Großartiger Debütroman mit Herz und Tiefgang
Nene, Anfang 20 und die Ich-Erzählerin in Annika Büsings Roman „Nordstadt“ arbeitet als Bademeisterin. Sie liebt ihren Job, das Schwimmbad ist quasi ihr Zuhause. Neles Leben ist nicht leicht. Ihre Überlebensstrategie: ...
Nene, Anfang 20 und die Ich-Erzählerin in Annika Büsings Roman „Nordstadt“ arbeitet als Bademeisterin. Sie liebt ihren Job, das Schwimmbad ist quasi ihr Zuhause. Neles Leben ist nicht leicht. Ihre Überlebensstrategie: Bahnen ziehen, pragmatisch sein, versuchen zu vergessen.
„Aber Armut frisst Löcher. Sie frisst Löcher in die Seele und in die Würde. Ich weiß, wann bekommt Geld vom Geldamt, wenn man keines hat. Aber Würde bekommt man dort nicht. Sie lässt sich nicht auf Konten überweisen und nicht als Gutschein ausgeben.“
Doch dann lernt sie Boris kennen, der eines Tages im Schwimmbad vor ihr steht und ein Schwimmbrett verlangt. Boris, der Puma-Augen hat und an Kinderlähmung erkrankt war. Der keinen Job bekommt, stattdessen Mitleid oder Schimpfwörter. Boris hat Schmerzen und betrachtet die Welt mit Verachtung.
Ihr erstes Date misslingt, aber Nele schleicht sich dennoch in Bors‘ Herz und er in ihres.
Ihre Liebesbeziehung ist alles andere als perfekt, sie ist geprägt von den Schatten der Vergangenheit.
„Wir haben übrigens nicht miteinander geschlafen, nachdem ich ihm von der Vergewaltigung erzählt habe. Wir haben noch häufiger nicht miteinander geschlafen. In der Historie von Pärchen, die miteinander schlafen wollen, sind wir das mit den meisten Fehlversuchen.“
Annika Büsing hat hier einen unfassbar herzzereißenden und gleichzeitig hoffnungsvollen Roman geschrieben, der mich von Anfang an gefesselt und begeistert hat. Was für ein toller Schreibstil!
"Wenn ich dir eine Sache sagen darf, dann möchte ich dir sagen: Für die Liebe musst du auch ins Wasser steigen, obwohl du müde bist."
Und was für eine großartige Geschichte voller Herz und Schmerz, über zwei verletzte Seelen, über alte Wunden und den Mut, dennoch zu leben!
Ganz klare Leseempfehlung von mir!