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Veröffentlicht am 22.06.2026

Wenn Freiheit am Hof gefährlicher ist als jede Intrige

Der Gesang des Falken
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Schillernde Höfe, schöne Kleider, höfisches Getue und dahinter jede Menge Gift im Lächeln. Genau da wirft einen Der Gesang des Falken rein, und zwar nicht wie ein staubiges Geschichtsbuch, sondern eher ...

Schillernde Höfe, schöne Kleider, höfisches Getue und dahinter jede Menge Gift im Lächeln. Genau da wirft einen Der Gesang des Falken rein, und zwar nicht wie ein staubiges Geschichtsbuch, sondern eher wie ein Film, bei dem man plötzlich viel zu nah an den Intrigen steht.

Marcelle mochte ich sofort. Diese junge Frau hat keinen Bock auf das ganze Theater am Hof, und ganz ehrlich, ich konnte sie verstehen. Während alle glänzen, lächeln und taktieren, will sie lieber zeichnen, atmen und irgendwie sie selbst bleiben. Dann kommt Anne Boleyn dazu, elegant, klug und erst mal ziemlich unnahbar. Da dachte ich kurz: Na super, jetzt wird es steif. Wurde es aber nicht.

Gerade die Verbindung zwischen Marcelle und Anne trägt das Buch richtig schön. Keine kitschige Zuckerwattefreundschaft, sondern ein vorsichtiges Annähern zwischen zwei jungen Frauen, die mehr wollen als hübsch dastehen und brav nicken. Das hat Herz, Haltung und diesen kleinen rebellischen Funken, den ich bei historischen Romanen liebe.

Die Renaissance Atmosphäre sitzt stark. Paris, Hofleben, Machtspiele, Falken, Freiheitsträume, alles wirkt lebendig, ohne einen mit Jahreszahlen zu erschlagen. Man merkt, dass hier jemand Geschichte liebt, aber trotzdem eine Geschichte erzählen will, die berührt.

Für mich ein richtig gelungener historischer Roman mit Gefühl, Spannung und starken Figuren. Nicht perfekt, aber verdammt nah dran.

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Veröffentlicht am 21.06.2026

Eine Frau, die Geschichte in den Händen hielt

Die Welt in ihren Händen
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Was für eine Frau. Gertrude Bell stapft hier nicht einfach brav durch die Geschichte, sie reitet, forscht, verhandelt, liebt, leidet und mischt in einer Männerwelt mit, in der sie eigentlich nur dekorativ ...

Was für eine Frau. Gertrude Bell stapft hier nicht einfach brav durch die Geschichte, sie reitet, forscht, verhandelt, liebt, leidet und mischt in einer Männerwelt mit, in der sie eigentlich nur dekorativ hätte danebenstehen sollen. Pustekuchen.

Olivier Guez erzählt ihr Leben mit viel Atmosphäre und einem richtig starken Blick für Mesopotamien nach dem Ersten Weltkrieg. Sand, Politik, Machtspiele, verletzte Eitelkeiten und dieser ständige Gedanke: Meine Güte, wie viel von dem Chaos damals wirkt bis heute nach?

Besonders spannend fand ich, wie widersprüchlich Gertrude Bell gezeigt wird. Sie ist mutig, klug und ihrer Zeit oft weit voraus, aber eben auch Teil eines Empire, das meinte, die Welt nach eigenen Vorstellungen sortieren zu dürfen. Das macht sie nicht zur einfachen Heldin, sondern zu einer Figur, über die man nach dem Lesen noch länger nachdenkt.

Manchmal hätte ich mir allerdings mehr Nähe zu ihr gewünscht. Mehr Herzklopfen unter dem staubigen Reisehut, mehr Innenleben, mehr Gertrude pur. Guez bleibt oft sehr historisch, sehr politisch, sehr groß im Panorama. Das ist beeindruckend, aber zwischendurch auch ein bisschen so, als würde man mit Notizbuch durch die Wüste laufen.

Trotzdem: Dieses Buch hat Wucht. Es ist klug, bildstark und öffnet den Blick auf eine Frau, die viel zu lange unterschätzt wurde. Kein leichter Wohlfühlroman, eher ein intensiver Kaffee mit ordentlich Nachhall.

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Veröffentlicht am 20.06.2026

Vier Frauen, die der Geschichte ihre Stimme zurückgeben

Shakespeares Schwestern
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Zwischen schweren Türen, staubigen Bibliotheken und einer Welt, in der Frauen kaum eine eigene Stimme zugestanden wurde, öffnet dieses Buch einen Raum, der lange verschlossen blieb.

Shakespeares Schwestern ...

Zwischen schweren Türen, staubigen Bibliotheken und einer Welt, in der Frauen kaum eine eigene Stimme zugestanden wurde, öffnet dieses Buch einen Raum, der lange verschlossen blieb.

Shakespeares Schwestern hat mich auf eine ruhige, aber sehr eindringliche Weise berührt. Ramie Targoff erzählt von vier Frauen, die nicht laut um Aufmerksamkeit baten, sondern sich ihren Platz mit Mut, Bildung, Geduld und einer unglaublichen inneren Stärke erkämpften. Elizabeth Cary, Aemilia Lanyer, Mary Sidney und Anne Clifford wirken hier nicht wie Randfiguren der Geschichte, sondern wie Frauen aus Fleisch und Blut, voller Sehnsucht, Widerspruch und Kraft.

Besonders schön fand ich, dass dieses Buch die Renaissance nicht nur als große Bühne berühmter Männer zeigt. Plötzlich fällt Licht auf jene, die oft übersehen wurden. Ihre Texte, ihre Kämpfe, ihre Verluste und ihr unbeirrbarer Wille bekommen Raum. Das liest sich stellenweise anspruchsvoll und verlangt Aufmerksamkeit, aber gerade dadurch entsteht eine besondere Tiefe.

Für mich ist es kein Buch, das man einfach nebenbei wegliest. Es ist eher eines, das man langsam aufschlägt, wirken lässt und mit Respekt wieder zuklappt. Ein starkes, kluges und wichtiges Sachbuch über Frauen, die geschrieben haben, obwohl ihre Zeit ihnen eigentlich das Schweigen zugedacht hatte.

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Veröffentlicht am 20.06.2026

Wenn Fußballgeschichte wieder Gänsehaut macht

Spiele für die Ewigkeit
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Manchmal reicht schon ein Spielstand, und sofort läuft im Kopf wieder das komplette Fußballkino an. 7:1. Bern. Sevilla. Turin. Zack, Gänsehaut. Dieses Buch ist wie eine große Zeitreise durch deutsche WM ...

Manchmal reicht schon ein Spielstand, und sofort läuft im Kopf wieder das komplette Fußballkino an. 7:1. Bern. Sevilla. Turin. Zack, Gänsehaut. Dieses Buch ist wie eine große Zeitreise durch deutsche WM Geschichte, nur ohne muffigen Geschichtsunterricht und ohne dieses trockene Tabellenblabla, bei dem einem nach drei Seiten der Kaffee kalt wird.

Sascha Theisen nimmt einen mit in Spiele, die man kennt, liebt, verflucht oder vielleicht nur aus Erzählungen kennt. Und trotzdem fühlt es sich beim Lesen so an, als säße man wieder mit Schweißhänden vor dem Fernseher. Gerade diese Mischung aus großen Bildern, packenden Momenten und kleinen Erinnerungsfunken macht richtig Spaß.

Natürlich sind viele Spiele dabei, bei denen man sofort denkt: Ja klar, das muss rein. Das Wunder von Bern, das Finale 1990, die Nacht von Sevilla, das Sommermärchen 2006 und natürlich Brasilien 2014. Aber genau darum funktioniert das Buch so gut. Es sammelt nicht einfach Ergebnisse, sondern Stimmungen. Jubel, Drama, Schmerz, Trotz und dieses typische Fußballgefühl, bei dem erwachsene Männer plötzlich wieder wie Kinder vorm Bildschirm hängen.

Besonders schön ist, dass das Buch für ältere Fans genauso funktioniert wie für jüngere Fußballfreunde. Wer manches selbst erlebt hat, bekommt Erinnerungen zurück. Wer es nur aus Clips kennt, versteht besser, warum diese Spiele bis heute so groß sind.

Kein Buch, das man nüchtern wegliest. Eher eins zum Blättern, Staunen, Erinnern und nebenbei laut sagen: Mensch, was war das damals bitte für ein Spiel?

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Ingeborg Bachmann zwischen Licht, Liebe und Abgrund

Dieses unruhige Ich
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Manche Bücher kommen nicht laut polternd zur Tür rein, sondern setzen sich einfach an den Tisch, schauen einen an und sagen: Jetzt hör mal kurz zu. Dieses unruhige Ich ist genau so ein Buch.

Dieter Burdorf ...

Manche Bücher kommen nicht laut polternd zur Tür rein, sondern setzen sich einfach an den Tisch, schauen einen an und sagen: Jetzt hör mal kurz zu. Dieses unruhige Ich ist genau so ein Buch.

Dieter Burdorf erzählt Ingeborg Bachmann nicht wie eine staubige Literaturfigur aus dem Regal, sondern als Frau voller Widersprüche, Sehnsucht, Stärke, Schmerz und diesem dauernden inneren Flackern. Beim Lesen hatte ich öfter den Gedanken: Mensch, was muss in dieser Frau alles los gewesen sein. Ruhm, Liebe, Sprache, Zusammenbrüche, Freundschaften, Verletzungen und immer wieder dieses Schreiben, als würde daran das ganze Leben hängen.

Besonders stark fand ich, wie Beziehungen nicht einfach als Klatschfutter serviert werden. Paul Celan, Max Frisch, Hans Werner Henze und andere tauchen nicht auf wie Namen zum Angeben, sondern als Menschen, die Bachmann geprägt, getragen, verletzt oder gespiegelt haben. Das macht die Biographie intensiv, manchmal schwer, aber nie billig.

Ganz ehrlich, zwischendurch musste ich langsamer lesen. Nicht, weil es langweilig war, sondern weil dieses Leben nicht mal eben nebenbei wegzulesen ist. Da steckt viel Dunkelheit drin, aber auch wahnsinnig viel Kraft. Burdorf schreibt klug, nah dran und mit Respekt. Kein Sensationsgehechel, eher ein genaues Hinsehen.

Für mich ist das eine starke Biographie für alle, die Literatur nicht nur lesen, sondern spüren wollen. Kein Buch für nebenbei, aber eins, das nachhallt.

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