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Veröffentlicht am 12.03.2026

Eine spannende Osterwoche in Neapel

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Das Cover täuscht idyllische, ruhige Feiertage am Wasser vor, einladend mit maritimem Flair. Doch die zwei Hauptfiguren Commissario Salvo Gaetano und seine junge Kollegin, die Fischerstochter Beppa Belucci ...

Das Cover täuscht idyllische, ruhige Feiertage am Wasser vor, einladend mit maritimem Flair. Doch die zwei Hauptfiguren Commissario Salvo Gaetano und seine junge Kollegin, die Fischerstochter Beppa Belucci holen eine Wasserleiche aus dem Hafenbecken mit zu klärender, komplexer Hintergrundgeschichte, ob Unfall oder Mord. Im weiteren Verlauf spielt die Firma Spiraform, Hersteller von Premium-Algenprodukten, als größter Arbeitgeber der Stadt Neapel eine wichtige Rolle. Mindestens zwei seiner Mitarbeiter sind in dunkle Machenschaften verwickelt. Die traditionellen Osterfeiertage mit ihren Prozessionen im Verkehrschaos, mit seinen vielen kulinarischen Köstlichkeiten bilden den Rahmen für eine hartnäckige, sehr verwinkelte Ermittlungsarbeit. Sowohl der Kommissar als auch seine übereifrige und engagierte Kollegin setzen sich auch mit familiären Themen auseinander, was ihnen einen sympathischen Touch gibt. Die zahlreichen Nebendarsteller und italienischen Begriffe erschweren das Verfolgen der Handlung mit vielen Nebenschauplätzen. Thematisiert werden auch der Scirocco mit seinen Auswirkungen auf Wind, Wellen und Fischerei, sowie Produkt-Fälscherei mit Algen und die ehemalige Korallenverarbeitung in Torre del Greco bei Neapel.
Insgesamt ein interessanter, atmosphärischer Krimi. 3,5*

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Gelungene Neuorientierung im Leben von Erwachsenen mit Sinnkrise

Einatmen. Ausatmen.
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Das Blumencover im blühenden wilde-Wiese-Stil passt nicht optimal zum Brandenburger Schlossambiente mit gepflegter Yogawiese für zehn hochkarätige Teilnehmer des dortigen Achtsamkeitstrainings. Hauptfigur ...

Das Blumencover im blühenden wilde-Wiese-Stil passt nicht optimal zum Brandenburger Schlossambiente mit gepflegter Yogawiese für zehn hochkarätige Teilnehmer des dortigen Achtsamkeitstrainings. Hauptfigur Marlene Buchholz, 35 Jahre alt, weilt dort in Ermangelung menschlicher Führungsqualitäten für 14 Tage unter Anleitung des berühmten Alex Grow. Ihr kerniger, direkter Dialogstil bekräftigt ihre knallharte Arbeitshaltung sich selbst und ihren Mitarbeitern gegenüber. Doch zu sehr konstruiert und unrealistisch wirkt die zu schnelle Wandlung der Soziopathin Marlene nach Ankunft im Schloss, hervorgerufen durch die Bekanntschaft mit verletztem, gefährlichem Wildschein im angrenzenden dunklen Wald und mit schüchternem Hausmeister, sowie ihre offene Rückbesinnung auf verdrängte Emotionen hinsichtlich von tot geschwiegenen Russen-Vergewaltigungen an der Großmutter auf deren Flucht im 2. Weltkrieg. Neben der bisher gefühlsresistenten, schwierigen Spitzenmanagerin Marlene macht der von Schlafproblemen und Panikattacken gepeinigte Coaching-Guru Alex einen sehr zerbrechlichen Eindruck, sind die Ertragszahlen doch stark rückläufig und seine Paarbeziehungen bisher bedrückend. Thematisiert werden neben Beziehungsproblemen, seiner verlogenen Performance und gewissen Zukunftängsten auch der Kult der Selbstoptimierung und ihre Vermarktung, teilweise psychologisch beleuchtet. Die unterhaltsame Geschichte zeigt schließlich diese zwei menschlich gereiften Hauptfiguren in optimistischem Licht bei offenem Ende. 3,5*

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Ein aufrüttelnder autobiografischer Roman

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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In der Ich-Form beschreibt die Hauptfigur Lale den Lebensweg seit ihrer Geburt bis zu ihrer ersten Entbindung. Während ihre Mutter drogenabhängig ist, sitzt ihr Vater wegen versuchten Bankraubs im Gefängnis. ...

In der Ich-Form beschreibt die Hauptfigur Lale den Lebensweg seit ihrer Geburt bis zu ihrer ersten Entbindung. Während ihre Mutter drogenabhängig ist, sitzt ihr Vater wegen versuchten Bankraubs im Gefängnis. Im Westberliner Ambiente der 80-er Jahre inmitten links-politischer Ideologie wächst Lale als Pflegekind auf, in einer Männer-WG durchseucht von Drogen, Alkohol und Sex. Mit dem dortigen Einzug ihres Vaters geht es zusammen für sechs Monate nach Nicaragua zwecks Unterstützung eines Schulbaus oder um Parolen und Aktionen der Bewegung 2. Juni. Verständlich, dass Lale mehr strukturierten Halt besonders in der Grundschule findet. Ihre Suche nach Geborgenheit, Liebe und Sicherheit verläuft besonders während ihrer Pubertät und Volljährigkeit nicht sehr erfolgreich, greift sie doch selbst auch zu Alkohol und Drogen, bricht ständig Projekte ab und ist vorbestraft. Der Schreibstil gibt die Schutzlosigkeit des Kindes bis ins Erwachsenenalter nüchtern wieder, was nicht angenehm zu lesen ist. Ihr Leben voller Vernachlässigung auf der Verliererspur könnte auch als Appell an unsere Gesellschaft empfunden werden, auch wenn das Jugendamt, Hausbewohner und einige Freundinnen in der WG versuchen, sich zu kümmern. Im Buchtitel schwingt wohl eine Übung der Qi-Gong-Lehre mit.
Kein leichter Lesestoff, berührend, tragisch!

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Mehr als nur eine Art früher „Bauer sucht Frau“-Nummer

Moosland
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Ein spannendes Kapitel deutsch-isländischer Geschichte wird in diesem Roman einfühlsam dargelegt. In den ländlichen Regionen der Insel herrschte Frauenmangel, seit die boomende Fischindustrie in den Kriegsjahren ...

Ein spannendes Kapitel deutsch-isländischer Geschichte wird in diesem Roman einfühlsam dargelegt. In den ländlichen Regionen der Insel herrschte Frauenmangel, seit die boomende Fischindustrie in den Kriegsjahren vor allem junge Isländerinnen an die Ostküste gelockt hatte. Aber es gibt nicht nur gut bezahlte Arbeit in den Städten, es herrscht auch ein neuer Lebensstil durch die dortige Stationierung von Amerikanern während der Kriegsjahre bis 1944, den die junge Generation plötzlich in vollen Zügen genießen will, wie auch im Roman realistisch durch den Wegzug zweier Familienmitglieder beschrieben wird. Sehr gegensätzlich dazu herrschte im zerstörten, mit Flüchtlingen überfüllten Deutschland dagegen ein enormer Frauenüberschuss. Ein Beispiel für gelungene Integration erwächst aus der Anzeige: Island sucht Dienstmädchen für Landhaushalte. Monatslohn 500 Kronen, Kost und Logis frei. Bewerbungen an das Isländische Vizekonsulat in Lübeck. Postfach 455. Als diese Anzeige am 26. April 1949 in den “Lübecker Nachrichten” erschien, wussten Interessierte oft nichts über diese ferne Insel im Norden.
Die Autorin hat sich in ihrem Roman von realen Ereignissen auf einem isländischen Bauernhof inspirieren lassen wie z.B. den Schafabtrieb im Herbst, die Esskultur oder die Wildheit der Natur je nach Jahreszeit. Auch die Fremdheit der Sprache und der Bauernkultur mit ihren Traditionen findet Beachtung. Die Hauptfigur Elsa schafft sowohl ihre Integration, verändert mit ihrer Anwesenheit auch das Zusammenleben der Bauernfamilie und schließt mit ihrer tiefen Trauer um ihre verstorbene Freundin Sola ab. Der einfühlsame Schreibstil beschreibt diese positive Entwicklung Elsas in ruhiger, taktvoller Art.
Eine berührende Reise in die Vergangenheit

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Über 2. Chancen in der Liebe

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Das Cover mit einem jungen Paar, jeder auf seinem verschlungenen Regenbogen wie auf farbigen Zeitschienen sitzend, mit Blick zurück in ihre Vergangenheit – dieses Bild umreißt den Buchinhalt treffend. ...

Das Cover mit einem jungen Paar, jeder auf seinem verschlungenen Regenbogen wie auf farbigen Zeitschienen sitzend, mit Blick zurück in ihre Vergangenheit – dieses Bild umreißt den Buchinhalt treffend. Nach langjähriger Ehe kommt es zwischen den zwei sympathischen Hauptfiguren Adam und Jules Hole zu häufigen Alltagsstreitereien, über Geldsorgen und eigene verpasste berufliche Lebensträume, auch mit Sorgen über die zwei schon erwachsenen Kinder. In diese verbitterte Familienatmosphäre bringt das zufällige Abspielen alter Mixtapes von einst geliebten Songs ab 1989 im alten Ghettoblaster die Möglichkeit einer Zeitreise zu ihrem jüngeren Ich, ähnlich den Möglichkeiten wie in „Zurück in die Zukunft“. Aus beider Perspektive erzählt, bleiben sie jedoch nicht nur Beobachter ihrer Vergangenheit, sondern nehmen auch Veränderungen mit Auswirkungen auf ihre Gegenwart vor, was das familiäre Umfeld und ihre Ehe nicht nur beflügelt. Wichtige glückliche Momente, untermalt durch Klänge ihrer Lieblingssongs, lassen bei mehreren solcher Zeitreisen besonders das frühere Familien- und Arbeitsleben neben der Freizeit lebendig werden. In diese beglückende Wende in ihrer Ehe schleichen sich jedoch zunehmend tiefgründige Zweifel vor allem hinsichtlich Ehrlichkeit und Treue gegenüber dem Ehepartner. Schließlich gefällt neben der Spotify-Playlist auch der Aufruf zu mehr Kommunikation, Loyalität und Aufmerksamkeit, um eine langjährige Ehe im Alltag zu verbessern.
„Glück ist, wenn man lernt das zu lieben, was man hat.“

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