Profilbild von easymarkt3

easymarkt3

Lesejury Star
offline

easymarkt3 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit easymarkt3 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.07.2026

Als Frau machtlos ausgeliefert.

Nachtblaue Blumen
0

Undatierte, handschriftliche Aufzeichnungen einer unbekannten, jungen Cabaret-Tänzerin um 1890 bilden hier eigentlich keinen Roman. Zufällig entdeckt in der Bibliothek des berühmten Neurologen Jean-Martin ...

Undatierte, handschriftliche Aufzeichnungen einer unbekannten, jungen Cabaret-Tänzerin um 1890 bilden hier eigentlich keinen Roman. Zufällig entdeckt in der Bibliothek des berühmten Neurologen Jean-Martin Charcot an der Sorbonne in Paris geben sie dennoch einen lebhaften Eindruck wieder von der Situation von Frauen, die eigenwillig in ihrem Handeln und Denken den Herren nicht gefielen. Über die eigentlich gesunde Ich-Erzählerin, 16 und Waise, die nur partout nicht mehr tanzen will, erfährt man mehr über den Arbeitgeber, ihren Patron, und das kleine Cabaret Le Voltage. Funktionierte man nicht so, wie allgemein erwünscht, wurde Frauen dann einfach eine Erkrankung des Geistes, Hysterie, angedichtet und in die Nervenheilanstalt der Salpêtrière weggesperrt. Im Dialog mit ihrer Freundin Cléo, einer geschickten Kleptomanin, kommt auch deren Leben an der Seite des erfolgreichen Magiers Damien zur Sprache. Sie schafft es schließlich wie auch die Tänzerin Jane Avril, sich aus dieser Anstalt zu entfernen. Bei Vorführungen in dieser Klinik vor internationalem Publikum dienten die Tänzerin wie auch Cléo als Fallbeispiele, schauspielerisch gut dargestellt. Auch Sigmund Freud mag die Hypnose-Therapie mit Traumdeutung ebenso in Frage gestellt haben wie französische Mitstreiter, die den hypnotischen Zustand bei Patientinnen nur durch Suggestion hervorgebracht sahen. Vor versammeltem, männlichem Publikum im Auditorium präsentiert zu werden, in Katalepsie zu erstarren, zu tanzen, zu krampfen etc. gilt als Privileg und schürt Konkurrenzdenken unter den nur teils vermeintlich kranken, aber sicher eingesperrten Frauen. All diese unsortierten, historischen Aufzeichnungen geben sehr interessante Aufschlüsse über das vorgetäuschte Wissen der Mediziner wieder, die mit der Psyche der ihnen ausgelieferten Frauen herum experimentierten.
Ein informativ gut aufbereitetes Werk, in einfühlsame Atmosphäre aus dem Französischen übertragen zwischen Fiktion und Historie.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.07.2026

Ein Liebesroman mit intensiven Gesprächen und komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen

Herz König
0

Das simple Cover ist wenig beeindruckend, passt es doch nicht zum Buchtitel, eher in etwa zum traurigen Romanende. Der Buchtitel nimmt Bezug auf geliebte Kartenspiele der studentischen Viererclique. Die ...

Das simple Cover ist wenig beeindruckend, passt es doch nicht zum Buchtitel, eher in etwa zum traurigen Romanende. Der Buchtitel nimmt Bezug auf geliebte Kartenspiele der studentischen Viererclique. Die Karte Herz König symbolisiert tiefe Emotionen, Liebe, Loyalität und einen gutmütigen Charakter, personifiziert zunächst in der Romanfigur von Sam, dem Geliebten, in drei großen Zeitsprüngen.
Zunächst beschreibt die Hauptfigur als hoch verschuldete Literaturstudentin ihre wild- amouröse Studienzeit zwischen den Studenten Sam und Yash. Von ihnen wird sie eher als die gerissene Charaktere Jordan Baker statt Daisy Buchanan von F. Scott Fitzgeralt`s fiktionaler Novelle The Great Gatsby aus 1925 wahrgenommen. Neben Semestern angefüllt mit Kartenspielen und literarisch angehauchten Dialogen zwischen Sam, Yash, Ivan und Jordan in universitärem Ambiente folgen Freundschafts-, Liebesbekundungen und Beleidigendes ihr gegenüber. Eine folgenreiche Liebesbeziehung mit Yash beendet schließlich Jordans Parisaufenthalt.
Im zweiten Teil trifft Jordan nach 21 erfolgreichen Jahren als Autorin erneut auf Yash, der ihre Familie auf der Durchreise besucht.
Der dritte Teil beginnt mit Jordans letzter Vortragsreise in intellektueller Atmosphäre rund um Literatur, Liebe, Sex und Hoffnung, bevor ihr Sohn Jack krank wird. Daraufhin folgen die letzten Tage von Yash im Krankenhaus, an Krebs erkrankt. In bemerkenswerten Rück- und Vorblenden geht es nicht nur um Verabschiedung und Offenbarung ihres ewig gehüteten Geheimnisses. Auch die Entscheidung zu ihrem Lebensentwurf zwischen verschieden starken emotionalen Männerbekanntschaften steht auf dem Prüfstand.
Insgesamt eine authentisch wirkende Liebesgeschichte in literarisch anspruchsvollem Stil.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.07.2026

Ein hoffnungsvoller Weg aus finanzieller und mitmenschlicher Misere

Tunnel
0

In drei Teilen geht es realitätsnah und gesellschaftskritisch um die Suche nach einem Weg, eigene Träume und Ziele aus Einsamkeit und Armut zu erreichen. Menschen wie die allein erziehende, mutige Mascha ...

In drei Teilen geht es realitätsnah und gesellschaftskritisch um die Suche nach einem Weg, eigene Träume und Ziele aus Einsamkeit und Armut zu erreichen. Menschen wie die allein erziehende, mutige Mascha Heerdmann mit 9-jähriger Tochter Tinka kämpfen mit Tunnelblick um Geborgenheit, um 2. Chancen, auch um Abenteuer. Die Tragik hinter ihren unzumutbaren Lebensbedingungen ist sprachlich klar formuliert. Auch das deutsche Sozialsystem mit regelmäßigen Pflichtbesuchen beim Arbeitsamt wird als demütigend, abschreckend beschrieben, ebenso Maschas bedrückende, Kräfte zehrende Arbeit im Seniorenheim. Mit den dortigen Bewohnern und dem Tröster Enders sehnen sich alle nach mitmenschlicher Wärme in einer hilfsbereiten Gemeinschaft. Erzählt wird aus der Perspektive von vier Figuren. Auch mit Tomsonov, einem älteren Heimbewohner, werden Gefühle wie Verlorenheit und Vernachlässigung, Traurigkeit und Überforderung skizziert und so eine eindringliche, düstere Atmosphäre mittels intensiver Sprache erschaffen.
Menschen wie Mascha und Tomsonov wollen ihrem unerfüllten Leben über einen dunklen, tunnelartigen, gefährlichen Ausweg entfliehen und benötigen dafür unsere Mithilfe!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2026

Tod und Leben in Corona-Zeiten – mal anders!

Sie und der Wald
0

In Zeiten des Corona-Lockdowns in Kanada verbringen zwei Familien in zwei Häusern am Fullerton-See nahe Montreal mehrere Monate, vor strengen staatlichen Maßnahmen fliehend. – mit fünf Kindern zwischen ...

In Zeiten des Corona-Lockdowns in Kanada verbringen zwei Familien in zwei Häusern am Fullerton-See nahe Montreal mehrere Monate, vor strengen staatlichen Maßnahmen fliehend. – mit fünf Kindern zwischen 3 und 9 Jahren, in engen Räumen, in fast unberührter Natur, mit Unterrichtung in Eigenregie. Wie lockere Tagebucheinträge der Ich-Erzählerin Anaïs reihen sich Erinnerungen aus ihrer Kindheit an Episoden der Gegenwart lose und wirr aneinander. Informativ sind dabei auch Beiträge zu internationalen Berühmtheiten, aber mehr noch zu Historie, Fauna, Flora dieser Gegend. Ohne Internet, dafür mit interessanten Anwohnern im Tal beschenkt lebt das Buch von persönlichen Schilderungen in liebevollem, poetischem Schreibstil. Die Erzählerin erlebt man als Mutter, Liebende und Künstlerin, angefüllt von Erschöpfung, Überforderung in Enge, Chaos und existenzieller Verunsicherung in diesem Zufluchtsort. Neben der Hingabe zu ihren Kindern und ihrem Ehemann verspürt man auch ihren Wunsch nach Ungebundenheit, denke man nur an den japanischen Maler oder den rätselhaften Waldmenschen. Mit dem zufällig gefundenen Grabstein von Jeanne d’Arc Morency (J.A.M.) und der vorbei schwebenden weißen Frau treten traumhafte Elemente ins Blickfeld. Auch wenn die Struktur weniger der eines Romans entspricht, die Kapitel thematisch bunt angesiedelt sind, versprüht das Buch eine reizvolle, ansprechende Atmosphäre beim Lesen. 3,5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2026

Leider kein überzeigender Kriminalfall!

Akte Nordsee - Das schweigende Dorf
0

Es ist der 3. Band der Reihe mit Lokalkolorit der Eiderstädter Gegend einschließlich mundartlicher Einschübe. Die Anwältin Fentje Jacobsen beginnt Nachforschungen nach einem mitternächtlichen, konfusen ...

Es ist der 3. Band der Reihe mit Lokalkolorit der Eiderstädter Gegend einschließlich mundartlicher Einschübe. Die Anwältin Fentje Jacobsen beginnt Nachforschungen nach einem mitternächtlichen, konfusen Anruf ohne gültiges Mandat. Allein schon dieser Fakt wirkt äußerst unrealistisch. Nur über veraltete Beziehungen und Gerüchte zu einem mutmaßlichen, toten Mandanten sinnvolle Ermittlungsarbeit bewerkstelligen zu können, ist fraglich. Dass der Journalist Niklas John Nachforschungen bzw. teils etwas fragwürdige Hilfestellung der Polizei in Absprache mit dem befreundeten Golffreund leistet, kommt etwas weniger konstruiert rüber. Sein Part mit besseren Bedingungen zu notwendigen Recherchen ist glaubwürdiger. Durch die Menge an Charakteren im verschwiegenen, feindseligen Dorf verliert sich der Spannungsbogen allzu schnell. Auch Informationen zu einem mehrere Jahre zurückliegenden Vermisstenfall und einem angeblichen Selbstmord helfen nicht, den Verlauf der Handlung aufzufrischen. Angerissen werden noch Mobbing und häusliche Gewalt im dörflichen Rahmen zwischen Alteingesessenen und Neuzugezogenen. Informativ sind die Beschreibungen zur Eiderstedter Festtagstracht und die Bootfahrten mit Norder- und Süderbootfahrt. Der Schreibstil ist angenehm, nur leider fehlt ein konstanter Spannungsbogen. 2/5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere