Alltag frisst Liebe - 3,5⭐️
Wir in zehn JahrenCoralie und Adam lernen sich 2013 in London kennen. Politjournalist Adam hat eine vierjährige Tochter aus seiner früheren Beziehung. Australierin Coralie ist noch neu in London, arbeitet in einer PR-Agentur, ...
Coralie und Adam lernen sich 2013 in London kennen. Politjournalist Adam hat eine vierjährige Tochter aus seiner früheren Beziehung. Australierin Coralie ist noch neu in London, arbeitet in einer PR-Agentur, hat aber hat den Traum, es als Schriftstellerin zu schaffen. Die beiden verlieben sich, teilen bald ihr Leben und ihren Alltag, bekommen zwei gemeinsame Kinder. Doch wie bei vielen anderen ist es auch hier so: „Alltag frisst Liebe“. Während Adam Karriere macht, kämpft Coralie mit Überforderung und zu vielen Rollen:
„Irgendwas stimmte nicht mit ihr, da war etwas, dass sie von anderen unterschied - sie ertrug es nicht, jemanden zu lieben, aber ohne Liebe konnte sie auch nicht sein. Wenn sie nicht liebte, was ihr nur ein halber Mensch. Aber wenn sie liebte, fühlte sie sich nie ganz. Mutter, Schriftstellerin, Angestellte, Schwester, Freundin, Bürgerin, Tochter, (Quasi-)Ehefrau. Wenn sie nur eins davon wäre, käme sie vielleicht klar. Wenn sie versuchte, alles auf einmal zu sein, war sie, wie sie feststellte, nichts davon.“
Der Klappentext von „Wir in zehn Jahren“ hatte mich neugierig gemacht, weil er die Story NACH dem Happy End verspricht. Für mein Empfinden wurde dieses Versprechen jedoch nur bedingt eingelöst.
Den Anfang des Romans fand ich recht stark, vom Schreibstil her und inhaltlich. Danach wurde die Story für mein Empfinden leider etwas überladen und langatmig.
Patchworkfamilie, ein schwuler Bruder, Mutterschaft, mentale Belastungen, Überforderung, politische Krisen und Brexit, Corona-Pandemie - sehr viele Themen wurden eingebracht. Durchaus interessant, aber irgendwie las sich das auch nicht viel anders als andere Geschichten, hat man alles schonmal gelesen: Mann macht Karriere, Frau bleibt mit Kindern im Alltagsstress allein zuhause und auf ihren Träumen sitzen.
„Was denkst du, wann du nach Hause kommst?, schrieb sie Adam.
Hallo, meine Schöne, auf jeden Fall vor Mitternacht, antwortete er. Ich liebe dich. BDAG.
Betrachte dich als geküsst. Wenn sie glücklich war, kam ihr dieser Satz so romantisch vor. Wenn sie seelisch kaputt war, empfand sie ihn als Schlag ins Gesicht.“
Insgesamt war die Geschichte nicht schlecht, es gab durchaus für mich als Frau und Mutter einiges an Wiedererkennungspotential - aber so richtig abgeholt hat mich das Buch leider auch nicht. Erst das Ende fand ich dann wieder etwas überzeugender.
Insgesamt konnten meine Erwartungen an diesen Roman leider nicht ganz verfüllt werden, daher vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Dumont Verlag und an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚