Tolle Retrospektive
Yayoi Kusama zählt zu den bekanntesten, einflussreichsten und konsequentesten Künstlerinnen unserer Zeit, deren Werk über mehr als sieben Jahrzehnte eine unvergleichliche Beständigkeit ihrer Anliegen ...
Yayoi Kusama zählt zu den bekanntesten, einflussreichsten und konsequentesten Künstlerinnen unserer Zeit, deren Werk über mehr als sieben Jahrzehnte eine unvergleichliche Beständigkeit ihrer Anliegen offenbart. Der prächtige Katalog des Hatje Cantz Verlags begleitet ihre umfassende Retrospektive, die in drei Stationen – Fondation Beyeler in Riehen/Basel (12.10.2025–25.01.2026), Museum Ludwig in Köln (14.03.–02.08.2026) und Stedelijk Museum in Amsterdam (11.09.2026–17.01.2027) – zu erleben ist.
Die Künstlerin (geb. 1929 in Matsumoto, Japan) begann mit 10 Jahren, Polka Dots und Netze zu malen, studierte Nihonga in Kyoto, reiste 1957/58 nach New York, wo sie Infinity Nets, phallische Accumulation-Skulpturen, Happenings, Bodypainting und Spiegel-Installationen schuf.
Nach psychischen Krisen kehrte sie 1973 nach Japan zurück, lebt freiwillig in einer psychiatrischen Klinik und arbeitet weiter in Malerei, Skulptur, Performance, Literatur und Mode – international gefeiert seit der Venedig-Biennale 1993.
Die Ausstellung spannt einen Bogen von den frühen Gemälden und Arbeiten auf Papier, entstanden in ihrer japanischen Heimatstadt Matsumoto, bis hin zu jüngsten Werken um 2021 und erkundet damit die nachhaltigen künstlerischen Konzepte, die Kusamas Schaffen seit den 1950er Jahren prägen: „Unendlichkeit“, „Akkumulation“, „Vernetzung“ und „Fürsorge“. Sie beleuchtet die vollständige Bandbreite ihres innovativen Œuvres, das Medien wie Malerei, Skulptur, Installation, Zeichnung, Film, Performance, Literatur und Mode umfasst – wegweisende Ausdrucksformen, mit denen Kusama ihrer Zeit voraus war.
Der Katalog selbst erweist sich als optisches, haptisches und inhaltliches Kunstwerk für sich, gedruckt auf hochwertigem Munken Polar und Artosilk-Papier, dessen Qualität unmittelbar „auf der Hand liegt“. Die ikonischen „Polka-Dots“ erscheinen teilweise als Glanzpunkte oder Löcher auf der Oberfläche und spiegeln sich in der mitunter kreisförmigen Textformatierung wider, die den Leser nahtlos in Kusamas einzigartigen, psychedelischen Kosmos eintauchen lässt.
Diese formale Strategie umsetzt Kusamas lebenslange Auseinandersetzung mit der Unendlichkeit visuell nach: Die sich wiederholenden Punkte suggerieren eine endlose Vervielfältigung, die das Auge des Lesers in ähnlicher Weise fasziniert wie die immersiven Spiegelräume der Künstlerin.
In enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und ihrem Studio entstanden, bietet er nicht nur ikonische Werke, sondern auch europaweit neu gezeigte Frühstücke sowie aktuelle Produktionen – ein unverzichtbarer Begleiter, der die Essenz ihrer obsessiven Wiederholungen und unendlichen Räume greifbar macht.