runde Sache ist. Selbst die unterschiedlichen Schreibstile machen sich relativ wenig bemerkbar.
Wirklich viel Spannung will jedoch nicht aufkommen, die wesentlichen Ereignisse und Entwicklungen sind ziemlich vorhersehbar.

Nichtsdestotrotz ein lesenswertes Buch. Ich kann es Fans historischer Romane, die mal ein „Experiment“ wagen wollen, durchaus weiterempfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.06.2020

Dem Mikrobiom auf der Spur

Winzige Gefährten
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Die überraschend umfangreiche und vielfältige Welt der mikroskopisch kleinen Lebewesen wurde erst verhältnismäßig spät von der Wissenschaft entdeckt. Immer noch und gerade in letzter Zeit wieder verstärkt ...

Die überraschend umfangreiche und vielfältige Welt der mikroskopisch kleinen Lebewesen wurde erst verhältnismäßig spät von der Wissenschaft entdeckt. Immer noch und gerade in letzter Zeit wieder verstärkt gelten Bakterien etc vielen in erster Linie als Krankheitserreger, die es zu bekämpfen gilt. Dass der Körper jedes Menschen wie auch derjenige aller anderen Tiere geradezu ein Sammelsurium an Mikroben beherbergt und gewissermaßen als Konglomerat von Ökosystemen betrachtet werden kann, ist den meisten jedoch kaum bewusst.
Der Autor zeigt hier anhand zahlreicher Beispiele wie die Beziehungen zwischen Tieren und ihren Mikroorganismen ausgestaltet sind, wie letztere vielfach zum Überleben ihrer Wirte beitragen, bisweilen aber auch negative Auswirkungen haben, wobei ein und dieselben Bakterien je nach den sonstigen Umständen mal in der einen mal in der anderen Rolle auftreten können.
Er berichtet beispielsweise davon, welche Folgen es hat, wenn Labortiere in absolut keimfreier Umgebung aufwachsen und erzählt von Insekten, die Bakterien-Gene in ihr eigenes Genom integriert haben oder davon, wie Mikroben zur Bekämpfung diverser Krankheiten eingesetzt werden können.

Dabei entsteht ein facettenreiches Bild eines Bereiches, welcher unseren Blicken sonst verborgen bleibt.
Es handelt sich somit um ein sehr interessantes Thema. Auf diesem Gebiet sind in den nächsten Jahren sicher noch weitere spannende Entdeckungen zu erwarten. Der Inhalt dürfte auch gut recherchiert sein, wie zahlreiche Fußnoten und ein langes Literaturverzeichnis zeigen. Die Ausführungen sind jedoch stellenweise eher trocken und es werden bisweilen fast schon zu viele Details angesprochen. Die Lektüre gestaltet sich daher etwas mühsam.