Cover-Bild Schneider / Schwerte
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32,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Wallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch
  • Themenbereich: Geschichte und Archäologie - Geschichte
  • Genre: Sachbücher / Film, Kunst & Kultur
  • Seitenzahl: 316
  • Ersterscheinung: 10.04.2026
  • ISBN: 9783835360341
Angelina Pils

Schneider / Schwerte

Ein westdeutsches Doppelleben 1945-1999
Ein SS-Offizier wird unter falschem Namen zum Universitätsrektor und Vorzeigedemokraten. Der Fall Schneider / Schwerte zeigt die paradoxe Rolle von NS-Akteuren beim Aufbau der Bundesrepublik.

Der gefeierte Germanist und ehemalige Rektor der RWTH Aachen Professor Hans Schwerte lebte 50 Jahre lang mit einer gefälschten Identität. Nach seiner Enttarnung 1995 zeigte sich: Hinter dem linksliberalen Hochschulreformer verbarg sich der ehemalige SS-Hauptsturmführer Hans Ernst Schneider, der den »Germanischen Wissenschaftseinsatz« der SS geleitet hatte. Wie konnte aus einem NS-Wissenschaftsorganisator eine Identifikationsfigur der demokratischen Nachkriegsgermanistik werden? Auf Basis bisher unbekannter Quellen – darunter insbesondere Schneider / Schwertes kontinuierlich von 1942 bis zu seinem Tod geführte Tagebücher – zeichnet Angelina Pils nach, wie ihm der Identitätswechsel gelang und warum die Enttarnung erst so spät erfolgte. Die Autorin analysiert die personellen Kontinuitäten, die strukturellen Bedingungen und die mentalen Anpassungsprozesse, die Karrieren wie die Schneider / Schwertes ermöglichten. Das Buch richtet sich an alle, die verstehen wollen, wie Systemtransformationen funktionieren. Die Autorin bietet neue Perspektiven auf aktuelle Debatten über Erinnerungskultur und den Umgang mit belasteten Biografien. Ein wichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte, der zeigt, dass der Weg in die Demokratie voller Widersprüche war.

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Lesejury-Facts

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  • Alrik hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2026

Wenn Geschichte plötzlich die Maske fallen lässt

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Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern ...

Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern eher ein Gang in einen Keller, in dem jemand viel zu lange das Licht ausgelassen hat.

Angelina Pils nimmt sich Hans Ernst Schneider vor, später bekannt als Hans Schwerte, und legt Schicht für Schicht frei, wie aus einem SS-Offizier ein angesehener Hochschulmensch, Rektor und Vorzeigedemokrat werden konnte. Und ganz ehrlich, beim Lesen sitzt man da teilweise mit hochgezogener Augenbraue und denkt: Das kann doch nicht einfach so funktioniert haben. Tja. Offenbar konnte es das doch.

Besonders stark ist, dass das Buch nicht nur auf diese eine Person starrt. Es geht nicht bloß um einen Mann mit falschem Namen, sondern um ein ganzes System aus Wegsehen, Mitmachen, Anpassen und sehr bequemer Erinnerungslücke. Genau da wird es spannend und auch ziemlich bitter.

Der Stil ist sachlich, aber nicht trocken wie alter Zwieback. Man merkt die wissenschaftliche Tiefe, trotzdem bleibt der Stoff greifbar. Natürlich ist das kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet. Man muss schon dabei bleiben. Aber wer sich für Nachkriegsgeschichte, Erinnerungskultur und diese seltsamen Brüche in der Bundesrepublik interessiert, bekommt hier richtig viel Futter.

Für mich ist Schneider / Schwerte ein starkes, wichtiges und ziemlich nachhallendes Sachbuch. Nicht gemütlich, nicht leicht, aber genau deshalb lesenswert. Geschichte klopft hier nicht höflich an, sie tritt eher mit schmutzigen Schuhen in den Raum.

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