Profilbild von easymarkt3

easymarkt3

Lesejury Star
offline

easymarkt3 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit easymarkt3 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2026

Eine äußerst ungesunde Beziehung

Muna oder Die Hälfte des Lebens -
0

Die Ich-Erzählerin Muna Abbelius ist gefangen in einem problematischen Leben mit der Alkohol abhängigen Mutter, Schauspielerin in der DDR, und dem etwas älteren Magnus Otto, Französischlehrer und Fotograf, ...

Die Ich-Erzählerin Muna Abbelius ist gefangen in einem problematischen Leben mit der Alkohol abhängigen Mutter, Schauspielerin in der DDR, und dem etwas älteren Magnus Otto, Französischlehrer und Fotograf, den sie zufällig mit 17 Jahren kennenlernt. Selbst nach einem zufälligen Treffen nach 7 Jahren mit Mauerfall und ihrem erfolgreichen Literaturstudium in verschiedenen Städten klammert sie sich vehement an Magnus. Sie spielt dabei bewusst mit ihrer überzeugenden Weiblichkeit. Wie ihr eigenes Leben unter seiner zunehmenden seelischen und physischen Gewalt zerfällt, wird im zweiten Teil beklemmend beschrieben. Erst mit ihren 40 Jahren vermag sie sich aus dieser beklemmenden Beziehung zu lösen, obwohl sie schon längst die Toxizität des Mannes durchschaut. Neben der Beziehung zur schauspielernden, alkoholabhängigen Mutter wird von Munas Literaturstudium, den Stipendien, ihren Affären, abendlichen Aufführungen verschiedenster Kategorie, ihren schlecht bezahlten Jobs, eher flüchtigen Freunden sowie Mitbewohnern in ihren diversen Unterkünften langatmig, teils in verwirrender Anzahl berichtet. Wie der intellektuelle Betrieb an weltweiten Unis, Instituten etc. mit Zeitverträgen funktioniert, wird provokant dargestellt.
Wie eine gut aussehende, intelligente Frau mit vielen Talenten über 3 Jahrzehnte so wenig Selbstbewusstsein entwickelt, geplagt von endlosen Minderwertigkeitskomplexen, möchte man nicht wahrhaben. Das Gegenteil von Partnerschaft oder Gleichberechtigung wird beschrieben: Muna obzessiv, erdrückend liebend bis zur Selbstaufgabe, bis zum Zusammenbruch, dagegen Magnus rücksichtslos, jedoch erfolglos drastisch abweisend. Eine vernünftige Erklärung für Munas vergebliche Suche nach einem passenden Heimathafen mit Magnus als festem. sie liebendem Anker mag vielleicht in ihrer problematischen Kindheit in der DDR zu finden sein. Ein etwas ungewöhnlicher Schreibstil.
Auf jeden Fall ist es kein Wohlfühlroman, wohl regt er zum Diskutieren an. 3,5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2026

Nur eine Abfolge von wenig Erbaulichem.

Super einsam
0

Die 30-jährige Berliner Hauptfigur Vito erzählt viel über sein alltägliches, trostloses Dasein, verfällt in Erinnerungen zur Ex-Freundin, zu seiner verstorbenen Mutter, ist nicht wirklich erfolgreich als ...

Die 30-jährige Berliner Hauptfigur Vito erzählt viel über sein alltägliches, trostloses Dasein, verfällt in Erinnerungen zur Ex-Freundin, zu seiner verstorbenen Mutter, ist nicht wirklich erfolgreich als Schauspieler. In kurzen Kapiteln werden Fragen zu Trauer, Bi-Sexualität, Großstadt-Vereinsamung bei Wohnraumknappheit sprachlich frech und teils witzig präsentiert wie z.B. im Eingangskapitel über die Eckkneipe. Inhaltlich kann ich mich nicht mit seinem wirren Lebensgefühl identifizieren. Ob seine subjektiven Gedanken und Gefühle tatsächlich als kritischer, allgemein gültiger Gesellschaftsroman über Millenials angesehen werden kann, vermag ich nicht zu beurteilen.
Kein sehr inspirierendes Werk für mich! 2*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.09.2026

Ein gesellschaftskritischer Roman, aus der Perspektive einer Frau erzählt.

Lil
0

Sarah Cutting, die Erzählerin des Romans und eine Nachfahrin der fiktiven Hauptfigur Lillian Cutting, auch Lil, ist als Journalistin beim Wall Street Journal, derzeit krankheitsbedingt beurlaubt, mit ...

Sarah Cutting, die Erzählerin des Romans und eine Nachfahrin der fiktiven Hauptfigur Lillian Cutting, auch Lil, ist als Journalistin beim Wall Street Journal, derzeit krankheitsbedingt beurlaubt, mit ihrer Dobermann-Hündin Miss Brontë an ihrer Seite, wohl imaginär mit ihr im Dialog. Als reiche, exzentrische Eisenbahnmagnatin im New York um 1880 bewegt sich Lil nach eigenem Lebensstil fern gängiger Konventionen, was Machtkämpfe mit dem Sohn und herrschenden Familien der Stadt provoziert. Als unabhängige Frau plötzlich entmündigt und unter Morphium in der Psychiatrie weggesperrt, findet sie in ihrem Rachefeldzug gegen Familie und High Society zurück in ihr Metier. In dieser Gesellschaftskritik mit Familientragödie um Macht und Geld, dem herrschenden Frauenbild und voller Rassismus nicht nur gegenüber Juden bleiben die meisten Charaktere doch sehr blass. Die Rolle des egozentrischen Psychologen Fairwell mit seinen Ausführungen und Arbeitsweisen in der Klinik wird als fragwürdig in ihren wissenschaftlichen Anfängen zum Ende des 19. Jahrhunderts dargestellt, seine spätere Rolle mit den Elfen wirkt irreal. Lil steht hier beispielhaft für einige schnell als „nervenkrank“ abgestempelte, selbstsichere Frauen, die von ihren Ehegatten so leicht „entsorgt“ werden konnten, sollten sie sich nicht den allgemein geltenden Gesellschaftsnormen unterordnen. Die feine Gesellschaft in ihrer Menschen verachtenden Art, Verlogenheit, Übersättigung und Selbstverliebtheit wird auch kritisch in sarkastischem Schreibstil dargestellt. Die zwei Erzählebenen mit Sarahs Sommer 2017 und Lils New York der 1880 - er Jahre ergänzen sich fließend. Damals wie heute könnte man sich hier fragen, wer eigentlich soziale und kulturelle Normen festsetzt, wenn man z.B. länger als sechs willkürlich fixierte Monate trauert und dann bei Dauerüberschreitung schon als psychisch krank kategorisiert wird. Abweichungen jedweder Art sollten in einer freiheitsliebenden, offenen Gesellschaft möglich sein.
Ein Roman zum Nachdenken! 3,5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.08.2026

Humorvoller Krimi mit etwas Lokalkolorit

Letzte Reise
0

Mit dem Ermittlerteam Hummel, Zankl, Mader und Dosi der Münchener Mordkommission wechselt man sich bei der sehr abwechslungsreichen, schwierigen Ermittlung ab mit einer dörflichen Polizeistation in Niederbayern, ...

Mit dem Ermittlerteam Hummel, Zankl, Mader und Dosi der Münchener Mordkommission wechselt man sich bei der sehr abwechslungsreichen, schwierigen Ermittlung ab mit einer dörflichen Polizeistation in Niederbayern, denn dort stolpern die Ermittler über mehrere Tote aus dem Rotlichtmilieu und dem Drogenhandel. Verstrickt in diverse dunkle Machenschaften versterben Täter und Zeugen auf mysteriöse Weise lange ohne ein offensichtliches Motiv, alles sehr facettenreich mit realistischen Wendungen. Dass Hauptkommissar Hummel direkt zu Anfang mit Filmriss nach durchzechtem Abend in der Schlafkabine eines LKW aufwacht, wirkt jedoch sehr konstruiert, sogar unglaubwürdig. Durch die lebensnahen Charakteren und deren typischem Dialekt kommt Lebendigkeit und Authentizität in den unterhaltsamen Krimi. Das Privatleben aller Beteiligten wird umfassend mit einbezogen, verpackt in humorvollen Dialogen. Schließlich passen alle Puzzleteile schlüssig ineinander.
Ein Krimi mit hohem Unterhaltungswert!a 4/5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.08.2026

Ein tierisches Märchen - gedacht für Erwachsene

Das Mondscheincafé
0

Die diversen Szenerien spielen in Kyoto, z.B. am Flussufer mit dem Mondscheincafé in Vollmondnächten um Mitternacht. In diesem Ambiente treffen mehrere Ich-Erzähler:innen – zunächst die erfolgreiche Drehbuchautorin ...

Die diversen Szenerien spielen in Kyoto, z.B. am Flussufer mit dem Mondscheincafé in Vollmondnächten um Mitternacht. In diesem Ambiente treffen mehrere Ich-Erzähler:innen – zunächst die erfolgreiche Drehbuchautorin in der Krise Mizuki Serikawa – auf Katzengesellen, die sich auch ab und zu in Menschen verwandeln. Nicht nur Ihr werden Lebensweisheiten verknüpft mit westlicher Astrologie, das jeweilige Geburtshoroskop und süße Leckereien angeboten, von sprechenden Katzen von zwei Meter Größe.
Japanische Lebens- und Umgangsformen, besonders Respekt voreinander betonend, wiederholen sich. Der Schreibstil kommt etwas unbeholfen und ungewohnt steif daher.
Phantasievolle Geschichten!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere