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Veröffentlicht am 02.07.2026

Körper sind niemals verhandelbar!

Unshame
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Dem Buch „Unshame: Wie wir uns von Idealen befreien und den weiblichen Körper wertschätzen“ von Louisa Dellert habe ich schon lange sehnsüchtig entgegengefiebert und ich muss sagen: zu Recht, denn es gehört ...

Dem Buch „Unshame: Wie wir uns von Idealen befreien und den weiblichen Körper wertschätzen“ von Louisa Dellert habe ich schon lange sehnsüchtig entgegengefiebert und ich muss sagen: zu Recht, denn es gehört definitiv zu meinen diesjährigen Sachbuch-Jahreshighlights!

Die Autorin und Aktivistin rechnet hier gnadenlos mit toxischen Schönheitsidealen ab.
Sehr offen und ehrlich erzählt sie anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte, was viele von uns selbst auch kennen: wir finden uns zu dick, zu dünn, zu untrainiert, zu alt, zu hässlich, sprich: einfach nicht „perfekt“.
Von klein auf „lernen“ wir, wie Frauenkörper aussehen sollen – dass dahinter eine riesige Schönheits- und Diätindustrie steckt, die Milliarden mit der Scham und den Selbstzweifeln der Frauen verdient, kann gar nicht oft genug betont werden.
Neben diesem Aspekt deckt das Buch ein großes Themengebiet ab, von der Auseinandersetzung mit dem „Pretty Privilege“ und „White Privilege“, Modetrends und sich wandelnde Schönheitsideale, Body Positivity, dem Einfluss von sozialen Medien bis hin zu Diäten und Schönheitsoperationen.

Louisa Dellert gibt tolle Empfehlungen für weiterführende Literatur und Social-Media-Accounts und baut nach jedem Kapitel „Mitmach-Elemente“ ein, die ich besonders wertvoll fand:

„.... denk daran, dass dein Wert nie von einer Zahl auf einer Waage abhängt.
.... denk daran, dass dein Körper dich bis hierher m getragen hat - auch durch Zeiten, in denen du ihn nicht mochtest.
... denk daran, dass dein Körper kein Projekt ist, sondern dein Zuhause
... denk daran, dass Scham ein Geschäftsmodell ist.
.... denk daran, dass du dein Leben nicht in Kalorien erinnern wirst.“

Durch die Mischung aus Fakten und persönlicher Geschichte ist das Buch besonders wertvoll. Ich werde es sicher noch öfter lesen; ich habe mir so viele Stellen markiert, dass ich hier wirklich nur ein paar Ausschnitte zitieren kann, um den Rahmen nicht zu sprengen.

„Erst heute, viele Jahre später weiß ich: ich hätte mich für all das niemals schämen müssen. Niemand hatte jemals das Recht, mir einzureden, dass mein Körper eine Dauerbaustelle ist. Oder dass ich erst schrumpfen muss, um geliebt zu werden. Und überhaupt: Mein Körper hätte verdammt noch mal niemals verhandelbar sein dürfen!“

„Unshame“ ist ein gleichermaßen persönliches wie politisches Manifest von Louisa Dellert, das den gesellschaftlichen Optimierungswahn anprangert: Ein sehr wertvoller und ermutigender Aufruf, sich von unrealistischen Schönheitsidealen zu lösen und dem eigenen Körper mit Respekt und Versöhnung zu begegnen.

„Und vielleicht ist es das, was wir uns immer wieder vor Augen führen sollten: dass die eigentliche Größe eines Menschen nichts mit seinem Umfang zu tun hat.“

„Ich versuche, jede Falte in meinem Gesicht als Mittelfinger ans Patriarchat zu betrachten.“

Von mir gibt es 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Ullstein/Allegria Verlag und an Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Die Lüge, hat man einmal mit ihr begonnen, ist eine treue Begleiterin

Sommerrauschen
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Ich-Erzählerin Judith verbringt seit ihrer Kindheit die Sommermonate im südfranzösischen Médoc, wo ihre Familie ein Ferienhaus besitzt. Als Jugendliche verbrachte sie hier jede freie Minute mit Natascha, ...

Ich-Erzählerin Judith verbringt seit ihrer Kindheit die Sommermonate im südfranzösischen Médoc, wo ihre Familie ein Ferienhaus besitzt. Als Jugendliche verbrachte sie hier jede freie Minute mit Natascha, ihrer besten Freundin, die im Nachbarhaus wohnte. Auch ihre jüngere Schwester Lola war für ein paar Wochen dabei. Durch ein tragisches Ereignis endete die Freundschaft zwischen Natascha und Judith. Seit 40 Jahren haben sie sich nicht mehr gesehen.
Diesen Sommer reist Judith gemeinsam mit ihrer exzentrischen Mutter Oda, zu der sie ein schwieriges Verhältnis hat, ihrem Mann Robert und ihren 16jährigen Zwillingstöchtern Paula und Sophie an die Atlantikküste. Das leerstehende Nachbarhaus ist zu verkaufen, Robert hat Interesse, um mehr Platz für die Familie zu haben. Doch für Judith hängen zu viele Erinnerungen daran. Als dann noch unerwartet Natascha mit ihrem Mann Simon eintrifft, prasseln alle Erinnerungen auf Judith ein, die sie 40 Jahre lang verdrängt hatte.

„Worte seien Macht, hatte mein Vater einmal gesagt. Doch wo Menschen verstummen, wo Schweigen herrsche, werde Wahrheit sichtbar.“

Ich habe ein bisschen gebraucht, um in das Buch hineinzufinden. Christiane Adlungs Schreibstil ist leise, bildhaft und metaphorisch, damit aber auch sehr anspruchsvoll und nicht leicht zu lesen. Nach einiger Zeit hatte ich mich aber an ihre Sprache gewöhnt und fand sie sehr passend zur Geschichte. Gerade der langsame Erzählstil macht es spannend, schichtweise wird die Wahrheit freigelegt, bis am Ende mit einem Knall das Geheimnis gelüftet wird.

„Die Lüge, hat man einmal mit ihr begonnen, ist eine treue Begleiterin.“

Judith blieb als Protagonistin weitgehend distanziert für mich, unnahbar. Diese erzeugte Distanz passte jedoch widerum gut zu der Art der Erzählung, die lange vieles unklar ließ.

„Alles sei vollkommen in Ordnung, bestätigte ich, obwohl ich der Redewendung nichts abgewinnen konnte. Nichts in meinem Leben war in Ordnung, und nichts würde je wieder in Ordnung kommen. Doch die Vorstellung hatte ich verinnerlicht. Mit selbst auferlegter Disziplin hielt ich mich an die gesellschaftlichen Konventionen, wie ich mich auch an Beständigkeiten hängte. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich längst verloren.
Der Preis für mein Überleben.“

„Vor einigen Jahren hatte ein Journalist während eines gemeinsamen Rundgangs auf einer Ausstellungseröffnung geäußert, dass meinen Objekten etwas Schwermütiges anhänge, eine Art Kapitulation vor dem Leben. Ihm erscheine alles wie ein stummer Schrei, hinter dem sich verstecke, was ich eigentlich sagen wolle, als fehlte mir die Worte. Aber vielleicht könne es für das, was ich empfinde, auch keine Worte geben?“

„Sommerrauschen“ ist ein atmosphärisches, psychologisch tiefgründiges Familiendrama über die Frage nach Schuld, verdrängte Erinnerungen und Geheimnisse aus der Vergangenheit, für das ich 4 Sterne vergebe.

Vielen Dank an den DuMont Verlag & den Thalia Book Circle für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Kann man wirklich verwöhnt sein, wenn man niemals das bekommt, was man haben will?

Chaos
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Heddas Leben ist ein Chaos: Sie ist schwanger, ihr Freund Björn und sie freuen sich sehr auf ihr erstes Kind, er unterstützt sie sehr. Doch der Druck, ihre Masterarbeit fertigzustellen, setzt ihr sehr ...

Heddas Leben ist ein Chaos: Sie ist schwanger, ihr Freund Björn und sie freuen sich sehr auf ihr erstes Kind, er unterstützt sie sehr. Doch der Druck, ihre Masterarbeit fertigzustellen, setzt ihr sehr zu. Ausgerechnet jetzt taucht plötzlich ihr Vater wieder auf: Der ehemalige Dotcom-Milliardär ist kein einfacher Mensch, um es mal vorsichtig auszudrücken. Seine Geschäfte waren immer an der Grenze der Legalität und Heddas Kindheit alles andere normal. Diese Vergangenheit holt sie nun wieder ein. Wie der sprichwörtliche Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt, trifft auch Hedda einige fragwürdiger Entscheidungen und alles beginnt, gründlich schiefzugehen. Kann Hedda sich aus den destruktiven Dynamiken ihrer toxischen Familie befreien?

„Chaos“ von Andréa Ager-Hanssen ist ein sehr spezielles Buch, das nicht einfach zu lesen war.
Er spielt im Wechsel heute, während Heddas aktueller Lebenskrise, und in der Vergangenheit. Gerade diese Rückblicke in ihre Kindheit fand ich besonders stark!
Eine Kindheit wie Heddas mag man sich gar nicht vorstellen. Was macht es mit einem Kind, das in absurdem Reichtum lebt, aber dennoch nie das bekommt, was ihm selbst wichtig ist?
„Kann man wirklich verwöhnt sein, wenn man niemals das bekommt, was man haben will???“

„‘Ist es nicht schön? Es ist eines der größten Häuser in der ganzen Gegend. Man könnte auf der Rückseite auch einen Pool bauen, mit Schieferplatten drumherum. Es gibt auch ein fantastisches Gewächshaus.’
‘Warum können wir nicht einfach weiter zu Hause wohnen?’, frage ich und hebe einen gelben, vertrockneten Ast vom Boden. Die liegen hier überall herum, umgeben von Löwenzahn und anderem Unkraut. ‘Warum konntest du nicht einfach das alte Haus zurückkaufen?’
Papa fängt an zu erklären, dass das Haus auf ein Unternehmen eingetragen war, das in Konkurs gegangen ist, aber dann unterbricht er sich. ‘Es hat keinen Sinn, in alten Sorgen zu verharren, das ist nicht gut fürs Gehirn.’ Er zeigt auf eine Reihe Fenster, rubinrote Rhomben mitten im Glas. ‘Hast du so was Schönes schon mal gesehen?’
‘Ich dachte, du würdest am Existenzminimum leben’, sage ich.
‘Existenzminimum?’ Papa lacht auf. ‘Dass ich am Existenzminimum lebe?’
‘Ja.’
Er schüttelt den Kopf.
‘Maximum’, antwortet er. ‘Das ist das Einzige, woran wir leben, Hedda. Am Existenzmaximum.’“

„‘Man muss aber doch kein wertloser Mensch sein, nur weil man Geld in einem Steuerparadies unterbringt‘, sagte ich.
Es passierte etwas mit der Luft, sie wurde dick. Alle um den Tisch waren sprachlos. [...]
Er lachte kurz auf, dann sah er mich wieder ganz ernst an.
‚Menschen, die auf diese Weise leben, sind Nihilisten. Nichts hat irgendeinen Wert. Das ist tatsächlich die Definition von einem wertlosen Menschen, wenn er nicht länger eine in der Wirklichkeit verankerte Auffassung von unterschiedlichen Werten besitzt. Wenn wirtschaftliche Begriffe die Welt lenken, dann sickert das auch in alles andere ein, nicht einmal enge Beziehungen bedeuten mehr etwas.‘
‚Aber alle Beziehungen sind Transaktionen‘, erwiderte ich.
Er riss die Augen auf, der Mund war ein wenig geöffnet. [...]
Ich räusperte mich. ‚Es ist doch klar, dass alle Beziehungen auf irgendeine Weise Transaktionen sind. Eine Art Arbeit, die im besten Fall zu Liebe führt, und dann sind es Aufmerksamkeit, Zeit und Loyalität, die man investiert. Alle Beziehungen sind auf eine Art Tauschhandel gegründet.‘
Sie sahen mich schweigend an. Mir war, als hätte ich eine große, eitrige Beule mitten im Gesicht. [...]
Es fing an, hinterm Stirnbein und in die Augen hinunter zu drücken. Ich sah, wie meine Hände auf dem Tisch vor mir ein wenig zitterten.
‚Ich finde, du hast eine sehr kindliche Art und Weise, die Klassenproblematik zu betrachten, Thomas‘, sagte Danielle. ‚Das Problem sind in diesem Fall nicht notwendigerweise die Menschen, sondern die Gesellschaftsstrukturen, die Ungerechtigkeiten schaffen. Das heißt nicht, dass alle reichen Menschen auf individuellem Niveau schwarze Schafe sind. Man kann das alles hier problematisieren, aber man kann nicht sagen, dass Kinder im Kopf verbrannt sind, denn seine Eltern sucht man sich schließlich nicht aus.‘“

„Chaos“ von Andréa Ager-Hanssen ist wirklich ein etwas chaotischer, recht anspruchsvoll zu lesender Roman; mir hat er insgesamt gut gefallen.

Vielen Dank an den Eichborn Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 25.06.2026

Leben und Überleben im Sudan

Eddos goldenes Lächeln
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Stella Gaitanos Debütroman „Eddos goldenes Lächeln“ verknüpft die tragische Geschichte des Sudan in den 1980er und 1990er Jahren mit den Lebensgeschichten zweier Frauengenerationen.

Lucy wächst in einem ...

Stella Gaitanos Debütroman „Eddos goldenes Lächeln“ verknüpft die tragische Geschichte des Sudan in den 1980er und 1990er Jahren mit den Lebensgeschichten zweier Frauengenerationen.

Lucy wächst in einem kleinen südsudanesischen Dorf auf. Sie ist das erste von 10 Kindern ihrer Mutter Eddo, die überlebt hat. Aus Angst, auch sie an den Tod zu verlieren, gibt ihre Mutter ihr den abfälligen Namen „Irinu“.
Nach dem Tod ihrer Mutter Eddo heiratet Lucy Marco. Das Paar flieht vor den eskalierenden gewaltsamen Konflikten vom Süden in den muslimisch geprägten Norden, nach Khartum. Sie finden Unterschlupf bei Marcos Freund Peter und seiner Familie.

„Peters großes Haus war stets offen für Gäste, für die ganze Familie, für Freunde und Bekannte, für Studenten und für Leute, die sich in der Stadt behandeln lassen wollten, Besucher, die kamen und blieben, solange sie wollten, und wenn sie wieder gingen, waren wir genauso unverändert wie die Mauern, die Zimmer und der große Hof.
Peter beschwerte sich nie und fühlte sich nie beengt. Er war großzügig wie ein echter Vater, und er war glücklich, weil er allen ein Gefühl von Sicherheit und Zufriedenheit geben konnte. Das zumindest sagte er stets, wenn wir unsere geheimen Gespräche führten, weitab vom Getratsche der Gäste und dem Lärmen der Kinder und Frauen; besonders wenn er merkte, dass es mir unangenehm war, keine feste Arbeit zu finden, sodass ich nicht mit meiner Familie in ein eigenes Haus ziehen konnte, obwohl Lucy sein Haus wie eine Katze mit Kindern überflutet hatte.
‚Marco, du musst eines wissen: Du betrachtest die Sache natürlich vom finanziellen Standpunkt aus. Aber ehrlich gesagt, fühle ich mich durch deine Anwesenheit auch sicher und bin froh darüber. Ein Mann braucht einen Mann an seiner Seite, und du bist genau dieser Mann, den ich gewählt habe. Der Zufall wollte es, dass wir in dieser Welt alleine sind. Also, warum bilden wir dann keine Familie? Du bist mein Bruder, das ist alles, was ich will, auch wenn wir nicht aus demselben Bauch kommen. Die Welt ist wie ein großer Bauch, in dem wir alle Geschwister sind.‘“

Lucy vermisst ihr Dorf, das Leben in der Stadt ist schwer für sie. Erst als sie in Peters Frau Thereda eine Freundin findet und sie zahlreiche Kinder bekommt, findet sie ihren Platz. Die Sehnsucht nach ihrem Heimatdorf verlässt sie dendoch nicht. Doch die politischen Unruhen machen auch vor der Hauptstadt keinen Halt und bedrohen ihre Existenz.

„Ich kann alle Gerichte zubereiten, mit Zwiebeln, Öl und Gewürzen, wie Theresa es mir beigebracht hat, aber ich hatte ständig Hunger. Ich sehnte mich danach, Gemüse in Salzwasser zu kochen und es einfach so hinunterzuschlucken, solange die Blätter noch knackig waren. Erst nachdem ich den festen heißen Hirsebrei auf den Teller gegeben und in großen Bissen in mich gestopft hatte, bis mir der Schweiß herabfloss, hatte ich das Gefühl, wirklich satt zu sein.
Der Hunger in meinem Bauch war jedoch nicht der einzige Hunger, unter dem ich litt. Meine Augen hungerten danach, das Dorf zu sehen, seine Wälder und Getreidefelder. Meine Ohren hungerten nach dem Muhen der Kühe, dem Meckern der Ziegen auf den Weiden und den Rufen der Nachbarinnen durch die Schilfrohrwände hindurch. Sie waren hungrig danach, die Trommeln zu hören, das Rauschen der Bäume und das Rollen des Donners. Mein Herz hungerte danach, die Menschen dort zu treffen, meine Seele hungerte danach, das Grab meiner Mutter und die Gräber meine Geschwister zu berühren. Mein Rücken hungerte danach, die Säuglinge zu tragen und zu wiegen. Meine Hände hungerten danach, die Früchte zu pflücken und den Boden zu pflügen. Meine Füße hatten Hunger danach, die Entfernung zwischen dem Fluss und dem Dorf zurückzulegen. Mein Kopf hungerte danach, das schwere Wasser und das Brennholz zu tragen. Seit ich in dieses Land gekommen bin, bin ich immer hungrig. Aus meinem Dorf zu fliehen und die Sonne hinter mir zu lassen, die jeden Tag in der gleichen Richtung aufgeht und sich hinter den Bergen und Wäldern wieder zurückzieht, war das Schlimmste, was mir je in meinem Leben passiert ist. Ich habe mein gutes Leben hinter mir gelassen, den Regen, die Nahrungsmittel, die Tiere, Häuser und Menschen. Aber der Krieg ist natürlich noch schrecklicher.“

Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven; dabei ist zu Beginn des Kapitels nicht immer sofort klar, wer gerade erzählt; das erfordert höchste Aufmerksamkeit. Dafür bekommt der Roman durch die verschiedenen Blickwinkel noch mehr Intensität.

„Eddos goldenes Lächeln“ ist ein bewegender, intensiver Roman über Krieg, Flucht und Traumata, patriarchale Gewalt und Emanzipation. Auch das Thema Mutterschaft wird thematisiert. Besonders die starken Frauenfiguren haben mich sehr berührt.

Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 22.06.2026

Die Erinnerung an eine Frau, die ich einmal war

Halbwach
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Zoe ist erfolgreiche Autorin von Liebesromanen, doch in ihrem Privatleben erträgt sie keine Nähe, hält sich an One Night Stands und unverbindliche Affären. Feste Bindungen verursachen Beklemmungen und ...

Zoe ist erfolgreiche Autorin von Liebesromanen, doch in ihrem Privatleben erträgt sie keine Nähe, hält sich an One Night Stands und unverbindliche Affären. Feste Bindungen verursachen Beklemmungen und Stress in ihr, daher hat sie schon viele Herzen gebrochen: „Heute werde ich es beenden. Ich kann das alles nicht mehr.
Weil ich es nie kann. Weil ich es noch nie konnte. Und es auch nie können werde. Ich beende Beziehungen ohne Grund, weil ich der Grund bin. Weil Nähe mir zu nah ist. Weil Liebe mir einfach zu viel ist – egal, wie oft ich mich ihr stelle.“

Zoe ist überzeugt, dass sie keine feste Beziehung braucht, ihre vierköpfige Clique ist ihr genug.
Als sie den sympathischen und attraktiven Mael trifft, scheint alles perfekt für Zoe zu sein, denn auch er möchte unter keinen Umständen eine feste Beziehung.
Doch wieso fühlt es sich irgendwann nicht mehr gut an für Zoe?

„‘Danke. Ich find’s gut, dass das so unkompliziert zwischen uns ist.‘ – ‚Klar‘, gebe ich von mir und ziehe mich wieder an. Ich lächle, während es in mir sticht. Dann werfe ich mich in die Nacht, als wäre es ein Wettlauf gegen meine eigenen Gedanken.“

„Und während die Stadt mich verschluckt, frage ich mich, seit wann es so wehtut, egal sein zu wollen.“

Und warum ist sie wirklich seit Ewigkeiten Single?

„Zwischen Altstadt und Merianplatz wird mir klar, dass ich nicht mehr weiß, wonach ich suche. Vor Mael wollte ich Freiheit, Unabhängigkeit, keine Erwartungen und keine Liebe. Doch zwischen seinem Blick und meinem eigenen auf mich ist etwas verrutscht, was ich nicht genau benennen kann. Etwas, das mir die Frage stellt, wann ich angefangen habe, nicht mehr zu wissen, was echt ist. Vermutlich ist das das Gefährlichste daran, eine Rolle zu spielen: Ab einem bestimmten Punkt ist dir nicht mehr klar, ob du sie spielst, weil du es willst, oder weil du glaubst, dass die Welt genau diese Version von dir erwartet, und du dich dabei nur selbst hintergehst.“

Sie muss sich ihren Bindungsängsten, ihren verborgenen Gefühlen und auch den Ursachen, die in ihrer Kindheit und ihrer schwierigen Beziehung zu ihrem Vater wurzeln, endlich stellen, um zu sich selbst zu finden.

„Das hier ist meine Geschichte. Und so ungern ich es auch zugebe, ein Teil davon ist, dass auch ich eines Tages auf der anderen Seite stand. Auf der Seite, die vergebens darauf wartete, dass sich das Blatt wendete. Auf der Seite, die die Zeichen sah, aber trotzdem zu viel in ein Nichts hineininterpretierte.
Der Plottwist kam nicht. Dafür etwas anderes. Die Erkenntnis, dass nicht jeder, der Herzen bricht, automatisch ein Herzensbrecher ist. Ziemlich oft brechen wir es uns nämlich selbst, indem wir es Menschen geben, die nie darum gebeten haben.“

Ich freue mich, dass Sophia Como den Wechsel in ein neues Genre gewagt hat, mit ihrem alten hätte ich definitiv nicht zu ihrer Zielgruppe gehört – „Halbwach“ dagegenhat mir (überraschend) gut gefallen. Sowohl der frische, humorvolle, aber dennoch tiefgründige Schreibstil als auch die authentischen Charaktere (vor alle Zoe, aber auch Nebenfiguren wie Stina) haben mir sehr gut gefallen.
Zoes Aufarbeitung der Vergangenheit und ihr Weg zu sich selbst sind in einen unterhaltsamen, modernen Roman verwoben, für den 4,5 von 5 Sternen vergebe.

Vielen Dank an den HarperCollins Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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