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Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein kluges Buch, das kratzt statt streichelt

Anti Müller
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Zwischen Wut, Analyse und poetischer Schärfe liegt dieses Buch wie ein offener Nerv auf dem Tisch.

Anti Müller ist kein Roman, der einen sanft an die Hand nimmt. Vielmehr zieht er die Vorhänge auf und ...

Zwischen Wut, Analyse und poetischer Schärfe liegt dieses Buch wie ein offener Nerv auf dem Tisch.

Anti Müller ist kein Roman, der einen sanft an die Hand nimmt. Vielmehr zieht er die Vorhänge auf und lässt das grelle Licht auf Beziehungen, Machtverhältnisse und einen Kulturbetrieb fallen, der sich gern modern gibt, aber oft noch erstaunlich alte Muster atmet. Die Sprache ist dabei präzise, manchmal fast messerscharf, voller kluger Beobachtungen und bitterer Sätze, die nachhallen.

Mich hat besonders gefallen, wie kompromisslos Yade Yasemin Önder auf patriarchale Strukturen schaut. Da steckt viel Wut drin, aber auch eine große Verletzlichkeit. Gleichzeitig blieb ich emotional öfter auf Abstand. Die Erzählerin seziert so viel, dass mir zwischendurch das Fühlen etwas verloren ging. Manche Gedanken waren stark, andere wirkten auf mich sehr verkopft und sperrig.

Trotzdem ist Anti Müller ein mutiges Buch mit Haltung. Kein Wohlfühlroman, kein leichter Abend auf dem Sofa, sondern eher ein literarischer Schlag unter die Rippen. Für mich war es interessant, klug und unbequem, aber nicht durchgehend packend genug für mehr als 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wenn eine WG plötzlich nach Zuhause riecht

Laute Nächte
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Manchmal kommt ein Buch daher wie diese eine WG Küche um zwei Uhr nachts. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Rotwein im Kopf, irgendwo klappert ein Herz und keiner weiß so richtig, wer jetzt eigentlich wen ...

Manchmal kommt ein Buch daher wie diese eine WG Küche um zwei Uhr nachts. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Rotwein im Kopf, irgendwo klappert ein Herz und keiner weiß so richtig, wer jetzt eigentlich wen retten soll.

Laute Nächte von Anne Freytag ist kein Roman, der laut brüllt. Der schleicht sich eher an, setzt sich neben dich und fragt irgendwann ganz frech: Na, alles gut verdrängt? Kenni trägt seine Trauer nicht dramatisch vor sich her, sondern eher wie eine Jacke, die viel zu schwer geworden ist. Und genau das hat mich erwischt.

Diese WG in Wien fühlt sich herrlich echt an. Paul, Elif, Julia und Kenni sind keine glatten Romanfiguren, sondern Menschen mit Ecken, Macken und dieser leichten Überforderung, die man Leben nennt. Besonders Elif bringt eine Energie mit, bei der man gleichzeitig grinsen und die Augen verdrehen möchte. So jemand nervt, bis man merkt, dass genau dieses Nerven vielleicht gerade gebraucht wird.

Die Geschichte springt durch Zeiten, Erinnerungen und offene Fragen. Das ist ruhig erzählt, manchmal fast tastend, aber nie kalt. Es geht um Verlust, Freundschaft, Schuld, Liebe und darum, dass das Leben einfach weiterläuft, auch wenn man selbst noch irgendwo am Straßenrand steht und nicht mitkommt.

Ganz ehrlich, an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht. Ein paar Figuren hätten für mich noch mehr Raum bekommen dürfen. Aber die Atmosphäre, die Sprache und diese leise Wucht machen sehr viel wieder gut.

Und dann war da noch die tolle Bloggerbox von Ehrlich & Anders, bereitgestellt zum Buch, inklusive geheimer Mission 🤫 Da fühlt man sich natürlich direkt ein bisschen wie Teil dieser lauten Nacht. Nur ohne Kater. Hoffentlich.

Ein emotionaler, kluger und sehr menschlicher Roman, der nicht alles erklärt, aber vieles spürbar macht.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Zwei Jungs, sieben Sommertage und ein Herzklopfen Richtung Meer

Vielleicht im Sommer
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Manchmal kommt ein Buch daher, stellt sich nicht groß vor, setzt sich einfach neben einen und sagt: Komm, wir fahren mal kurz ans Meer. Und zack, sitzt man mit Kian und Marco irgendwo zwischen Heim, Flucht, ...

Manchmal kommt ein Buch daher, stellt sich nicht groß vor, setzt sich einfach neben einen und sagt: Komm, wir fahren mal kurz ans Meer. Und zack, sitzt man mit Kian und Marco irgendwo zwischen Heim, Flucht, Sommerluft, kaputten Lebensläufen und dieser fiesen Hoffnung, die einen immer genau dann erwischt, wenn man gerade so tun will, als wäre man hart im Nehmen.

Vielleicht im Sommer erzählt von zwei Jungs, die das Leben nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst hat. Kian trägt Wut mit sich herum wie andere einen Rucksack, Marco hat diese stille Sehnsucht nach Zugehörigkeit, bei der man beim Lesen kurz schluckt und so tut, als wäre Staub im Auge. Kennt man ja. Ganz plötzlich. Mitten im Gesicht.

Was mir richtig gut gefallen hat: Das Buch drückt nicht künstlich auf die Tränendrüse. Es ist emotional, ja, aber nicht kitschig. Eher so ein leiser Schlag in die Rippen. Der Roadtrip an die Nordsee fühlt sich nicht nach großem Abenteuerfilm an, sondern nach zwei Jugendlichen, die zum ersten Mal merken, dass Familie manchmal nicht da entsteht, wo Blutlinien gezogen werden, sondern da, wo jemand bleibt.

Der Schreibstil ist jung, direkt und angenehm ungeschönt. Manchmal rotzig, manchmal verletzlich, manchmal so nah dran, dass man denkt: Junge, jetzt mach bitte kurz langsamer, ich muss das gerade fühlen. Genau diese Mischung macht das Buch stark.

Für mich ist das ein Debüt mit Herz, Kante und erstaunlich viel Reife. Nicht perfekt glatt poliert, aber gerade deshalb so echt. Vielleicht im Sommer ist kein lautes Buch. Es ist eins, das nachhallt. Wie Meeresrauschen, nur mit mehr Kloß im Hals.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Ein kleines Geschenk mit ganz viel Herz

Herr Hase und das schöne Geschenk
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Manchmal braucht es gar kein großes Abenteuer, keinen Drachen, keinen Zauberwald und kein wildes Durcheinander, damit ein Bilderbuch mitten ins Herz trifft. Herr Hase und das schöne Geschenk ist so ein ...

Manchmal braucht es gar kein großes Abenteuer, keinen Drachen, keinen Zauberwald und kein wildes Durcheinander, damit ein Bilderbuch mitten ins Herz trifft. Herr Hase und das schöne Geschenk ist so ein leises kleines Buch, das sich anfühlt wie ein warmer Nachmittag im Garten, mit Sonnenlicht auf den Seiten und einer kindlichen Frage, die größer ist, als sie zuerst klingt.

Zusammen mit meiner Nichte gelesen, wurde aus der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für die Mutter ein richtig schönes kleines Gespräch zwischen uns. Was schenkt man jemandem, den man lieb hat? Etwas Rotes? Etwas Gelbes? Etwas Grünes oder Blaues? Meine Nichte war sofort dabei, hat mitüberlegt, gelacht und natürlich auch eigene Geschenkideen eingeworfen, die teilweise sehr süß und teilweise herrlich unpraktisch waren.

Besonders schön fand ich, wie sanft die Geschichte erzählt wird. Herr Hase wirkt dabei wie ein ruhiger Begleiter, der nicht alles besser weiß, sondern dem kleinen Mädchen hilft, ihre eigenen Gedanken zu sortieren. Genau das macht dieses Bilderbuch so liebevoll. Es geht nicht um das teuerste oder auffälligste Geschenk, sondern um Aufmerksamkeit, Farben, Gefühle und darum, jemanden wirklich zu kennen.

Die Illustrationen von Maurice Sendak haben diesen verträumten, fast märchenhaften Charme, der nicht laut sein muss, um im Kopf zu bleiben. Für mich ist Herr Hase und das schöne Geschenk ein zartes, warmherziges Bilderbuch über Liebe, Fantasie und die Kunst, mit kleinen Dingen etwas ganz Großes zu sagen.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Zwischen Highlands, Regen und ganz viel Fernweh

LONELY PLANET Reiseführer Entdecke Schottland
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Schottland gehört bei uns ganz klar zu diesen Ländern, bei denen man schon beim Gedanken daran sofort Fernweh bekommt. Highlands, alte Burgen, kleine Pubs, windige Küstenstraßen und dieses Wetter, bei ...

Schottland gehört bei uns ganz klar zu diesen Ländern, bei denen man schon beim Gedanken daran sofort Fernweh bekommt. Highlands, alte Burgen, kleine Pubs, windige Küstenstraßen und dieses Wetter, bei dem man vermutlich innerhalb von fünf Minuten gleichzeitig Sonne, Regen und Sturm erlebt.

Genau dieses Gefühl transportiert der LONELY PLANET Reiseführer Entdecke Schottland richtig schön.

Das Buch fühlt sich nicht an wie ein trockener Reiseführer voller nüchterner Fakten. Viel eher wie jemand, der einem begeistert erzählt, wo man unbedingt hin sollte, bevor man plötzlich selbst schaut, was Flüge nach Edinburgh kosten.

Besonders gefallen hat mir die Mischung aus bekannten Orten und kleinen besonderen Ecken. Oban als Meeresfrüchte Hauptstadt klingt zum Beispiel nach genau so einem Ort, an dem man eigentlich nur kurz halten wollte und am Ende viel länger bleibt als geplant. Auch die versteckten Strände oder der Galloway Forest Park machen sofort Lust aufs Entdecken.

Optisch wirkt der Reiseführer angenehm übersichtlich und nicht überladen. Der Reiseplaner und der herausnehmbare Faltplan sind unterwegs sicher richtig praktisch.

Natürlich ersetzt das Buch keine komplette Detailplanung bis zur letzten Wanderroute. Aber darum geht es hier auch gar nicht. Dieser Reiseführer soll Lust auf Schottland machen.

Und genau das schafft er ziemlich mühelos.

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