Geh aus, mein Herz, und suche!
Die Handlung: Vier Tage bis Mariä Himmelfahrt bzw. Ferragosto (15. August) in Albisano am Gardasee mit der Hauptfigur Louis Arthur Schongauer, 75, der als unbedeutender, vergessener Filmschauspieler in ...
Die Handlung: Vier Tage bis Mariä Himmelfahrt bzw. Ferragosto (15. August) in Albisano am Gardasee mit der Hauptfigur Louis Arthur Schongauer, 75, der als unbedeutender, vergessener Filmschauspieler in Nebenrollen als Nazi-Bösewicht in Hollywood gearbeitet hat, und seiner jungen Hündin Ascha. Wie der Buchtitel schon suggeriert, geht es um die Trauer um seine verunglückte Frau Magda in seiner bewusst gewählten Einsamkeit und sein Leben mit diesem Tier in gewisser Altersdepression. Seine düstere Vergangenheit, Berufliches wie Privates, scheint besonders interessant zu sein für die unbekümmerte, sehr sympathisch wirkende Reisebloggerin Frida Pohl, 24, die mit ihrem defekten Wohnmobil in seiner Einfahrt zufällig gestrandet ist. Auch die Autorin Almut Stein, 49, will ihn mit einem Lebensbericht aus der Vergessenheit holen. Während sich die Hauptfigur nur unwillig den sehr privaten, bohrenden Fragen der emotional angeschlagenen Autorin Almut öffnet, entwickelt sich zwischen der Bloggerin Frida und der Hündin Ascha ein vertrauensvolles Miteinander. Gemeinsam mit Almut blickt Schongauer schmerzhaft zurück in seine Lebensabgründe mit seinen tragisch verstorbenen Frauen, lädt Almut auf sein Boot mit Schwimmeinlage ein und alle zusammen überstehen einen gewaltigen, zerstörerischen Gewittersturm.. Einige Gegenstände im Roman scheinen größere Gewichtung zu haben: z.B. Das Foto mit dem toten Pferd und der Brandung im Hintergrund, dieses letzte Bild seiner Frau, hängt über Schongauers Sofa wie zur Selbstbestrafung. Oder auch der Druck Die Versuchung des Heiligen Antonius nach dem Stich des Malers Martin Schongauer, 1448 bis1491, über der Toilette zeigt den Eremiten, wie er sich weiblicher Schauderwesen erwehrt. Auch das Buch von Flaubert Die Versuchung des heiligen Antonius wird in Dialogen mit Frida mehrfach erwähnt. Schwirren hier etwa der Hauptfigur Schongauer mit bloßem Oberkörper und einer Pistole in der Hand nachts auch bedrohliche Frauenzimmer vor dem Haus herum mit rotem Licht im Wohnmobil? Auch bei Almuts Irrfahrt tauchen Marterl des heiligen Sebastian und Antonius auf, beide Sinnbild des leidenden Mannes. Ihn peinigen neben Altersbeschwerden Erinnerungen an Frauen genau wie den heiligen Antonius. Im eigenen Haus wird er schließlich, Fridas Mutter Lilly Roth mit einbezogen, von drei Frauen mit seiner traumatischen Vergangenheit konfrontiert. Ist der Umgang mit ihnen anfangs angespannt, entwickelt er sich völlig unkompliziert mit Frida, weniger idyllisch mit den älteren, problematischeren Frauen. Neben seinen Todesgedanken durchziehen auch regionale Weinsorten wie der Custoza oder Lugana das Geschehen, aber auch berühmte Namen wie Hedy Lamarr, DeMille und weiterer verstorbener Hollywoodstars finden Erwähnung.
In sanftem, ruhigem Schreibstil werden Beobachtungen in der Natur, aber auch Stimmungen und Gefühlen präzise beschrieben. Das Charakterbild der leidenden Hauptfigur ist subtil und einfühlsam gezeichnet.