Wenn Rom brennt und das Gewissen flüstert
Rom 1944, Geschützdonner vor der Stadt, Angst in den Gassen und mittendrin ein deutscher Offizier, der nicht nur einen Todesfall klären muss, sondern gefühlt auch seine eigene Seele sortiert. Kaputt Mundi ...
Rom 1944, Geschützdonner vor der Stadt, Angst in den Gassen und mittendrin ein deutscher Offizier, der nicht nur einen Todesfall klären muss, sondern gefühlt auch seine eigene Seele sortiert. Kaputt Mundi ist kein Krimi, der mit Blaulicht um die Ecke biegt und einem die Lösung auf dem Silbertablett serviert. Das hier ist eher ein Glas schwerer Rotwein bei Kerzenschein, nur dass draußen der Krieg tobt und man beim Lesen öfter denkt: Uff, das sitzt.
Ben Pastor baut eine Atmosphäre auf, die richtig unter die Haut geht. Dieses besetzte Rom wirkt nicht wie Kulisse, sondern wie eine eigene Figur. Schön, kaputt, stolz, gefährlich. Martin Bora fand ich dabei besonders spannend, weil er kein einfacher Held ist. Er ist Teil eines Systems, trägt Schuld, hat Loyalitäten, aber eben auch Gewissen. Genau diese innere Reibung macht ihn so interessant.
Der Fall um Magda Reiner ist dabei nicht nur ein Mordrätsel, sondern ein Türöffner in eine Welt voller Macht, Angst, Verrat und persönlicher Abgründe. Manchmal musste ich mich etwas konzentrieren, weil viele Namen, politische Interessen und historische Ebenen zusammenkommen. Das ist kein Buch für nebenbei zwischen zwei Sprachnachrichten. Aber wenn man sich darauf einlässt, wird man belohnt.
Besonders gefallen hat mir, dass der Roman nicht billig schockt. Die Spannung kommt leise, fast schleichend, und plötzlich merkt man, wie sehr einen diese Geschichte gepackt hat. Kaputt Mundi ist düster, klug und bitter, aber auch unglaublich faszinierend. Kein Wohlfühlkrimi, eher ein Gewissenskrimi mit Herzklopfen.