Diese Liebesgeschichte wirkt sehr überzeugend.
Nebelhorn-EchosÜber drei Zeitzonen erstreckt sich diese queere Liebesgeschichte: 2003 sind Hussam und Wassim 15-jährige Nachbarsjungen in Damaskus, die ihre nicht erlaubte Sexualität entdecken. 2014 lebt Hussam in Vancover ...
Über drei Zeitzonen erstreckt sich diese queere Liebesgeschichte: 2003 sind Hussam und Wassim 15-jährige Nachbarsjungen in Damaskus, die ihre nicht erlaubte Sexualität entdecken. 2014 lebt Hussam in Vancover seine sexuelle Freiheit aus, jedoch verfolgt von seiner traumatisierten Vergangenheit. Währenddessen verbleibt Wassim in Damaskus, versteckt sich in geisterhaftem Haus, immer fluchtbereit vor gesellschaftlichen wie politischen Zwängen während des syrischen Bürgerkriegs. Deren erneuter Kontakt in 2017 überrascht mit offenem Ende.
Ist der Erzählstil um Hussam in Vancover lebendiger, offener durch die Beschreibung des freieren und luxuriöseren Lebensstils mit Club- und Partyszenerien voller Drogen, wirkt der Schreibstil, das Leben von Wassim und Kalilas Geist in Damaskus beschreibend, eher melancholisch, schwermütig, verzweifelt. Einblicke in die stark beschnittene weibliche Gesellschaft werden nicht moralisierend dargestellt. Themen wie die Schrecken des Krieges und die zweifelhafte Politik Syriens werden nur angerissen.
Der Buchtitel Nebelhörner-Echos stellt eine passende Metapher dar für die Sicherheit und Geborgenheit suchenden Hauptfiguren, die wie Schiffe die rettende Hafeneinfahrt bei dichtem Nebel suchen.