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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.04.2026

Anspruchsvolle Charakterstudie: 3,5⭐️

Tokyo Girls Club
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Eriko hat auf den ersten Blick ein perfektes Leben: ein toller Job in einer großen Handelsfirma, gepflegtes Äußeres. Doch innerlich verzehrt sie sich vor Einsamkeit. Sie ist Single, doch mehr als einen ...

Eriko hat auf den ersten Blick ein perfektes Leben: ein toller Job in einer großen Handelsfirma, gepflegtes Äußeres. Doch innerlich verzehrt sie sich vor Einsamkeit. Sie ist Single, doch mehr als einen Ehemann wünscht sie sich schon ihr ganzes Leben lang eine beste Freundin.
Eriko ist fasziniert von Shoko, einer Hausfrau, die unter dem Pseudonym „Heilbutt“ in ihrem Lifestyle-Blog „Tagebuch einer nutzlosen Ehefrau“ von ihrem für eine Hausfrau untypischen Alltag berichtet.

„Eriko war fasziniert davon, wie Heilbutt in den Tag hineinlebte, ohne etwas Bestimmtes zu tun, ohne ein Ziel zu haben oder Pläne zu schmieden. Wie eine Katze. Wann hatte sie selbst ihre Zeit zum letzten Mal so verbracht? Es musste sehr lange her sein, denn sie konnte sich an nichts dergleichen erinnern. Doch die Lektüre des Blogs half ihr, sich ein wenig von ihrer beruflichen Belastung und den allabendlichen Firmenessen zu erholen.
Eriko war stets darauf bedacht, ihre Zeit produktiv zu nutzen. Wenn sie nicht arbeitete, widmete sie sich emsig der Körperpflege, recherchierte und bildete sich weiter. Selbstverständlich sorgte sie auch für ausreichend Ruhe und Schlaf. Sie war zuversichtlich, dass alles, was sie tat, ihr zu irgendeinem Vorteil gereichte, und zweifelte nie daran, dass sie sich im Vergleich zum Vortag verbessert hatte. Allerdings verspürte sie – vielleicht seit sie dreißig geworden war? – beim geringsten Anlass einen stechenden Schmerz in der Nase. Dann bekam sie nicht ausreichend Sauerstoff und ihre Hände fühlten sich taub an, selbst wenn sie sie hektisch bewegte. In solchen Momenten versuchte sie, tief durchzuatmen. Sie sagte sich immer wieder, dass alles in Ordnung sei, und rechnete sich ihren Anteil am Wachstum und Erfolg der Firma vor. Wenn auch das nicht zu ihrer Beruhigung beitrug, bemühte sie sich, das Wohlwollen anderer durch übertrieben bescheidenes Verhalten zu erregen, bis sie ihre Fassung wiedererlangte. Doch trotz aller Bemühungen stellte sie häufig am Ende des Tages fest, dass ihr die Kontrolle entglitten war und eine Kurskorrektur sich ihr zunehmend entzog. Ob diese Unruhe etwas mit dem Alter zu tun hatte? Würde sie sich in ein paar Jahren daran gewöhnen? Wenn sie eine ähnliche Unruhe bei anderen Frauen wahrnahm, war sie unwillkürlich erleichtert und sogar erfreut.
Heilbutts Tagebuch einer nutzlosen Ehefrau war frei von derartigen Beunruhigungen. Eriko fand es besonders angenehm, dass der Ehemann die einzige andere Person war, die darin vorkam. Keine Freundinnen und niemand sonst. Heilbutt bildete damit eine große Ausnahme, denn die meisten Hausfrauen prahlten in ihren Blogs ständig mit »Networking« und ihren zahlreichen Kontakten. Es war Erikos heimliches Ziel, sich Heilbutts Unbekümmertheit anzueignen.
Es ermutigte sie, dass eine Frau wie Heilbutt keine Freundinnen hatte. Offensichtlich war es möglich, dass auch ein wunderbar ausgeglichener Mensch wie die Bloggerin unter Umständen nicht in der Lage war, Freundinnen zu finden. War es denn ein Versagen, keine Freundinnen zu haben? Oder war es womöglich gar kein Versagen, sondern lediglich eine andere Form des zwischenmenschlichen Umgangs?“

Eriko forciert ein (zufällig wirkendes) Zusammentreffen mit Shoko, und obwohl beide auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, verstehen sie sich gut. Eriko glaubt, endlich eine beste Freundin gefunden zu haben – doch die Beziehung der beiden Frauen nimmt eine toxische Wendung, der in einem Strudel der Besessenheit zu enden droht ...

„Tokyo Girls Club“ von Asako Yuzuki war mein erster Roman der Autorin, der sich innerhalb der japanischen Kultur hauptsächlich um die Themen Freundschaft, Familie und Social Media dreht.
Sprachlich fand ich den Stil gleichermaßen interessant wie herausfordernd. In die fremde Kultur muss man sich etwas einfühlen, doch die Darstellung der gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbilder, denen beide Frauen unterworfen sind, fand ich sehr überzeugend dargestellt.

Ich bin etwas zwiegespalten: Auf der einen Seite werden die Emotionen der beiden Protagonistinnen sehr detailliert dargestellt, durch die wechselnden Perspektiven bekommt man tiefe Einblicke in ihre Leben. Andererseits blieben die Charaktere insgesamt eher kühl und distanziert für mich.

„Tokyo Girls Club“ ist ein anspruchsvolles Psychogramm zweier Frauen, das mich fasziniert hat, jedoch zum Ende hin nicht ganz überzeugen konnte. Ich vergebe daher 3,5 von 5 Sternen für diese interessante Leseerfahrung.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Feinfühliges Kinderbuch gegen Mobbing

Ferri
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„Ferri“ von Gertraud Mesner und Beate Welsch ist ein wirklich empfehlenswertes Kinderbuch mit einer wichtigen Botschaft.

Erzählt wird hier, begleitet von wunderschönen und liebevollen Illustrationen, ...

„Ferri“ von Gertraud Mesner und Beate Welsch ist ein wirklich empfehlenswertes Kinderbuch mit einer wichtigen Botschaft.

Erzählt wird hier, begleitet von wunderschönen und liebevollen Illustrationen, die Geschichte des kleinen Fischs Ferri. Er ist ein kleiner, fröhlicher Fisch, der gerne singt. Doch auf einmal ändert sich alles, also der Rochen Rocho anfängt, Ferri zu ärgern und zu mobben. Nach und nach steckt der damit auch die anderen Meeresbewohner an, sie alle grenzen Ferri aus.
Ferri ist völlig verunsichert und sucht die Schuld bei sich und seinem Verhalten. Seinen Eltern erzählt er aus Scham nichts davon.

Erst als der kluge Wal Wali etwas davon mitbekommt, ändert sich etwas. Wali macht Ferri Mut und gibt ihm sein Selbstwertgefühl zurück.
Und Wali schafft es mit Feingefühl und spielerischer Taktik, die anderen Meeresbewohner zum Nachdenken über ihr Verhalten anzuregen. Am Ende zeigen alle, sogar Rochi, Einsicht und entschuldigen sich bei Ferri.

Das Buch hat uns begeistert, allein schon die tollen Illustrationen sind ein Hingucker!
So liebevoll und detailliert, die Bilder kann man sich gar nicht oft genug anschauen.

Genauso gut und wichtig ist die Botschaft des Buches, die auf kindgerechte Art und Weise aufzeigt, wie Mobbing entsteht – und das vor allem ermutigt, etwas dagegen zu tun!

Sehr hilfreich und empfehlenswert sind auch die Seiten im Anhang, auf denen es Information zum Thema für Eltern gibt, was Kinder bei Mobbing tun können.

„Ferri“ ist ein einfühlsames, mutmachendes und stärkendes Buch für Kinder ab 4 Jahren, das eine ganz klare Leseempfehlung von mir bekommt!

Vielen Dank an den Vermes Verlag und an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Gesund und fit altern: Für jeden machbar

Longevity - Die Anti-Bullshit-Formel
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„Longevity - Die Anti-Bullshit-Formel" von Hubert Prof. Dr. med. Trübel ist ein interessantes Sachbuch zum Thema Longevity. Der Mediziner und Pharmaforscher ist der Ansicht, dass man mit nur 20 Prozent ...

„Longevity - Die Anti-Bullshit-Formel" von Hubert Prof. Dr. med. Trübel ist ein interessantes Sachbuch zum Thema Longevity. Der Mediziner und Pharmaforscher ist der Ansicht, dass man mit nur 20 Prozent Aufwand einen Effekt von 80 Prozent erzielen können.

Die 'Longevity Anti-Bullshit-Formel' bewertet gängige Langlebigkeitsmethoden kritisch anhand aktueller Studienlage und stellt die evidenzbasierte Basis, also Ernährung, Bewegung, Soziales, Schlaf und Vorsorge, in den Mittelpunkt.

Es gab einige Punkte, die ich sehr interessant fand; besonders in Bezug auf das biologische Alter; auch die kritische Hinterfragung von Nahrungsergänzungsmitteln überzeugte mich.
Auch die allgemeine Einstellung von Dr. Trübel mit dem Fokus auf die oben genannte Basis entspricht auch meiner Meinung – dadurch bot mir das Buch allerdings auch nicht besonders viel Neues, muss ich sagen.

Insgesamt fand ich das Buch leider nicht besonders gut aufgebaut, mir fehlte eine sinnvolle Struktur. Auch die Kapitel waren eher unübersichtlich.
Gestört hat mich auch etwas, dass das Buch vorwiegend, dass die persönliche Meinung des Autors oft sehr im Vordergrund steht.

Dennoch ist das Buch für alle, die sich noch nicht vertieft damit beschäftigt haben, ein positiv gestimmter Einstieg in das Thema „Longevity“ , der das Ganze auf leicht umsetzbare Grundlagen reduziert. Machbar für jeden, unabhängig vom sozialen oder finanzellen Status.

Vielen Dank an den Kneipp Verlag / Verlagsgruppe Styria & an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Zwischen Erinnerungen und Schmerzen

Paradise Beach
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„Paradise Beach“ von Dara Brexendorf erzählt auf zwei Zeitebenen die Geschichte von Ada. Die Ich-Erzählerin leidet seit Beginn ihrer Periode unter Endometriose. Lange wusste sie nicht, dass es nicht normal ...

„Paradise Beach“ von Dara Brexendorf erzählt auf zwei Zeitebenen die Geschichte von Ada. Die Ich-Erzählerin leidet seit Beginn ihrer Periode unter Endometriose. Lange wusste sie nicht, dass es nicht normal ist, solche Schmerzen zu haben.
Während sie sich in der Gegenwaert von einer Endometriose-OP erholt und noch unter dem Einfluss von Medikamenten steht und unter Schlafstörungen leidet, erinnert sie sich zurück an ihre Jugend. Damals verbrachte sie einen schicksalhaften Sommer an der heimatlichen Ostseeküste, gemeinsam mit ihrer Cousine Lill. Die Pubertät bringt viele körperliche Veränderungen mit sich und den Wunsch nach Perfektion. Die erste Periode bringt ungeahnte Schmerzen in Adas Leben.

„Es erscheint ihr plötzlich unmöglich, das Bluten aus dem Sommer auszuklammern, den Zusammenhang nicht zu sehen zwischen den körperlichen Veränderungen und den Räumen, in denen sie sich bewegt. Das Bluten passiert nicht einfach. Es ist etwas, dass ihr passiert. Wie ein großes Unglück, dass sie nicht verarbeiten kann. Zu groß ist der Widerspruch zwischen dem diffusen Wunsch danach, eine Frau werden zu wollen, und dem Körper, der nicht dafür gemacht zu sein scheint.“

Nur die Begegnung mit Elja und die aufkeimenden Gefühle für sie lenken Ada von ihren Qualen ab. Während das Verhältnis zu ihrer Cousine Lill sich verschlechtert, steht bald ein Abschied von Elja bevor ...

Dieser Roman lässt mich leider etwas enttäuscht zurück. Durch den Klappentext hatte ich hier hohe, vielleicht zu hohe Erwartungen.
Die Rückblenden in die Vergangenheit fand ich sehr gelungen, diese Abschnitte haben mir am besten gefallen. In den Kapiteln der Gegenwart hätte ich mir eine andere Umsetzung des Themas Endometriose gewünscht. Ich hatte hier erwartet, dass auf diesen Teil von Adas Leben mehr oder vielleicht einfach anders eingegangen wird. Hier konnte ich keine Nähe zur Figur von Ada herstellen; vieles blieb mir zu distanziert. Auch die Geschichte mit ihrem räuspernden Nacharn fand ich unnötig, sie mich eher irritiert.

Insgesamt ist „Paradise Beach“ nach ein interessanter Debütroman, der meine Erwartungen an das Thema „weibliche Schmerzen“ leider nicht erfüllen konnte, aber ein paar gute Momente hatte.

Vielen Dank an den eichborn Verlag und Lesejury.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Zwischen Liebe und Geheimnissen

ZIMMER 706
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Der Roman „Zimmer 706“ von Kate Levenson bietet ein ungewöhnliches Ausgansszenario und hatte mich daher sofort neugierig gemacht.
Es geht hier um Kate, die seit 10 Jahren glücklich verheiratet mit Vis ...

Der Roman „Zimmer 706“ von Kate Levenson bietet ein ungewöhnliches Ausgansszenario und hatte mich daher sofort neugierig gemacht.
Es geht hier um Kate, die seit 10 Jahren glücklich verheiratet mit Vis ist. Sie haben zwei Kinder, ihre Beziehung ist sehr innig. Doch Vic ahnt nicht, dass Kate sich seit sechst Jahren regelmäßig mit James in Hotels trifft ... So auch an diesem Tag, doch dieses Mal wird sie nicht wie geplant abends zu ihrer Familie nach Hause zurückkehren können. Während ihres Schäferstündchens mit James wird das Hotel von Terroristen besetzt. Kate kann das Hotel nicht verlassen und hat keine Ahnung, ob James und sie aus dieser Lage lebend herauskommen werden.

Interessant fand ich, dass hier nicht der Terroranschlag sondern vor allem Kates inneres Drama, ihre Gedanken und Gefühle im Vordergrund stehen.

„War sie selbst eine gute Mutter? Kate war nicht sicher. Sie liebte ihre Kinder von ganzem Herzen, aber war sie auch eine gute Mutter? Gute Mütter vögeln keine Liebhaber in Hotelzimmern, dachte sie. Gute Mütter haben keine Affären. Gute Mütter fühlen sich erfüllt genug mit ihren Ehemännern, ihren Kindern und ihrem ganz normalen Leben. Oh Gott, würde das alles andere in den Schatten stellen? Wenn sie heute stürbe und Vic die Wahrheit herausfand und den Kindern eines Tages davon erzählte – wäre das dann der alles beherrschende Punkt bei dem, was sie über sie wussten? Unsere Mutter, die unseren Vater betrogen hat, hat bekommen, was sie verdient hat, was sie sich selbst eingebrockt hat.“

Mir hat der Schreibstil von Ellie Levenson hat mir sehr gut gefallen, er war flüssig zu lesen und hatte die richtige Mischung aus Spannung und Emotionen. Dank der Zeitsprünge zwischen heute im Zimmer 706 und verschiedenen Stationen in der Vergangenheit konnte man sich zum einen sehr gut in Kate hineinversetzen, außerdem hielt das die Spannung aufrecht.

„Da gibt es Welten, dachte Kate, in denen ich in ein paar Augenblicken zu existieren aufhören könnte.
Und da ist eine Welt, in der alles gut ausgehen wird.“

Der Roman ist nicht ganz klischeefrei, dennoch fand ich die Charaktere authentisch und gut getroffen; nur James blieb etwas undurchsichtig für mich.
Und egal ob man Kates Entscheidungen nun moralisch gut findet oder nicht, regt der Roman dazu an, sich selbst zu fragen, wie man mit ähnlichen Siutationen umgehen würde.

Das Ende ist ... wie sage ich es ohne zu spoilern? ... einerseits unbefriedigend, aber andererseits passend und ich hatte schon etwas in dieser Art erwartet.

„Zimmer 706“ ist ein spannender und emotionaler Roman über Liebe, Sehnsüchte, Geheimnisse und Lebensentscheidungen, für den ich 4 von 5 Sternen vergebe.

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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