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Veröffentlicht am 05.05.2026

Wenn Trauer ein Haus mitten im Nirgendwo wäre

Von Vieh und Vögeln
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Manchmal fährt eine Figur einfach los und man denkt sich: Na wunderbar, das kann ja nur schiefgehen. Coro landet ohne Handy, ohne Benzin und ganz offensichtlich ohne Plan bei Betania, diesem abgelegenen ...

Manchmal fährt eine Figur einfach los und man denkt sich: Na wunderbar, das kann ja nur schiefgehen. Coro landet ohne Handy, ohne Benzin und ganz offensichtlich ohne Plan bei Betania, diesem abgelegenen Haus voller Frauen, Hunde, Rituale und einer Natur, die nicht einfach nur Kulisse ist, sondern gefühlt selbst mit am Tisch sitzt und einen schweigend anstarrt.

Von Vieh und Vögeln ist kein Roman, der einem die Hand hält und freundlich sagt: Komm, ich erkläre dir mal alles. Nein, dieses Buch stellt sich eher neben dich, flüstert etwas Merkwürdiges ins Ohr und verschwindet dann wieder im Wald. Und genau das ist gleichzeitig seine größte Stärke und seine kleine Gemeinheit.

Die Atmosphäre ist unglaublich dicht. Dieses Haus, der Felsen, der See, die Vögel, die Hunde, diese Frauen, die wirken, als hätten sie längst mehr verstanden als Coro selbst. Das alles hat etwas Traumartiges, Bedrohliches und fast Märchenhaftes. Nur eben kein Märchen mit Keksen und Happy End, sondern eher eins, bei dem man nachts nochmal prüft, ob die Haustür wirklich zu ist.

Emotional sitzt der Roman vor allem dort, wo es um Trauer geht. Coros Verlust hängt über allem wie feuchte Wäsche an einem grauen Tag. Man spürt, dass sie eigentlich weg will, aber innerlich längst feststeckt. Das fand ich stark, manchmal sogar richtig schön schmerzhaft.

Ganz ehrlich: Wer klare Antworten, Tempo und eine saubere Auflösung braucht, wird hier vermutlich zwischendurch leise mit den Augen rollen. Dieses Buch ist langsam, symbolisch, sperrig und manchmal sehr eigen. Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eine intensive, unheimliche und sprachlich besondere Geschichte über Verlust, Gemeinschaft und dieses seltsame Gefühl, irgendwo dazuzugehören, obwohl man nie darum gebeten hat.

Kein Buch zum Wegatmen, eher eins zum Nachhallen. Und ja, ein bisschen schräg ist es auch. Aber manchmal sind gerade die schrägen Vögel die interessantesten.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Wenn Berufe plötzlich nach Abenteuer riechen

Die verrücktesten Jobs, von denen du garantiert noch nie gehört hast!
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Schon nach den ersten Seiten lag bei uns dieses neugierige Kribbeln in der Luft, das entsteht, wenn ein Buch nicht einfach Wissen erklärt, sondern Türen aufstößt, von denen man vorher gar nicht wusste, ...

Schon nach den ersten Seiten lag bei uns dieses neugierige Kribbeln in der Luft, das entsteht, wenn ein Buch nicht einfach Wissen erklärt, sondern Türen aufstößt, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt. Zusammen mit meinem Neffen habe ich Die verrücktesten Jobs, von denen du garantiert noch nie gehört hast! angeschaut und gelesen, und es war herrlich zu sehen, wie schnell aus einem kurzen Blättern ein großes Staunen wurde.

Die Mischung aus professionellem Schläfer, Duftforscherin, Wasserrutschentester, Fischezähler oder Schiffscowboy ist so wunderbar schräg, dass man automatisch weiterliest. Mein Neffe blieb immer wieder hängen, stellte Fragen, lachte über die Ideen und überlegte direkt, welcher Beruf wohl am verrücktesten wäre. Genau das macht dieses Buch so schön: Es erklärt nicht trocken, sondern kitzelt die Fantasie wach.

Die kurzen Texte passen sehr gut für Kinder ab etwa acht Jahren, weil sie leicht verständlich bleiben und trotzdem genug Futter für Gespräche bieten. Dazu kommen die humorvollen Illustrationen, die jede Seite lebendig machen und den ungewöhnlichen Berufen noch mehr Charme geben. Man merkt sofort, dass hier nicht nur informiert, sondern auch gespielt, gestaunt und geschmunzelt werden darf.

Für mich ist es ein richtig schönes Kindersachbuch, das zeigt, wie bunt die Arbeitswelt sein kann. Es nimmt Kindern den engen Blick auf klassische Berufe und schenkt ihnen stattdessen dieses schöne Gefühl: Vielleicht gibt es da draußen viel mehr Möglichkeiten, als man denkt.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Ein Weckruf mit ordentlich Druck auf dem Kessel

Systemversagen
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Dieses Buch kommt nicht auf leisen Sohlen daher, es tritt eher die Tür ein, stellt den Aktenkoffer auf den Tisch und fragt: So, Deutschland, was ist hier eigentlich los?

Gabor Steingart nimmt sich in ...

Dieses Buch kommt nicht auf leisen Sohlen daher, es tritt eher die Tür ein, stellt den Aktenkoffer auf den Tisch und fragt: So, Deutschland, was ist hier eigentlich los?

Gabor Steingart nimmt sich in Systemversagen nicht weniger vor als den Zustand der Republik. Wirtschaft, Politik, Bildung, Verwaltung, Sozialstaat, alles wird einmal aufgeschraubt, durchgeleuchtet und mit ziemlich spitzer Feder kommentiert. Das liest sich nicht wie ein trockenes Sachbuch, sondern eher wie ein politischer Weckruf mit eingebautem Kaffeevollautomaten: stark, heiß und manchmal ein bisschen bitter.

Besonders gefallen hat mir, dass Steingart komplizierte Zusammenhänge verständlich macht. Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um mitzukommen. Viele Stellen haben bei mir dieses unangenehme Nicken ausgelöst, bei dem man denkt: Mist, ganz falsch liegt er da nicht. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass hier jemand bewusst zuspitzt. Manche Thesen wirken so knallig formuliert, dass man innerlich kurz die Augenbraue hochzieht und denkt: Na, Gabor, jetzt aber langsam mit den jungen Pferden.

Trotzdem hat mich das Buch gepackt. Es macht wütend, nachdenklich und stellenweise sogar hoffnungsvoll. Kein Wohlfühlbuch, eher ein Tritt gegen das bequeme Sofa. Aber manchmal braucht es genau das, damit man wieder gerade sitzt.

Für alle, die politische und wirtschaftliche Debatten mögen, ist Systemversagen eine spannende, unbequeme und sehr lesbare Lektüre. Nicht jede Pointe sitzt perfekt, aber der Weckruf hallt ordentlich nach.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Wenn Worte plötzlich Geschichte schreiben

Schlagworte, die Geschichte machen
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Manche Wörter kleben an der Geschichte wie Kaugummi unter dem Schultisch. Man denkt, man kennt sie längst, dann kommt Bruno Preisendörfer um die Ecke, hebt sie hoch und sagt: Guck mal genauer hin, da hängt ...

Manche Wörter kleben an der Geschichte wie Kaugummi unter dem Schultisch. Man denkt, man kennt sie längst, dann kommt Bruno Preisendörfer um die Ecke, hebt sie hoch und sagt: Guck mal genauer hin, da hängt noch der halbe politische Keller dran.

Schlagworte, die Geschichte machen ist kein trockenes Geschichtsbuch, bei dem man nach drei Seiten heimlich den Staub vom Gehirn pusten muss. Preisendörfer erzählt deutsche Nachkriegsgeschichte über Parolen, Sätze und Begriffe, die sich eingebrannt haben. Wirtschaftswunder. Wohlstand für Alle. Ich bin ein Berliner. Sofort, unverzüglich. Zeitenwende. Alles klingt bekannt, fast schon abgegriffen, aber genau da wird es spannend.

Denn hinter diesen Worten steckt oft mehr Theater, mehr Kalkül und mehr Zufall, als man denkt. Kennedy war nicht einfach spontan charmant, Schabowski nicht nur historisch passend verwirrt, und manches Wunder war bei genauerem Hinsehen vielleicht weniger Wunder als gut verkaufte Erzählung. Da sitzt man beim Lesen schon mal da und denkt: Ach guck, Geschichte war also auch damals schon ziemlich gutes Marketing.

Besonders stark ist, wie Preisendörfer große Politik mit kleinen Beobachtungen verbindet. Das macht das Buch lebendig, manchmal bissig, manchmal überraschend warm und immer wieder herrlich entlarvend. Man merkt, dass hier jemand nicht nur Jahreszahlen sortiert, sondern den Sound einer ganzen Republik einfängt.

Klar, ganz nebenbei liest man das nicht weg. Dafür steckt zu viel drin. Aber wer Lust hat, deutsche Geschichte mal nicht als staubige Chronik, sondern als Sammlung mächtiger Worte, cleverer Inszenierungen und kleiner historischer Aha-Momente zu erleben, bekommt hier ein richtig kluges, unterhaltsames und erstaunlich aktuelles Sachbuch.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Ponyduft, Ferienkribbeln und ein kleines Geheimnis

Ponystarke Ferien. Ein Pferdetraum wird wahr (Band 1)
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Sommerluft, Ponyduft und dieses kribbelige Gefühl, wenn Ferien plötzlich nach Abenteuer schmecken. Genau so hat sich Ponystarke Ferien für mich angefühlt. Zusammen mit meiner Nichte habe ich Tonis Reise ...

Sommerluft, Ponyduft und dieses kribbelige Gefühl, wenn Ferien plötzlich nach Abenteuer schmecken. Genau so hat sich Ponystarke Ferien für mich angefühlt. Zusammen mit meiner Nichte habe ich Tonis Reise nach Dänemark entdeckt und wir waren sofort mittendrin auf Nessis Ponyhof, zwischen Reitstunden, Ausritten, Stallgeruch und ganz viel Herzklopfen.

Toni und Merle haben uns direkt abgeholt. Ihre Freundschaft fühlt sich warm, lebendig und ehrlich an, und gerade dieses gemeinsame Staunen über die Ponys macht die Geschichte so schön greifbar. Meine Nichte war natürlich sofort bei den Pferden, ich eher bei den kleinen Zwischentönen, bei Unsicherheiten, Zickereien und diesem Mut, den Toni Stück für Stück entwickelt.

Besonders schön fand ich, dass die Geschichte nicht nur süß und pferdelieb ist, sondern auch ein kleines Geheimnis mitbringt. Die verschwundenen Ponys, die Sache mit der Schattenhexe und Emilias verdächtiges Verhalten sorgen für Spannung, ohne zu düster zu werden. Genau richtig für junge Pferdefans, die beim Lesen miträtseln möchten.

Die Illustrationen passen wunderbar zur Geschichte und machen den Ponyhof noch lebendiger. Für uns war es ein richtig schönes gemeinsames Leseabenteuer, voller Feriengefühl, Freundschaft und Ponyglück. Ein Buch, das nach Heu, Sonne und Kinderlachen schmeckt.

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