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Veröffentlicht am 29.05.2026

Büroalltags-Satire vom Allerfeinsten

Supersaurio
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„Supersaurio“ von Meryem El Mehdati ist ein Debütroman, der mich wirklich positiv überrascht hat!
Vom Cover und Titel her hatte ich das gar nicht erwartet, aber diese Story hat es in sich.

Die 26-jährige ...

„Supersaurio“ von Meryem El Mehdati ist ein Debütroman, der mich wirklich positiv überrascht hat!
Vom Cover und Titel her hatte ich das gar nicht erwartet, aber diese Story hat es in sich.

Die 26-jährige Meryem hat ihr Sprachstudium beendet. Statt der erträumten Karriere als UN-Übersetzerin landet sie als schlecht bezahlte Praktikantin in der Zentrale von „Supersaurio“, der größten Supermarktkette Gran Canarias. Täglich kämpft sie sich mit unpünktlichen Bussen zur Arbeit mit sinnlosen, eintönigen Aufgaben. Im Großraumbüro trifft sie auf eine ignorante Chefin und Kollegen, die ihren Namen konsequent falsch aussprechen. In ihrer Freizeit schreibt sie Fanfiction mit ihren Kollegen in den Hauptrollen, um dem deprimierenden Büroalltag zu entfliehen.

Meryem war eine absolut authentische und sympathische Protagonistin, die mich vom ersten Moment an in den Bann gezogen hat.

„Mich hat keiner gefragt, ob ich geboren werden will. Wenn mich einer gefragt hätte, dann hätte ich Nein gesagt. Besten Dank, zu freundlich, das klingt echt interessant, aber ich passe. Stumm gestellt, weggeswipt, blockiert. Das Leben ist kompliziert. Man muss vorsichtig sein, wir sind zerbrechliche Wesen. Eben hast du noch auf den Unterarm deines Vaters gepasst, schon bist du fünfundzwanzig und heulst im Bus leise vor dich hin, hinten in der letzten Reihe, wo eigentlich nur Touris und die coolen Oberstufenkids sitzen, weil du zum fünften Mal im Bewerbungsprozess für ein Betriebspraktikum steckst. Du kommst erschöpft vom letzten Bewerbungsgespräch, fühlst dich komisch, hast Gliederschmerzen und bist dir sicher, dass du gar nichts wert bist.“

Der Schreibstil von Meryem El Mehdati hat mir ausgesprochen gut gefallen, ihre direkte und bissige Art, ihre feine Beobachtungsgabe. Sie bringt die Absurditäten des Berufslebens immer treffend auf den Punkt:

„Wirf einen Haufen Leute unterschiedlicher Herkunft als Gruppe zusammen und lass sie ein paar Stunden täglich gemeinsam in einem geschlossenen Raum verbringen. Gib jedem von ihnen eine Rolle, die ihrer Ausbildung, Erfahrung und ihrem Alter entspricht. Organisiere ihre Beziehungen hierarchisch. Schließ die Tür und guck, was passiert. Das Stanford-Gefängnisexperiment ist ein Witz verglichen mit den Dynamiken in einem gewöhnlichen Großraumbüro. Gib einer Person in so einem Büro auch nur ein Quäntchen Macht über die anderen, und du wirst sehen, wie sie sich über Nacht in einen comicreifen Böse wicht verwandelt. Ihre Untergebenen werden zu Menschen, denen sie all ihre Frustration und Ängste überstülpt, denen sie das Doppelte dessen abverlangt, was sie selbst leistet, die sie schlecht behandelt, wenn es nicht gut läuft, die sie schlicht nicht mehr als ihresgleichen betrachten muss. Und jetzt gib einem der Untergebenen ein Milligrämmchen Macht über die restlichen. Mach es dir bequem und schau, was passiert.“

Was bei Meryems Weg von der Praktikantin zur Festanstellung zunächst amüsant wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als schonungslose Darstellung von Ausbeutung und unwürdigen Arbeitsbedingungen.

„Von den fünf Sätzen, die ich am meisten zu meinem Chef sage, ist »Ja, klar« der allerhäufigste. Kannst du am Donnerstag eine halbe Stunde früher kommen? Ja, klar. Kannst du heute eine Stunde länger bleiben? Ja, klar. Kannst du diese Dokumente mal auf Fehler durchsehen? Ja, klar. Kannst du zwei Wochen lang Arbeit für zwei erledigen, weil Yolanda im Urlaub ist? Ja, klar. Kann ich nachtreten, wenn du heulend am Boden liegst? Ja, klar.“

Als sie die Festanstellung endlich erreicht, stellt sie fest, dass der Aufstieg einen hohen Preis fordert. Für die Jobsicherheit hat sie ein Stück ihrer eigenen Identität und Seele aufgegeben.

„Ich habe jetzt bereits fünfhundertsiebenunddreißig verschiedene Erfahrungen in dieser Firma gemacht. Eine schlimmer als die andere.“

Ich war wirklich begeistert von der Klugheit und Tiefe dieses Romans. Vom ersten bis zum letzten Satz hat für mich einfach alles gepasst, daher vergebe ich 5 von 5 Sternen für diesen tollen Debütroman!

Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 29.05.2026

Die große Illusion vom Aufstieg durch eigene Leistung

Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher
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Das Sachbuch „Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher – Die Lüge von der Chancengleichheit“ von Ciani-Sophia Hoeder räumt auf mit dem Mythos, dass in Deutschland jeder durch harte Arbeit und maximale Leistung ...

Das Sachbuch „Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher – Die Lüge von der Chancengleichheit“ von Ciani-Sophia Hoeder räumt auf mit dem Mythos, dass in Deutschland jeder durch harte Arbeit und maximale Leistung reich werden, ja „vom Tellerwäscher zum Millionär“ aufsteigen kann.

"Wohlstand entsteht nicht durch Arbeit. Wohlstand entsteht durch Wohlstand.“
Die Autorin weiß, wovon sie schreibt, sie ist selbst in prekären Verhältnissen aufgewachsen. Damit schreibt sie nicht über eine oft ungehörte Klasse, sondern aus ihr heraus. Das verleiht ihren Worten eine besondere Glaubwürdigkeit und Nahbarkeit.

In ihrem Buch analysiert sie, wie stark Klassenzugehörigkeiten unseren Alltag prägen: Sei es bei Konsum und Vorlieben, Beruf und Bildung oder auch bei Beziehungen und Dating. Zudem verdeutlicht die Autorin, wie sich Klassenzugehörigkeit mit weiteren Diskriminierungsformen überschneidet.

„Klassismus verstärkt letztlich Sexismus. Wie feministisch ist es, wenn ich ein Manager:innengehalt verdiene, während meine Kinder in der Kita von einer Frau erzogen werden, die weniger verdient. Oder wenn in meinen eigenen vier Wänden eine Frau putzt, die eigentlich in Rente ist, aber unter Altersarmut leidet und deshalb weiterhin etwas dazuverdienen muss?“

Ein grundlegender Perspektivwechsel ist dringend nötig: Armut darf nicht länger individualisiert werden. Vielmehr müssen wir die strukturellen Ungerechtigkeiten und Machtverhältnisse an der Wurzel bekämpfen.

„Der Gedanke des Aufstiegs selbst wird nicht infrage gestellt. Er gilt als universeller Wunsch. Dabei sollte die Lösung eigentlich nicht sein, dass Einzelne aufsteigen können, sondern dass es allen gut geht. Dass es keine Armut gibt oder Menschen, die arbeiten und trotzdem nicht über die Runden kommen. In Wahrheit geht es gar nicht darum aufzusteigen. Sondern um Autonomie. Um ein Leben frei von Existenzängsten und Prekarität. Geld ist in einer kapitalistischen Gesellschaft die einzige Möglichkeit, um sich ein Stück Freiheit zu erkaufen. Ohne bleibt das Individuum fremdbestimmt. Bildung als kulturelles Kapital kann zu mehr Einkommen führen. Viele Untersuchungen zeigen, je höher die Bildung, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden. Wir wollen keine Yacht oder einen Ferrari. Wir wollen am Morgen ohne Existenzängste aufwachen.“

„Klassen sind ein Ist-Zustand. Eine Beschreibung, um zu verstehen, dass vermeintliche Chancengleichheit nicht jedem die gleichen Möglichkeiten bietet. Sondern dass viele andere Faktoren das Leben jedes Einzelnen beeinflussen.
Mein Großvater hatte ganz andere Startbedingungen als der Lidl Minus und kaufland-gründer Dieter schwarz. Eine Frau ist nicht einfach nur eine Frau. Sie kann eine alleinerziehende Mutter sein, mit Migrationserfahrungen, mit Behinderung. Ihre Chancen sehen ganz anders aus als die eines jungen Mannes mit Studienabschlüssen von diversen Elite-Unis, der aus einem überwohlständigen Zuhause kommt, ein über Generationen gepflegtes Netzwerk vorweist und den Laden seines Daddys übernimmt. Diese Dimensionen spielen eine Rolle. Die Beispiele zeigen, dass Deutschland nicht so sozial mobil ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Dass die Rollen eigentlich schon vorverteilt sind. Wir wissen, es gibt Klassen, aber gleichzeitig glauben wir, dass die Leistung über den Erfolg einer Person entscheidet. Diese beiden Gedanken widersprechen sich. Das macht unser Klassenunbewusstsein aus. Ein Eigentlich-Aber.“

Meiner Meinung nach ist „Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher“ ein wirklich vielschichtiges und wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt und auch dazu, die eigenen Privilegien zu hinterfragen. Es kann helfen, die Mechanismen von Klasse, Macht und Erbe wirklich zu verstehen.

„Wir denken, in einer kapitalistischen Welt liegt die Macht in den Händen derer, die das Geld haben. Das stimmt. Doch nur, solange wir daran glauben. Klasse ist eine Geschichte. Ein menschengemachtes System, das reale Konsequenzen hat. Es funktioniert, weil wir daran glauben. Aber der Knecht ist derjenige, der eigentlich den Wohlstand des Herrschers sichert und das System am Laufen hält. Ohne ihn ginge gar nichts. Ohne den Herrscher schon.“

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Was möchte dieses Buch mir sagen?

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen
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„Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen“ von Kikuko Tsumura klang nach einem ungewöhnlichen Roman über die „Tücken der modernen Arbeitswelt“:
Die namenlose Ich-Erzählerin sucht nach einem Burnout ...

„Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen“ von Kikuko Tsumura klang nach einem ungewöhnlichen Roman über die „Tücken der modernen Arbeitswelt“:
Die namenlose Ich-Erzählerin sucht nach einem Burnout und dem Auslaufen ihres Arbeitslosengeldes sucht sie einen Job, bei dem sie möglichst wenig Stress hat, am liebsten sehr wenig denken muss.
In fünf Kapiteln folgen wir ihr durch fünf verschiedene Jobs, einer absonderlicher als der andere: Sie observiert eine berühmte Kriminalautorin per Überwachungskamera. Danach arbeitet sie für eine Agentur, die Plakatwerbung für Busse entwirft, gerät dort jedoch in die Fänge einer mysteriösen Sekte. Sie entwirft Texte für die Rückseiten von Snackverpackungen, und so weiter. Jeder dieser vermeintlich simplen Jobs entwickelt unerwartete Herausforderungen; außerdem gibt es jede Menge mysteriöse Vorfälle.

Leider konnte dieses Buch meine Erwartungen überhaupt nicht erfüllen.
Ich hatte wohl etwas ähnliches erwartet wie in „Geht so“ von Beatriz Serrano, was ein absolutes Highlight für mich war. Daran kommt „Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen“ jedoch absolut nicht heran.
Das erste Kapitel fand ich noch recht interessant, auch wenn der nüchterne, distanzierte Schreibstil gewöhnungsbedürftig war. Ab da ging es meiner Meinung nach abwärts.
Auch wenn die Auswahl der fünf Jobs durchaus originell war, konnte ich den angekündigten Humor und die Gesellschaftskritik nur bedingt spüren.

Am Ende bliebe ich etwas ratlos zurück, was mir dieses Buch sagen soll ...
Ich vergebe final wohlwollende 2 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Bitterböse Unterhaltung

Ein unheimlich guter Mensch
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Das Cover zu Kirsten Kings Debütroman „Ein unheimlich guter Mensch“ ist ein absoluter Hingucker, aber auch der Plot versprach eine ungewöhnliche Geschichte und hatte meine Neugierde geweckt.

Protagonistin ...

Das Cover zu Kirsten Kings Debütroman „Ein unheimlich guter Mensch“ ist ein absoluter Hingucker, aber auch der Plot versprach eine ungewöhnliche Geschichte und hatte meine Neugierde geweckt.

Protagonistin Lillian ist schon länger unverbindlich mit Henry zusammen bzw. eigentlich war es nur eine Bettgeschichte. Lillian will aber mehr, Henry soll sich in sie verlieben – stattdessen macht er unerwartet Schluss mit ihr. Völlig betrunken greift sie zu einem „Rachezauber“, den sie auf YouTube entdeckt hat, um ihn zurückzuerobern. Kurz darauf ist Henry tot ...
Natürlich ist auch Lillian tatverdächtig, immerhin hatte sie ihm kurz zuvor noch eine Drohnachricht geschickt. Anstatt offiziell um Henry trauern zu dürfen, muss sie erfahren, dass er seit Jahren in einer festen Beziehung war. Zum Glück steht ihre beste Freundin Jamie („Sie war meine beste Freundin, auch wenn ich ihr das nie sagen würde. Eine derart langweilige beste Freundin zu haben war peinlich.“) ihr zur Seite.
Lillian muss dringend den Verdacht von sich auf jemand anderen lenken ...

„Aber das war ja keine wirkliche Lüge, oder? Das waren kleine Flunkereien, die ich erzählte, damit sie sich nicht ständig Sorgen um mich machte. Jede Lüge, die ich erzählte, hatte einen Sinn und Zweck. Permanent versuchte ich die Bedürfnisse der Menschen um mich herum zu erraten, und justierte meine Wirklichkeit danach, was zu hören ihnen guttat. Ich tat allen einen Gefallen.“

Gegen den Rat ihres Anwalts geht Lillian zu Henrys Beisetzung, wo ein Zusammentreffen mit dessen langjähriger Freundin Nora unschön endet. Und irgendwie läuft alles aus dem Ruder ...

„Ein unheimlich guter Mensch“ ist bitterböse Unterhaltung mit einer absolut unsympathischen Protagonistin – sowas muss man mögen. Ich habe mich vor allem zu Beginn der Geschichte köstlich amüsiert, hatte aber nicht erwartet, wie sich die Handlung bis zum Finale hin entwickeln würde. Ist das ein Krimi? Eine Satire? Ein Psychogramm? Von allem etwas, aber meine Erwartungen wurden nicht so ganz erfüllt.

Für mich vielleicht der zentralste Satz des Buches:
„Niemand kann dich missbrauchen, wenn du selbst das Ungeheuer bist.“

Insgesamt kann ich diesem Buch keinen nachhaltigen Mehrwert abgewinnen. Es war auf sehr spezielle Art unterhaltsam, aber mehr als einmal muss ich das sicher nicht lesen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den ecco Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Wenn der Traum vom Ruhm zur Besessenheit wird

She’s a Star!
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Jessamyn St. Germain möchte unbedingt auf die Bühne. Sie ist überzeugt, dass sie bald im Rampenlicht stehen wird.

„Also ich will von der Branche entdeckt werden. Von Leuten, die Ahnung haben. Nicht von ...

Jessamyn St. Germain möchte unbedingt auf die Bühne. Sie ist überzeugt, dass sie bald im Rampenlicht stehen wird.

„Also ich will von der Branche entdeckt werden. Von Leuten, die Ahnung haben. Nicht von fanatischen, zuckersüchtigen Teenagern aus dem Mittleren Westen. Sondern von Profis. Ich will es schaffen durch mein Können, durch reines Talent. Ich will nicht erfolgreich sein, weil ein paar zwölfjährige Mädchen in Iowa meine miesen Rihanna-Cover im Internet gelikt haben. Ich will Rihanna sein. Ist doch klar. Warum ist das eigentlich so schwer zu verstehen?
Ich will entdeckt werden. Und das werde ich auch. Heute.“

Bisher arbeitet sie nur als Platzanweiserin im Theater, während sie nebenher teuren Gesangsunterricht nimmt und Castings für Werbespots absolviert. Doch endlich scheint ihr Traum, die Hauptrolle im Musical „The Sound of Music“ zu ergattern, zum Greifen nah zu sein – so denkt sie jedenfalls.

„Es wird nie einfacher werden, wenn ich nicht etwas Großes tue. Etwas Bedeutendes.
Ich muss aufhören, auf das Universum zu warten, und der Muse beweisen – oder Gott, oder wer auch immer da zusieht und mich leiden lässt –, dass das Leiden jetzt vorbei ist. Dass meine Zeit gekommen ist. Dass ich so fest an mich glaube, dass ich niemandem erlaube, sich mir in den Weg zu stellen. Ich werde kein Nein mehr akzeptieren.
Jetzt bin ich dran. Ich. Meine Zeit ist gekommen.“

Stattdessen wird sie nur als Betreuerin für die Kinderdarsteller*innen eingestellt, die Hauptrolle geht an ihre Konkurrentin Samantha. Das kann nur ein Irrtum sein! Jessamyn ist überzeugt: ihre große Chance wird noch kommen. Während sie in ihren Visionen längst der Star der Show ist, nimmt ihre Besessenheit gefährliche Züge an ...

Jessamyn ist nicht gerade eine Sympathieträgerin, kommt aber sehr authentisch rüber.
Ihre Obsession, auch ihren Wunsch, ihrem Vater zu imponieren, konnte man gut nachempfinden. Wobei ich mir während des Lesens hauptsächlich die Frage gestellt habe: Wie wird jemand so? Was ist die Ursache? Woher kommt dieser überzogene Ehrgeiz? Wie kann man sich selbst so stark überschätzen?

„... wie sehr ich das will, wie sehr ich es brauche und verdiene. Denn so ist es. Ich verdiene es. Ich habe dafür gearbeitet. Es muss klappen. Es muss einfach. Denn wenn nicht, dann war alles, was ich bisher durchgemacht habe, bedeutungslos. All die Grapscherei, die Belästigungen, Sex mit diesen ganzen Losern – für Aufmerksamkeit, für Geld, für Selbstwertgefühl. Und wozu? Wozu? Was soll ich jetzt tun? Aufgeben? Alles vergessen und etwas anderes versuchen?
Wer bin ich ohne all das?
Es muss einen Sinn haben. Alles geschieht aus einem Grund, und mir ist so viel passiert, dass es dafür einen Grund geben muss. Es kann nicht alles einfach nur Zufall gewesen sein. Es muss mehr sein als das hier. So viele Momente, in denen ich dazu verdammt war, mich klein zu fühlen, als würde ich gar nicht existieren, als wäre ich eine Idiotin, weil ich das will. Weil ich mehr sein will, als ich bin. Ich bedeute etwas. Ich bedeute etwas. Ich bin wichtig. Ich muss wichtig sein. Wenn nicht – was bleibt dann noch? Welchen Sinn hätte dann das Leben?“

„She’s a star“ ist eine tiefschwarze Tragödie, die vor Sarkasmus und Zynismus nur so trieft. Ein wirklich ungewöhnlicher Roman, der sicher polarisiert. Absolut kein Wohlfühlroman, die Stimmung ist von Anfang an fiebrig und angespannt. Alles wirkt bewusst überzogen, passt aber perfekt ins Gesamtbild. Im zweiten Teil spitzt sich die Lage zu bis hin zum Showdown.

Insgesamt wurde ich gut unterhalten von dieser irren Geschichte über Selbstüberschätzung, Obsession und den Wunsch, berühmt zu sein.

„Die Wahrheit kann ich ihm nicht sagen. Er ist viel zu zynisch, um zu träumen. Er wurde schon einmal durch die Mangel genommen. Das Strahlen, das der Gedanke an all die Möglichkeiten mit sich bringen kann, ist bei ihm vollständig erloschen. Er versteht es nicht. Würde es nicht verstehen. Vielleicht hat er sogar recht. Vielleicht ist das der schönste Teil am Berühmtwerden: wenn man immer noch voller Hoffnung ist.“

Ich vergebe final 4 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den pola Verlag, Lesejury.de und Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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