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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2026

Ein schwer verdaulicher Roman!

Ein unheimlich guter Mensch
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Die Szenerie spielt hauptsächlich in Boston. Die Ich-Erzählerin Lillian O’Malley sieht sich seit ihrer Kindheit als Außenseiterin. Sie wirkt aggressiv nicht nur in den sozialen Medien, destruktiv, sehr ...

Die Szenerie spielt hauptsächlich in Boston. Die Ich-Erzählerin Lillian O’Malley sieht sich seit ihrer Kindheit als Außenseiterin. Sie wirkt aggressiv nicht nur in den sozialen Medien, destruktiv, sehr Ich-bezogen. Mit 29 Jahren langjährig im Marketing arbeitend, erzählt sie zwischen ihrer Arbeitswelt und Privatsphäre wechselnd detailliert über ihr Sexleben, kinky und voller Spaß, teilweise im vulgären Schreibstil. Sexuell machen die Typen mit mir alles, was man sich nur vorstellen kann – aber sie binden sich nicht an mich.
Henry Davis, ihr Sexpartner, zeigt gewissen Rassismus und auch Gewalttätigkeit beim Sex, wie auch seine langjährige Freundin Nora bestätigt. Sich verantwortungsvoll und treu zu binden in einer Ehe, liegt ihm wohl nicht am Herzen, wie sich nach seinem Tod herausstellt.
Die dritte Figur Nora mit ihrem öffentlichen Profil schlachtet den Tod ihres Freundes medial aus und profitiert von den vielen neuen Followern. Die Trauer beider Frauen um Henry ist gekünstelt, beide erhoffen sich mehr Aufmerksamkeit in ihrer Ich-Bezogenheit. Lillians Rache- und Schuldgefühle rund um den ausgesprochenen Schadenzauber wirken kindisch, denn solche magischen Fähigkeiten gibt es nicht. Hier wirkt Lillian naiv und unrealistisch.
Gesellschaftskritisch werden die Beziehungen zwischen diesen Personen gesehen. Nora verkauft Henrys Tod und Lillians Sex-Beziehung, um Aufmerksamkeit zu bekommen, um die schlimmsten Traumata wie Trauer online zur Schau zu stellen, um sich als etwas Besonderes und weniger alleine zu fühlen. Und Lillian empfindet genauso. Die schrägen sozialen Verfehlungen aller Beteiligten mit angedeutetem Mobbing, unehrlichem bisexuellem Verhalten, Alkoholismus und so viel Selbstbezogenheit machen den Roman schwer verdaulich. Einige ehrliche Geständnisse der jungen Frauen sorgen für mehr Tiefe und scheinbarer Annäherung. Die Nebenfiguren wie die Therapeutin Dr. Cohen, der Anwalt Hector, die einzige Freundin Jamie oder auch Lillians Mutter erreichen keine befriedigende, vertrauliche Zusammenarbeit mit Lillian.
Eine gut charakterisierte Soziopatin!

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Kreative Idee mit wildem Genre-Mix

If Books Could Kill
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Die Hauptcharaktere Roxie, eine sympathische junge Frau, süchtige Buchklubleserin von Liebesromanen, wünscht sich eine Heldenrolle im nächsten Roman ihrer Lieblingsautorin, die sich jedoch unerwartet ...

Die Hauptcharaktere Roxie, eine sympathische junge Frau, süchtige Buchklubleserin von Liebesromanen, wünscht sich eine Heldenrolle im nächsten Roman ihrer Lieblingsautorin, die sich jedoch unerwartet für das Genre von Krimis entscheidet in ihrem folgenden Werk.
Die lebende Künstlerstatue mit zwei Hüten und Glitter in der Tasche, ihr Wunscherfüller, entpuppt sich rätselhafte, fast märchenhafte Figur.
Zwischen der Protagonistin Roxie und ihrem Love Interest Grant, unfreiwillig mit gefangen in dem Thriller, entwickelt sich auch eine mit Zweifeln und Problemen behaftete Romanze, in humorvollem, witzigen Dialogen effektvoll in Szene gesetzt. Der anfangs besserwisserische, belesene, ängstliche Hilfsprofessor für Literatur Grant entwickelt auch Verteidigungsstrategien für ihre erfolgreichen Einsätze als gutes Ermittlerduo, wird zum Zorro von New England.
Warum sich die Nebenfigur Lesley auch Banksy nennt, bleibt offen, ebenso die Erwähnung des Trolley-Problems und ihre Bewandtnis in diesem Teil des Romans.
Der flotte, witzige Schreibstil mit kreativen Neuschöpfungen von Wörtern mag vielleicht stärker jüngere Leser begeistern. Inhaltlich fehlt in diesem unterhaltsamen und kurzweiligen Roman Tiefgang und Spannung.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Ein äußerst spannender Plot.

Weil sie lügt
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In vier Teilen geht es zunächst um das mysteriöse Verschwinden der jungen Juli Brunner vor etlichen Monaten, mit dem Vater seither in Untersuchungshaft und den weiteren Familienmitgliedern nicht nur psychisch ...

In vier Teilen geht es zunächst um das mysteriöse Verschwinden der jungen Juli Brunner vor etlichen Monaten, mit dem Vater seither in Untersuchungshaft und den weiteren Familienmitgliedern nicht nur psychisch stark angeschlagen. Ihre jüngere Schwester Anna Brunner, Anfang Zwanzig, entpuppt sich als starke Persönlichkeit. Sowohl in ihrer wichtigen Rolle als rührige, einfühlsame Ersatzmutter für ihren achtjährigen Bruder Leon glänzt sie, auch für ihre psychisch derangierte Mutter fühlt sie sich verantwortlich. Schließlich unternimmt sie teils gefährliche Aufklärungsversuche hinsichtlich ihrer vermissten Schwester Juli. Daraus entwickelt sich eine berührende, sowie beklemmende Atmosphäre, die weitere Fragezeichen und manchen Cliffhanger offeriert. Mit der Aufklärung dieses Familiendramas scheint nicht nur die Hauptfigur Anna überfordert zu sein, sondern auch die Kriminalpolizei mit Katharina Engels und ihrem Team. Neben der Verschleierung eigener Geheimnisse, Schuldgefühlen und erfolgloser Suche nach Motiven und Beweisen geraten sie in weitere Fälle zum Miträtseln. Annas und Katharinas Perspektiven auf unerwartete Wendungen wechseln sich unregelmäßig ab bis zur schlüssigen, überraschenden Auflösung.
Eine gelungene Mischung aus zwischenmenschlichen Konflikten über den familiären Rahmen hinaus und wenig Blut versprühenden Kriminalfällen.

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Ein sehr kritischer Gesellschaftsroman über Machtgefüge und Abhängigkeiten

Die Liebeshungrigen
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In zwei Kapiteln geht es um Männer und dem Verlust ihrer verschiedenen Machtpositionen, sei es zunächst mit dem Ex- Präsidenten Dan Lehman in seiner schwindenden Welt der Politik in Paris und ebenso in ...

In zwei Kapiteln geht es um Männer und dem Verlust ihrer verschiedenen Machtpositionen, sei es zunächst mit dem Ex- Präsidenten Dan Lehman in seiner schwindenden Welt der Politik in Paris und ebenso in der Welt des Films mit dem Regisseur Romain Nizan und dem Medienzirkus rund um die Verleihung der Goldenen Palme in Cannes anlässlich des jährlichen Filmfestivals. Analysiert wird deren Leben im schwindenden Rampenlicht, dennoch weiterhin auf der Suche nach Anerkennung und Zuneigung in der Öffentlichkeit und in ihrem persönlichen Umfeld.
Dan, auch mit der Verkaufsrate seines Buches wenig erfolgreich, verfällt zunehmend dem Alkohol und in Selbstmitleid, während seine zwischenmenschlichen Beziehungen zur Familie zerfallen. Seine Ehefrauen Marianne & Hilda sind als Buchautorin bzw. als Schauspielerin erfolgreich. Aus unterschiedlichen Perspektiven wird besonders sein Umgang mit Medien, gesellschaftlichem Druck und der Einsamkeit in Paris beleuchtet.
Im zweiten Teil in der Welt des Films steht vor allem der Regisseur Romain Nizan mit seiner negativen Einstellung Frauen gegenüber im Kreuzfeuer. Beleuchtet werden die Me-too-Bewegung und die krassen sexuellen Abhängigkeiten im Glanz von Preisverleihungen wie der Trophäe für beste schauspielerische Leistungen wie hier für Hilde. Der übergriffige Romain in seiner extrem Frauen verachtenden Art erliegt ebenso der medialen Macht, hier dank der Frauenbewegung.
Zwar sind Frauen beruflich erfolgreich, schön, selbstbewusst und freiheitsliebend, lässt sie jedoch auf ihrer Suche nach inniger, partnerschaftlicher Beziehung und Liebe ebenso einsam suchend zurück wie Männer. Frustration spricht aus diesem französischen Gesellschaftsroman, ohne menschliche Wärme in den Charakteren außer der kindlichen, behinderten Anne, für die kein liebevoll beschützender Familienrahmen geboten wird.
Inhaltlich hätte das 1. Kapitel mit Dan gerne etwas gestrafft werden können, der Sprachstil im 2. Teil wirkt teilweise vulgär. Zu viele wichtige gesellschaftliche Themen wurden nur angerissen. Ansonsten ein wichtiger Roman, der der mondänen und elitären Gesellschaft harsche Kritik entgegen bringt.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Johannes Kunckel und seine Gold-Rubin-Pokale aus Glas

Träume aus Feuer
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Dieses Sachbuch über 144 Seiten beschreibt nur eine kurze Periode im Leben des Geheimen Kammerdieners Johannes Kunckel , der als Alchemist unter dem Großen Kurfürsten Brandenburgs eigentlich Gold herstellen ...

Dieses Sachbuch über 144 Seiten beschreibt nur eine kurze Periode im Leben des Geheimen Kammerdieners Johannes Kunckel , der als Alchemist unter dem Großen Kurfürsten Brandenburgs eigentlich Gold herstellen sollte. Von 1685 bis 1689 experimentierte er auf der Pfaueninsel an der Havel bei Potsdam in einem Laboratorium, um wie die berühmten Glasmacher aus Murano z.B. Rubinglas und Glas-Corallen in hoher Stückzahl herzustellen. Auch werden die Arbeits- und Lebensbedingungen seiner auserwählten Mitarbeiter inmitten einer von Neid und Verrat behafteten Umgebung geschildert. Weitere wichtige historische Fakten wie z.B. das Toleranzedikt gegenüber den Hugenotten oder die Herausgabe von Kunckels Buch »Ars Vitraria« über die Glasmacherkunst, quasi als praktischen Ratgeber in deutscher Sprache, fallen in diese barocke Epoche. Insgesamt erstrahlt die Person Johannes Kunckel (1630-1703) als Chemiker, Apotheker, oder Glasmacher hier besonders durch die Herstellung von Gold-Rubin-Pokalen.
Der Schreibstil hält den Zeitgeist und auch die bedrückende Atmosphäre am Hof sowie an den Schmelzöfen detailliert fest.

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