Mit Kafka am Herd: Vegetarische Abenteuer zwischen Genie und Wahnsinn
Wer hätte gedacht, dass Franz Kafka nicht nur Albträume in Prosa fabrizierte, sondern auch kulinarische Visionen in die Küchenwelt brachte? Dieses Kochbuch ist kein gewöhnlicher Rezeptband, sondern eine ...
Wer hätte gedacht, dass Franz Kafka nicht nur Albträume in Prosa fabrizierte, sondern auch kulinarische Visionen in die Küchenwelt brachte? Dieses Kochbuch ist kein gewöhnlicher Rezeptband, sondern eine schräge Mischung aus vegetarischen Exzessen, literarischen Querverweisen und einem Hauch von Küchenpsychologie. Gebackener Pastinak, Risi-Pisi und Spargelpudding – klingt erstmal wie ein Menü aus einer Parallelwelt, macht aber erstaunlich viel Sinn, sobald man sich auf den Kafka-Kosmos eingelassen hat.
Das Buch bringt den Leser dazu, sich zwischen Herd und Schreibtisch zu fühlen wie im „Prozess“: Man weiß nicht, ob man am Ende ein köstliches Mahl oder eine existenzielle Krise serviert bekommt. Genau das macht den Reiz aus. Eva Gritzmann und Denis Scheck haben mit spürbarer Leidenschaft und einer Prise Ironie Kafkas „Hygienisches Kochbuch“ wieder ans Licht gezerrt. Ihre Kommentare sind dabei fast so unterhaltsam wie die Rezepte selbst. Ganz nebenbei entdeckt man, wie stark Ernährung, Gesundheit und Literatur bei Kafka ineinandergriffen – von der Kur im Sanatorium bis zum „Hungerkünstler“.
Natürlich ist nicht jedes Gericht ein Volltreffer. Manche Rezepte wirken aus heutiger Sicht eher wie mutige Experimente, die man höchstens in Gesellschaft von sehr offenen Freunden testen sollte. Aber gerade das macht den Spaß: Kochen auf Kafkas Art ist ein Abenteuer zwischen Suppenkelle und Seelenstriptease.
Vier Sterne gibt’s, weil das Kochbuch mehr inspiriert als wirklich jeden Tag zum Nachkochen taugt. Doch als literarisches Geschenk, als Gesprächsanstoß oder als witzige Küchenprovokation ist es unschlagbar. Wer Lust hat, sich mit Kafka nicht nur im Kopf, sondern auch im Magen auseinanderzusetzen, sollte hier unbedingt zugreifen. Und ja: Spargelpudding schmeckt besser, als er klingt – wenn man mutig genug ist.